Auswandern nach Schweden: Neustart im hohen Norden

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Schweden ist ein beliebtes Ferienziel. Doch manche Deutsche träumen davon, für immer im skandinavischen Land zu leben. Wie Auswanderwillige bei der Planung vorgehen sollten, wie Umzug, Wohnungs- und Arbeitssuche klappen, klärt nachfolgender Beitrag.

Auswandern nach Schweden, Schwedische Fahne im Vordergrund, Hafen von Stockholm im Hintergrund Foto: AlexiTauzin/stock.adobe.com
Schweden steht sowohl für idyllische Natur als auch für lebenswerte Städte wie Stockholm. Foto: AlexiTauzin/stock.adobe.com

Ob neue berufliche Perspektiven, ein hervorragendes Sozialsystem oder die malerische Landschaft – Gründe für ein Auswandern nach Schweden gibt es viele. Für Deutsche ist der Umzug in das skandinavische Land dank Zugehörigkeit zur Europäischen Union (EU) zudem relativ einfach. Dennoch gibt es ein paar Besonderheiten, die Auswanderwillige vor dem Umzug bedenken sollten.

Info

Zahlen, Daten, Fakten

  • Fläche: Schweden hat circa 450.000 Quadratkilometer Fläche uund ist damit das drittgrößte Land der Europäischen Union.
  • Population: 10,2 Millionen Einwohner. Davon leben circa 1,7 Millionen Menschen in der Hauptstadt Stockholm. Ansonsten ist Schweden recht dünn besiedelt: Die Bevölkerungsdichte beträgt nur 22,6 Einwohnern je Quadratkilometer.
  • Staatsform: Konstitutionelle Monarchie mit parlamentarischer Demokratie. Dies bedeutet, dass der schwedische König zwar Staatsoberhaupt ist, die Exekutivgewalt aber durch die Regierung und ihrem Premierminister ausgeübt wird.
  • Landeswährung: Schwedische Kronen (SEK)
  • Amtssprachen: Schwedisch. Allerdings sprechen die meisten Schweden auch sehr gut Englisch und auch Deutschkenntnisse sind insbesondere in den älteren Generationen weitverbreitet.
  • Klima: Durch die Nähe zum Golfstrom herrscht in weiten Teilen des Landes ein gemäßigtes Klima ¬– ähnlich wie in Deutschland. Da der Norden Schwedens allerdings oberhalb des Polarkreises liegt, müssen Auswanderwillige sich dort auf einen beträchtlichen Unterschied zwischen nahezu endlosen Sommertagen und der langen Dunkelheit im Winter einstellen.

Wer einen Umzug nach Schweden plant, sollte diesen gut vorbereiten. Denn zu dem Plan, für immer in einem anderen Land leben zu wollen, gehört neben einer gehörigen Portion Mut auch viel Organisation.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Da Schweden Mitglied der EU ist, können deutsche Auswanderer vom europäischen Freizügigkeitsgesetz Gebrauch machen und zunächst ohne Erlaubnis im skandinavischen Land wohnen und arbeiten. Eine Arbeitserlaubnis braucht es dafür nicht. Zur Einreise benötigen sie lediglich ihren Personalausweis.

Erst nach drei Monaten wird’s ernst: Voraussetzungen für den längeren Aufenthalt in Schweden

Wer länger als drei Monate bleiben möchte, muss sich spätestens zum Ende des dritten Monats seinen Aufenthalt bestätigen lassen. Die Genehmigung stellt das schwedische Einwanderungsamt (Migrationsverket) aus, wenn der Auswanderer nachweisen kann, dass er in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Diese Bedingung erfüllt, wer:

  • einen Arbeitsvertrag bei einem schwedischen Unternehmen vorweisen kann,
  • einen eigenen Betrieb führt,
  • ausreichend Vermögen besitzt,
  • eine ausreichende Rente bezieht oder
  • Partner oder Kind eines Einwanderers mit Aufenthaltsrecht ist.

