Auswandern nach Australien: Arbeiten und Wohnen in Down Under

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Die unendliche Weite des Outbacks, kilometerlange Strände, das gute Wetter und freundliche Menschen – Australien wirkt für viele Auswanderwillige wie ein Paradies auf Erden. Von Abenteuern in der Wildnis bis hin zum aufregenden Nachtleben in den hippen Metropolen hat der Kontinent-Staat seinen Bewohnern vieles zu bieten. Von den Vorzügen sollten sich Einwanderer jedoch nicht blenden lassen und vor allem nicht übereilt aufbrechen. Denn obwohl das moderne Australien überwiegend europäische Wurzeln hat, gibt es viele lokale Besonderheiten, die es beim Leben, Arbeiten und Wohnen zu beachten gilt.

: Auswandern Australien, ein Einfamilienhaus in einem australischen Vorort, Foto: iStock.com/mbolina
Der Traum vieler Auswanderer: Ein Eigenheim ein einer der Vororte der angesagten australischen Metropolen. Foto: iStock.com/mbolina

Obwohl Australien ein klassisches Einwanderungsland ist, sollten die bürokratischen Hürden für Neu-Australier nicht unterschätzt werden. Seit den 2000er-Jahren hat die australische Regierung die Einwanderungspolitik sukzessive verschärft; Visavorgaben und Arbeitserlaubnis sind nicht einfach zu erhalten. Deshalb sollte eine Auswanderung lange – also mehrere Monate im Voraus geplant werden. Wie die Auswanderung gelingt und was es vor Ort über das Leben, Wohnen und Mieten zu wissen gilt.

Zahlen und Fakten

Fläche/Lage: Australien liegt zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean auf der Südhalbkugel. Mit knapp 7.760.000 Quadratkilometern ist Australien fast 22-mal so groß wie Deutschland.

Bevölkerung: Aktuell leben etwas über 25 Mio. Menschen in Australien (Stand Januar 2019). Dabei sind vor allem die Küsten des Kontinent-Staates dichter bevölkert, während weite Teile des Landesinneren – das Outback – dünn oder gar nicht besiedelt sind. Jeder fünfte Australier wohnt in der größten Stadt Sydney, Hauptstadt ist hingegen das deutlich kleinere Canberra: Etwa 370.000 Menschen leben hier.

Klima: Weite Teile des Hinterlandes bestehen aus Wüsten und Halbwüsten. An den Küsten es mehr Niederschläge. Wie in Europa gibt es auch in Australien ausgebildete Jahreszeiten. Diese sind jedoch genau gegenläufig zu den europäischen: Während des deutschen Sommers herrscht in Australien also Winter.

Sprache: Auch wenn es keine Amtssprache gibt, übernimmt Englisch praktisch diese Aufgabe. Dabei weist das Australian English einige regionale Besonderheiten beim Wortschatz und der Aussprache auf. Wer aber britisches oder amerikanisches Englisch spricht und versteht kommt damit in der Regel auch in Australien gut durch.

Währung: Offizielles Zahlungsmittel ist der Australische Dollar. Die Lebenshaltungskosten sind etwas höher als im deutschen Schnitt und Australier bezahlen öfter mit Kreditkarte, als die Deutschen.

Politik: Australien ist eine parlamentarische Demokratie. Offizielles Staatsoberhaupt ist Queen Elizabeth II., die aber nur repräsentative Aufgaben übernimmt. Regierungschef des Landes ist der Premierminister.

Aufenthaltsgenehmigung & Arbeitserlaubnis

Obwohl Australien ein klassisches Einwanderungsland ist, gibt es hohe Hürden für alle, die dauerhaft dort leben möchten. Zur Einreise genügt für deutsche Staatsbürger zunächst ein Visum, das relativ unkompliziert bei der australischen Botschaft beantrag werden kann. Für Touristen und Geschäftsleute ist es ausreichend.

Dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen und eine Arbeitserlaubnis sind da schon deutlich schwieriger zu erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass es gut zwei Dutzend unterschiedliche Visumstypen gibt, die jeweils in einem eigenen Verfahren beantragt werden müssen und verschiedene Anforderungskriterien beinhalten. Es ist deshalb unbedingt ratsam, sich mit der australischen Botschaft in Kontakt zu setzen und sich dort beraten zu lassen.

Ideal ist es, wenn Einwanderer bereits einen unterschriebenen Arbeitsvertrag bei einer australischen Firma haben oder eine Einladung von einer Regierungsstelle. Dann bestehen sehr gute Aussichten für eine permanente Aufenthaltserlaubnis. Für die meisten Auswanderer ist es aber sicherlich schwierig, bereits vorab eine feste Zusage zu bekommen.

Für all diejenigen, die ohne feste Anstellung auswandern möchten, gibt es sogenannte „lists of eligible skilled occupations“ (Listen qualifizierter Berufe). Diese Listen führen Berufe auf, die besonders gefragt sind. Oft sind dies akademische Berufe, insbesondere Ingenieure, Ärzte und IT-Fachleute, aber auch Handwerker werden dringend benötigt. In der Regel haben Auswanderer nur dann Chancen, ein Arbeitsvisum zu erhalten, wenn sie in diesen Bereichen Arbeitserfahrung aufweisen können.

Die Listen werden regelmäßig aktualisiert und sind ebenfalls über die australische Botschaft einzusehen. Arbeitnehmer, die über die lists of eligible skilled occupations ein Visum erhalten möchten, müssen zwischen 18 und 44 Jahre alte sein und darüber hinaus über gute und nachweisbare Englischkenntnisse verfügen.  Auch sollten keine schweren Vorstrafen im polizeilichen Führungszeugnis stehen und keine schweren und dabei insbesondere ansteckende Krankheiten vorliegen, wie beispielsweise Tuberkulose.

Einen Job finden

Auswandern Australien, ein Mann sucht auf seinem Handy nach einem Job, Foto: iStock.com/DGLimages
Auch in Australien finden Jobsuchende geeignete Stellen inzwischen vor allem online. Foto: iStock.com/DGLimages

Auch in Australien werden Stellen vor allem auf entsprechenden Onlineportalen ausgeschrieben. Es spricht nichts dagegen, sich bereits aus Deutschland direkt bei australischen Firmen zu bewerben – das Vorstellungsgespräch kann heutzutage oftmals problemlos per Video-Anruf durchgeführt werden. Hierfür werden zwar gute Englischkenntnisse benötigt – diese sind für das Projekt Auswandern aber ohnehin unabdingbar. Die meisten Portale wie „Seek“, sind privatwirtschaftlich organisiert. Zudem gibt es die offizielle staatliche Jobangebotsseite „Jobsearch“. Hinzu kommen die Jobseiten auf den Homepages australischer Tageszeitungen.

Auch in Deutschland gibt es eine Anlaufstelle: Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit ist eine staatliche Stelle, die Arbeitnehmer ins Ausland vermittelt. Neben konkreten Stellenangeboten finden sich hier auch jede Menge weiterführende Informationen rund ums Leben und Arbeiten im Ausland.

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Versicherungen, Bankkonto, Meldepflicht

Wer auswandert und sich folglich dauerhaft im Ausland aufhält, ist vom Gesetzgeber verpflichtet, sich am alten Wohnort abzumelden. Paragraf 17 des Bundesmeldegesetzes sieht vor, dass dies innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug geschehen muss. Wer sich schon vor dem Auszug abmelden will, kann das frühestens eine Woche vor dem Auszug tun. Der Schritt hat jedoch weitreichende Konsequenzen. So erlischt der Anspruch auf Kindergeld, wenn die komplette Familie abgemeldet wird und die Teilnahme an Wahlen ist nur mit einem gesonderten Antrag möglich.

