Solaranlage

Netzparität: Ab wann sich der Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt

Photovoltaische Solaranlagen zur Stromerzeugung werden immer billiger. Die sogenannte Netzparität wird 2012 oder 2013 erreicht: Der Strom vom Dach kostet Endverbraucher dann weniger als der gekaufte.

von Frank Kemter
Solar, Netzparität
Netzparität: Bald ist Solarstrom vom Dach nicht mehr teurer als der Strom vom Versorger. Foto: Fotolia

Hinweis: Die hier geschilderten Neuregelungen zur Solarförderung wurden Ende März vom Bundestag beschlossen und sollen (rückwirkend) zum 1. April in Kraft treten. Der Bundesrat hat der Neuregelung am 11. Mal allerdings die Zustimmung verweigert, sodass diese in den Vermittlungsausschuss gelangte. Insofern ist - abweichend von den nachfolgend aufgezeigten Förderbedingungen - noch mit Änderungen zu rechnen, die wir hier darstellen werden, sobald die endgültigen Änderungen in Kraft treten.

Solarstrom wird immer billiger: Die Preise für neue Solaranlagen sind inzwischen so weit gefallen, dass der selbst erzeugte Strom vom Dach für den Endverbraucher billiger ist als der Strom, den er von seinem Versorger bezieht. Die sogenannte Netzparität ist damit Realität.

Den Endverbraucher interessiert weniger, wie viel eine Kilowattstunde Strom in der Herstellung kostet - die sogenannten Gestehungskosten - sondern vielmehr, wie viel er dafür an den Versorger zahlen muss. Denn neben den Herstellungskosten stecken im Strompreis für den Endverbraucher auch Gewinnmargen, Netzkosten, eine Konzessionsabgabe sowie verschiedene Steuern und Umlagen. Während konventionell erzeugter Strom in der Herstellung oft nur fünf bis sieben Cent pro Kilowattstunde - manchmal sogar noch weniger - kostet, summiert sich der Endverbraucherpreis heute auf mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde.

Netzparität ist Realität

Netzparität bedeutet also nicht, dass Solarstrom günstiger in der Herstellung ist, als konventioneller Strom aus Kohle oder Gas, sondern nur, dass der Selbstverbrauch nicht mehr teurer ist als der Kauf des Stroms vom Versorger. Die Einspeisevergütung, die jeder Solaranlagen-Betreiber für das Einspeisen seines Stroms ins allgemeine Stromnetz erhält, ist innerhalb weniger Jahre dramatisch gesunken. Für 2004 in Betrieb gegangene Anlagen werden stolze 57,4 Cent je Kilowattstunde vergütet, die für 20 Jahre garantiert werden. Für zwischen dem 1. und dem 30. April 2012 ans Netz gegangene Anlagen gibt es nur noch 19,50 Cent. Mit der Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde festgelegt, dass die Vergütung für neu ans Netz gegangene Anlagen künftig jeden Monat um mindestens ein Prozent sinkt. Dabei gilt: Je mehr Anlagen ans Netz gehen, desto stärker sinkt die Vergütung für neue Anlagen, maximal um 2,8 Prozent monatlich.

Wer demgegenüber Strom vom örtlichen Versorger kauft und dabei den teuren, dafür aber binnen Monatsfrist kündbaren Grundversorgungstarif wählt, zahlt heute in vielen Regionen schon mehr als 25 Cent je Kilowattstunde, also mehr, als er für selbst erzeugten Solarstrom bekommen würde: Die Netzparität ist in diesem Fall erreicht. Freilich gibt es auch günstigere Tarife: So zahlt man bei manchen Anbietern oft nur 20 bis 22 Cent je Kilowattstunde. Dafür muss man sich aber häufig zwölf oder 24 Monate vertraglich binden. Doch auch der Vergleich Billiganbieter versus Solarstrom-Selbstverbrauch zeigt: die Netzparität ist erreicht.

Teilweiser Eigenverbrauch zwingend

Mit der Neuregelung der Einspeisevergütung zum 1. April 2012 wurde auch ein Paradigmenwechsel hinsichtlich des Eigenverbrauchs vollzogen. Denn der Betreiber einer kleinen für Einfamilienhäuser typischen Dachanlage darf nur noch 80 Prozent des erzeugten Stroms einspeisen, den Rest muss er selbst verbrauchen oder anderweitig vermarkten, sofern die Anlage nach diesem Stichtag ans Netz ging. Für ältere Anlagen gilt weiterhin, dass die Netzbetreiber verpflichtet sind, 100 Prozent des erzeugten Sonnenstroms abzunehmen und zu vergüten. Zeitweise gab es sogar die Regelung, dass der Netzbetreiber dem Solaranlagenbetreiber eine zusätzliche Vergütung für den selbst verbrauchten Strom zahlen musste.

Strom speichern für den Eigenverbrauch

Ein wesentliches Problem besteht beim Selbstverbrauch allerdings: Solarstrom wird nicht immer dann erzeugt, wenn er benötigt wird, sondern nur, wenn die Sonne scheint. Und das Speichern des Stroms ist keine ganz billige Angelegenheit: Es werden große Batterien benötigt, die schnell einen vierstelligen Betrag kosten können, was den Solarstrom-Preisvorteil schnell wieder ins Gegenteil verkehren würde. Ohne Speichermöglichkeit ist der Selbstverbrauch ansonsten auf etwa 20 bis 30 Prozent beschränkt. Der Rest muss eingespeist werden, da eine typische Einfamilienhaus-Solaranlage bei strahlendem Sonnenschein in der Regel viel mehr Strom produziert als zu diesem Zeitpunkt gebraucht wird, bei schlechtem Wetter oder nachts hingegen wenig bis gar nichts. Allerdings erwarten Experten, dass Speichertechnologien - als Folge des erwarteten Elektroautobooms - in Zukunft in großer Stückzahl produziert und damit billiger werden. Zudem kann man den Eigenverbrauchsanteil seines Stromverbrauchs auch selbst beeinflussen: So sollten Energie fressende Geräte wie Waschmaschinen und Trockner zum Beispiel immer dann betrieben werden, wenn die Solaranlage auf dem Dach gerade ein Sonnenbad nimmt.

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