Gekommen, um zu bleiben: Daueraufenthaltsrecht beantragen

Wer sich fünf Jahre am Stück entsprechend den Bestimmungen des Freizügigkeitsrechts in Schweden aufgehalten hat, erwirbt das dauerhafte Aufenthaltsrecht. Damit können Einwanderer zusammen mit ihren Familienmitgliedern für unbegrenzte Dauer in Schweden bleiben und arbeiten – unabhängig davon, ob die oben genannten Bedingungen erfüllt werden. Hierfür dürfen die Antragsteller allerdings nicht länger als sechs Monate eines Jahres im Ausland verbracht haben. Alternativ kann auch die schwedische Staatsbürgerschaft beim Einwanderungsamt beantragt werden.

Wer diese annimmt, hat es mit dem Papierkram in Zukunft etwas leichter. Natürlich können Auswanderer aber auch weiterhin als deutsche Staatsbürger in Schweden leben. Lediglich das Verlängern von Ausweisdokumenten und Führerscheinen ist dann etwas komplizierter, denn diese können nur über die deutsche Botschaft in Stockholm beantragt werden.

In Schweden ist es außerdem möglich, eine doppelte Staatsbürgerschaft zu beantragen. Nehmen Auswanderwillige also die schwedische Staatsbürgerschaft an, können sie die deutsche weiterhin behalten.

Wohnen in Schweden

Auswandern nach Schweden, rotes Schwedenhaus steht auf grüner Wiese. Auswandern nach Schweden, rotes Schwedenhaus steht auf grüner Wiese. Foto: DagmarRichardt/stock.adobe.com
Von einem typischen Schwedenhaus träumt so mancher Auswanderer. Man findet sie vor allem in den ländlichen Regionen im Süden des Landes. Foto: DagmarRichardt/stock.adobe.com

Wer beschließt, nach Schweden auszuwandern, für den steht schon bald die nächste Entscheidung an: Wo genau soll das zukünftige Zuhause sein? Denn zwischen einem Leben im Norden oder Süden des Landes, gibt es in Schweden einen großen Unterschied. Aufgrund der Nähe zum Polarkreis sind die Winter im nördlichen Teil besonders lang und dunkel. Dass sich die Sonne dann monatelang nur für wenige Stunden am Tag zeigt, ist für viele Neu-Schweden gewöhnungsbedürftig. Hinzu kommt, dass dieser Abschnitt noch dünner besiedelt ist als das restliche Land. Auch dies sollten Auswanderer bedenken, da sich eine geringe Dichte an potentiellen Nachbarn auf das Knüpfen von sozialen Kontakten auswirken kann. 

Ebenfalls sollten sich Auswanderwillige darüber Gedanken machen, wo sie die besten Aussichten auf eine Arbeitsstelle haben und in welchen Regionen ihre beruflichen Qualifikationen gesucht werden. Denn in Schweden ist ein fester Wohnsitz Voraussetzung für eine erfolgreiche Jobsuche.

Darüber hinaus sollte vor der Auswanderung Klarheit herrschen, ob in Schweden zukünftig zur Miete oder in den eigenen vier Wänden gewohnt werden soll. Denn dies bestimmt die Art der Suche nach einem neuen Zuhause.

Immobilien mieten: kleine Auswahl, lange Wartezeiten

Vor allem wer eine Mietwohnung sucht, muss schon frühzeitig die Augen offenhalten. Gerade in größeren Städten gibt es einen Mangel an Mietobjekten und die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Denn nur wenige Privatpersonen vermieten ihr Eigentum, da sie durch die staatliche Mietpreisregulierung keine hohen Mietrenditen erwarten können.

Öfter sind es die Wohnungsbaugesellschaften der Kommunen, die Miethäuser bauen und vermieten. Sie haben aufgrund der hohen Nachfrage oftmals Wartelisten, auf denen Interessenten mehrere Jahre stehen können, bis etwas passendes verfügbar ist. Dann allerdings ist schnelles Handeln nötig, um die Chance nicht zu verpassen.

Die wenigen Wohnungen, die dennoch auf dem offenen Wohnungsmarkt angeboten werden, sind oft durch ihren derzeitigen Mieter untervermietet. Vor der Unterzeichnung eines solchen Untermietvertrags (andrahandskontrakt), sollte dieser jedoch genau geprüft werden, da Wohnungen aus zweiter Hand oftmals möbliert und nur für einen begrenzten Zeitraum vermietet werden.

