Hausapotheke: Bestens gerüstet für den Notfall

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Leichtes Kratzen im Hals oder aufgeschlagenes Knie: Eine gut ausgestattete Hausapotheke kann bei kleineren und größeren Verletzungen sowie leichten Erkrankungen den Gang zum Arzt ersparen. Welche Arzneimittel in die Hausapotheke gehören und wo diese am besten aufbewahrt werden – ein Überblick.

Hausapotheke, Foto: Marén Wischnewski / fotolia.com
Tabletten, Fieberthermometer, Verbandmaterial – eine gut ausgestattete Hausapotheke hilft bei leichteren Beschwerden. Foto: Marén Wischnewski / fotolia.com

Die meisten Unfälle passieren Statistiken zufolge im Haushalt. Wie gut, wenn im Ernstfall geeignetes Verbandmaterial und Medikamente schnell zur Hand sind. Tipps, wie man seine Hausapotheke optimal bestückt, Arzneien am besten lagert und Altmedikamente richtig entsorgt.

Die Hausapotheke optimal ausstatten

Bei einer Erkältung, Kopfschmerzen oder Fieber ist der Besuch beim Arzt oft nicht nötig. Häufig genügt der Griff in die Hausapotheke, um leichtere Beschwerden zu behandeln. Die Hausapotheke sollte mit Arzneimitteln ausgestattet sein, die in akuten Krankheitsfällen Linderung verschaffen und gegebenenfalls die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken helfen. Zur Grundausstattung gehören daher Präparate gegen Fieber, Schmerzen und Erkältungskrankheiten. Verdauungsbeschwerden können ebenfalls – insofern sie nicht länger andauern – selbst behandelt werden. Ein gutes Wunddesinfektionsmittel sowie Salben und Cremes gegen Mückenstiche und Sonnenbrand sind ebenso nützlich. Auch Prellungen können mithilfe von Salben und Gele problemlos zu Hause verarztet werden. Bei unklaren Schmerzen, starken Verbrennungen oder länger anhaltenden Beschwerden ist die Selbstmedikation allerdings heikel. Bitte suchen Sie in diesen Fällen einen Arzt auf.

Praxis-Tipp

Wenn Sie sich unsicher sind, welche Medikamente für Sie sinnvoll sind, können Sie sich vom Apotheker beraten lassen, bevor Sie Ihre Hausapotheke zusammenstellen.

Neben Medikamenten sollten in der Hausapotheke auch genügend Verbandmaterial sowie Verbandklammern und Sicherheitsnadeln vorhanden sein. Ein Fieberthermometer, eine Erste-Hilfe-Anleitung, Notfallnummern und eine sterile Schere sind ebenso nützliche Helfer in der Not.

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Vor- und Nachteile von Apotheken

Alle Bestandteile der Hausapotheke können Sie sowohl in der Apotheke vor Ort als auch über das Internet kaufen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Vor- und Nachteile eine Präsenzapotheke gegenüber einer Online-Apotheke hat.

PräsenzapothekeOnline-Apotheke
Beratungpharmazeutische Beratung von Angesicht zu Angesicht; Apotheker können den Gesundheitszustand des Patienten direkt begutachtenbei Bedarf Beratung per E-Mail oder Telefon; der tatsächliche Gesundheitszustand des Patienten kann meist nicht umfassend genug begutachtet werden
PreisePreisvorteile sind in einigen Fällen möglichPreisvorteile sind möglich; Preise können per Mausklick verglichen werden
Öffnungszeitenbegrenzte Öffnungszeiten; in vielen Fällen wird aber ein Notfalldienst angeboten24-Stunden zugänglich
Lieferungoft Zustellung von Medikamenten nach Hause möglich; Lieferzeit bei Abholung in der Apotheke entfällt, das ist besonders bei akuten Beschwerden wichtigZustellung der Medikamente nach Hause, an den Arbeitsplatz oder den Urlaubsort; Lieferzeit fällt an; planbare Lieferungen bei regelmäßigem Medikamentenbedarf möglich
Sortimentübersichtliche Auswahl an Medikamenten und medizinischem Bedarf; oft können Medikamente, die nicht zum Präsenzbestand gehören, bestellt werdengroße Auswahl an Medikamenten und medizinischem Bedarf
Rezeptpflichtige MedikamenteAushändigung von Medikamenten nach Vorlage des RezeptsRezept muss per Post an die Versandapotheke geschickt werden, erst dann wird die Bestellung bearbeitet
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Die richtige Lagerung ist das A und O

