Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis – welcher der richtige ist

Seit einiger Zeit ist der Energieausweis Pflicht. Eigentümer müssen sich seitdem aber auch entscheiden, ob sie einen Verbrauchsausweis oder einen Bedarfsausweis erstellen lassen. Worin der Unterschied besteht und welcher Ausweis wann der Beste ist – ein Ratgeber.

Bedarfsausweis, Energieausweis, Verbrauchsausweis, EnEV, Foto: Coleures.pic/fotolia.com
Für die meisten Immobilien gilt: Der Verbrauchsausweis oder der Bedarfsausweis ist Pflicht. Foto: Coleures.pic/fotolia.com

Eigentümer, die ihre Immobilie vermieten oder verkaufen wollen, müssen– von wenigen Ausnahmen abgesehen – für ihre Gebäude einen Energieausweis ausstellen lassen.  Dabei müssen sie sich zwischen zwei Varianten entscheiden.

Zwei Arten von Energieausweisen – die Unterschiede

Grundsätzlich unterschieden wird zwischen bedarfsorientiertem und verbrauchsorientiertem Energieausweis.

Der Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis orientiert sich an den tatsächlichen Verbrauchsdaten der Vergangenheit. Er wird aus den Daten von mindestens drei Abrechnungsperioden für alle Wohneinheiten des Gebäudes ermittelt – es gibt also keinen Energieausweis für einzelne Wohnungen, sondern nur einen für das ganze Haus.

Bei der Berechnung des Verbrauchskennwertes im Energieausweis müssen länger andauernde Leerstände ebenso berücksichtigt werden wie die lokalen Witterungsverhältnisse für die einzelnen Abrechnungsperioden. Letzteres ist nötig, da ein besonders milder Winter ansonsten einen besseren energetischen Zustand des Hauses vorspiegeln könnte, ein besonders harter umgekehrt einen schlechteren Dämmzustand. Dies erfolgt durch die rechnerische Einbeziehung des so genannten Klimafaktors.

Grundsätzlich gilt: Der Verbrauchsausweis ist generell zulässig für Mehrfamilienhäuser mit mindestens fünf Wohneinheiten sowie sämtliche Wohnhäuser, die schon die Wärmeschutzverordnung von 1977 einhalten. Demzufolge ist für ältere unsanierte Häuser mit höchstens vier Wohneinheiten der Verbrauchsausweis nicht zulässig – hier ist ein Bedarfsausweis erforderlich.

Energieausweis, Bedarfsausweis, Quelle: bmwi
Der Bedarfsausweis. Quelle: bmwi
Energieausweis, Verbrauchsausweis, Quelle: bmwi
Der Verbrauchsausweis. Quelle: bmwi

Der Bedarfsausweis

Beim Bedarfsausweis wird der theoretische Energiebedarf eines Gebäudes durch ein technisches Gutachten ermittelt. Der Beurteilung liegen alleine bauliche Aspekte wie Heizungsanlage, Qualität der Fenster oder Dämmung zugrunde.

Der bedarfsorientierte Ausweis wird bei Neubauten obligatorisch ausgestellt. Ansonsten ist er nur verpflichtend für alle Gebäude, die noch nicht die Vorgaben der Wärmeschutzverordnung von 1977 einhalten und weniger als fünf Wohneinheiten haben. Bei Gebäuden mit mindestens fünf Wohneinheiten geht der Gesetzgeber davon aus, dass das unterschiedliche Verbrauchsverhalten zahlreicher Bewohner sich gegenseitig nivelliert und ein Verbrauchsausweis demzufolge ausreichend ist.

Der Bedarfsausweis enthält sowohl einen  Wert zum Endenergiebedarf als auch einen zum Primärenergiebedarf. Ist letzterer Wert höher als der Endenergiebedarf, ist von einer Beheizung mit einem weniger umweltfreundlichen Energieträger auszugehen. Der Verbrauchsausweis enthält statt der Angabe zum Endenergiebedarf eine Zahl zum – tatsächlichen – Endenergieverbrauch.

Effizienzklassen im Energieausweis

Seit Inkrafttreten der EnEV 2014 erfolgt sowohl beim Bedarfs- als auch beim Verbrauchsausweis neben der Angabe des Energiekennwerts – angegeben in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – eine Einordnung in Energieeffizienzklassen. Diese ähnelt der bekannten Skala, die Verbraucher auch von Elektrogeräten kennen. Passivhäuser erhalten das grüne Label A+-Label, alte, ungedämmte Häuser im schlimmsten Fall das rote H-Label.