Info

Schwedische Wohnungsanzeigen richtig verstehen

  • Die Anzahl der Zimmer eines Objekts bezieht sich meistens auf die Gesamtanzahl der vorhandenen Räume. Küche und Badezimmer sind, wie in Deutschland, hierbei ausgenommen.
  • Die ausgewiesene Miete eines Wohnungsangebots umfasst in der Regel auch die Wohnnebenkosten. So sind die Kosten für Heizung, Müllabfuhr und Gebäudereinigung im Mietpreis enthalten, während Kosten für Strom-, Internet- und Fernsehanschluss noch hinzukommen.
  • In den meisten schwedischen Badezimmern ist kein Platz für eine Waschmaschine. Viele Wohnungsanzeigen werben daher mit einem Waschraum (tvättrum), in dem Waschmaschinen und Trockner zur gemeinschaftlich genutzt werden können. Auch Saunen oder Gästezimmer zur gemeinsamen Nutzung durch alle Mietparteien sind keine Seltenheit.

Nur mit Makler: Immobilienkauf in Schweden

Wenn man sich sicher ist, in welcher Region Schwedens man gerne wohnen möchte, kann man sich dort auch direkt auf die Suche nach einer Immobilie machen, die zum Kauf angeboten wird.

Link-Tipp

Hier finden Sie Miet- und Kaufimmobilien in Schweden.

Die Immobiliensuche ist durch zahlreiche Internetportale vergleichsweise einfach. Kaufangebote werden grundsätzlich mit einem Startpreis (Utgangspris) eingestellt. Gefällt das Objekt, kann nach der Besichtigung ein Gebot eingereicht werden. Das abgegebene Höchstgebot ist für alle Interessenten einsehbar, sodass gegebenenfalls noch nachgebessert werden kann. Bei mehreren potenziellen Hauskäufern liegt der Preis für das Objekt am Ende oft über dem Ausgangspreis; bei wenigen Interessenten kann es auch darunter verkauft werden.

Achtung

Der schwedische Immobilienmarkt lässt sich nur schwer mit dem deutschen vergleichen. Dies liegt vor allem an der sehr viel einfacheren Bauweise in Schweden. Zusätzlich liegt die Ausstattung von Wohnhäusern auf einem niedrigeren Niveau, weshalb die Preise in der Regel deutlich günstiger sind.

Der Immobilienverkauf in Schweden wird generell über Immobilienmakler abgewickelt. Denn anders als in Deutschland, sind sie in Schweden dazu befugt, die Umschreibung der Immobilie selbst durchzuführen. Um die Provision in Höhe von bis zu fünf Prozent für diese Maklerleistung müssen sich allerdings die wenigsten Auswanderer Gedanken machen, denn sie wird in Schweden grundsätzlich vom Verkäufer der Immobilie gezahlt. Von Immobilienangeboten, bei denen vom Hauskäufer eine Provision verlangt wird, sollte daher Abstand genommen werden. Sie sind sowohl unseriös als auch nicht zulässig.
Der Hauskauf in Schweden hat eine weitere Besonderheit: So müssen Kaufverträge nicht notariell beglaubigt werden, sondern werden nur zwischen Verkäufer und Käufer geschlossen. Somit ist den Interessenten dringend geraten, den Vertrag vor dem Unterschreiben von einem schwedischen Juristen prüfen und eventuell übersetzen zu lassen.
Hat man sein Traumhaus gefunden und vertraglich festgehalten, dass es in den eigenen Besitz übergeht, werden meist werden meist zehn Prozent der Kaufsumme als Anzahlung fällig. Die restlichen 90 Prozent müssen spätestens zum Zeitpunkt der Hausübergabe an den Verkäufer überwiesen werden.

Typisch schwedisch: Der Wohnverein

Auswandern nach Schweden, Bunte Häuser in der schwedischen Hauptstadt Stockholm Foto: adisa/stock.adobe.com
Mietwohnungen in den schwedischen Städten sind nur schwer zu bekommen. Auswanderer sollten sich auf lange Wartezeiten einstellen. Eine Alternative könnte eine spezielle Form des Wohneigentums sein. Foto: adisa/stock.adobe.com

Während die Deutschen „nur“ zwischen kaufen oder mieten unterscheiden, gibt es in Schweden eine dritte Wohnform: das sogenannte Bostadsrätt. Wörtlich übersetzt bedeutet es Wohnrecht; stellt allerdings eine Mischform zwischen Eigentumsgemeinschaft und Genossenschaft dar. Wer ein Bostadsrätt erwirbt, tritt in den Wohnverein ein, dem die Wohnanlage gehört.

