Die passende WG finden: Bewerbung, Casting, Mietvertrag – so sollten Suchende vorgehen

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In Zeiten steter Mietpreissteigerungen stellen WGs längst nicht mehr nur für Studenten eine günstige Art zu wohnen dar. Wer plant, mit anderen Leuten zusammenzuziehen, sollte seine künftigen Mitbewohner gut auswählen, sonst sind Konflikte vorprogrammiert. Gerade in teuren Metropolen ist die Konkurrenz auch bei der WG-Suche groß. Beachten Interessenten nachfolgende Tipps, können sie sich von ihren Mitbewerbern abheben.

WG finden, Studenten in der WG-Küche, Foto: iStock/sturti
Wer in eine WG ziehen möchte, sollte sich seine Mitbewohner gut auswählen. Wichtige Punkte, wie beispielsweise Sauberkeitsstandards in der Wohnung, sollten vorab geklärt werden. Foto: iStock/sturti

Eine WG ist längst nicht mehr nur etwas für Studenten. Angesichts rasant steigender Mieten ist das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft für viele Menschen eine erschwingliche Alternative zur Singlewohnung. Das gilt vor allem in Städten mit hohem Mietpreisniveau wie München, Berlin oder Hamburg. Auch Senioren, die im Alter nicht allein sein wollen, ziehen immer öfter zusammen in eine Senioren-WG.

Doch nicht jede Wohnung ist WG-geeignet und wer mit mehreren Menschen zusammen in einer Wohnung leben möchte, sollte seine Mitbewohner gut auswählen. Wollen diese nämlich jedes Wochenende Party machen, während man selbst lieber seine Ruhe hat, wird das WG-Leben schnell zum Alptraum. Ebenso aufpassen sollten WG-Suchende, die in eine bestehende WG einziehen wollen. Diese Tipps helfen bei der Suche nach einer passenden WG.

Eine WG gründen

Wer Leute kennt, die ebenfalls nicht allein leben wollen, kann selbst eine WG gründen. Bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sich der Grundriss für eine Wohngemeinschaft eignet. Am besten sind mehrere ungefähr gleich große Zimmer und nicht allzu kleine Küchen- und Badezimmerräumlichkeit. Vor allem bei einer Wohngemeinschaft, die auch gemeinsame Spiele- oder Filmeabende einplant, ist ein gemeinsam nutzbares Wohnzimmer von Vorteil.

Einen Vermieter von einer WG zu überzeugen, ist manchmal gar nicht so einfach. Im Zweifel helfen finanzielle Argumente. Jeder, der in die WG miteinzieht, sollte deutlich machen, dass er die Zimmermiete auch bezahlen kann. Gerade bei jungen Studenten-WGs sollten die Mitbewohner auch versichern, dass sie nicht vorhaben permanent wilde Party bis weit in die Nacht hinein zu feiern.

Ein WG-Zimmer suchen

WG finden, Student sucht mit Laptop nach WG-Zimmer, Foto: unsplash/imgix
Auf Immobilienportalen wie Immowelt.de können Suchende passenden Wohngemeinschaften finden. Foto: unsplash/imgix

 Wer ein WG-Zimmer sucht, kann sich auf Immobilienportalen wie Immowelt.de umsehen. Dort findet sich ein breites Angebot an freien Zimmern in fast jeder Stadt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich in sozialen Netzwerken nach freien Zimmern umzusehen oder seine Freunde in einem Post um Mithilfe bei der WG-Suche zu bitten. Vielleicht weiß jemand, welche Wohngemeinschaft gerade ein freies Zimmer zu vergeben hat. Studenten finden außerdem auf dem schwarzen Brett in der Uni WG-Anzeigen.

Vielen Menschen ist es lieber, zusammen mit Freunden eine eigene WG zu gründen, anstatt in eine bestehende Gemeinschaft einzuziehen. Schließlich kennt man in diesem Fall die künftigen Mitbewohner und versteht sich gut. Trotzdem ist das gute Zusammenleben in einer WG kein Selbstläufer. In jedem Fall sollten die zukünftigen WG-Bewohner untereinander genau klären, welche Erwartungen sie an das WG-Leben haben und ob ihre Vorstellungen zusammenpassen.

