Netzparität: Ab wann sich der Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt

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Photovoltaische Solaranlagen zur Stromerzeugung kosten nur noch einen Bruchteil der noch vor wenigen Jahren horrenden Preise. Die sogenannte Netzparität ist damit erreicht: Der Strom vom Dach kostet Endverbraucher weniger als der gekaufte.

Solar, Netzparität, Foto: Horst Schmidt/fotolia.com
Netzparität: Solarstrom vom Dach ist nicht mehr teurer als der Strom vom Versorger. Foto: Horst Schmidt/fotolia.com Foto: Horst Schmidt/fotolia.com

Weil die Preise für Solaranlagen innerhalb weniger Jahre drastisch gefallen und gleichzeitig die Preise für Strom vom Versorger in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen sind, kostet der selbst erzeugte Strom vom Dach für den Endverbraucher heute nur noch rund die Hälfte von dem, was beim Versorger zu zahlen wäre. Die sogenannte Netzparität ist damit Realität.

Netzparität bedeutet, dass die Kosten für Strom aus erneuerbaren Energiequellen genauso hoch oder niedriger sind als die Kosten für herkömmlichen Strom. Für den Betreiber einer Photovoltaikanlage bedeutet das, dass sein eigener Strom günstiger ist als der vom Energieunternehmen. Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Investitionskosten der Photovoltaikanlage
  • Einspeisevergütung und Menge des eingespeisten Stromes
  • Stromkosten des jeweiligen Stromversorgers

Oftmals wird die Höhe der Einspeisevergütung mit den Strompreisen verglichen um zu ermitteln, ob die Netzparität erreicht ist. Doch da die Höhe der Einspeisevergütung nichts mit den Kosten einer Photovoltaikanlage zu tun hat, läuft diese Rechnung ins Leere.

Gewinnmargen und Netzkosten in den Strompreisen

Den Endverbraucher interessiert weniger, wie viel eine Kilowattstunde Strom in der Herstellung kostet, sondern vielmehr, wie viel er dafür an den Versorger zahlen muss. Denn neben den Herstellungskosten stecken im Strompreis für den Endverbraucher auch Gewinnmargen, Netzkosten, eine Konzessionsabgabe sowie verschiedene Steuern und Umlagen. Während konventionell erzeugter Strom in der Herstellung meist nur wenige Cent pro Kilowattstunde kostet, summiert sich der Endverbraucherpreis heute oft schon auf 30 Cent oder mehr pro Kilowattstunde. Der Solarstrom dagegen kostet laut einer Studie des Fraunhofer Instituts vom November 2013 etwa 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde. Aktuell dürfte dieser Wert noch weiter gefallen sein.

Einspeisevergütung sinkt

Die Einspeisevergütung, die jeder Solaranlagen-Betreiber für das Einspeisen seines Stroms ins allgemeine Stromnetz erhält, ist innerhalb weniger Jahre dramatisch gesunken. Für 2004 in Betrieb gegangene Anlagen werden stolze 57,4 Cent je Kilowattstunde vergütet, die für 20 Jahre garantiert werden. Für zwischen dem 1. und dem 30. April 2012 ans Netz gegangene Anlagen gibt es nur noch 19,50 Cent. Anlagen, die im März 2015 ans Netz gingen, werden im Förderzeitraum mit rund 12,5 Cent je Kilowattstunde vergütet.

Mit der Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde festgelegt, dass die Vergütung für neu ans Netz gegangene Anlagen künftig jeden Monat sinkt. Dabei gilt: Je mehr Anlagen in den Vormonaten ans Netz gingen, desto stärker sinkt die Vergütung für neue Anlagen. Da die Zahl der neu installierten Anlagen infolge der drastisch gesunkenen Einspeisevergütung deutlich rückläufig ist, sinkt die Einspeisevergütung für neue Anlagen derzeit nur um 0,25 Prozent pro Monat.

Teilweiser Eigenverbrauch sinnvoll

Mit der Neuregelung der Einspeisevergütung zum 1. April 2012 wurde auch ein Paradigmenwechsel hinsichtlich des Eigenverbrauchs vollzogen. Bis dahin erhielten Solaranlagenbetreiber eine zusätzliche Vergütung für den selbst verbrauchten Solarstrom. Seit diesem Stichtag gibt es diese Vergütung nicht mehr und Betreiber größerer Anlagen mit mehr als 10 Kilowatt Leistung müssen zehn Prozent des erzeugten Stroms selbst verbrauchen oder anderweitig vermarkten. Typische Dachanlagen auf Einfamilienhäusern betrifft das aber selten: sie haben in der Regel eine geringere Kapazität.

Strom speichern für den Eigenverbrauch

Ein wesentliches Problem besteht beim Selbstverbrauch allerdings: Solarstrom wird nicht immer dann erzeugt, wenn er benötigt wird, sondern nur, wenn die Sonne scheint. Und das Speichern des Stroms ist keine ganz billige Angelegenheit: es werden große Batterien benötigt, die einen vier- oder fünfstelligen Betrag kosten können. Durch die höheren Investitionskosten ist natürlich auch die Netzparität zu einem späteren Zeitpunkt erreicht.

Ohne Speichermöglichkeit ist der Selbstverbrauch auf höchstens 20 bis 30 Prozent beschränkt. Der Rest muss eingespeist werden oder geht verloren, da eine typische Einfamilienhaus-Solaranlage bei strahlendem Sonnenschein in der Regel viel mehr Strom produziert als zu diesem Zeitpunkt gebraucht wird, bei schlechtem Wetter oder nachts hingegen wenig bis gar nichts.

Allerdings erwarten Experten, dass Speichertechnologien – als Folge des erwarteten Elektroautobooms – in Zukunft in großer Stückzahl produziert und damit billiger werden. Laut des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. seien die Speicherpreise im Jahr 2014 bereits um rund 25 Prozent gesunken. Zudem kann man den Eigenverbrauchsanteil seines Stromverbrauchs auch selbst beeinflussen: So sollten Energie fressende Geräte wie Waschmaschinen und Trockner immer dann betrieben werden, wenn die Solaranlage auf dem Dach gerade ein Sonnenbad nimmt.

Übrigens: Sobald deutschlandweit eine Solar-Gesamtkapazität von 52 Gigawatt erreicht sein wird, will die Bundesregierung die Einspeisevergütung komplett abschaffen. Photovoltaik würde sich für den Eigenheim-Besitzer nur noch dann lohnen, wenn der Strom selbst verbraucht wird. Speichertechnologie wird in Zukunft deshalb immer wichtiger. Denn Experten schätzen, dass die Kapazitätsgrenze schon in einigen Jahren erreicht sein könnte.


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