Ähnlich wie beim Hauskauf, wird auch das Wohnrecht in einer Art Auktion, angefangen mit einem Ausgangspreis, angeboten. Auf diese Weise können sich die Preise natürlich hochschrauben, vor allem wenn die Wohnung beliebt ist und in einem Gebiet mit wenig Wohnangebot liegt. Doch das höchste Gebot abzugeben reicht zum Erwerb des Bödstadrätts nicht aus, denn der Verein muss dem Verkauf und damit verbundenen Vereinseintritt erst zustimmen.

Der Wohnverein bleibt außerdem immer der eigentliche Besitzer der Anlage, nach Beitritt wird das neue Mitglied jedoch als Miteigentümer in der Gesamtimmobilie eingetragen. Gleichzeitig erwirbt es das Dauerwohnrecht darin – ist aber auch an die Einhaltung der gemeinsam festgelegten Regelungen des Vereins gebunden.

Denn anders als in seinem eigenen Eigentum bestimmt hier die Wohnvereinigung ob die Wohnung untervermietet werden darf oder ob bauliche Veränderungen durchgeführt werden dürfen. Über diese und andere Entscheidungen berät der Wohnverein in regelmäßigen Treffen. Auch die Höhe der monatlichen Abgabe an den Verein und über deren Verwendung, wird hier bestimmt. Es muss also, obwohl sich die Mitglieder bereits mit einer hohen Summe in den Verein eingekauft hat, monatlich ein Betrag gezahlt werden, um die Kosten für Versicherungen, Pflege und Reparaturen für die Anlage zu decken. Sollte der Verein hierbei einen Gewinn erwirtschaften, wird dieser an seine Mitglieder ausgeschüttet. An oberster Stelle steht dabei immer das Wohl des Kollektivs.

So klappt der Umzug nach Schweden

Wer auswandert, hat bereits im Vorfeld viele Dinge zu regeln. Manches können Auswanderwillige schon von Deutschland aus erledigen. Anderes wiederum ist erst vor Ort in Schweden möglich.

In Deutschland regeln

Der wichtigste Schritt vor einer Auswanderung besteht in einer gründlichen Vorbereitung. Je früher die Planung beginnt, desto entspannter wird der Umzug in die neue Heimat. Und so manches kann später von Schweden aus nicht mehr so einfach und schnell erledigt werden. Daher empfiehlt es sich, schon von Deutschland aus die ersten Dinge zu regeln.

Kündigungen von Miet-, Strom- Versicherungs- und Handyverträgen

Auswandern nach Schweden, Frau wirft Brief in einen Briefkasten Foto: AndreyPopov/stock.adobe.com
Bevor sie Deutschland verlassen, gilt es für Auswanderer einige organisatorische Aufgaben zu erledigen. So sollten sie ihre bestehenden Verträge prüfen und gegeben falls rechtzeitig Kündigungen verschicken. Foto: AndreyPopov/stock.adobe.com

Alle bestehenden Verträge sollten auf ihre Fristen überprüft und bei Bedarf rechtzeitig gekündigt werden. Dies gilt vor allem vor für den Mietvertrag und Verträge über zugehörige Leistungen mit Stromanbietern oder Versicherungen.

Wer auswandert, sollte auch den Handyvertrag kontrollieren. Dank neuer EU-Regelung entstehen im Ausland zwar keine horrenden Kosten mehr, ein schwedischer Mobilfunkanbieter wird für Inlandsgespräche und Datennutzung aber vermutlich günstigere Tarife aufrufen.

Außerdem nicht vergessen: Sämtliche Abos und Mitgliedschaften in Firnessstudios und Vereinen in Deutschland rechtzeitig kündigen.

Wohnsitz in Deutschland abmelden?

Wer ins Ausland zieht und in Deutschland keine Wohnung mehr bewohnt, muss sich bei seiner zuständigen Meldebehörde in Deutschland abmelden. Die Frist hierfür beträgt 14 Tage. Von der Behörde sollten sich Auswanderer eine Abmeldebestätigung geben lassen. So kann die deutsche Botschaft in Schweden später ohne Probleme für den Auswanderer tätig werden und beispielsweise den Wohnort im Reisepass ändern oder einen neuen ausstellen.

