Mieter und ihre Mythen: 5 häufige Irrtümer rund um den Auszug

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Im Mietrecht brodelt die Gerüchteküche. Gerade wenn es ums Ausziehen geht, haben viele Mieter ihre ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz. Einige Irrtümer halten sich hartnäckig – und das häufig mit bösen Folgen. Experten räumen auf mit falschem Mieterwissen.

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Von Nachmietersuche über Renovierung bis hin zum Abwohnen der Kaution: Irrtümer rund um den Auszug kursieren so einige. Doch wer schlecht oder gar falsch informiert ist, den kann das teuer zu stehen kommen. Foto: istockphoto.com / IolisImages

Jedes Jahr streiten sich Mieter und Vermieter mehr als 270.000 Mal vor den Amts- und Landgerichten in Deutschland, wie der Deutsche Mieterbund berichtet. Das Mietrecht ist sehr komplex, selbst Juristen kennen sich nicht in jedem Winkel der Gesetzbücher aus. Viele Mieter kennen ihre Rechte und Pflichten nur vom Hörensagen und vor allem beim Thema Auszug haben sich einige Fehlvorstellungen angehäuft.

Irrtum Nummer 1: Die Regel mit den drei Nachmietern

„Wer seinem Vermieter drei Nachmieter sucht, kommt früher raus aus dem Mietvertrag.“

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Der Markt für Mietwohnungen ist hart umkämpft. Wer auszieht, findet häufig leicht Nachmieter im eigenen Freundeskreis. Doch früher aus dem Vertrag kommen Mieter deshalb nicht. Foto: Tijana87/istockphoto.com

Dieser Glauben ist weit verbreitet, stimmt jedoch nicht. Auch wenn der Mieter eine Reihe von Interessenten an der Hand hat – der Vermieter muss so ein Angebot nicht annehmen. Er hat die letzte Wahl.
„Diese Aussage hält sich leider beharrlich seit Jahrzehnten“, bestätigt Eva-Maria Winckelmann, Geschäftsführerin des Mieterbundes Wiesbaden. „Tatsache ist, dass ein Mieter sein Mietverhältnis durch Kündigung beenden kann und grundsätzlich an die Einhaltung der Kündigungsfrist gebunden ist.“ Es gibt jedoch Sonderfälle, bei denen der Mieter einen Nachmieter suchen und so früher ausziehen kann.

Irrtum Nummer 2: Vom Abwohnen der Kaution

„Nach der Kündigung muss der Mieter keine Miete mehr zahlen. Der Vermieter kann sich die restlichen Zahlungen von der Kaution nehmen.“

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Wer meint, sich nach der Kündigung Geld sparen zu können, liegt falsch. Mieter müssen bis zum Vertragsende die reguläre Miete bezahlen und dürfen nicht einfach die Kaution „abwohnen“. Foto: Yabresse / fotolia.com

„Das ist falsch und ganz gefährlich“, warnt Gunther Geiler, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes aus Nürnberg. „Wer das macht, gerät in Zahlungsverzug.“ Mieter dürfen die Kaution nicht „abwohnen“. Sie müssen bis zum letzten Tag die vollständige Miete bezahlen. Die Kaution dient dem Vermieter als Sicherheit für alle Ansprüche gegenüber dem Mieter. Zum Beispiel aufgrund von rückständiger Miete oder nicht durchgeführter Schönheitsreparaturen.

Link-Tipp

Beim Thema Kaution muss sich nicht nur der Mieter an bestimmte Vorgaben halten, auch der Vermieter hat Pflichten. Unsere Themenseite Mietkaution fasst alles Wissenswerte zusammen.

Irrtum Nummer 3: Vom Streichen und Renovieren

„Weißeln muss der Mieter immer nach dem Auszug – auch wenn er die Wohnung unrenoviert übernommen hat.“

Foto: Irrtümer, Auszug, Mietrecht, Mieter, Foto: Frank/fotolia.com
Mieter müssen nicht zwingend zum Pinsel greifen, wenn sie ausziehen. Es kommt immer darauf an, was im Mietvertrag steht und ob eine mögliche Klausel darin überhaupt wirksam ist. Foto: Frank/fotolia.com

Es kommt immer darauf an, was im Mietvertrag steht. „Grundsätzlich muss der Vermieter Schönheitsreparaturen durchführen. So ist es gesetzlich geregelt“, erklärt Geiler. Seine Pflicht kann er aber auf den Mieter übertragen – mit einer entsprechenden Regelung im Mietvertrag. Seine Ansprüche durchsetzen kann der Vermieter aber nur, wenn die Klausel wirksam ist.
Nicht wirksam ist beispielsweise eine starr formulierte Klausel, die festschreibt, dass der Mieter immer beim Auszug streichen muss – egal in welchem Zustand sich die Wohnung befindet. Das haben die Karlsruher Richter in mehreren Entscheidungen klargestellt.
Genauso unwirksam sind Klauseln im Mietvertrag zu Schönheitsreparaturen, wenn der Vermieter die Wohnung unrenoviert an den Mieter übergibt. Das hat der Bundesgerichtshof in einem wichtigen Grundsatzurteil entschieden (Az.: VII ZR 185/14).

Link-Tipp

Alle Informationen zu Renovierungsklauseln haben wir auf der Themenseite Schönheitsreparaturen zusammengefasst.

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Eva-Maria Winckelmann, Geschäftsführerin des Mieterbundes Wiesbaden. Foto: Mieterbund Wiesbaden

Experten-Tipp: Eva-Maria Winckelmann, Mieterbund Wiesbaden

„Lassen Sie Ihren Mietvertrag rechtzeitig vor dem Auszug prüfen und klären Sie mit dem örtlichen Mieterverein, ob renoviert werden muss oder nicht. In vielen Fällen können Mieter so eine Menge Geld sparen.“

Hier können Sie Ihren Mietvertrag vom Experten prüfen lassen.

