Auswandern in die Schweiz: Wohnen und Arbeiten in der Eidgenossenschaft

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Ein hoher Lebensstandard, gut bezahlte Jobs und malerische Landschaften – jedes Jahr zieht es laut Statistischen Bundesamt der Schweiz tausende deutscher Auswanderer in die Schweiz. Trotz der geographischen Nähe und vieler kultureller Gemeinsamkeiten, gibt es auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt bei unseren südlichen Nachbarn auch einige Besonderheiten zu beachten. Ein Umzug oder Übersiedlung, wie es dort heißt, setzt deshalb eine viel intensivere Vorbereitung voraus, als ein Wohnortwechsel innerhalb Deutschlands.

Auswandern Schweiz, eine Stadtansicht von Zürich mit der Limmat, Foto:iStock.com/AleksanderGeorgiev
Die Schweiz ist ein sehr beliebtes Auswanderungsziel der Deutschen. Nicht nur in Zürich locken gute Arbeitsangebote und eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Foto:iStock.com/AleksanderGeorgiev

Viele deutsche Auswanderer werden durch die vergleichsweise geringe Entfernung, die hohen Gehälter und den sprachlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten zum Umzug in die Schweiz angespornt. Dabei vergisst manch einer, dass unsere südlichen Nachbarn trotz geografischer Nähe kein EU-Mitglied sind, neben gut bezahlten Jobs auch sehr hohe Lebenshaltungskosten vorherrschen und das Schweizerdeutsch ebenso wie die dortige Mentalität erheblich größere Unterschiede aufweisen, als man vielleicht zunächst vermuten würde. Auch bei der Suche nach einer Arbeit und einer Unterkunft gibt es einiges zu beachten.

Zahlen und Fakten:

  • Lage und Fläche
    Die Schweiz ist ein europäischer Binnenstaat und liegt südwestlich von Deutschland. Weitere Nachbarstaaten sind Frankreich, Italien, Österreich sowie Liechtenstein.  Mit gut 41.000 Quadratkilometern ist die Schweiz in etwa so groß, wie Hessen und Sachsen-Anhalt zusammen.
  • Klima
    Die Schweiz liegt im Übergangsbereich von gemäßigt-maritimem und gemäßigt-kontinentalem Klima. Großen Einfluss auf das Mikroklima hat auch die Topografie: Etwa 60 Prozent des Landes sind alpin. Dadurch kann es zu sehr kleinteiligen und schwer vorhersagbaren Wetterphänomenen kommen.
  • Bevölkerung
    In der Schweiz leben knapp 8,5 Millionen Menschen, davon gut 1,3 Millionen im Großraum Zürich Rund jeder vierte Einwohner besitzt keine Schweizer Staatsangehörigkeit – hat also kein Schweizer Bürgerrecht.  Mit circa 65 Prozent stellen die deutschsprachigen Schweizer die größte Sprachgruppe dar.
  • Sprache
    Es gibt vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch – eine romanische Sprache mit nur wenigen tausend Muttersprachlern. Das Schweizerdeutsch (Schwizerdütsch) unterschiedet sich dabei stark vom Hochdeutschen und bildet selbst wiederum viele Dialektvarianten aus. Eine Besonderheit in der Schweiz ist außerdem, dass auch Hochdeutsche Texte stets mit „ss“ statt mit einem „ß“ geschrieben werden.   
  • Politik
    Das politische System unterscheidet sich zum Teil erheblich vom deutschen. So gibt es stark ausgeprägte Elemente der direkten Demokratie – also Volksabstimmungen – und beispielsweise kein einzelnes Staatsoberhaupt. Stattdessen bildet der Bundesrat ein kollektives Staatsoberhaupt. Auch gibt es keinen Regierungschef. Das Schweizer System zeichnet sich außerdem durch einen sehr starken Föderalismus und kantonale Eigenständigkeit aus.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Die Schweiz ist zwar kein EU-Mitglied, gehört jedoch dem Schengenraum an. Das bedeutet, dass EU-Bürger sich frei in der Schweiz bewegen und niederlassen dürfen. Bis zu einem Aufenthalt von 90 Tagen benötigen Sie dafür lediglich ein gültiges Reisedokument bei der Einreise. Werden die 90 Tage überschritten, ist eine Aufenthaltsbewilligung notwendig. Diese wird vom jeweiligen kantonalen Migrationsamt ausgestellt und muss binnen 14 Tage nach Einreise dort beantragt werden. EU-Bürger dürfen in der Schweiz auch ohne weiteres arbeiten. Bei einer dauerhaften Anstellung, die 90 Tage überschreitet, muss der Arbeitgeber dies ebenfalls melden.