Wer sich noch nicht sicher ist, ob er wirklich für immer in leben Schweden möchte, dem empfiehlt es sich, erst einmal in Deutschland gemeldet zu bleiben und im skandinavischen Land einen Zweitwohnsitz anzumelden.

In jedem Fall ist es ratsam, einen Nachsendeauftrag bei der Post zu stellen, um sicherzugehen, dass wichtige Sendungen auch in Schweden ankommen.

Impfungen

Wie vor jeder Reise ins Ausland, sollte der Impfschutz geprüft werden. Für Schweden gibt es zwar keine spezifischen Impfvorschriften, das Auswärtige Amt empfiehlt aber, alle Standardimpfungen gemäß aktuellem Impfkalender des Robert-Koch-Instituts zu vervollständigen oder aufzufrischen. Dazu gehören etwa Masern, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und einige mehr.

Umzugsunternehmen oder Eigenregie?

Auswandern nach Schweden, Männer tragen Umzugskartons in Lastkraftwagen Foto: AfricaStudio/stock.adobe.com
Viele Auswanderer greifen für den Umzug in das neue Heimatland Schweden auf professionelle Umzugshelfer zurück. Foto: AfricaStudio/stock.adobe.com

Wie bei jedem anderen Umzug auch, gilt es viel zu bedenken und zu packen – und weil es dieses Mal ins Ausland geht – nun mal ein bisschen mehr als sonst. Schließlich muss nicht nur Kleidung wie für einen Urlaub mit, sondern der gesamte Hausrat.

Aber ob Auswanderer wirklich alles mitnehmen können, hängt natürlich auch davon ab, ob das neue Zuhause genauso groß ist wie in Deutschland oder ob sich der Auswanderer hinsichtlich der Wohnfläche in Schweden einschränken muss. Gegebenenfalls ist es sinnvoll, sich im Vorfeld von ein paar Stücken zu trennen. Zum einen, um die Haushaltskasse ein wenig aufzubessern, zum anderen steigt mit jedem Karton natürlich die Größe des Umzugs, womit sich auch Zeitaufwand und Kosten erhöhen.

Umzugskartonrechner

Trotzdem werden Auswanderer in vielen Fällen ein Umzugsunternehmen beauftragen müssen. Hierbei lohnt es sich durchaus, verschiedene Anbieter miteinander zu vergleichen.

Alternativ können Auswanderer natürlich auch versuchen, den Umzug in Eigenregie zu stemmen. Hierfür braucht es aber eventuell eine Fahrerlaubnis für Lastkraftwagen und ganz sicher auch viele fleißige Hände aus dem Freundes- und Bekanntenkreis.

Wer einen solchen Umzug ohne Fachleute durchführen will, muss sich dann wirklich um alles selbst kümmern, was eine logistische Herausforderung sein kann. Professionelle Hilfe kann also durchaus hilfreich sein, gerade wenn die Auswanderer bis kurz vor dem Umzug beruflich eingebunden sind.

Einfuhrbestimmungen: Was darf mit?

Als Zollunion müssen innerhalb der EU und damit auch von Deutschland nach Schweden keine Zölle für die Einfuhr von Gütern gezahlt werden. Schweden hat jedoch eigene Vorschriften für Lebensmittel, Medikamente und Waffen. Auch Alkohol darf nur in begrenzten Mengen eingeführt werden.

Link-Tipp

Auf der Seite des Schwedischen Zolls können die einzelnen Bestimmungen nachgelesen werden.

Für die Einfuhr von Hunden, Katzen und anderen Haustieren gelten in der EU einheitliche Regeln. Auswanderer benötigen zwar keine schriftliche Genehmigung, müssen seine tierischen Begleiter aber unbedingt vorher beim Zoll anmelden. Außerdem sind folgende Bedingungen zu erfüllen:

  • Das Tier muss mit einer ID-Markierung versehen sein.
  • Hunde, Katzen und andere Haustiere müssen gegen Tollwut geimpft sein. Hierbei ist zu beachten, dass das Impfpräparat auch in Schweden anerkannt ist.
  • Der Heimat-Tierarzt muss für das Haustier einen EU-Pass ausstellen und sowohl die ID-Nummern als auch alle Behandlungen in diesem vermerken.

