Mietaufhebungsvertrag: Was tun, wenn der Vermieter Geld für den Auszug bietet

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Wenn der Vermieter die Wohnung saniert, darf er seinem Mieter nicht kündigen. Mit einem Mietaufhebungsvertrag versuchen manche Immobilienbesitzer, die Bewohner zum Auszug zu ermuntern. Doch Vorsicht: Nicht nur in begehrten Metropolen sollte man sich sehr gut überlegen, sich auf eine Abfindung einzulassen – denn die Suche nach einer Ersatzwohnung kann sich ziehen. Dann ist das Geld schnell aufgebraucht.

Auszug, Mietaufhebungsvertrag, Mutter, neue Wohnung, Foto: iStock/ MartinPrescott
Geld gegen Auszug? Der Mietaufhebungsvertrag lockt mit hohen Beträgen. Wer aber zum Beispiel als alleinerziehende Mutter noch keine neue Wohnung hat, sollte hier vorsichtig sein. Foto: iStock/ MartinPrescott

Geld statt Baulärm und Dreck? Das klingt erstmal verlockend, vor allem wenn in manchen Mietaufhebungsverträgen Summen stehen, von denen man sich einen neuen Mittelklassewagen leisten könnte. Das trifft vor allem in Gegenden mit angespanntem Wohnungsmarkt zu. Für die Vermieter geht die Rechnung trotzdem auf: Wenn die Wohnung nach der Sanierung leer ist, lässt sie sich nicht nur teurer verkaufen – die Eigentümer können auch die Miete ordentlich in die Höhe schrauben. Denn für komplett sanierte Wohnungen gilt die Mietpreisbremse nicht.

Konditionen im Mietaufhebungsvertrag verhandeln

Aufhebungsvertrag, Volker Rastätter, Mieterverein, Foto: Mieterverein München e.V.
Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München. Foto: Mieterverein München e.V.

Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München warnt davor, voreilig einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen: „Man sollte sich nicht von dem vielen Geld blenden lassen.“

Wenn man von der Abfindung einen Makler und den Umzug bezahlen und eventuell neue Möbel oder gar eine Küche anschaffen muss, könne das Budget schnell wegschmelzen. „Im Prinzip hat der Mieter die Wahl zwischen Pest und Cholera“, so Volker Rastätter, „er muss sich entscheiden, ob er monatelang mit Lärm und Staub leben will oder ob er sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung macht.“ Während der Bauarbeiten ist zwar eine Mietminderung möglich – allerdings erst nach drei Monaten!

Letztlich kommt es bei der Entscheidung für oder gegen einen Mietaufhebungsvertrag auf die Konditionen an. Also auf den Auszugstermin, die Höhe der Abfindung und ob der Vermieter bei der Wohnungssuche behilflich ist. Denn in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Berlin haben Suchende mit geringem Budget, Rentner und auch Alleinerziehende kaum eine Chance, einen bezahlbaren Ersatz zu finden. Selbst wenn sie die Miete dank ihrer Abfindung ein Jahr im Voraus bezahlen könnten, winken die meisten Vermieter ab.

„Ideal wäre, wenn im Vertrag festgelegt wird, dass sich der Vermieter um entsprechende Alternative kümmert“

— Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München

Gerade Immobiliengesellschaften und Versicherungen könnten teilweise wirklich Alternativen anbieten. „Pokern lohnt sich – aber letztendlich setzt der Vermieter die Grenzen.“ 

Mit der Modernisierungsankündigung zur Rechtsberatung

Auf jeden Fall sollten sich Betroffene juristisch absichern – und zwar schon dann, wenn die Modernisierungsankündigung im Briefkasten liegt. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch (§ 555c) muss der Vermieter spätestens drei Monate vor Beginn der Bauarbeiten über die geplante Modernisierung informieren: Was wird an der Wohnung oder dem Haus gemacht, wie lange dauert es, mit welchen Einschränkungen sind die Arbeiten verbunden – und wie hoch fällt die zu erwartende Mieterhöhung aus.

Denn egal ob es sich um eine kleine Modernisierung handelt oder das Gebäude samt Wärmedämmung, Energiesparfenster und Aufzug komplett saniert wird: Der Vermieter kann im Anschluss elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umlegen. „Bei großen Renovierungen kommen da schnell ein paar hundert Euro extra im Monat zusammen“, weiß Volker Rastätter. Wer sich das nicht leisten kann, die Chance, Einspruch wegen wirtschaftlicher Härte vorzulegen. Dieser muss innerhalb eines Monats nach Eingang der Modernisierungsankündigung eingelegt werden. „Wenn die neue Miete einen erheblichen Anteil des Nettoeinkommens ausmacht, wird der Vermieter oft keine Erhöhung durchbekommen.“

Im Endeffekt muss jeder selber entscheiden, auf was er sich einlassen will und für sich selbst folgende Fragen beantworten:

  • Kann ich monatelange Bauarbeiten ertragen?
  • Kann ich mir die Miete nach der Sanierung noch leisten?
  • Wie gut stehen meine Chancen mit meinem Einkommen etwas Bezahlbares in der Nähe zu finden?
  • Wie lange könnte ich von der Abfindung die höhere Miete bezahlen?
  • Was kommen an Kosten für Makler, Umzug und neue Möbel auf mich zu?
  • Würde ich auch weiter wegziehen, wenn sich am bisherigen Wohnort nichts findet?

Im Idealfall sorgt der Vermieter für eine Ersatzwohnung. Ansonsten sollten Geringverdiener, Alleinerziehende, Großfamilie oder Hundebesitzer sich nicht auf einen Mietaufhebungsvertrag einlassen – und im Zweifel die Bauarbeiten aussitzen.


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