Auswandern Schweiz, Jobsuche, Mann sucht am Laptop einen Job, Foto: Pressmaster/stock.adobe.com
Auch in der Schweiz werden Stellen inzwischen vor allem online ausgeschrieben. Foto: Pressmaster/stock.adobe.com

Die Jobsuche gestaltet sich in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland. Angebote findet man am besten auf Onlineportalen, auf den Seiten der Regionalpresse oder durch eigene Recherche und Anschreiben von Schweizer Unternehmen. Es spricht nichts dagegen, sich bereits von Deutschland aus um eine Stelle zu bemühen – ein Vorstellungsgespräch kann dann entweder durch persönliches Erscheinen oder online durchgeführt werden.

Dabei gilt es aber einige Schweizer Gepflogenheiten zu beachten. Allgemein sollte sich weniger offensiv beworben und auf sprachliche Besonderheiten geachtet werden – besonders in der Deutschschweiz. Auch wenn die allermeisten Schweizer dort den deutschen Wortschatz verstehen, ist es ratsam, sich einige Beispielanschreiben durchzulesen, um ein Gefühl für dort übliche Formulierungen zu bekommen.

Die Schlussformel „Mit freundlichen Grüßen“ etwa verrät gleich in doppelter Hinsicht eine deutsche Herkunft des Bewerbers. Zum einen gibt es das „ß“ in der Schweizer Schreibweise nicht, zum anderen ist dort die kürzere Form „freundliche Grüsse“ üblicher. Natürlich sollten  Deutsche nicht versuchen, sich als Schweizer auszugeben und offen mit den Einwanderungsplänen umgehen. Es macht aber immer einen guten Eindruck, wenn sie sich mit den örtlichen Gepflogenheiten auseinandergesetzt haben.

Eine Besonderheit beim Bewerben in der Schweiz sind die Referenzpersonen oder kurz Referenzen. Neben früheren Arbeitszeugnissen werden auch Name und Kontaktdaten von früheren Vorgesetzten aufgelistet. Dabei reicht eine Person je bisheriger Anstellung. Diese Personen sollten aber im Vorfeld informiert werden, damit sie sich nicht wundern, wenn sie kontaktiert werden. Es ist nämlich durchaus üblich, dass sich potenzielle Arbeitgeber mit den Referenzpersonen in Verbindung setzen.

Umzug organisieren

Auswandern Schweiz, Umzug, Umzugshelfer tragen Kartons, Foto: xixinxing/adobe.stock.com
Mit Profis gelingt der Umzug stressfreier – durch die Nähe zu Deutschland ist aber auch ein selbstorganisierter Umzug denkbar. Foto: xixinxing/adobe.stock.com

Durch die Nähe zu Deutschland, kann ein Umzug in die Schweiz ähnlich organisiert werden wie ein innerdeutscher. Es sollte frühzeitig geplant, ausgemistet und alle zu transportierenden Waren verpackt werden.

Umzugskartonrechner

Der Umzug kann prinzipiell in Eigenregie oder mit einem Umzugsunternehmen durchgeführt werden. Bei der Wahl einer Spedition oder eines Umzugsunternehmens gilt es jedoch zu beachten, dass deutsche Anbieter meist günstiger sind als Schweizer.