Energieausweis, Bedarfsausweis, Verbrauchsausweis, Farbskala, Quelle: bmwi
Der Primär- und Endenergiebedarf beim Bedarfsausweis. Quelle: bmwi
Energieausweis, Bedarfsausweis, Verbrauchsausweis, Farbskala, Quelle: bmwi
Der Primär- und Endenergieverbrauch beim Verbrauchsausweis. Quelle: bmwi

Kritik am Energieausweis

Beide Arten von Energieausweisen wollen dem künftigen Bewohner einer Wohnung Anhaltspunkte über seinen künftigen Verbrauch geben – zumindest bei einem üblichen Heizverhalten. Verbraucherschützer, Eigentümerverbände und Bauexperten sind sich aber weitgehend einig: Diesem Anspruch kann weder der Verbrauchs- noch der Bedarfsausweis vollumfänglich gerecht werden:

  1. Bereits die Begriffe Endenergie- und Primärenergiebedarf sowie Verbrauchskennwert sind Laien unbekannt und lassen ihn keine Rückschlüsse auf den zu erwartenden Verbrauch ziehen.
  2. Beim Bedarfsausweis beziehen sich die ausgewiesenen Werte auf eine gleichmäßige Normnutzung und nicht auf das Nutzungsverhalten von Bewohnern.
  3. Der Verbrauchsausweis gibt Aufschluss über das Heizverhalten der bisherigen Bewohner. Daraus kann nicht auf den Verbrauch in Bezug auf das eigene Heizverhalten geschlossen werden.
  4. Der Verbrauchausweis berücksichtigt auch nicht den höheren Verbrauch von schlecht gedämmten Erdgeschoss- oder Dachgeschosswohnungen in Mehrfamilienhäusern im Vergleich zu den besser geschützten „Sandwich“-Wohnungen.
  5. Zulässige vereinfachte Berechnungsmethoden verwässern die Ergebnisse. So ist es beim Verbrauchsausweis beispielsweise pauschal zulässig, die Wohnfläche eines Mehrfamilienhauses mit 1,2 zu multiplizieren, um vereinfacht die Nutzfläche zu ermitteln.

Verbrauchs- und Bedarfsausweis: die Kosten

Ein Verbrauchausweis kann auch online bestellt werden. Dabei sind Angaben zum Gebäude und zu den Verbrauchswerten der letzten drei Heizperioden erforderlich. Ein solcher Online-Energieausweis kostet meist weniger als 50 Euro.

Beim Bedarfsausweis untersucht ein Experte, der berechtig ist, einen Energieausweis auszustellen, die Immobilie. Ausstellungsberichtigte können zum Beispiel Architekten sein. Deshalb kostet ein solcher Ausweis in der Regel mehrere hundert Euro. Inzwischen gibt es aber auch Online-Anbieter, die einen solchen Ausweis anhand von detaillierten Angaben des Eigentümers wesentlich günstiger ausstellen. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass falsche oder ungenaue Angaben, die bei der Online-Eingabe der Daten gemacht werden, einen Bedarfsausweis ungültig machen können. Auch dann, wenn sie aufgrund von Unkenntnis gemacht wurden.

Ausweis-Pflicht und Bußgeldandrohung

Der Energieausweis gilt zehn Jahre lang, danach muss ein neuer angefertigt werden. Beim Verkauf oder bei einer Neuvermietung muss der Energieausweis vorgelegt werden, ansonsten drohen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro.

Ausnahmen von der Energieausweispflicht

Für nachfolgende Gebäude gibt es keine Energieausweis-Pflicht:

Die Angaben aus dem Energieausweis müssen bei kommerziellen Immobilieninseraten schon aus dem Inserat hervorgehen. Spätestens bei der Besichtigung muss der Ausweis dann tatsächlich vorgezeigt werden. Aus den Angaben im Inserat muss hervorgehen, um welche Art von Ausweis es sich handelt. Angaben zur Höhe des Energiebedarfs oder Energieverbrauchs, der verwendete Energieträger, Baujahr der Immobilie sowie bei nach dem 1. Mai 2014 ausgestellten Ausweisen die Energieeffizienzklasse des Hauses sind ebenso Pflicht.


14 Bewertungen
4.3 von 5 Sternen
5 Sterne
 
8
4 Sterne
 
2
3 Sterne
 
4
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Energieausweis Tipps für Mieter Tipps für Immobilienkäufer

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

EnEV-Irrtümer

Immobilieneigentümer müssen sich an die Regelungen der EnEV halten. Die drei hartnäckigsten Irrtümer. weiterlesen

Energieausweis lesen

So lesen Mieter den Energieausweis richtig. weiterlesen

Sanierung beim Hauskauf

Wer ein gebrauchtes Haus kauft, muss auch Geld in Sanierungen stecken. Diese Maßnahmen sind wirklich notwendig. weiterlesen

Neuen Kommentar schreiben