Alternative zur Mietkaution: die Kautionsbürgschaft

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Wer eine neue Wohnung mietet, muss beim Einzug die Mietkaution zahlen. Diese kann bis zu drei Monatsmieten betragen. Kann der Mieter dieses Geld nicht aufbringen, ist die Kautionsbürgschaft eine Alternative – die aber auch Nachteile haben kann.

Kautionsbürgschaft, Mietkaution, Foto: Rido / fotolia.com
Wer die Kaution nicht aufbringne kann, für den ist die Kautionsbürgschaft eine Alternative. Foto: Rido / fotolia.com

Neue Einrichtung, Fahrtkosten zur neuen Wohnung, Laster für den Möbeltransport mieten: Ein Umzug kostet Geld. Zusätzlich dazu muss der Mieter dann noch die Mietkaution für die neue Bleibe berappen. Diese kann bis zu drei Monatsmieten betragen – und ist deswegen meistens vierstellig. 

Zwar kann der Mieter die Zahlung der Mietkaution in drei monatliche Raten aufteilen. Wer aber einen so hohen Betrag trotzdem nicht zahlen kann oder will, für den könnte eine Kautionsbürgschaft die Alternative sein. Als Bürgen kommen dabei nicht nur Familienmitglieder in Frage – auch Anbieter haben sich auf die sogenannte Kautionsbürgschaft spezialisiert.

Vermieter entscheidet, ob er Kautionsbürgschaft zulässt

Eine Kautionsbürgschaft ist aber nicht immer eine Alternative für den Mieter: Denn der Vermieter muss eine Kautionsbürgschaft auch akzeptieren. Ansonsten muss der Mieter die Mietkaution ganz normal in bar zahlen – oder eine andere Lösung mit dem Vermieter finden. „Vor allem in Großstädten haben Mieter zudem oft keine Wahl. Sie müssen die Sicherheit erbringen, die der Vermieter verlangt“, sagt Frank Maciejewski vom Berliner Mieterverein.

Kautionsbürgschaft: Was ist das?

Kautionsbürgschaft, Beziehung, Grafik: immowelt.de

Bei einer Kautionsbürgschaft schließen Mieter einen Vertrag mit einem Anbieter ab. Das kann auch eine Versicherung oder eine Bank sein. Diesem Anbieter zahlt der Mieter einen festen jährlichen Beitrag, der circa fünf Prozent der Barkaution beträgt. Durch diese regelmäßige Zahlung ist der Mieter gegenüber dem Vermieter abgesichert. Bei manchen Anbietern hat der Mieter noch zusätzliche Ausgaben, wie beispielsweise Anmelde- oder Bearbeitungsgebühren.

Der erste Jahresbetrag einer Kautionsbürgschaft wird in der Regel gleich nach Ausstellung der Bürgschaftsurkunde fällig. Dafür bekommt der Mieter eine Bürgschaftsurkunde, die er dann anstelle der Kaution seinem Vermieter übergeben kann. Macht der Vermieter später Ansprüche geltend, überprüft das bürgende Unternehmen die Forderungen und kommt gegebenenfalls dafür auf. Den fälligen Betrag reicht der Bürgschaftsanbieter jedoch an den Mieter weiter.

Mieter muss Forderungen vom Vermieter trotzdem zahlen

Grafik: immowelt.de

Auch wenn eine Kautionsbürgschaft oft von Versicherungen angeboten wird, besteht zu einer normalen Versicherung ein entscheidender Unterschied. Denn: Beansprucht der Vermieter die Kaution, geht der Bürgschaftsanbieter nur in Vorleistung. Das heißt, er bezahlt die Summe, die der Mieter dem Vermieter schuldet. Diesen Betrag muss der Mieter dem Anbieter allerdings wieder zurückzahlen.

Im Ernstfall zahlt der Mieter also doppelt: sowohl die Monatsbeiträge an den Bürgschaftsanbieter als im Schadensfall auch die Kosten des Vermieters.

Viele Unternehmen, die eine Kautionsbürgschaft anbieten, zahlen das Geld sofort an den Vermieter aus, sobald er eine Forderung stellt. Das ist sehr mieterunfreundlich – dieser hat so keine Möglichkeit Einwände vorzubringen. Andere Anbieter prüfen zunächst die Forderung des Vermieters und schreiben den Mieter dann an. Dieser hat dann oft bis zu 14 Tage Zeit, um das Gegenteil zu beweisen.

Mieter können Bürgschaft zurückgeben, aber nicht übertragen

Bei den meisten Anbietern kann der Mieter die Bürgschaftsurkunde jederzeit zurückgeben – die Leistungen werden dann auf den Tag genau abgerechnet, der Mieter muss dem Vermieter jedoch eine neue Kaution stellen.