Link-Tipp

International agierende Speditionen können den Umzug schnell und reibungslos organisieren. Kostenlose Angebote für Umzüge in die Schweiz finden Sie auf umzugsauktion.de

Einfuhr- und Zollbestimmungen

Es ist allerdings wichtig, die Einfuhrbestimmungen zu beachten. Wichtig ist hierbei der Gesamtwert sowie die Freimengen. Beträgt der Gesamtwert der eingeführten Neuware mehr als 300 Franken, muss die Mehrwertsteuer gezahlt werden. Waren und Möbel, die bereits vorher in Gebrauch waren, können abgabefrei eingeführt werden. Dafür genügt es, mit einem unterschriebenen Arbeits- oder Mietvertrag nachzuweisen, dass der Lebensmittelpunkt in die Schweiz verlagert wird. Bei einigen Lebens- und Genussmitteln gibt es zudem sogenannte Freimengen. Werden diese überschritten, fallen Zollabgaben an. Bis zu einem Kilo Fleisch und Wurstware, fünf Litern alkoholischer Getränke bis 18 Prozent und einem Liter über 18 Prozent pro Person dürfen aber beispielsweise zollfrei eingeführt werden. Gleiches gilt für bis zu 250 Zigaretten.

Einfuhr von Haustieren

Das Mitbringen von Kleintieren stellt kein Problem dar. Größere Tiere, wie Hunde und Katzen dürfen ebenfalls mit in die Schweiz, allerdings müssen sie einige Vorgaben erfüllen. Mindestvorgaben sind dabei:

  • Ein Chip oder eine Tätowierung zur Identifizierung
  •  Eine nachweisbare Tollwutimpfung
  • Ein EU-Heimtierpass

Auch dürfen die Tiere nach der Einreise nicht in der Schweiz verkauft werden. Kupierte Tiere und bestimmte Listenhunderassen dürfen in bestimmten Kantonen gar nicht einreisen. Wichtig: Die Listenhunde in der Schweiz sind nicht identisch mit denen in Deutschland. Hunde müssen zudem bei der Einwohnerkontrolle gemeldet werde.

Meldepflichten, Bankkonten und Versicherungen

Auswandern Schweiz, Abmeldung, eine Frau geht in ein Gemeindeamt, Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com
Eine Abmeldung ist ein unkomplizierter bürokratischer Akt, der aber von Auswanderern nicht vergessen werden sollte. Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com

Beim dauerhaften Auswandern in die Schweiz ist es notwendig, sich am neuen Wohnort zu melden. Genau wie bei einem Umzug innerhalb Deutschlands muss dies innerhalb von 14 Tagen in der neuen Wohngemeinde passieren. Wer seinen ständigen Wohnsitz aus Deutschland  in ein anderes Land verlegt, ist außerdem verpflichtet, sich in Deutschland abzumelden. Bei verheirateten Paaren, darf ein Ehepartner auch sich und den anderen abmelden – eine Vollmacht ist hierfür nicht notwendig.

Wer einen dauerhaften Wohnsitz in der Schweiz hat und über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, kann problemlos ein Girokonto eröffnen. Dies bietet sich durchaus an, da der Gehaltseingang zügiger und günstiger vonstattengeht und auch eigene Überweisungen auf andere Schweizer Konten in der Regel schneller ablaufen. Eine Mindesteinlage ist nicht notwendig – diese fällt lediglich bei Nichtschweizern ohne dauerhaften Wohnsitz in der Eidgenossenschaft an. Genau wie in Deutschland ist es sowohl möglich, ein eigenes Konto in einer Bankfiliale zu eröffnen oder einen entsprechenden Vertrag online abzuschließen. Da die Kontoführungsgebühren und Serviceleistungen von Kreditinstitut zu Kreditinstitut deutliche Unterschiede aufweisen, sollten beides verglichen und abgewogen werden.

Das Schweizer Gesundheitssystem funktioniert anders als das Deutsche. In der Schweiz ist jeder für die eigene Krankenversicherung selbst verantwortlich und bezahlt sie auch allein. Der Arbeitgeber beteiligt sich also nicht – wie in Deutschland üblich – zu 50 Prozent. Eine Grundversicherung ist dabei Pflicht – sie wird von allen Krankenkassen angeboten und hat überall denselben Leistungsumfang. Diese deckt jedoch nur die grundlegenden medizinischen Bedürfnisse ab. Zahnarztbesuche fallen dabei beispielsweise komplett raus und müssten gänzlich selbst bezahlt werden.

Deswegen schließen viele Schweizer Zusatzversicherungen ab. Dies ist zwar keine Pflicht, sehr empfehlenswert. Im Gegensatz zur Grundversicherung gibt es hier eine Vielzahl von Leistungsangeboten und Tarifen – ein genauer Vergleich ist vor Abschluss dringend ratsam.