Irrtum Nummer 4: Vom Zahlen der Kaltmiete bei vorzeitigem Auszug

„Zieht der Mieter im April aus, obwohl das Mietverhältnis erst im Juni endet, muss er bis zum Ende der Laufzeit nur noch die Kaltmiete zahlen.“

Irrtümer, Auszug, Mietrecht, Mieter, Foto: Robert Kneschke/fotolia.com
Auch wenn die Wohnung bis zum Ende des Mietverhältnisses eine Zeit lang leer steht: Es genügt nicht, in diesem Zeitraum nur noch die Kaltmiete zu bezahlen. Der Vermieter hat ein Recht auf die volle Miete – zu viel Bezahltes bekommt der Mieter zurückerstattet. Foto: Robert Kneschke/fotolia.com

„Manche Mieter kommen tatsächlich auf diese Idee“, berichtet Geiler vom Nürnberger Mieterbund, „weil sie in diesem Zeitraum ja kein Wasser mehr verbrauchen, keinen Strom nutzen und keinen Müll produzieren.“ Dem Vermieter stehen aber die vereinbarten Betriebskostenvorauszahlungen bis zum letzten Tag des Mietverhältnisses in voller Höhe zu, so der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes in Nürnberg. „Auch wenn der Mieter früher auszieht, befreit ihn das nicht von seiner Pflicht die Nebenkosten zu bezahlen“, sagt Geiler. Ergibt sich ein Überschuss, erstattet der Vermieter diesen – wie gehabt –  mit der Betriebskostenabrechnung wieder zurück.

Irrtum Nummer 5: Die provozierte Kündigung

„Es gibt einen Trick, um vorzeitig aus dem Mietverhältnis herauszukommen: Einfach die Miete nicht mehr zahlen, dann kündigt der Vermieter fristlos.“

Irrtümer, Auszug, Mietrecht, Mieter, Foto: absolutimages/fotolia.com
Einfach die Miete nicht mehr zahlen und auf die fristlose Kündigung warten ist keine gute Idee. Foto: absolutimages/fotolia.com

Diesen Versuch sollten Mieter besser nicht starten. Ihm drohen sonst hohe Schadensersatzansprüche seitens des Vermieters – beispielsweise für Makler- und Anwaltskosten. „Der Mieter ist verpflichtet, bis zum Ende der Mietzeit seine Miete zu zahlen“, bestätigt Mietrechtsexpertin Winckelmann. Mit diesem Trick kommt er nicht billiger und früher aus dem Mietverhältnis heraus, sondern teurer und häufig verbunden mit langfristigen Rechtstreitigkeiten, warnt die Expertin.

Auch Gunter Geiler, Mietrechtsexperte beim Nürnberger Mieterbund warnt: „Wer das macht, riskiert tatsächlich eine fristlose Kündigung – aber mit allen Schadensersatzansprüchen, die damit zusammenhängen“.

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Gunther Geiler, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Nürnberg. Foto: Deutscher Mieterbund Nürnberg

Expertentipp: Gunther Geiler, Deutscher Mieterbund Nürnberg

Neben allen vertraglichen Vereinbarungen und Paragraphen können sich Vermieter und Mieter freilich immer noch außervertraglich und im gegenseitigen Einverständnis einigen. „Das klappt in vielen Fällen sehr gut“, berichtet Mietrechtsexperte Geiler.


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26 Kommentare

Kati am 18.11.2017 12:00

Hallo,

darf ich als Mieter anstatt einer Barkaution auch eine Mietkautionsbürgschaft abschließen ?

und hier noch paar Fragen:

1. Wir haben einen Mietvertrag in dem keine größen Angabe festgehalten wurden, die Zimmer Anzahl schon (im... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 20.11.2017 09:43

Hallo Kati und vielen Dank für Ihren Kommentar,

Mieter und Vermieter können sich gemeinsam auf eine Mietkautionsbürgschaft einigen. Der Vermieter ist allerdings nicht dazu verpflichtet, sie zu akzeptieren. Im Mietvertrag muss nicht... mehr

Sabine 44 am 23.10.2017 15:48

Hallo, ich ziehe aus meiner jetzigen Wohnung,in eine kleinere Wohnung. Es ist ein Wohnungswechsel, denn der Vermieter bleibt der gleiche. Trotzdem muss ich eine dreimonatige Kündigungsfrist einhalten? Die neue Wohnung darf ich schon in... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 24.10.2017 11:03

Hallo Sabine und vielen Dank für Ihren Kommentar,

nachdem es sich in Ihrem Fall um zwei unterschiedliche Mietverträge handelt, muss rein rechtlich gesehen auch der alte Vertrag mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden. Natürlich... mehr

Incognita am 28.09.2017 21:12

Hallo, mein Vermieter behält 150 € für dieses und letztes Jahr für die Heiz- und NK ein, obwohl ich 3 Jahre zuvor immer eine NK-Erststtung iHv mind 250 € hatte. Auf Nachfrage wird eine Erstattung abgelehnt, dh muss ich mich noch bis Ende... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 29.09.2017 08:51

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

grundsätzlich darf der Vermieter zwar bis zu zwölf Monate einen angemessenen Anteil der Kaution zurückbehalten. Er darf das aber nicht pauschal, sondern darf nur jenen Beitrag... mehr


Incognita am 29.09.2017 13:53

Danke für die schnelle Bestätigung ;)

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