Hausapotheke, Foto: ABDA
Die besten Standorte für die Hausapotheke sind Flur oder Schlafzimmer, da es hier meist kühl und trocken ist. Foto: ABDA

Ideale Standorte für eine Hausapotheke sind Flur oder Schlafzimmer, da es in diesen Räumen meist trocken und kühl ist. Wer seine Medikamente in Bad oder Küche aufbewahrt, sollte umräumen: Denn Arzneimittel nehmen die Feuchtigkeit auf, die hier beim Baden beziehungsweise Kochen entsteht. Dadurch können viele Inhaltsstoffe vorzeitig verfallen oder unwirksam werden. Beide Räume sind daher als Standort für die Hausapotheke ungeeignet.

Apotheker empfehlen, sämtliche Medikamente in ihrer Originalverpackung zusammen mit dem Beipackzettel aufzubewahren. Für noch mehr Durchblick sorgen beschriftete Klebeetiketten, auf denen das Anbruchdatum des Medikaments, die Anwendungshäufigkeit und der Konsument notiert sind. Im Krankheitsfall spart der Patient so Zeit und verhindert Fehler.

Eltern sollten sich einen abschließbaren Medikamentenschrank zulegen, um Medikamente dort für Kinder unzugänglich aufzubewahren. Im Handel sind sie für rund 20 Euro erhältlich.

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Auf das Verfallsdatum achten

Hausapotheke, Rezept, Foto: ABDA
Rezepturarzneimittel – also solche Medikamente, die der Apotheker auf Rezept herstellt – müssen mit einer Verwendbarkeitsfrist versehen sein. Foto: ABDA

Gemäß Arzneimittelgesetz müssen Hersteller Medikamente mit einem Verfallsdatum und dem Hinweis „verwendbar bis“ kennzeichnen. Das Verfallsdatum gibt an, wie lange ein Medikament bei sachgemäßer Lagerung haltbar ist. Verbraucher sollten abgelaufene Medikamente nicht mehr zu sich nehmen, sondern wegwerfen.

Apotheker raten daher, Medikamente regelmäßig auf ihre Haltbarkeit hin zu überprüfen. Viele Inhaltsstoffe sind nach Ablauf der Herstellerfrist unwirksam oder sogar bedenklich für die Gesundheit. Beispielsweise siedeln sich in einer angebrochenen Packung Augentropfen schnell Bakterien an – gelangt die Lösung in die Augen, riskiert man eine Infektion. Salben, Gele und Cremes sind besonders empfindlich bei Kontakt mit Sauerstoff. Nach einer gewissen Zeit zersetzen sich die Bestandteile in wasserhaltige und ölhaltige Substanzen – spätestens dann sollten sie nicht mehr verwendet werden, auch wenn nur die Wirksamkeit verloren geht und keine negativen Folgen für die Gesundheit bestehen.

Ähnliches gilt für Medikamente, die der Apotheker auf Rezept herstellt. Diese Rezepturarzneimittel sind nur begrenzt haltbar, da sie in der Regel keine Konservierungsstoffe enthalten. Ist die aufgedruckte Verwendbarkeitsfrist überschritten, sollten Verbraucher das Medikament entsorgen.

Besondere Vorsicht ist bei verschreibungspflichtigen Medikamenten geboten. Ist der Patient wieder gesund, sollte er Arzneimittelreste entsorgen. Ansonsten besteht gerade in Mehrpersonenhaushalten die Gefahr, dass Familienmitglieder die Präparate ohne vorhergehende ärztliche Untersuchung einnehmen. Wer aber ohne Rücksprache mit dem Arzt verschreibungspflichtige Medikamente konsumiert, bringt seine Gesundheit in Gefahr. Denn Laien können die unzähligen Neben- und Wechselwirkungen nicht einschätzen, zudem reagiert jeder Organismus anders.

