Auswandern nach Kanada: Arbeitssuche, Umzug, Wohnen

Lesermeinungen:  

(2)

Kanada ist ein beliebtes Einwanderungsland. Allerdings sind für Einwanderer Hürden zu überwinden, eine Aufenthaltsgenehmigung erhält nur, wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Wie Auswanderer vorgehen sollten, wie der Umzug und die Arbeits- und Wohnungssuche klappen, klärt nachfolgender Beitrag.

Auswandern Kanada, Vancouver, Foto: Dernaditya Chinchure / unsplash.com
Kanada bietet nicht nur unendliche Natur, sondern auch lebenswerte Metropolen wie Vancouver. Foto: Dernaditya Chinchure / unsplash.com

Wohlhabend, rechtsstaatlich, überwältigende Natur: So präsentiert sich Kanada und ist damit eines der beliebtesten Einwanderungsländer. Wer nach Kanada auswandern möchte, muss allerdings einige Hürden überwinden.

Info

Zahlen und Fakten

  • Kanada ist nach Fläche das zweitgrößte Land der Erde: Mit rund 9,98 Millionen Quadratkilometern ist es etwa 28 Mal so groß wie Deutschland, hat aber mit etwa 36,5 Millionen Einwohnern eine weniger als halb so große Bevölkerung wie die Bundesrepublik.
  • Die beiden Landes- und Amtssprachen sind Englisch und Französisch, in Nunavut auch die Inuitsprache Inuktitut. Die Hauptstadt ist Ottawa. Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II.
  • Kanada ist in zehn Provinzen und drei Territorien unterteilt (Provinzen: Nova Scotia, New Brunswick, Prince Edward Island, Neufundland und Labrador, Ontario, Québec, Alberta, Manitoba , Saskatchewan und British Columbia. Territorien, die direkt der Bundesregierung unterstellt sind, sind: Northwest Territories, Yukon und Nunavut).
  • Einziger Nachbarstaat ist die USA mit Grenzen sowohl im Süden als auch im Nordwesten.
  • Aufgrund seiner Größe gibt es in Kanada verschiedene Klima- und Zeitzonen. Mit Ausnahme des relativ milden British Columbia sind die Winter jedoch überall lange und kalt.

Eine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis erhalten

Wer als deutscher Staatsbürger für bis zu sechs Monate Urlaub in Kanada machen möchte, benötigt kein Besuchervisum. Anders sieht es aus, wenn man nach Kanada auswandern möchte.

Denn wer in Kanada arbeiten will, benötigt eine Arbeitserlaubnis. Dabei gibt es einige Möglichkeiten, eine temporäre Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu erhalten – etwa im Rahmen von Work-and-Travel-Programmen oder dann, wenn ein ausländisches Unternehmen zeitlich befristet einen Mitarbeiter an seine kanadische Auslands-Dependance entsendet.

Auswanderer streben aber eine permanente Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung an. Auch hier gibt es mehrere Programme, in jedem Fall sind aber einige Hürden zu überwinden. Ein praktikabler Weg kann es sein, zunächst eine befristete Arbeitserlaubnis zu erhalten. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn ein kanadischer Arbeitgeber aufgrund der Qualifikation des designierten Auswanderers Interesse hat und diesem eine Stelle anbietet und gleichzeitig kein kanadischer Bürger mit der Stelle besetzt werden kann. Eine solche zunächst temporäre Arbeitserlaubnis kann verlängert werden und es ist auch möglich, während des Aufenthalts in Kanada in ein anderes Programm zu wechseln, das einen permanenten Aufenthalt ermöglicht.

Das relevanteste Programm ist dabei das „Skilled worker and professionals“-Programm. Hier wird anhand eines Punktesystems ermittelt, ob der Proband nützlich für den kanadischen Arbeitsmarkt ist. Um für einen permanenten Aufenthalt in Frage zu kommen, muss der Proband eine Mindestpunktzahl aus einem Katalog verschiedener Kriterien erreichen. Relevant sind unter anderem die Qualifikation, Arbeitserfahrung, Sprachkenntnisse (Englisch/Französisch), Alter und der Familienstand. Zudem gibt es auch einen Katalog bestimmter Qualifikationen (Priority Occupation List), die auf dem kanadischen Arbeitsmarkt besonders gefragt sind. Das sind zum Beispiel medizinische und auch einige handwerkliche Berufe. Dabei gilt: Je gefragter die Qualifikation ist, desto stärker steigen die Chancen auf einen positiven Bescheid. Daneben darf der Einwanderer nicht vorbestraft sein. Dies ist durch ein polizeiliches Führungszeugnis nachzuweisen. Zudem muss der Einwanderer auch über finanzielle Reserven verfügen, damit nicht die Gefahr besteht, dass er dem kanadischen Staat finanziell zur Last wird. Bei einem Single sind das zum Beispiel 10.000 kanadische Dollar (rund 6.500 Euro).