Eine Bürgschaftsurkunde ist jedoch nicht auf ein anderes Mietverhältnis übertragbar: „Nur wenn der Vermieter wechselt, muss er in der Regel die Kautionsbürgschaft des Mieters akzeptieren. Wenn ein Mieter umzieht, muss er diese erst neu beantragen“, erklärt Frank Maciejewski vom Berliner Mieterverein.

Kautionsbürgschaft: Vor- und Nachteile für Mieter

Eine Kautionsbürgschaft hat für Mieter bestimmte Vorteile – aber auch Nachteile.

Grafik: immowelt.de
Grafik: immowelt.de

Eine Kautionsbürgschaft lässt sich im Internet schnell beantragen. Davor sollten sich Interessierte aber genau über den Anbieter erkundigen – Vorsicht vor schwarzen Schafen!

Der Mieter zahlt keine hohe Barkaution und hat so kurzfristig mehr Geld zur freien Verfügung.

Der Mieter gerät nicht in einen finanziellen Engpass und muss so keinen Kredit aufnehmen.

Die Bürgschaftsurkunde kann man in der Regel jederzeit zurückgeben – bei kurzer Mietdauer umgeht man so die Zahlung einer hohen Kaution.

Grafik: immowelt.de
Grafik: immowelt.de

Der Mieter zahlt regelmäßig in die Kautionsbürgschaft ein. Den Betrag bekommt er jedoch nicht zurückerstattet – im Gegensatz zu einer Kautionszahlung. 

Nicht jeder Vermieter akzeptiert eine Kautionsbürgschaft.

Wer sehr lange in seiner Wohnung wohnt, zahlt viel in die Kautionsbürgschaft ein – und muss Forderungen vom Vermieter trotzdem extra berappen.

Wechselt der Mieter die Mietwohnung, muss er eine neue Kautionsbürgschaft beantragen. Das bedeutet zusätzlichen Verwaltungsaufwand.

Hat der Vermieter berechtigte Ansprüche, muss der Mieter innerhalb kurzer Zeit das Gegenteil beweisen.

Der Mieter muss Schäden oder Mietrückstände trotzdem vollumfänglich zahlen

Beispiel: Gegenüberstellung von Kaution und Kautionsbürgschaft

Kaution, Plus, Grafik: immowelt.de

Zahlt der Mieter eine gewöhnliche Mietkaution, ist der Vermieter verpflichtet, das Geld fernab seines eigenen Vermögens für den Mieter anzulegen. Hat der Vermieter beim Auszug nichts zu bemängeln, bekommt der Mieter sein Geld wieder – und die Zinsen noch mit dazu. Am Ende kann es also sein, dass der Mieter etwas mehr Geld erhält, als er am Anfang gezahlt hat. Beispielsweise zahlt der Mieter am Anfang des Mietverhältnisses 2.000 Euro Kaution. Der Vermieter legt den Betrag gewinnbringend an, der Mieter bekommt jährlich 0,1 Prozent Zinsen. Zieht der Mieter nach vier Jahren aus und der Vermieter hat keine Forderung, bekommt er 8 Euro mehr zurück, als er eingezahlt hat. 

Kautionsbürgschaft, Minus, Grafik: immowelt.de

Bei einer Kautionsbürgschaft ist das anders: Der Mieter zahlt zwar nur einen geringen Betrag pro Jahr ein. Im Laufe der Jahre summieren sich die Kosten allerdings. Im Gegensatz zur normalen Kaution bekommt der Mieter diese Beiträge nicht zurück. Im folgenden Beispiel beträgt die Kaution 2.000 Euro. Der Mieter muss nun an den Kautionsbürgschafts-Anbieter jährlich fünf Prozent der Kaution als Gebühr zahlen. Das sind 100 Euro im Jahr.  Hinzu kommt eine einmalige Anmeldegebühr von 50 Euro. Zieht der Mieter nach vier Jahren aus, bekommt er nichts zurück – hat aber 550 Euro gezahlt. Wenn der Vermieter dann noch Forderungen hat, muss der Mieter noch mehr zahlen.

Fazit

Eine Kautionsbürgschaft lohnt sich vor allem in bestimmten Fällen und für einen befristeten Zeitraum. Wenn Mieter beispielsweise knapp bei Kasse sind und auf die Kaution vom vorherigen Vermieter warten oder oft umziehen, kann es lohnenswert sein.

Wer aber die Wahl hat und sich eine Kaution leisten kann, sollte darauf zurückgreifen: Wenn der Vermieter keine Forderungen nach dem Auszug hat, bekommt er das Geld dann ohne Verluste wieder.


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