Mieten und Kaufen: Der Immobilienmarkt in der Schweiz

Auswandern Schweiz, Mieten und Kaufen, Ansicht einer Altbauwohnung, Foto: Friedberg/adobe.stock.com
Oftmals nicht billig, aber dafür in gutem Zustand: Schweizer Immobilien haben den Ruf, meist gut in Schuss gehalten zu werden. Foto: Friedberg/adobe.stock.com

Die Suche nach dem zukünftigen Zuhause kann bereits von Deutschland aus gestartet werden. Den Vertrag sollte man allerdings erst nach einer Besichtigung vor Ort unterzeichnen. Das gilt natürlich beim Kauf, aber durchaus auch beim Mieten.  In beiden Fällen gibt es zudem einige Schweizer Besonderheiten, die es zu beachten gilt.

Eine Immobilie mieten

Schweizer Mietimmobilien sind meist gut ausgestattet. So ist es üblich, dass Mietwohnungen und -häuser über eine bereits eingebaute Küche und meist auch über eine Waschküche mit Waschmaschinen für alle Parteien verfügen. Die eigene Waschmaschine und Küche können also in der Regel in Deutschland bleiben und verkauft oder abgegeben werden.

Die Wohnungsanzeige

Wohnungsanzeigen sind prinzipiell ähnlich wie in Deutschland aufgebaut. Die Größenangabe erfolgt, genau wie hierzulande, in der Regel nach Quadratmetern und der Anzahl der Zimmer. Dabei werden die Wohn-, Schlaf-, Arbeits-, und Kinderzimmer gezählt, nicht aber Küche und Bad. Einige Begriffe im Schweizerdeutschen unterscheiden sich jedoch.

  • So bedeutet Mietzins nichts anderes als Kaltmiete. Hinzu kommen, genau wie in Deutschland, die Nebenkosten – also vor allem die Ausgaben für Warmwasser, Heizung und andere Kostenpunkte, die ein Vermieter auf die Bewohner umlegen kann. Dazu können auch Kosten für einen Abwart zählen – das ist nichts anderes als ein Hausmeister.
  • Wer ein eingebautes Cheminée in seiner Wohnung angeboten bekommt, kann sich über einen offenen Kamin freuen.
  • Eine Attikawohnung ist die Schweizer Bezeichnung für ein Penthouse.
  • Wer in ein Riegelhaus zieht, bewohnt ein eine Wohnung in einem Fachwerkhaus.
  • Wenn eine Waschküche neben Waschmaschinen auch über Tumbler verfügt, so befinden sich dort Trockner.

Der Mietvertrag

Auswandern Schweiz, Mietvertrag, Mann liest sich Mietvertrag durch, Foto: Africa Studio/adobe.stock.com
Wer eine Immobilie mieten möchte, sollte sich vor dem Unterzeichnen den Vertrag sehr gut durchlesen. Foto: Africa Studio/adobe.stock.com

Wie in Deutschland auch, werden im Mietvertrag die Rechte und Pflichten von Mieter- und Vermieterseite festgehalten. Besonders wichtige Aspekte sind dabei Miet- und Kautionszahlungen sowie Kündigungsfristen und Vorgaben zu Umfang und Instandhaltung der Mietsache. Dabei gibt es zwingend geltende Gesetze, die selbst dann weiter Gültigkeit haben, wenn vertraglich abweichende Regelungen festgehalten werden. So kommt es immer wieder vor, dass in Mietverträgen kleine Reparaturen bis zu einem Betrag von einem Prozent der Jahresmiete vom Mieter bezahlt werden sollen.

Dies ist aber gesetzeswidrig und der Mieter ist hierzu nicht verpflichtet, selbst wenn er einen entsprechenden Vertrag unterschreibt. Neben dem genauen Lesen des Mietvertrags ist es deswegen auch sinnvoll, sich gerade im Streitfall über die geltenden Mietgesetze zu informieren. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch Mieterverbände, die Ihre Mitglieder in derartigen Fällen beraten und deren Interessen vertreten.

