Kleinwindanlagen für Dach oder Garten
Große Windräder an Land und auf See sollen künftig einen erheblichen Teil der Stromversorgung garantieren. Doch auch Hausbesitzer können mit Kleinwindanlagen Strom erzeugen.
Frank Kemter
Nach dem beschlossenen Atomausstieg setzt die Bundesregierung massiv auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Schon heute liegt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bei rund 15 Prozent. Die Windkraft ist dabei für rund sechs Prozent des in Deutschland produzierten Stroms verantwortlich, wobei die Kosten derzeit wesentlich günstiger sind als beispielsweise bei der Fotovoltaik. Windräder werden jedoch nicht nur positiv betrachtet. Manche sprechen von einer Verspargelung der Landschaft und Menschen, die in der Nähe eines großen Windrads leben, beschweren sich bisweilen über Verschattungen oder Geräuschbelästigungen, die von den großen Windrädern ausgehen.
Kleinwindanlagen mit wenigen Metern Rotordurchmesser
Doch Windanlagen müssen nicht unbedingt riesig sein. Schon seit längerem bemühen sich einige Hersteller, so genannte Kleinwindanlagen am Markt zu etablieren. Kleinwindräder für einen typischen Einfamilienhaus-Garten haben Nennleistungen ab etwa 150 Watt. Wie viel Strom eine solche Kleinwindanlage aber tatsächlich produziert, hängt jedoch im Wesentlichen vom Standort ab. Beim Kleinwindrad Flip 500, welches bei einer Windgeschwindigkeit von 13 Metern pro Sekunde eine maximale Leistung von 500 Watt erreicht, kann man Herstellerangaben zufolge mit einem jährlichen Ertrag zwischen 250 und 750 Kilowattstunden rechnen. Geht man von einem Strompreis von 24 Cent je Kilowattstunde aus, beläuft sich das Sparpotential also auf 60 bis 180 Euro im Jahr. Demzufolge dauert es entsprechend lange, bis sich die gut 3.000 Euro, die ein solches Kleinwindrad inklusive Zubehör kostet, amortisiert haben.
Oft ist eine Baugenehmigung fürs Kleinwindrad erforderlich
Montieren lassen sich Kleinwindräder im Garten auf einem Mast oder unter Umständen auch direkt am Hausdach. In diesem Fall sollte aber bedacht werden, dass auch kleinere Windräder schon Vibrationen und Geräusche verursachen können. Zudem ist es nicht erlaubt, überall ein Kleinwindrad zu montieren. Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit von Kleinwindkraftanlagen regelt ein Erlass des Innenministeriums aus dem Jahr 2010. Demnach gelten Anlagen mit einer Gesamthöhe bis zu 30 Metern als Kleinwindräder - doch solche Größen sind für den Hausgebrauch eindeutig überdimensioniert, realistisch sind Höhen von bis zu zehn Metern. Im Bebauungsplan kann die Zulässigkeit eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Maxime ist, dass das Orts- oder Landschaftsbild durch solche Anlagen nicht beeinträchtigt werden soll, zudem sollen Anwohner nicht belästigt werden. In der Praxis werden diese sehr allgemein gehaltenen Regelungen je nach Bundesland und Kommune sehr unterschiedlich gehandhabt. In manchen Bundesländern sind Kleinwindräder mit einer Höhe von bis zu zehn Metern genehmigungsfrei, in anderen ist selbst ein Mini-Windrad genehmigungspflichtig. Das Verwaltungsgericht Osnabrück wies unlängst die Klage eines Bauherren ab, der eine Kleinwindanlage errichten wollte. In reinen Wohngebieten können Kleinwindanlagen nur dann zulässig sein, wenn sie den Eigenarten des Gebietes nicht widersprechen, so die Richter. Im verhandelten Fall wäre das Windrad von anderen Grundstücken aus deutlich wahrnehmbar gewesen, weshalb das Gericht die Klage auf einen positiven Bauvorbescheid abwies (Az.: 2 A 117/10).
Der Nachteil, den Kleinwindanlagen gegenüber Solaranlagen derzeit haben, ist die deutlich niedrigere Förderung. Während die Netzeinspeisung mit garantierten Abnahmepreisen Fotovoltaik-Strom für Hausbesitzer rentabel macht, gelten für Kleinwindanlagen derzeit die gleichen Sätze wie für die großen Windräder: rund neun Cent je Kilowattstunde. Wirtschaftlich lohnt sich damit das Einspeisen nicht.
Kleinwindräder als Inselanlagen
Jenseits reiner Rentabilitätsberechnungen kann eine Kleinwindanlage jedoch im Inselbetrieb sinnvoll sein. Von Inselbetrieb spricht man, wenn eine Hütte oder ein Ferienhaus nicht ans Stromnetz angeschlossen ist aber dennoch mit Strom versorgt werden soll. Dann bieten sich Kleinwindräder in Kombination mit Solarzellen plus leistungsfähige Akkus an, um eine dauerhafte Stromversorgung sicherzustellen.