Das passende WG-Zimmer finden – so können WG-Suchende vorgehen

Haben WG-Suchende das für sich geklärt, ploppen schon die nächsten Fragen auf: Soll es eine Zweck-WG sein oder eine Gemeinschaft, in der auch gemeinsame Filmabende möglich sind? Wie sollten sich Bewerber verhalten, wenn sie zu einem Kennenlerngespräch eingeladen werden? Und welche Besonderheiten gibt es bei einem WG-Mietvertrag zu beachten?

Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung führt Interessenten durch die WG-Suche und gibt Tipps, wie sie ihr individuell passendes WG-Zimmer finden.

Schritt 1: Welche WG soll es sein?

Bevor Interessenten auf die Suche gehen, sollten sie sich überlegen, was sie von einer WG erwarten. Dafür können sie sich folgende Fragen stellen und für sich beantworten:

  • Wie hoch darf die Miete sein?
  • Wie groß soll das Zimmer mindestens sein, damit ich all meine Sachen unterbringen kann?
  • Mit wie vielen Personen will ich zusammenleben?
  • Wie soll die WG ausgestattet sein? Muss es eine Waschmaschine, Spülmaschine, Kaffeemaschine oder einen Trockner geben?

Stehen diese Punkte fest, kommt es auch darauf an, welche Art von Wohngemeinschaft WG-Suchende bevorzugen? In einer Zweck-WG leben verschiedene Menschen zusammen, aber oft nebeneinander her. Ein solche Wohngemeinschaft eignet sich für WG-Typen, die gerne ihre Ruhe haben und weniger wert auf soziale Beziehungen zu dem Mitbewohner legen. Wer seine Mitbewohner näher kennenlernen und auch mal die eine oder andere Sache gemeinsam unternehmen möchte, sollte lieber in eine Freundschafts-WG einziehen.

WG finden, Männer-WG trifft sich zum Sport schauen, Foto: iStock/svetikd
In einer Freundschaft-WG treffen sich die Mitbewohner auch gerne mal zum gemeinsamen Sport schauen. Foto: iStock/svetikd

Wer berufstätig ist und mit dem Gedanken spielt in eine Studenten-WG einzuziehen, weil das Zimmer sehr günstig ist, sollte beachten, dass der Tages- und Wochenrhythmus seiner Mitbewohner möglicherweise vielleicht nicht dem eigenen entspricht. Das kann dann problematisch werden, wenn beispielsweise unter der Woche Partys gefeiert werden oder nachts lautstark ein Mitternachtsmahl in der Küche zubereitet wird.

Schritt 2: Das sollte in die WG-Bewerbung

Haben WG-Suchende ein passendes Zimmer im Auge, geht es daran, sich bei der Wohngemeinschaft vorzustellen. Die WG-Bewerbung ist der erste Eindruck, den Suchende hinterlassen und zugleich eine Möglichkeit, die Bewohner von sich zu überzeugen.

Bewerber können sich telefonisch melden oder eine schriftliche E-Mail-Bewerbung senden. In jedem Fall sollten sie sich kurz und prägnant vorstellen und dabei einige persönliche Dinge von sich preisgeben, die für ein etwaiges Zusammenleben in einer WG relevant sind.

Im Prinzip ist das Vorgehen ein ähnliches wie bei einer Jobbewerbung. In den meisten WG-Anzeigen sind bereits einige Punkte aufgeführt, die ein zukünftiges WG-Mitglied mitbringen sollte. Auf diese Punkte sollten Bewerber unbedingt eingehen und darlegen, warum sie gut zu der Wohngemeinschaft passen. Tun sie dies nicht, kann schnell der Eindruck entstehen, sie würden sich nicht wirklich für ihre Mitbewohner interessieren.
Auf folgende Aspekte sollten Bewerber zu sprechen kommen:

  • Name und Grund des Umzugs,
  • ob sie Raucher/Nichtraucher sind,
  • ob sie Haustiere mitbringen und welche dies sind,
  • ihren Beruf/Studiengang,
  • Sauberkeitsstandards,
  • ob sie bereits WG-Erfahrung gesammelt haben,
  • ihre Vorstellungen von einem guten WG-Leben,
  • die Kontaktdaten und ihre Erreichbarkeit sowie günstige Zeiträume für einen Besichtigungstermin (beispielsweise immer samstags zwischen 10:00 und 18:00 Uhr).

Wichtigere Informationen sollten stets zuerst genannt werden.