Mietpreise in der Schweiz

Die Mietpreise variieren regional stark, werden aber ähnlich wie hierzulande von den Hauptfaktoren Lage, Ausstattung und Größe der Immobilie beeinflusst. Die Mietpreisentwicklung orientiert sich in der Schweiz in den meisten Fällen am sogenannten Hypothekarzinssatz. Dieser ist seit 2008 für das gesamte Bundesgebiet einheitlich und wird vom Bundesamt für Wohnungswesen vierteljährlich veröffentlicht. Steigt er, steigen auch die mieten. Sinkt er, so fallen theoretisch auch die Mietpreise. Meist muss der Mieter dies aber extra einfordern. Deshalb sollte der jeweils geltende Hypothekarszinssatz auch im Mietvertrag genannt sein.

Achtung

Für gewöhnlich fallen eine Kaltmiete (der Mietzins) sowie zusätzliche Nebenkosten an. Wird allerdings kein Posten „Nebenkosten“ im Mietvertrag genannt, kann der Vermieter diese auch nicht vom Mieter verlangen. Dann gilt der vereinbarte Mietzinsbetrag als Warmmiete, mit der alle Nebenkosten bereits abgegolten werden. Wurde ein sogenannter Akontobetrag im Mietvertrag vereinbart, so ist dies eine monatliche Vorauszahlung, die mit der Nebenkostenabrechnung gegengerechnet wird.

Auch in der Schweiz ist eine Kaution üblich. Diese darf maximal 3 Monatsmietzinse betragen. Kommt es zu regelmäßigen Beschädigungen der Mietsache durch den Mieter, kann der Vermieter die Kaution auch während der Mietdauer noch erhöhen, bis sie die Obergrenze von 3 Monatsmietzinsen erreicht.

Schweizer Mietrecht

Zwischen dem Schweizer und dem deutschen Mietrecht  gibt es einige Unterschiede, wie etwa die Schlichtungsinstitutionen, die Schlichtungsbehörden genannt werden. Vereinfach gesagt, klagen Deutsche eher, während Schweizer auf eine gütliche Einigung aus sind. Die kantonalen Schlichtungsbehörden erfüllen hierbei den Zweck, bei Uneinigkeiten zwischen Mietern und Vermietern zu vermitteln, um ein aufwändiges Rechtsverfahren zu vermeiden. Sie können aber auch für allgemeine Fragen zum Mietrecht kontaktiert werden.

Auch das Kündigungsrecht hält einige Besonderheiten parat. So müssen Vermieter schriftlich kündigen und hierbei ein kantonal genehmigtes Formular verwenden. Der Mieter hat dabei auch das Recht, den Grund der Kündigung – etwa Eigenbedarf – zu erfahren.

Kündigt ein Mieter, muss ebenfalls fristgerecht und schriftlich, am besten per Anschreiben, gekündigt werden. In der Regel beträgt die Kündigungsfrist 3 Monate. Allerdings müssen dabei meist auch Kündigungstermine beachtet werden. Diese sind kantonal vorgegeben oder werden im Mietvertrag zwischen Mieter und Vermieter vereinbart. Ein Mieter kann in der Regel viermal pro Jahr an einem dieser Kündigungstermine mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Dadurch sind eine Kündigung und die Neuanmietung einer anderen Immobilie deutlich unflexibler als in Deutschland. Anders als in Deutschland haben Mieter jedoch ein Vorschlagsrecht für einen Nachmieter. Dieser muss zahlungsfähig sein und den ursprünglichen Mietvertrag unverändert übernehmen. Der Vermieter hat nach erfolgtem Vorschlag 30 Tage Zeit, um die Solvenz des Nachmieters zu überprüfen.

Bonitätsauskunft in der Schweiz

Immer mehr Vermieter verlangen von Ihren Mietern eine Bonitätsauskunft. Da deutsche Auswanderer in der Regel über keine Schweizer Auskunft verfügen, ist die beste Alternative, eine deutsche Schufa-Auskunft vorzulegen. Zwar liegt es im Ermessen des Vermieters, ob er sie akzeptiert. Sie entspricht jedoch noch am ehesten der Schweizer Bonitätsauskunft.