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Praxis-Tipp

Hausapotheke regelmäßig ausmisten und übersichtlich einräumen: Ein Sammelsurium an Medikamenten, von denen die Hälfte abgelaufen ist, kostet im Notfall Zeit und Nerven.

Was tun mit alten Medikamenten?

Hausapotheke, Medikamente, Foto: fotodoc / fotolia.com
Patienten können abgelaufene, ungefährliche Medikamente über den Restmüll entsorgen. Foto: fotodoc / fotolia.com

Beipackzettel oder Verpackung verraten, wie das Medikament zu entsorgen ist. Abgelaufene, ungefährliche Medikamente zählen zum Siedlungsabfall. Verbraucher können sie einfach in den Restmüll werfen. Leere Spritzen und Kanülen können in bruchsicheren Boxen ebenfalls über den Hausmüll entsorgt werden. Da der Hausmüll in Deutschland verbrannt wird, gelangen die Inhaltsstoffe der Medikamente nur bedingt in die Umwelt. Gerade bei Mehrfamilienhäusern mit gemeinsamen Mülltonnen sollten alte Arzneimittel aber beispielsweise in Zeitungspapier eingewickelt oder in anderen nicht einsehbaren Behältern entsorgt werden. Die Gefahr, dass Kinder die Tabletten finden und zu sich nehmen, ist andernfalls groß.

Nicht in den Restmüll gehören Fieberthermometer mit Quecksilber. Denn das hochgiftige Schwermetall verursacht Umweltschäden, wenn es verbrannt wird. Daher gehören alte Thermometer in den Sondermüll. Dasselbe gilt für Salben mit Quecksilberanteil oder Medikamente zur Krebsbehandlung (Zytotoxika und Zytostatika). Aufgrund ihres Gefährdungspotentials für die Umwelt sollten entsprechende Präparate bei Müllumladestationen oder Schadstoffmobilen, die es in vielen deutschen Städten und Kommunen gibt, abgegeben werden.

Um den Wasserkreislauf und unser Ökosystem nicht zu belasten, dürfen Altmedikamente unter keinen Umständen über den Abfluss oder die Toilette entsorgt werden. Dazu zählt auch, dass Behälter, in denen Medikamente aufbewahrt wurden, nicht ausgespült werden.

Übrigens sind Apotheken nicht mehr dazu verpflichtet, Altmedikamente anzunehmen. Viele bieten diesen Service aber freiwillig an, verlangen allerdings in einigen Fällen eine kleine Gebühr.

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Omas Hausmittelchen

Zwiebelsäckchen bei Ohrenentzündung

Hausapotheke, Zwiebelsäckchen, Ohrenentzündung, Foto: Claudia Franke
Zwiebelsäckchen. Foto: Claudia Franke

Bei Mittelohrentzündungen helfen Zwiebelsäckchen. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Für die Zwiebelsäckchen eine Zwiebel würfeln, in einen Waschhandschuh oder ein Baumwolltuch füllen und anschließend durchkneten, um die ätherischen Öle freizusetzen. Danach das Zwiebelsäckchen am besten mit einem reißfesten Bindfaden verschnüren und kurz in der Mikrowelle erwärmen. Das Säckchen dann auf das entzündete Ohr legen und eventuell mit einer Mütze fixieren.

Heiße Milch mit Honig bei Erkältungserscheinungen

Hausapotheke, Heiße Milch, Honig, Erkältung, Foto: racamani / fotolia.com
Milch & Honig. Foto: racamani / fotolia.com

Heiße Milch mit Honig gilt als verlässliches Mittel, um Erkältungsbeschwerden zu lindern. Doch nur Naturhonig enthält Stoffe mit antibakterieller und entzündungshemmender Wirkung. Handelsüblicher Honig ist oft pasteurisiert, die Wirkstoffe sind damit abgetötet. Auch bei Zugabe von Naturhonig sollte darauf geachtet werden, dass die Milch nicht über 40 Grad Celsius temperiert ist, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten.