Viele Bewerber legen auch ihre Einkommensverhältnisse offen, um den künftigen Mitbewohnern gegenüber gleich zu versichern, dass sie das Zimmer auch bezahlen können. Das ist jedoch keine Pflicht. Erst wenn sich nach der Wohnungsbesichtigung ein Mietvertragsabschluss anbahnt, können vom Mieter bestimmte Daten verlangt werden, die seine Zuverlässigkeit belegen.

Häufig geben Bewerber auch persönliche Daten von sich Preis, wie beispielsweise bestimmte Vorlieben, Hobbys, das Lieblingsessen oder den Musikgeschmack. Und um den potentiellen neuen Mitbewohnern dabei zu helfen, sich ein besseres Bild zu machen, legen manche ihrer schriftlichen Bewerbung auch ein Foto von sich bei oder fügen einen Link zu ihrem Facebook-Profil hinzu. Auch die Herausgabe dieser Informationen ist freiwillig. Die WG kann dies nicht verlangen, da es sich dabei laut Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) um personenbezogene Daten handelt.

Link-Tipp

Mietinteressenten müssen im Bewerbungsprozess nichts Persönliches offenbaren. Der Vermieter kann lediglich Informationen verlangen, die die Zuverlässigkeit des Mieters belegen. Welche dies sind, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Mieterselbstauskunft.

No-Gos bei der Bewerbung sind Standardfloskeln, wie „ich bin sauber und ordentlich und bezahle meine Miete pünktlich“, vor allem da letzteres ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Auch ellenlange Ausführungen, die noch dazu nichts Konkretes über den Bewerber aussagen, sollten vermieden werden.

Wer es sich beispielsweise gerne bei einem guten Film gemütlich macht, kann eine Formulierung wählen wie „an ruhigen Abenden vertiefe ich mich gerne in einen romantischen Liebesfilm, in dem mein Lieblingsschauspieler Gerard Butler mitspielt. Meine Mitbewohner sind natürlich herzlich eingeladen mitzuschauen.“.

Achtung

Auch wenn die Suche nach einem WG-Zimmer dringend ist, sollten Bewerber nur die WGs anschreiben, die auch tatsächlich zu ihnen und ihrem Lebensstil passen könnten. Und auch verstellen sollte sich niemand, um in das Profil einer WG zu passen. Passen WG und Bewerber nicht zusammen, führt das langfristig nur zu Konflikten und Unzufriedenheit.

Wer sich mit einer guten WG-Bewerbung von seinen Mitbewerbern abheben will, kann sich auch auf Meine Immowelt eine komplette Bewerbermappe erstellen.

Schritt 3: Das kommt auf Bewerber beim WG-Casting zu

Sofern sie in eine bestehende Wohngemeinschaft einziehen, müssen sich Suchende in der Regel einem Auswahlprozess unterziehen. Dafür werden in Frage kommende neue Mitbewohner zu einem WG-Casting eingeladen. Hauptzweck eines WG-Castings ist es festzustellen, ob Bewerber und Wohngemeinschaft zusammenpassen.

WG finden, Gruppe von Personen unterhält sich, Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
Bei einem WG-Casting lernen sich Bewohner und Bewerber kennen und finden heraus ob das Zusammenleben funktionieren kann. Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

Oft wird erwartet, dass Bewerber auch ihre Einkommensnachweise oder eine Bürgschaft der Eltern mitbringen. Laut DSGVO müssen Bewerber dies aber nicht tun. Solche Daten müssen Bewerber nur gegenüber dem Vermieter preisgeben und auch nur dann, wenn sich bereits ein Mietvertragsabschluss anbahnt.
Das Casting besteht meistens aus einem Kennenlerngespräch. Die Fragen, die beim Casting gestellt werden, kreisen in der Regel um die persönlichen Gewohnheiten des Bewerbers und erinnern teilweise an die Fragen, die bei einem Vorstellungsgespräch gestellt werden. So können zum Beispiel so lauten:

  • Was sind deine Stärke und Schwächen?
  • Was kannst du zum WG-Leben beitragen?
  • Warum sollten wir dich als neuen Mitbewohner nehmen?
  • Hast du ein Problem damit, wenn nur vegetarisch gekocht wird?
  • Wärst du bei einem WG-Spieleabend dabei?
  • Befindest du dich in einer festen Beziehung, und wenn ja, wie oft kommt dein Partner vorbei?
Achtung

Beim WG-Casting ist es wichtig, dass Bewerber locker bleiben und sich offen und vor allem ehrlich geben. Stellt sich dann heraus, dass Bewerber und WG nicht wirklich zusammenpassen, ist das schließlich für beide Seiten eine wichtige Erkenntnis.