Eine Immobilie kaufen

Auswandern Schweiz, Immobilie kaufen, eine Stadtansicht von Zürich mit bunten Fassaden, Foto: iStock.com/Rostislavv
Wer eine Immobilie in der Schweiz kaufen möchte, braucht entsprechende finanzielle Mittel. Dafür gilt der Schweizer Immobilienmarkt aber auch als sehr stabil. Foto: iStock.com/Rostislavv

Die Schweizer Immobilienpreise weisen zwar regionale Unterschiede auf – wahre Schnäppchenregionen sucht man aufgrund der begrenzten Fläche, der wirtschaftlichen Lage und der weit ausgebauten Tourismusinfrastruktur jedoch vergebens. Da bei Auswanderern eine Rückkehr ins ursprüngliche Heimatland nicht auszuschließen ist, sollte deshalb zunächst gut über einen Immobilienkauf nachgedacht und vor allem die eigenen finanziellen Mittel realistisch bewertet werden.

Rechtliche Grundlagen und Finanzierung beim Immobilienkauf

Als EU-Bürger, der in der Schweiz gemeldet ist, ist man rechtlich einem Schweizer Bürger defacto gleichgestellt und kann ohne Weiteres Grund und Immobilien erwerben und verkaufen. Da der Kaufpreis in der Regel nicht ohne Kredit gestemmt werden kann, sollten die Bedingungen der Kreditinstitute genau verglichen werden. Üblich ist eine 20-Prozent-Finanzierung. Dabei bringt der Käufer 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital mit und nimmt einen Kredit über die restlichen 80 Prozent auf, während die Immobilie bei der Bank als Sicherheit fungiert.

Anders als in Deutschland wird zum Eigenkapitalanteil nicht nur frei verfügbares Erspartes gezählt. Zur Hälfte kann der Eigenbetrag beispielsweise auch aus Rücklagen zur Altersversorgung bestehen.

Regelmäßige Kosten

Bei der Finanzierung darf auch nicht vergessen werden, dass selbst nach dem Immobilienkauf noch weitere, dauerhafte Ausgaben anstehen. Zum einen sind dies die laufenden Nebenkosten, etwa für Frisch- und Abwasser sowie fürs Heizen und Strom. Auch sollten Rücklagen für Reparaturen gebildet werden, denn jede Immobilie benötigt früher oder später Investitionen, damit sie in Schuss gehalten werden kann.

Zudem fallen jährliche Steuern an. Dies ist zum einen eine Vermögenssteuer. Dabei wird ein Schätzwert des Gesamtvermögens berechnet, wobei Immobilien jedoch meist unter Wert angesetzt werden. Auf den geschätzten Vermögenswert fällt eine geringe, kantonal festgelegte Steuer an. Zudem wird eine jährliche Liegenschafts- oder Grundstücksteuer fällig. Diese beträgt 0,5 Prozent des amtlichen Schätzwertes der Immobilie.

Eine Schweizer Besonderheit ist außerdem der fiktive Eigenmietwert. Dabei wird der hypothetische Wert errechnet, den ein Eigentümer dadurch spart, dass er für sein Eigenheim keine Miete zahlen muss. Dieser Wert wird – je nach Kanton – um einen Freibetrag von null bis 40 Prozent bereinigt. Auf den Betrag, der dann übrigbleibt, muss Einkommenssteuer gezahlt werden. Es wird also so getan, als würde eine Miete erwirtschaftet werden, die dann anteilig versteuert wird.

Eine passende Immobilie finden

Sind die finanziellen Rahmenbedingungen festgelegt, kann nach einer geeigneten Immobilie Ausschau gehalten werden. Immobilien können entweder auf eigene Faust von privat gesucht werden, oder es wird ein Immobilienmakler kontaktiert. In der Schweiz gilt allgemein das Bestellerprinzip. Dieses besagt, dass der Auftraggeber auch den Makler bei erfolgreicher Vermittlung einer Immobilie zu bezahlen hat, und das ist in den allermeisten Fällen der Verkäufer. Gut für den Käufer – er hat keine Ausgaben. Auch Immobilienportalen wie immowelt.ch kann sowohl von Deutschland aus im voraus wie auch von der Schweiz aus nach dem passenden Eigenheim gesucht werden. Außerdem bieten sich Zeitungen und städtische Aushänge an.


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