Leinsamen bei Verdauungsbeschwerden

Hausapotheke, Leinsamen, Verdauung, Foto: Sea Wave / fotolia.com
Leinsamen. Foto: Sea Wave / fotolia.com

Bei Verdauungsbeschwerden können Leinsamen Linderung verschaffen. Diese enthalten Schleimstoffe, die im Darm Wasser aufnehmen und aufquellen. Bricht man sie vor dem Verzehr auf oder schrotet sie sogar, entfalten sie ihre Wirkung noch effektiver. Das Leinöl in den Samen hat einen Schmiereffekt – der Darminhalt wird dadurch schneller weitertransportiert.

Zu beachten ist, dass es zwei bis drei Tage dauern kann, bis die Wirkung eintritt. Besonders wichtig ist es, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, da die Schleimstoffe im Darm sonst verkleben können – im schlimmsten Fall droht ein Darmverschluss.

Ringelblumensalbe bei trockener Haut

Hausapotheke, Ringelblumensalbe, trockene Haut, Foto: petrabarz / fotolia.com
Ringelblume. Foto: petrabarz / fotolia.com

Ringelblumensalbe hilft bei trockenen, gereizten oder entzündeten Hautpartien und ist leicht selbst herzustellen. Hierfür circa 100 Gramm Vaseline (alternativ geht auch Schweineschmalz) in einem Wasserbad schmelzen und eine Handvoll Ringelblumenblüten dazugeben. Das Gemisch umrühren, vom Herd nehmen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag die Salbe noch einmal erhitzen, anschließend durch ein Sieb passieren und in sterile, verschließbare Tiegel abfüllen. Im Kühlschrank gelagert hält sich die Salbe für ein Jahr.

Die Salbe hilft übrigens auch bei Insektenstichen und leichten Schnittwunden.

Essigsocken bei Fieber

Hausapotheke, Essigsocken, Fieber, Foto: Fotowerk / fotolia.com
Foto: Fotowerk / fotolia.com Foto: Fotowerk / fotolia.com

Fieber senken mit Essigsocken: Hierfür einfach Essig mit lauwarmem Wasser im Verhältnis eins zu fünf mischen und damit Baumwollsocken tränken. Über die feuchten Baumwollsocken dicke Stricksocken anziehen und für zehn bis 15 Minuten einwirken lassen.

Wer den Essiggeruch nicht mag, kann auf Wadenwickel zurückgreifen. Hierfür werden Baumwolltücher mit lauwarmem Wasser getränkt und um die Waden gewickelt – die Knöchel sollten dabei frei bleiben. Die Wickel circa eine halbe Stunde anwenden. Das Wasser in den Wickeln verdunstet und entzieht dem Körper so die Temperatur.

Gewürznelken bei Zahnschmerzen

Hausapotheke, Gewürznelken, Zahnschmerzen, Foto: Hetizia / fotolia.com
Nelken. Foto: Hetizia / fotolia.com

Gewürznelken sind nicht nur traditioneller Bestandteil von Lebkuchen oder Punsch, sondern können auch bei Zahnschmerzen erste Linderung verschaffen. Beim Kauen auf den getrockneten Blüten des Gewürznelkenbaums werden Stoffe freigesetzt, die desinfizierend wirken und den Schmerz hemmen. Nicht umsonst ist der Gewürznelkenbaum Heilpflanze des Jahres 2010 geworden. Den Gang zum Zahnarzt bei länger anhaltenden Schmerzen oder Entzündungen im Mund können Gewürznelken aber nicht ersparen.

Lavendelbad zur Entspannung

Hausapotheke, Lavendel, Stress, Entspannung, Foto: Heike Rau / fotolia.com
Lavendel. Foto: Heike Rau / fotolia.com

Die ätherischen Öle von Lavendelblüten entspannen und beruhigen den Körper. Für ein Lavendelbad werden etwa 100 Gramm Lavendelblüten mit zwei Litern kochendem Wasser überbrüht, sodass die ätherischen Öle freigesetzt werden. Nach circa zehn Minuten Ziehzeit wird der entstandene Sud durch ein Sieb passiert und zum 35 bis 38 Grad Celsius warmen Badewasser gegeben. Durch das warme Wasser kann die Haut die ätherischen Öle gut aufnehmen. Um den Kreislauf zu schonen, sollte das Bad nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern.

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