Eine Meldepflicht in Australien, wie sie in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es hingegen nicht. Es gibt lediglich die Möglichkeit, sich freiwillig in der deutschen Auslandsvertretung registrieren zu lassen.

Krankenversicherung in Australien abschließen

Das Thema Versicherungen ist sehr wichtig für Auswanderer, insbesondere eine Krankenversicherung ist ratsam. Wer über eine Daueraufenthaltsgenehmigung verfügt, hat, genau wie australische Staatsbürger, automatisch Anrecht auf eine medizinische Grundabsicherung, genannt Medicare. Wer lediglich eine befristete Aufenthaltsgenehmigung hat, ist hingegen komplett eigenständig für jegliche medizinische Versorgung verantwortlich und muss selbst bezahlen.

Aber auch wer ein Anrecht auf Medicare hat, verfügt nicht über die gleichen Sicherheiten wie ein in Deutschland Krankenversicherter. Medicare deckt lediglich die absoluten medizinischen Grundbedürfnisse und eine Notfallversorgung ab. Zahnarztbesuche fallen hierbei beispielsweise komplett raus und werden nicht übernommen. Wer eine bessere Absicherung wünscht, kann sich zunächst an einen internationalen Versicherer wenden, der spezielle Angebote für Auswanderer anbietet.

Vor Ort gibt es zudem private Versicherungsanbieter, mit unterschiedlichen Leistungen und Kosten. Diese decken deutlich mehr Bereiche ab, als Medicare. Auswanderer sollten hier Leistungen und Preise gut vergleichen und sich für eine derartige Versicherung entscheiden, wenn sie ein deutsches Level an Absicherung in ihrer neuen Heimat wünschen.

Bankkonto eröffnen

Wichtig ist für Auswanderer ein australisches Bankkonto, da Inlandsüberweisungen auf die Dauer deutlich einfacher, schneller und meist kostengünstiger sind. Wer aus Deutschland auswandert, kann in der Regel seine deutschen Konten nicht behalten, wenn er  nicht mehr in Deutschland gemeldet ist.

Musste früher noch persönlich ein Konto vor Ort eröffnet werden, ist es in den Zeiten der Digitalisierung heute möglich, bereits von Deutschland aus ein australisches Konto zu beantragen. Mehrere Anbieter machen es möglich, aus dem Ausland ein Konto online zu eröffnen und anschließend vor Ort die Bankkarte in einer Filiale abzuholen.

Für welche Bank man sich entscheidet hängt genau wie in Deutschland von den gewünschten Leistungen ab. Auswanderer sollten deshalb vorab das Service-Angebot sowie die Kontoführungsgebühren bei unterschiedlichen Kredithäusern vergleichen.

Rentenansprüche

Seit 2003 besteht ein bilaterales Abkommen zwischen Australien und Deutschland. Dadurch werden Rentenansprüche, die in einem der beiden Länder erworben wurden, auch im anderen Land anerkannt.

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Den Umzug organisieren

Die Entscheidung ist gefällt, der große Schritt steht an: Noch wichtiger als bei einem Inlandsumzug ist jetzt die richtige Planung des Wohnungswechsels. Beim Packen und Planen lohnt es sich jetzt besonders gut auszumisten – denn jedes Kilo muss aufwändig um den halben Globus transportiert werden. Deshalb sollten sich Auswanderer vorab gut überlegen, in welchem Umfang Sie ihren Hausrat mitnehmen möchten und was sie möglicherweise lieber vor Ort neu kaufen wollen.

Umzugskartonrechner

Transport des Hausrats

Möbel können zwar die per Schiffscontainer nach Australien transportiert werden, alternativ bietet sich aber auch möbliertes Mieten oder ein Neukauf von Möbeln vor Ort an. Beides kann unterm Strich billiger ausfallen, als die eigenen Schränke und Kommoden aus Deutschland mitzunehmen. Containerladungen müssen außerdem den langen Seeweg und die Zollprüfung hinter sich bringen und kommen unter Umständen erst deutlich nach den Auswanderern am Zielort an – vier bis sechs Wochen sollten auf jeden Fall für den Transport eingeplant werden.