Auswandern Kanada, Einwandern, Foto: Yakobchuk Olena / fotolia.com
Wer dauerhaft nach Kanada auswandern will, muss eine Vielzahl von Kriterien erfüllen. Foto: Yakobchuk Olena / fotolia.com

Doch es gibt noch andere Wege, nach Kanada auszuwandern, beispielsweise über ein Familienvisum. Kinder, Ehepartner Eltern und Großeltern können einen Permanent Residence Status erhalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die kanadischen Verwandten eine Bürgschaft übernehmen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Neubürger nicht dem Staat finanziell zur Last fällt.

Auch Investoren und Unternehmer sind in Kanada gern gesehene Einwanderer, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu ist ein Nachweis erforderlich, dass sie bereits erfolgreich ein Unternehmen geführt haben oder Geschäftsführer eines Unternehmens waren. Zudem ist es erforderlich, eine höhere Geldsumme in Kanada zu investieren, beziehungsweise den Nachweis zu erbringen, dass man über eine solche verfügt. Je nach Programm geht es hierbei jedoch jeweils mindestens um eine höhere sechsstellige Summe in kanadischen Dollar.

Doch nicht nur der Bundesstaat hat mehrere Wege, eine Einwanderung zu ermöglichen, auch die einzelnen Provinzen haben verschiedene Programme für die Einwanderung. Diese sind zumeist an in den jeweiligen Provinzen besonders gefragte berufliche Qualifikationen geknüpft.

Der Umzug nach Kanada

Wer nach Kanada auswandert, sollte dies gut vorbereiten und systematisch vorgehen. Anders als ein Umzug innerhalb Deutschlands oder innerhalb der EU, kann ein Umzug nach Kanada richtig ins Geld gehen.

Wer dauerhaft in Kanada leben möchte, muss sich vor seiner Abreise in Deutschland abmelden. Um sicherzugehen, dass man wichtige Sendungen erhält, sollte man einen Nachsendeauftrag bei der Post stellen. Außerdem nicht vergessen: Sämtliche Abos, Fitnessstudio- und Handyverträge in Deutschland rechtzeitig kündigen.

Umzugskartonrechner

Auch wenn es um die eigenen sieben Sachen geht, ist der Aufwand höher, als bei einem Umzug innerhals Deutschlands. Man wird nicht umhinkommen, sein Umzugsgut mit einem Schiffscontainer nach Kanada transportieren zu lassen. Das dauert in der Regel etwa zwei bis drei Wochen. Hierfür alleine ist zudem mit Kosten in Höhe von rund 4.000 bis 5.000 Euro für einen Standard-Container zu rechnen. Wer wenige Sachen hat, kann sich den Container auch mit anderen teilen. Empfehlenswert kann es deshalb sein, ein Umzugsunternehmen zu beauftragen, das sich um alles kümmert.

Auswandern Kanada, Umzug, Container, Foto: nespix / fotolia.com
Ein Umzug nach Kanada gestaltet sich komplizierter als einer innerhalb Deutschlands. So muss das persönliche Hab und Gut in der Regel mit einem Container befördert werden. Foto: nespix / fotolia.com

Arbeit und Beruf

Wer eine Arbeitserlaubnis erhalten hat, kann sich auf die Jobsuche begeben. Diese läuft vielfach etwas anders ab, als dies hierzulande der Fall ist. Der erste Schritt: recherchieren, wie die offizielle Berufsbezeichnung in Kanada lautet. Hier hilft die Definition of National Occupational Classification (NOC).

Vorteilhaft ist es, potenzielle kanadische Arbeitgeber schon vor dem Versenden der Bewerbungsunterlagen zu kontaktieren, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Arbeitgeber erwarten als Bewerbungsschreiben ein Anschreiben und einen knappen Lebenslauf, der anders als in Deutschland antichronologisch erstellt werden sollte – also das neueste zuerst. Kopien von Schul- und Arbeitszeugnissen werden nicht erwartet, viel wichtiger sind Referenzen, die am Ende des Lebenslaufes angefügt werden.

Bewerbungen werden in Kanada anonymisiert gehandhabt, um Diskriminierungen zu vermeiden. In den Bewerbungsunterlagen selbst kommen deshalb nicht vor: der Name, Angaben zum Alter, Staatsbürgerschaft, Familienstand oder Religion. Es wird ferner auch kein Bewerbungsfoto beigefügt.

Auf wie viele Urlaubstage der Arbeitnehmer gesetzlich Anspruch hat, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem von der jeweiligen Provinz. Minimum sind zehn Tage, dazu kommen rund acht oder neun Feiertage. Je länger jemand schon berufstätig ist, desto höher ist der Urlaubsanspruch. Auf die in Deutschland üblichen 30 Tage Urlaub neben den gesetzlichen Feiertagen wird man in Kanada jedoch verzichten müssen.

