Besichtigungen während Corona: Das müssen Suchende und Mieter wissen

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Die zweite Coronawelle hat Deutschland erreicht und stellt Wohnungssuchende und Mieter, die ihre Wohnung bereits gekündigt haben, vor Probleme. Diese sind aber nicht unlösbar. Ein Überblick was geht und an welche Maßnahmen sich Suchende halten müssen.

Wohnungsbesichtigung Corona, Maske, Mieter, Interessenten, Foto: istock.com/AndreyPopov
Besichtigungen sind unter Einhaltung der Abstände und Schutzmaßnahmen weiterhin erlaubt. Foto: istock.com/AndreyPopov

Die gute Nachricht vorweg: Besichtigungen können weiterhin stattfinden. Wegen der Coronapandemie dürfen allerdings nur eine bestimmte Anzahl an Teilnehmern bei der Besichtigung dabei sein und es gelten die Abstandsregeln und Hygienemaßnamen.

Darauf müssen Wohnungssuchende während der Coronapandemie achten

Auf eine Besichtigung muss auch während der Suche nach einer neuen Wohnung niemand verzichten. In der Praxis bringen Wohnungsbesichtigungen jetzt allerdings einige Herausforderungen mit sich. Wer Ängste und Bedenken wegen Corona hat, sollte mit dem Makler oder Vermieter offen darüber sprechen. Um eine ungeeignete Wohnung vielleicht doch schon vor einem Besichtigungstermin auszuschließen, helfen intensive Vorgespräche.

Was Suchende vor der Besichtigung erledigen können

Neben den Informationen, die der Suchende in der Immobilienanzeige findet, kann er den Anbieter um ein ausführliches Exposé und ein Telefonat bitten, bei dem grundlegende Fragen schon geklärt werden können. Wie genau ist die Wohnung ausgestattet? Gibt es einen Keller, eine Abstellkammer, einen Dachboden oder eine Waschküche? Wo befinden sich die Anschlüsse für Waschmaschine, Internet oder Fernseher? Wie hoch sind die Räume?

Manche Anbieter ermöglichen auch virtuelle Besichtigungen, um alle Beteiligten vor einer möglichen Infektion zu schützen. Das ersetzt natürlich auch keine Besichtigung vor Ort, kann aber schon Ausschlusskriterien zu Tage fördern und eine Besichtigung überflüssig machen.

Zieht der Suchende innerhalb einer Stadt um kann auch die Wohngegend vorab bei einem Spaziergang inspiziert werden. Wenn sie dem Suchenden zusagt, kann er im nächsten Schritt die Wohnung besichtigen.

Wie die Besichtigung am besten verläuft

Findet die Besichtigung statt, ist auch eine detaillierte Vorbesprechung über den genauen Ablauf ratsam, damit das Ansteckungsrisiko gering bleibt. Am besten hat die Besichtigung so wenig Teilnehmer wie möglich, Kinder können für diese Zeit vielleicht von Verwandten oder Freunden betreut werden.

Wohnungsbesichtigung, Corona, Absprachen draußen, Foto: yurolaitsalbert/stock.adobe.com
Um die Besichtigung innen so kurz wie möglich zu halten, können wichtige Fragen im Nachhinein auch noch vor dem Haus geklärt werden. Foto: yurolaitsalbert/stock.adobe.com

Während der Besichtigung müssen die Abstände eingehalten und ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Um Kontaktflächen, wie beispielweise Türklinken, zu minimieren helfen offene Türen. Außerdem kann der Anbieter vor und nach der Besichtigung die Wohnung lüften. Möglicherweise können die Fenster während der Besichtigung geöffnet bleiben, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Gab es doch Kontaktflächen können sie im Nachhinein desinfiziert werden, um sicher zu gehen.

Insgesamt sollte der Termin so kurz wie möglich bleiben. Wichtige Fragen können vielleicht auch noch im Nachhinein vor dem Haus besprochen und geklärt werden.