Auswandern Australien, Ein Containerschiff liegt in einem Hafen vor Anker, Foto: unsplash.com/vanveenjf
Der Transport per Schiffscontainer sollte frühzeitig geplant werden. Die eigenen Habseligkeiten sind auf den großen Gefährten mehrere Wochen unterwegs. Foto: unsplash.com/vanveenjf

Deutsche Elektrogeräte können zwar auch in Australien betrieben werden – Spannung und Frequenz sind in beiden Ländern identisch – allerdings haben die Stecker und Steckdosen unterschiedliche Formen. Wer also unbedingt seinen Küchenmixer in den neuen Lebensabschnitt mitüberführen möchte, muss sich um einen Steckeradapter kümmern.

Einfuhrbestimmungen

Persönliche Gegenstände – von der eigenen Kleidung bis hin zu Möbeln – dürfen in der Regel zollfrei eingeführt werden, wenn sie seit mindestens seit einem Jahr in Gebrauch sind. Zollformalitäten fallen dennoch an. Am besten wendet man sich deshalb an eine internationale Umzugsspedition, die den Transport inklusive aller bürokratischen Aufgaben übernimmt. Geld kann durch sogenannte Beiladungen gespart werden. Dabei werden größere Frachtladungen einfach mit kleineren Gegenständen aufgefüllt und dadurch Kosten gespart.

Link-Tipp

Wer sich viel Stress sparen will, kann einen Umzugsberater von Deutschland aus beauftragen. Dieser kann Ihnen bei der Organisation helfen und die Umzugskosten für Sie abschätzen.

Einreisende unter 18 Jahre dürfen außerdem elektronische Geräte und Schmuck im Wert bis 450 AUD (Australische Dollar) zollfrei einführen. Bei Erwachsenen liegt diese Obergrenze bei 900 AUD. Sie dürfen auch mit bis zu 2,25 Liter alkoholhaltigen Getränken sowie 25 Zigaretten einreisen. Bringen sie mehr mit, fallen Zollgebühren an.

Australien verfolgt eine strenge Quarantänepolitik. Nahrungsmittel sowie Tier- und Pflanzenprodukte müssen bei der Einreise angegeben werden. Bei einer anschließenden Untersuchung wird festgelegt, ob die Waren eingeführt oder beschlagnahmt und entsorgt werden. Die meisten Obst-, Gemüse-, Fleisch-, und Eierprodukte dürfen nicht eingeführt werden, lediglich in Dosen verpackte Nahrungsmittel können den Zoll passieren.

Die Einfuhr des eigenen Autos ist möglich, aber aufwändig. Zunächst muss eine Einfuhrerlaubnis  (vehicle import improval) beim Department of Insfrastructure and Transport beantragt werden. Nur mit dieser können weitere Bewilligungs-Schritte, darunter auch eine Fahrzeugquarantäne,  erfolgen. Da hohe Gebühren und unter Umständen Einfuhrzölle sowie ein erheblicher Aufwand  anfallen, ist es nur in Ausnahmefällen ratsam, das eigene Auto mitzunehmen.

Rechtliche Regelung bei Haustieren

Die Mitnahme von Haustieren nach Australien unterliegt strengen Auflagen. Hunde und Katzen müssen bei Ankunft mindestens 10 Tage in Quarantäne verbringen und dürfen im Flugzeug nur im Frachtbereich untergebracht werden. Der Halter benötigt darüber hinaus eine gültige Importerlaubnis für sein Tier und ein Tierarzt muss in einem Zeitraum von fünf Tagen vor der Abreise die Gesundheit des Tieres bescheinigen. Darüber hinaus müssen Hunde und Katzen über einen implantierten Identifizierungs-Chip und eine Tollwutimpfung verfügen. Außerdem muss eine Immunität gegen Tollwut bestehen, welche durch einen Tierarzt schriftlich bestätigt werden muss. Welpen, die noch gesäugt werden, und trächtige Tiere dürfen nicht einreisen. Auch stehen bestimmte Hunderassen auf einer schwarzen Liste und dürfen nicht nach Australien eingeführt werden.