Ergänzungen und weitere Informationen über die aktuellen Regelungen für Haustiere können auf der Website des Schwedischen Zentralamtes für Landwirtschaft nachgelesen werden.

In Schweden angekommen – und jetzt?

Mit der Abmeldung aus Deutschland und dem Umzug nach Schweden ist es aber noch nicht getan. Damit es mit dem Neustart in Skandinavien klappt, gibt es ein paar Dinge, die gleich nach der Ankunft getan werden sollten.

Personennummer und ID-Kort

Wer plant, länger als ein Jahr in Schweden zu bleiben, sollte beim Skatteverket vorstellig werden. Das Skatteverket ist gleichzeitig das schwedische Finanz-, Einwohnermelde- und Standesamt. Auch für die Beantragung der Personennummer und der ID-Kort ist es zuständig.

Die Personennummer besteht aus dem eigenen Geburtstagdatum und einer zufällig ausgewählten vierstelligen Zahl. Ohne die individuelle Nummer geht praktisch nichts, denn für Behördengänge oder um etwa ein Bankkonto zu eröffnen oder eine Versicherung abzuschließen ist die 12-stellige Zahl unabdingbar. Sie wird auch auf der Identitätskarte, der ID-Kort, vermerkt. Diese ist vergleichbar mit dem deutschen Personalausweis, stellt zwar kein gültiges Reisedokument dar, wird im Alltag aber öfter benötigt. Wer in Schweden lebt, braucht sie zum Beispiel zur Rezepteinlösung in der Apotheke, für Bankgeschäfte oder für die Bestätigung einer Kreditkartenzahlung. Für die Annahme der schwedischen Staatsbürgerschaft ist der Besitz einer ID-Kort zwingend erforderlich.

Achtung

Gewöhnungsbedürftige Auskunftsbereitschaft des schwedischen Finanzamtes

Anders als das deutsche Finanzamt ist das schwedische Gegenstück alles andere als diskret. Es setzt auf totale Transparenz: Jeder Einwohner kann jederzeit Auskunft über die steuerlichen Einnahmen eines anderen Einwohners anfragen. Dieser Service wird tatsächlich millionenfach im Jahr genutzt.

Bankkonto

Auswandern nach Schweden, Frau zahlt mit der EC-Karte Foto: Nomad_Soul/stock.adobe.com
In Schweden werden auch Kleinstbeträge bargeldlos bezahlt. Daher ist es für Auswanderer ratsam, ein schwedisches Bankkonto zu eröffnen. Foto: Nomad_Soul/stock.adobe.com

In Schweden ist der bargeldlose Zahlungsverkehr weit verbreitet. Auch kleinste Beträge werden in oft mit Bank- oder Kreditkarte beglichen.  Um eventuelle Wechselgebühren und Entgelte für ausländische Transaktionen zu vermeiden, bietet es sich an, ein schwedisches Bankkonto zu eröffnen.

Dafür benötigen die meisten Banken natürlich die Personennummer und ID-Kort. Außerdem müssen Auswanderer ihre dauerhafte Adresse nennen. Wer bei Ankunft noch keinen festen Wohnsitz hat, kann sich mit seiner Bank besprechen und andere Möglichkeiten ausloten. Übrigens: Die schwedischen Behörden arbeiten eng zusammen. So werden spätere Adress- oder Namensänderungen automatisch an Banken sowie die wichtigsten Behörden weitergeleitet.

Allzeit gute Fahrt: Führerschein

Wie alle in der EU ausgestellten Führerscheine ist auch der deutsche Führerschein in Schweden anerkannt. Beim Umsiedeln muss der Führerschein also nicht gegen einen schwedischen getauscht werden, sofern er gültig ist.

Grundsätzlich unterscheidet sich der schwedische Straßenverkehr nicht vom deutschen Pendant. Autofahrer sollten aber darauf achten, dass die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen 110 Kilometer pro Stunde beträgt. Sie sollten sich auch daran gewöhnen, ihr Fahrzeug grundsätzlich mit Licht zu fahren. Das Fahren ohne Abblendlicht ist verboten und wird mit einem Bußgeld, welches an die monatlichen Einkünfte gekoppelt ist, geahndet.

Link-Tipp

An- und Abmelden von Fahrzeugen in Schweden finden Sie auf der Internetseite des Schwedischen Verkehrsamtes

Auf Nummer sicher gehen: Versicherungen

Mit Arbeitsbeginn in Schweden tritt jeder Auswanderer auch in das schwedische Sozialsystem ein. Die Nationale Agentur für Sozialversicherung (Allmänna Försakringskassa) deckt dabei folgende Bereiche ab:

  • Krankenversicherung
  • Berufsschadenversicherung
  • Invaliditätsversicherung
  • Rentenversicherung (ab dem 65. Lebensjahr)

Die Krankenversicherung umfasst auch Krankengeld und Rehabilitationsgeld. Arztbesuche und die Behandlungskosten trägt die Versicherung ebenfalls, allerdings immer mit Selbstbeteiligungen. Für Auswanderer lohnt es sich, eventuell eine befristete Auslands-Krankenversicherung abzuschließen, um den Übergang abzusichern.

Achtung

Kosten für Zahnbehandlungen werden von der schwedischen Krankenkasse nicht übernommen, weshalb die meisten Einwohner eine private Zusatzversicherung besitzen.

Schwedische Bürger haben im Sozialstaat zusätzlich Recht auf Wohn- und Kindergeld. Bezahlt werden all diese Leistungen mit der Einkommensteuer beziehungsweise mit Abgaben des Arbeitgebers.

Schule und Bildung

Wenn die ganze Familie gemeinsam auswandert, müssen schulpflichtige Kinder an der entsprechenden Bildungseinrichtung vor Ort angemeldet werden. Die Schulpflicht in Schweden besteht vom siebten bis zum 16. Lebensjahr – diese neun Jahre dauert die Grundschule an. Anschließend können die Kinder für 3 weitere Jahre ein Gymnasium besuchen. Die Schulausbildung ist – wie auch das Studium – kostenlos.

Der Arbeitsmarkt in Schweden

Auswandern nach Schweden, Frau sitzt in einem Bewerbungsgespräch Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
Schweden ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsland, sondern auch für viele Arbeitnehmer attraktiv. Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

Die Jobsuche in der neuen Heimat hat für die meisten deutschen Auswanderer Priorität. Und sie haben gute Aussichten: Denn Schweden verfügt über einen starken Arbeitsmarkt und in zahlreichen Berufsgruppen besteht eine hohe Chance auf eine Anstellung. Damit die Bewerbung aber wirklich erfolgreich ist, müssen Bewerber sie an die Anforderungen in Schweden anpassen. Und auch im Arbeitsleben gibt es einige Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland.

Die Jobsuche

Die Suche erfolgt aber zunächst ähnlich wie im Deutschland. Auch in Schweden werden die meisten Stellen online ausgeschrieben. Dies bedeutet für Auswanderer auch, dass sie sich schon von Deutschland aus auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle machen können.

Das Portal Eureopean Employment Services (EURES) unterstützt EU-Bürger bei der Arbeitssuche. Dieses Netzwerk stellt Informationen bereit, berät und hilft bei der Vermittlung von mobilitätswilligen Arbeitnehmern. Auch das Arbeitsamt (Arbetsförmedlingen) veröffentlicht regelmäßig freie Stellenausschreibungen. Sich dort zu registrieren kann sich lohnen, da manche Arbeitgeber erst die Datenbank durchsuchen, bevor sie eine Stelle offiziell ausschreiben.

Im Gesundheitswesen, in der Baubranche, im Informatiksektor und im Bereich der Hochtechnologie werden ständig qualifizierte Fachkräfte gesucht.

Achtung

Um die Arbeit ausüben zu können, ist in einigen Sektoren eine schwedische Zulassung notwendig. Davon sind beispielsweise Ärzte, Anwälte, Immobilienmakler oder Wachpersonal betroffen. Nicht reglementiert ist hingegen der Lehrerberuf.