So schützen sich Mieter bei einer Besichtigung

Die Wohnung ist gekündigt und nun möchte der Vermieter sie weitervermieten. Um das Ansteckungsrisiko in den eigenen vier Wänden möglichst gering zu halten, wenn Interessenten in die Wohnung kommen, können Mieter ein paar Schutzvorkehrungen treffen.

Muss der Vormieter eine Besichtigung überhaupt dulden?

Ja. Ist der Mietvertrag gekündigt, will der Vermieter sein Eigentum trotz Corona weitervermieten oder verkaufen. Um einen neuen Mieter zu finden, muss er das Objekt Interessenten zeigen können. Stellt sich der aktuelle Mieter quer kann der Eigentümer in besonderen Fällen sogar Schadenersatz von ihm fordern.

Um so wenig Kontakt wie möglich zu haben, kann der Mieter selbst Bilder oder Videos der Wohnung machen. Das bedeutet für ihn zwar einen Mehraufwand, allerdings muss der Vermieter zu keinem zusätzlichen Termin in die Wohnung, um Bilder anzufertigen.

Wie der Mieter sich während der Besichtigung schützen kann

Steht der Besichtigungstermin ins Haus kann der Mieter, solang er in der Wohnung wohnt und damit das Hausrecht hat, den Ablauf der Besichtigung mitgestalten. Dass Interessenten zum Beispiel ihre Schuhe ausziehen, sich zuerst die Hände waschen oder Handschuhe tragen, kann der Mieter verlangen. Auch dass der Vermieter Besichtigungstermine bündelt und sie möglichst kurzhält, kann er fordern. Damit die Situation nicht anstrengender wird, als sie sein muss, sollten alle offen miteinander sprechen und sich auf Kompromisse einigen.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Vermieter vor der Tür oder im Türrahmen wartet und so die Abstände besser eingehalten werden können. Mund-Nasen-Schutz sollten alle Beteiligten während der gesamten Besichtigung tragen.

Um das Ansteckungsrisiko weiter zu minimieren kann der Mieter vor und nach der Besichtigung Lüften oder die Fenster während des gesamten Termins offenlassen. Kontaktflächen lassen sich durch offene Türen vermeiden, andernfalls können die Flächen nach dem Termin auch desinfiziert werden.

Info

Sollte es während einer Besichtigung doch zu einem Coronakontakt gekommen sein, gibt es nach jetzigem Stand keine rechtliche Handhabe. Weder Vermieter oder Makler noch der Mieter oder der Interessent können rechtliche Schritte einleiten.

Wie der Termin zur Wohnungsübergabe ablaufen kann

Die Wohnung ist besichtigt, der Mietvertrag unterschrieben. Ein weiterer notwendiger Termin für Suchende und Mieter ist die Wohnungsübergabe, denn auch hier sind nicht selten alle drei Parteien anwesend. Für die Übergabe ist ein Szenario vorstellbar, in dem der Vermieter beispielsweise allein die Abnahme durchführt, während der Mieter vor der Tür wartet. Unklarheiten oder Probleme können Mieter und Vermieter anschließend zum Beispiel vorm Haus mit genügend Abstand diskutieren.

Die Schlüsselübergabe ohne den Vermieter oder Makler abzuwickeln ist nicht ratsam. Auch wenn die Coronapandemie Aus- und Umzug für alle Beteiligten erschwert, sollte eine Lösung gefunden werden, dass alle an diesem Schritt teilnehmen können. Zurzeit ist dringend zu empfehlen alles schriftlich festzuhalten und klar zu regeln. Vor allem wenn durch Corona bestimmte Schritte womöglich vereinfacht oder abgekürzt werden. So kann der Vermieter beispielsweise nicht im Nachhinein den Wohnungszustand bemängeln und sich auf die Umstände beziehen.

War der Vormieter mit Corona infiziert, müsste die gesamte Wohnung nach seinem Auszug desinfiziert werden. Das sollte ebenfalls im Übergabeprotokoll festgelegt werden.

23.11.2020


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