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Wohnen in Australien

Nahezu 90 Prozent der australischen Bevölkerung lebt in küstennahen Großstädten und deren Vororten. Hier finden sich auch die allermeisten Jobs und es bestehen die mit Abstand größten Immobilienmärkte des Landes. Bis vor wenigen Jahren war, außerhalb der Zentren der größten Städte, Einfamilienhäuser das australische Standard-Eigenheim. Eine Mietwohnung galt hingegen als Armutszeugnis.

Auswandern Australien, Ein freistehendes Wohnhaus mit Garten, Foto: iStock.com/xavierarnau
Der klassische australische Wohnsitz ist nach wie vor das ein- bis zweistöckige, freistehende Einzelhaus. Foto: iStock.com/xavierarnau

In den letzten Jahren hat sich dies aber in vielen Städten geändert und Mieten ist üblicher geworden – auch wenn es nach wie vor weniger oft praktiziert wird als in Deutschland. Gerade in den Großstädten wie Melbourne und Sydney sind die Kaufpreise in den letzten Jahren aber derart gestiegen, dass sich die Idee des Mietens gezwungenermaßen etablierte: Viele Australier konnten sich ein Eigenheim dort einfach nicht mehr leisten.

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Eine Immobilie mieten

Hotspots wie Sydney haben vergleichsweise hohe Mietkosten und die Preise steigen auch aktuell noch weiter deutlich an. Demgegenüber gibt es weite Landstriche im Hinterland, dem Outback, wo Immobilien und Land sehr günstig zu haben sind. Allerdings ist das australische Outback nicht mit dem deutschen Wohnen in einem Dorf zu vergleichen. Wer sich etwa für ein Miethaus abseits der großen Städte entscheidet, kann womöglich mehrere Fahrtstunden vom nächsten Nachbarn oder Einkaufs- und Arbeitsmöglichkeiten entfernt sein.

Außerdem sollten Auswanderer davon ausgehen, dass die Objekte in vielerlei Hinsicht nicht den deutschen Standards entsprechen und beispielsweise oft über keinen Keller und eine weniger massive Bauweise verfügen. In Australien ist es außerdem üblich, dass Makler Mietobjekte vermitteln. Die Kosten übernimmt in der Regel dabei derjenige, der den Auftrag erteilt, meist ist das der Vermieter.

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Mietgesetzgebung in Australien

Wer aus dem traditionell mieterfreundlichen Deutschland nach Australien zieht, wird sich womöglich bei einigen Gesetzen und Gepflogenheiten die Augen reiben. Das Mietrecht ist zwar größtenteils Sache der Bundesstaaten und unterscheidet sich somit im regional, es gesteht aber generell dem Vermieter deutlich mehr Rechte zu. Die Miete wird nicht grundsätzlich monatlich, sondern unter Umständen wöchentlich bezahlt. Bleibt die Zahlung aus, können Vermieter die Bewohner ihrer Immobilie sehr schnell kündigen. Im Bundesstaat Victoria genügt es beispielsweise, zwei Wochenmieten schuldig zu bleiben. Dann kann der Vermieter die Kündigung mit einer Frist von weiteren 14 Tagen kündigen. Der Mieter muss somit am Ende des säumigen Monats direkt ausziehen.

Auch die Privatsphäre der Mieter wird weniger stark geschützt als es in Deutschland der Fall ist. In Victoria haben Vermieter etwa das Recht, zweimal jährlich zur allgemeinen Inspektion vorbeizukommen. Unter bestimmten Umständen müssen Sie Ihre Besuche auch lediglich 24 Stunden vorher ankündigen.

Die allgemeine Pflichtenverteilung ist hingegen ähnlich wie in Deutschland: So ist der Vermieter für alle Reparaturen am Gebäude verantwortlich. Tritt ein Notfall ein, etwa ein Wasserschaden, dürfen Mieter Reparaturen hingegen bis zu einer bestimmten Kosten-Obergrenze auf eigene Faust in Auftrag geben. Der Mieter ist seinerseits dafür verantwortlich, rechtzeitig seine Miete zu bezahlen und mögliche Schäden an der Immobilie umgehend dem Eigentümer zu melden.

Die Kündigungsfristen sind in der Regel deutlich kürzer als hierzulande. In vielen Bundesstaaten betragen sie lediglich 28 Tage. Möchte ein Mieter ausziehen, ist es deswegen ratsam, Ende des Vormonats schriftlich zu kündigen und das Schreiben entweder persönlich zu übergeben oder per Einschreiben an den Vermieter zu schicken. In besonderen Fällen ist auch ein Auszug binnen 14 Tagen zulässig – etwa, wenn der Mieter Pflege in einer Einrichtung benötigt. Ist die Sicherheit nicht gewährleistet und es besteht Gefahr für Leib und Leben, kann auch eine sofortige Kündigung ausgesprochen werden. 

Die australische Wohnungsanzeige

Anders als in Deutschland ist das möblierte Mieten weit verbreitet. Wichtig beim Lesen der Wohnungsanzeige ist es also, darauf zu achten, ob ein Objekt unfurbished (unmöbliert) oder fully furbished (vollmöbliert) angeboten wird. Es gibt auch Mischformen – dann wird in der Regel genau aufgezählt, welche Möblierung vorhanden ist. Die Größe eines Objekts wird üblicherweise nicht in Quadratmetern, sondern mit der Anzahl der Schlafzimmer angegeben. Ein Wohnraum wird dabei vorausgesetzt. Eine two bedroom- Immobilie (eine Immobilie mit zwei Schlafzimmern) hat dementsprechend insgesamt drei Zimmer.

Eine weitere regionale Besonderheit ist das befristete Mieten. Zwar werden viele Objekte – wie in Deutschland üblich – unbefristet vermietet. Es gibt aber durchaus auch Wohnungen und Häuser, die für einen fixed term (festgelegten Zeitraum)angeboten werden – meist für einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten. Bleibt der Mieter länger als die vorgegebene Frist im Objekt ohne einen neuen befristeten Vertrag zu unterzeichnen, wird aus dem Mietvertrag automatisch ein unbefristeter. Unter Umständen lassen sich die Mietverträge also verlängern oder entfristen. Der Vermieter ist allerdings nicht verpflichtet, sich darauf einzulassen und kann auch auf Auszug nach Ablauf der Frist bestehen.

Eine Kaution ist auch in Australien üblich. Sie fällt aber vergleichsweise niedrig aus und sollte sich im Bereich von vier bis sechs Wochenmieten bewegen.

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Eine Immobilie kaufen

Auswanderer ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis dürfen eigentlich keine australische Immobilie kaufen. Die einzige Ausnahme stellen Objekte in sogenannten tourist zones (Touristenzonen) dar. Wer sich hingegen unbefristet in Australien aufhalten darf, ist genau wie ein Australier dazu berechtigt, sich eine reguläre Immobilie anzuschaffen. Das wahrscheinlich größte Hindernis stellt dann der hohe Kaufpreis in den Großstädten und den Vororten in Pendelweite dar.