Wer eine vielversprechende Stelle gefunden hat, muss als nächstes eine Bewerbung verfassen. Diese setzt sich wie in Deutschland auch in Schweden aus einem persönlichen Anschreiben und einem Lebenslauf zusammen. Dabei kann auf höfliche Formulierungen verzichtet werden und der zukünftige Vorgesetzte gerne geduzt werden. Wie in ganz Skandinavien sind Bewerbungsfotos eher selten Teil der Bewerbung. Zeugnisse und Zertifikate werden ebenfalls nicht beigefügt, sondern erst zum Vorstellungsgespräch mitgenommen. Stattdessen suchen schwedische Personaler eher nach Referenzen, wie Empfehlungen vom vorherigen Arbeitgeber.

Zur Aufnahme einer Tätigkeit in Schweden sind in der Regel englische Sprachkenntnisse erforderlich. Aber auch Schwedisch-Kenntnisse können in manchen Berufszweigen Bedingung für eine Einstellung sein. Viele Unternehmen bieten ihren ausländischen Mitarbeitern auch Sprachkurse an, um Schwedisch zu erlernen und damit den Zusammenhalt zu fördern.

Achtung

Die Schweden müssen im EU-Vergleich die höchsten Steuern zahlen. Je nach Einkommen und Region können so schon einmal bis zu 60 Prozent des Einkommens an den Staat gehen. Dies sollte berücksichtigt werden, wenn das Gehalt ausgehandelt wird.

Arbeiten in Schweden

Auswandern nach Schweden, Kollegen stehen im Büro und trinken Kaffee Foto: fizkes/stock.adobe.com
Die Kaffeepause mit dem Chef zu verbringen ist in Schweden keine Seltenheit: Flache Hierarchien und ein lockerer Umgangston sind nicht unüblich. Foto: fizkes/stock.adobe.com

Mit Start im neuen Job werden Auswanderer ein paar Besonderheiten beobachten können. Ansonsten unterscheidet sich der Arbeitsalltag in Schweden aber nicht allzu sehr vom deutschen Alltag.

Denn da Schweden ebenfalls zur EU gehört, gibt es viele Parallelen zum deutschen Arbeitsrecht. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Und mit Vertragsbeginn kann eine Probezeit von maximal sechs Monaten vereinbart werden. Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von 25 Tagen. Allerdings wird in Schweden zwischen bezahltem und unbezahltem Urlaub unterschieden. Obwohl bezahlter Urlaub eigentlich erst nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit gewährt wird, genehmigen die meisten Arbeitgeber neben dem unbezahlten Urlaub auch einen Vorschuss auf den bezahlten Freizeitausgleich. Während des vergüteten Urlaubs erhalten schwedische Arbeitnehmer zusätzlich pro Urlaubstag mindestes 0,43 Prozent des Montagsgehalts als Urlaubszuschuss.

Einen weiteren Unterschied stellen die flachen Hierarchien in schwedischen Unternehmen dar; sie sind bekannt für ihre lockeren Unternehmensstrukturen. Der Chef begegnet einem schon einmal im T-Shirt und wird geduzt. Denn das wird in Schweden – mit Ausnahme der Königsfamilie – wirklich jeder. Und während der obligatorischen Kaffeepausen, die fika genannt werden, tauschen sich die Schweden gern auch mit den Vorgesetzten über Haus, Hobby und Hund aus.

Rente in Schweden

Manch Auswanderer kommt aber nicht aufgrund neuer beruflicher Perspektiven nach Schweden, sondern möchte seinen Lebensabend im skandinavischen Land verbringen.

Aufgrund des geschlossenen Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Schweden bleiben die deutschen Rentenansprüche auch dann erhalten, wenn Deutsche künftig in Schweden ihren Ruhestand genießen möchte.

Genauso haben Arbeitnehmer Anspruch auf die in Schweden erarbeitete Rente, wenn es sie irgendwann doch wieder zurück nach Deutschland zieht. Diese sollte allerdings mit einer privaten Zusatzrente aufgestockt werden, da die schwedische Einheitsrente nur bei etwa 50% des letzten Einkommens liegt.

Hej Sverige!

Wie bei jedem Vorhaben, seinen Lebensmittelpunkt für immer in ein anderes Land zu verlegen, ist die Planung das A und O. Wer seine Chancen auf einen geglückten Neuanfang erhöhen möchte, sollte bereits frühzeitig damit beginnen, nach einem neuen Zuhause und einer neuen Arbeitsstelle zu suchen. Dann lässt sich vom hohen Lebensstandard in Schweden sehr gut profitieren.


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