Manche WGs wollen den Bewerbern genauer auf den Zahn fühlen, indem sie sie durch Spiele oder bestimmte Aufgaben aus der Reserve locken. Es kann beispielsweise vorkommen, dass potentielle neue Mitbewohner bestimmte Haushaltstätigkeiten erledigen sollen, wie beispielsweise den Flur putzen oder das Geschirr abspülen. Auch Multiple-Choice-Test können auf den Bewerber zukommen. Immer beliebter werden auch Koch- oder Sportaufgaben.

Letzten Endes geht es bei alldem in erster Linie darum, dass die Wohngemeinschaft sehen will, wie der Bewerber reagiert. Wer darauf locker mit viel Humor reagiert kann in der Regel punkten. Fühlt sich ein Bewerber gar nicht wohl dabei, sollte er dies auch sagen. Vielleicht ist es dann einfach die falsche WG für ihn.

Ein absolutes No-Go beim Casting ist es Freunde, Partner oder gar die eigenen Eltern mitzubringen. Das demonstriert nur Unselbstständigkeit und schließlich will die WG den Bewerber kennenlernen und nicht seine ganze Verwandtschaft. Von falschen Versprechungen, wie „ich koche jeden Abend für die WG“ oder Anbiedereien sollte ebenfalls Abstand genommen werden. 

Stimmt die Chemie zwischen Bewerber und den potentiellen neuen Mitbewohnern und entspricht auch das WG-Zimmer den Ansprüchen, können sich WG-Bewerber nach dem Casting ruhig noch einmal melden und deutlich machen, dass sie sich ein Zusammenleben sehr gut vorstellen können. Dafür reicht eine kurze E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht.

Schritt 4: WG-Mietvertrag abschließen

Wenn auch die Wohngemeinschaft überzeugt ist, haben Bewerber es geschafft und hoffentlich die passende WG gefunden! Nun kann ein WG-Mietvertrag geschlossen werden. Dieser unterscheidet sich rein rechtlich nicht von einem konventionellen Mietvertrag. Allerdings bieten sich drei unterschiedliche Vertragsmodelle an. Das sind die drei Varianten:

  • Variante 1: Es gibt einen Hauptmieter, die anderen Bewohner sind Untermieter.
  • Variante 2: Alle Mieter sind Hauptmieter.
  • Variante 3: Jeder Bewohner ist eigenständiger Mieter seines Zimmers.

Von der Art des Mietvertrages hängt es auch ab, welche Regelungen zur Kündigung, Kautions- und Nebenkostenzahlungen sowie Haftung bei Mietzahlungsausfall gelten.

Link-Tipp

Alle Vertragsvarianten bieten sowohl Vor- als auch Nachteile. Mehr Informationen zu den einzelnen WG-Mietverträgen gibt es in unserem Ratgeber.

Sehr häufig ist die Variante „Alle Mieter sind Hauptmieter“. Diese bietet den großen Vorteil, dass alle Mieter den Mietvertrag unterzeichnet haben und damit gleichberechtigt sind. Der Vermieter muss alle Schreiben von der Nebenkostenabrechnung bis zur Kündigung immer an alle Mieter richten. Und anders als bei einer Untervermietung kann kein WG-Bewohner einem anderen eine Kündigung aussprechen.

Der Nachteil dieser Variante: Alle Mieter haften gesamtschuldnerisch. Zahlt ein Mieter seine Miete nicht, kann der Vermieter den fälligen Betrag von den anderen Mietern einklagen.

Link-Tipp

Wer ein Umzugsunternehmen mit dem Umzug in die neue WG beauftragt, kann Zeit sparen und vor allem seine Nerven schonen. Über Immowelt.de können Sie kostenfreie Angebote von Umzugsfirmen für ihren Umzug einholen.

Bei der WG-Suche nicht entmutigen lassen

Wer das nicht möchte, für den gilt: bei der WG-Suche einfach nicht entmutigen lassen. Gerade in Städten mit hohen Mieten und knappem Wohnraum gibt es hohe Konkurrenz, selbst bei der Suche nach einem WG-Zimmer. Wer Durchhaltevermögen beweist, findet früher oder später bestimmt eine passende WG, durch die er Miete sparen und gegebenenfalls auch nette gemeinsame Fernsehabende verbringen kann.


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