Auswandern Australien, Ein Rohbau, dessen Holzskelett sichtbar ist, Foto: iStock.com/jandrielombard
Viele australische Häuser besitzen ein Holzskelett, aber keinen Keller. Foto: iStock.com/jandrielombard

Obwohl die Preise in den begehrten Lagen sehr hoch sein können, sind die Häuser meist recht einfach gebaut. Oftmals haben Einfamilienhäuser ein einfaches Holzskelett, außerdem dünne Wände und zudem keinen Keller. Isolierungen sind in vielen Fällen durchlässig – was auch im eher milden australischen Winter durchaus unangenehm werden kann. Mitunter werden sogar Immobilien angeboten, die über gar keine Heizmöglichkeiten verfügen.

Wer europäischen Standard sucht, sollte nach Immobilien im double brick- oder brick cavity-Stil suchen. Dies sind Bezeichnungen für massivere Bauweisen, wie sie in weiten Teilen Europas üblich sind. Diese Immobilien werden zwar seltener angeboten, sind aber massiver gebaut und besser isoliert.

Die Maklersuche

Die wenigsten Australier verkaufen ihre Immobilie selbst. Dies übernimmt in den meisten Fällen ein Makler. Die Kosten übernimmt der Auftraggeber, in der Regel ist das der Verkäufer. Wer jedoch nicht von Makler zu Makler laufen möchte, um sich die jeweiligen Angebote anzusehen, kann auch als Käufer selbst einen beauftragen. Der Vorteil besteht darin, dass ein vom Käufer beauftragter Makler auch vor allem dessen Interessen vertritt und eine passgenaue Immobilie suchen kann.

Außerdem ist es durchaus üblich, einen bis zu Zehn Prozent überhöhten Listenpreis für eine Immobilie von Verkäuferseite anzugeben. Beim Zustandekommen des Kaufs, wird dieser Preis dann heruntergehandelt. Wer sich dies nicht selbst zutraut, ist ebenfalls bei einem Makler gut aufgehoben. Dafür muss der Suchende jedoch auch die Maklerprovision übernehmen, sobald ein Kaufvertrag zustande kommt.

Australische Makler müssen über eine staatliche Maklerlizenz verfügen, oder für einen lizensierten Makler arbeiten. Professionelle Makler sind in der Regel zudem Mitglieder in den jeweiligen Maklerverbänden, die auf Bundesstaatenebene organisiert sind. Ein weiteres, sehr hohes Qualitätszeichen ist eine Akkreditierung auf nationaler Ebene durch das Real Estate Institute of Australia (REIA). Diese bescheinigt dem Makler eine langjährige Berufserfahrung und eine professionelle Ausübung seiner Arbeit.

Gerade in den Hotspots wie Sydney oder Melbourne werden Immobilien auch immer öfter versteigert. Weil hier eine besonders hohe Nachfrage herrscht, bieten nicht selten dutzende interessierte auf ein Haus und treiben damit den Preis weit in die Höhe.

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Der Kaufvertrag

Die gesetzlichen Voraussetzungen und Abläufe des Kaufprozesses sind sehr komplex und variieren zudem von Bundesstaat zu Bundesstaat. Deshalb können im Folgenden nur die wichtigsten Schritte genannt werden: Findet ein Interessent eine passende Immobilie und wird sich mit dem Verkäufer beziehungsweise dem Makler über den Zustand, den Preis und mögliche noch anstehende Reparaturen einig, werden diese Ergebnisse in einen Kaufvertrag (Contract of Sale) überführt. In der Regel übernimmt dies der Immobilienmakler.

Anschließend prüfen Käufer und Verkäufer den Vertrag  noch einmal genau, bessern ihn – falls notwendig – nach und unterzeichnen ihn schließlich. Es ist hierbei ratsam, sich einen Rechtsanwalt (Solicitor) zu suchen, der einen beim Kauf berät, den Kaufvertrag auf Fallen überprüft und einem den Weg durch die australische Verwaltungssprache leitet. Ein Anwalt kann auch überprüfen, ob dem Vertrag alle nötigen Anhänge wie Eigentumszertifikate und Abwasserpläne beigefügt sind, die vom Verkäufer bereitgestellt werden müssen. Art und Anzahl dieser Zertifikate variieren von Bundesstaat zu Bundesstat. Außerdem kann eine FIRB Approvalnötig sein, also eine Bestätigung durch das Foreign Investment Review Board (den Prüfungsausschuss für ausländische Investitionen). Ob dies der Fall ist, kann ebenfalls ein Anwalt abklären.

Ist der Vertrag von beiden Seiten unter der Bezeugung eines Notars unterzeichnet, wird er zu einem rechtlich verbindlichen Dokument. In der Regel muss der Käufer im direkten Anschluss eine Anzahlung von 10 Prozent des Kaufpreises leisten.

Im Anschluss daran erfolgt der Transfer of Land, also die Übertragung der Landeigentumsrechte. Hierbei wird auch eine sogenannte Stamp Duty fällig, die zwar anders angelegt ist, aber im Großen und Ganzen mit der deutschen Grunderwerbsteuer zu vergleichen ist. Auf der offiziellen Homepage der Australischen Regierung finden sich Links zu sogenannten Land Transfer Calculators, also Berechnungsmasken für die Höhe der jeweiligen Grunderwerbsteuer – sortiert nach Bundesstaaten. Damit sind die wichtigsten Schritte des Immobilienkaufs erledigt und der Käufer ist der neue Eigentümer. Ob weitere Registrierungsgebühren oder Steuern anfallen, kann ebenfalls ein entsprechend geschulter Anwalt prüfen.

Die Finanzierung

Auch wenn Einwanderer mit einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung eigentlich die ersten beiden Jahre nicht als kreditfähig gelten, vergeben die Banken beim Immobilienkauf auch an Neu-Australier Kredite. Denn das Eigenheim kann als Sicherheit herangezogen werden. Wichtigste Voraussetzung ist hierbei ein gutes finanzielles Polster. Mindestens 20, besser aber 30 bis 40 Prozent der Kaufsumme sollte der Käufer selbst mitbringen. Dann ist eine Kreditfinanzierung realistisch. Professionelle Hypothekenmakler (Mortage Broker) können ebenfalls vermitteln. Dabei lohnt es sich, deren Angebote mit Direktangeboten der Kreditinstitute sorgfältig zu vergleichen und sich mehrere Angebote machen zu lassen.

Gebäudeinspektion

Ein Sachverständiger hockt vor einer Gebäudewand die er inspiziert, Foto: iStock.com/Cat Lane
Ein guter Inspector überprüft die Bausubstanz auf mögliche Mängel und schützt so vor Fehlkäufen. Foto: iStock.com/Cat Lane

Wer sich vor bösen Überraschungen absichern möchte, sollte seine Immobilie vor dem Kauf auf Herz und Nieren überprüfen lassen. Dazu gehören Standardposten wie die Elektrik oder eventuelle Wasserschäden. Aber auch Termitenbefall ist in Australien ein weit verbreitetes Problem. Ein guter Inspector (Sachverständiger)kann hier Klarheit verschaffen. Dabei kann es ratsam sein, sich selbst einen eigenen Gutachter zu besorgen und nicht auf eine Empfehlung des Maklers zurückzugreifen. Nur so kann man sicherstellen, eine neutrale Einschätzung zu erhalten. In den meisten Bundesstaaten ist ein derartiger Check freiwillig, in einigen ist er hingegen verpflichtender Bestandteil des Kaufprozesses.

Info

In Australien werden jährliche Steuern auf Immobilien erhoben, die von den Eigentümern bezahlt werden müssen. Die Höhe variiert von Staat zu Staat und richtet sich nach dem Wert einer Immobilie. Als grober Richtwert gilt ein Betrag von circa 1.300 AUD pro Jahr bei einem durchschnittlichen australischen Eigenheim.


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