Auswandern Kanada, Beruf, Arzt, Foto: Iryna / fotolia.com
Das Bewerbungsverfahren in Kanada gestaltet sich anders als in Deutschland. Manche Berufe, zum Beispiel aus dem medizinischen Bereich, sind in Kanada begehrt. Foto: Iryna / fotolia.com

Der Kündigungsschutz in Kanada ist wesentlich schwächer als hierzulande. In den ersten drei Monaten kann der Arbeitgeber jederzeit kündigen. Danach beträgt die Kündigungsfrist – je nach Provinz – oft nur eine Woche. Die Verdienstmöglichkeiten sind ähnlich hoch wie in Deutschland.

Wohnen in Kanada

Die Regelungen des Mietrechts unterscheiden von Provinz zu Provinz. In manchen Provinzen kann der Vermieter eine Kaution verlangen, in anderen nicht. Dann ist es üblich, dass der Vermieter die erste und die letzte Miete zum Mietbeginn einfordert, wobei dies nicht als Sicherheit für etwaige Schäden, sondern nur als Sicherheit für Mietzahlungen vorgesehen ist.

Je nach Provinz gibt es auch Mietschutzgesetze, die Mieter vor hohen Mieterhöhungen oder ungerechtfertigten Kündigungen schützen. Insgesamt ist der Mieterschutz aber nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland.

Mietverträge werden in Kanada meist zeitlich befristet abgeschlossen, in der Regel für zunächst ein Jahr, wobei Verlängerungen üblich sind. Üblich ist es, dass Vermieter in Kanada eine Bonitätsprüfung vornehmen. Da Einwanderer in Kanada in der Regel keine Kredithistorie haben, kann es hier zu Problemen kommen. Alternativ kann der Mieter auch einen Bürgen benennen.

Wer statt zu mieten lieber kaufen will, sollte dies erst tun, wenn er einen dauerhaften Aufenthaltstitel hat. Zu beachten ist, dass bereits ein Vorvertrag rechtsverbindlich ist. Üblicherweise wickelt ein Makler den ganzen Verkaufsvorgang ab, lediglich die Eintragung ins Grundbuch wird von einem Anwalt vorgenommen. Dabei sollten die Kaufnebenkosten nicht vergessen werden, die sich je nach Provinz unterscheiden. Auch bei einem späteren Verkauf fallen Kosten an – in Form einer Wertzuwachssteuer.

Auswandern Kanada, Wohnen, Foto: Spiroview Inc. / fotolia.com
Wohnen in Kanada: In der Stadt oder auf dem Land – das ist vor allem auch eine Frage des Preises. Foto: Spiroview Inc. / fotolia.com

Lebenshaltungskosten in Kanada

Manche Dinge sind in Kanada günstiger als in Deutschland, manche teurer. Für Nahrungsmittel sind in der Regel höhere Preise zu zahlen als in Deutschland. Günstiger sind zum Beispiel Benzin und auch die Steuern sind relativ niedrig. Auch unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten je nach Region. In ländlichen Gegenden ist das Leben deutlich preiswerter als in Metropolen wie beispielsweise Toronto oder Vancouver. Insbesondere fürs Wohnen werden in den Metropolen hohe Mieten und Kaufpreise verlangt. Wer dagegen in ländlichen Regionen leben will, findet dort bezahlbare Immobilien, die sich oftmals durch Grundstücksgrößen auszeichnen, die sich hierzulande nur Wenige leisten könnten.

Die Basis-Gesundheitsvorsorge in Kanada ist, sofern man über eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung verfügt, nach Ablauf einer Dreimonatsfrist in den meisten Provinzen steuerfinanziert und kostenlos, nur in Alberta und British Columbia zahlt man Krankenversicherungsbeiträge. Gezahlt werden aber nur medizinisch notwendige Behandlungen, wobei es je nach Provinz Unterschiede gibt. Schönheitsoperationen, zahnärztliche Behandlungen und oft auch Medikamente müssen aus eigener Tasche gezahlt werden. Wer eine Vollversorgung haben will, muss eine private Krankenversicherung abschließen.

Beliebtes Einwanderungsland

Kanada ist wegen seiner unendlichen und oft unberührten Natur bei Einwanderern sehr beliebt. Doch ist es nicht ganz einfach, die vielen Voraussetzungen für eine Einwanderung zu erfüllen. Oft hat nur der, der aufgrund seiner Qualifikationen nützlich für Kanada ist, gute Chancen, dauerhaft in Kanada leben zu dürfen.


Ihre Meinung zählt

(2)
5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
2
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Umzug ins Ausland

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben