Mieterstrom: So profitieren auch Mieter von Photovoltaik

Lesermeinungen:  

(1)

Seit einiger Zeit können auch Mieter von preiswertem Solarstrom profitieren: Einerseits regelt das Mieterstromgesetz, dass Vermieter Solarstrom vom Dach an ihre Mieter verkaufen dürfen, sofern dieser günstiger als der vom Versorger ist. Andererseits können auch Mikrosolaranlagen auf dem Balkon dafür sorgen, dass Mieter einen Teil ihres Strombedarfs selbst decken können.

Mieterstrom, Photovoltaikanlage, Foto: iStock.com / RossHelen
Solarstrom vom Dach eines Mehrfamilienhauses kann der Vermieter an seine Mieter verkaufen. Das Mieterstrommodell wird laut Mieterstromgesetz gefördert, weshalb sich für den Mieter Einsparungen ergeben können. Foto: iStock.com / RossHelen

Mieterstrom ist Strom, der mittels einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Mietshauses erzeugt wird und direkt den Mietern zugutekommt. Mieterstrommodelle gab es vereinzelt schon in der Vergangenheit, seit 2017 gibt es jedoch eine gesetzliche Regelung, die Mieterstrom attraktiver machen soll.

In der Vergangenheit profitierten hauptsächlich Hauseigentümer von der Solarstrom-Förderung. Sie erhielten und erhalten eine Einspeisevergütung für Sonnenstrom, den sie ins Netz einspeisen und können zudem den preiswert auf dem Dach erzeugten Strom direkt in ihrem Haushalt verbrauchen, statt teuren Strom vom Versorger zu kaufen. Umgekehrt zahlen alle Stromverbraucher über die EEG-Abgabe, die einen Teil der Stromkosten ausmacht, die Solarstromförderung. Und das gilt natürlich auch für Mieter, die in der Regel keine Möglichkeit haben, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach zu montieren.

Das Mieterstromgesetz: So sollen Mieter von der Energiewende profitieren

Das neue Mieterstromgesetz schafft jetzt zwar keine Möglichkeit für eigene Mieteranlagen auf dem Dach, gibt Vermietern aber die Möglichkeit, solche Anlage zu montieren und den Strom direkt an seine Mieter zu veräußern. Durch die neuen gesetzlichen Regelungen wird dieser Mieterstrom subventioniert, er wird für Mieter also günstiger.

Förderfähig sind übrigens nur Anlagen mit einer maximalen Nennleistung von 100 Kilowatt. Solch große Anlagen passen aber ohnehin nur auf ein sehr großes Mehrfamilienhaus-Dach. Zum Vergleich: Auf ein Einfamilienhausdach passen in der Regel selten mehr als fünf bis zehn Kilowatt Nennleistung.

Konditionen des Mieterstroms

Gefördert wird Mieterstrom nur dann, wenn der Vermieter höchstens 90 Prozent des Preises des in dem jeweiligen Netzgebiet geltenden Grundversorgungstarifs verlangt. Zudem darf der Bezug des Mieterstroms nicht an den Mietvertrag gekoppelt werden. Der Mieter muss seinen Stromanbieter frei wählen dürfen und auch auf das Angebot, Mieterstrom zu beziehen, verzichten können.

Laut Mieterstromgesetzt erhält der Vermieter oder Anlagenbetreiber, der den Solarstrom vom Dach an die Mieter verkauft, einen Mieterstromzuschlag, der vom Netzbetreiber gezahlt wird. Dieser Zuschlag beläuft sich – je nach Anlagengröße – derzeit auf rund 2 bis knapp unter 4 Cent pro Kilowattstunde. Gewährt wird dieser Zuschlag nur für Anlagen, die nach Inkrafttreten des Mieterstromgesetztes am 25. Juli 2017 in Betrieb genommen und bei der Bundesnetzagentur registriert wurden.

Achtung

Die Höhe des Mieterstromzuschlags berechnet sich anhand der Höhe der Einspeisevergütung, die für die jeweilige Photovoltaikanlagengröße gewährt werden würde mit der einfachen Formel: Einspeisevergütung pro kWh abzüglich 8,5 Cent pro kWh. Wird also die Einspeisevergütung für neu errichtete Anlagen angepasst, ändert sich auch die Höhe des Mieterstromzuschlags.

Neben dem Mieterstromzuschlag senken noch weitere Aspekte die Stromkosten: Denn der Mieterstrom ist von Umlagen und Steuern wie Netzentgelten oder Konzessionsabgaben befreit.

Da Photovoltaikanlagen manchmal viel, manchmal aber auch wenig oder gar keinen Strom erzeugen, ist eine Vollversorgung der Mieter mit Sonnenstrom praktisch unmöglich. Dennoch muss eine Vollversorgung des Mieters sichergestellt sein. Der zusätzlich benötigte Strom wird einfach über den Netzanschlusspunkt dem Netz der allgemeinen Versorgung entnommen – und zwar zu dem Preis, den der Mieter auch an den Vermieter zahlt. Umgekehrt kann der Vermieter oder Anlagenbetreiber überschüssigen Solarstrom ins Netz einspeisen und erhält dafür die reguläre Einspeisevergütung.

Kritik am Mieterstromgesetz

So großartig das klingt – das Mieterstromgesetz wird aber auch vielfach kritisiert: Laut einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegebenen Studie könnten in Deutschland höchsten 3,8 Millionen Mieterhaushalte mit Mieterstrom versorgt werden – das sind nur rund 18 Prozent der Mieterhaushalte. Die übrigen 82 Prozent der Mieterhaushalte müssten weiterhin über die Mieterstromzulage den Strom derer quersubventionieren, die vom günstigen Solarstrom profitieren. Es gibt künftig zwar eine größere Gruppe, die vom EEG profitiert: Einerseits Eigentümer mit Photovoltaikanlagen und zusätzlich Mieterstrombezieher. Gleichzeitig gibt es aber auch eine kleiner werdende Gruppe, die die Rechnung über eine steigende EEG-Umlage zahlt: Die Mieter, die weder eine eigene Photovoltaikanlage haben noch eine Möglichkeit, Mieterstrom zu beziehen.

Alternative zum Mieterstrom: Mikro-Photovoltaikanlage

Mieterstrom, PlugIn-Photovoltaikanlage, Foto: iStock.com / balipadma
Modul am Balkon montieren, Stecker rein – und los geht’s mit der Produktion des eigenen Solarstroms. Allerdings ist eine spezielle Steckdose nötig, die fürs Einspeisen freigegeben ist. Foto: iStock.com / balipadma

Ein Leben ohne Solarstrom ist möglich, aber sinnlos, würde Loriot heute sagen. Wer keinen Mieterstrom beziehen und auch keine eigene Dachanlage installieren kann, muss jedoch nicht ganz Solarstromlos leben, denn es gibt eine Alternative: Die Mikro-, auch PlugIn-Photovoltaikanlage genannt.

PlugIn-Anlagen: Technische und rechtliche Voraussetzungen

Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter solcher kleiner Anlagen, die Mieter zum Beispiel am Balkon montieren oder auf einer Terrasse aufstellen können. Sie bestehen meist aus nur ein oder zwei Modulen und einem Mini-Wechselrichter und sie werden auch anders angeschlossen, als ihre großen Geschwister. Man installiert sie nämlich einfach, indem man ihren Stecker in eine gewöhnliche Steckdose steckt. Solche sind zwar normalerweise für den Strombezug gedacht; Strom ist es aber grundsätzlich egal, in welche Richtung er fließt, sodass sich Steckdosen grundsätzlich auch zur Stromeinspeisung eignen.

Bis vor kurzem bewegten sich solche Mini-Anlagen in einer rechtlichen Grauzone und wurden deshalb auch als Guerilla-Anlagen bezeichnet. Denn es gab in Deutschland keine Norm, die den Betrieb solcher Anlagen eindeutig regelte. Doch die gibt es jetzt, sie heißt: DIN VDE 0100-551-1.

Damit das Haushaltsnetz durch den Betrieb einer PlugIn-Anlage nicht überlastet wird, sollte diese ab einer Kapazität von rund 600 Watt an einen eigenen, abgesicherten Stromkreis mit eigener Sicherung angeschlossen werden. Zudem sollte die Standard-Steckdose vom Elektriker gegen eine speziell genormte Einspeisesteckdose ausgetauscht werden.

Achtung

Auch Mikro-PV-Anlagen müssen – in einem vereinfachten Verfahren – der Bundesnetzagentur sowie beim jeweiligen Netzbetreiber gemeldet werden – auch dann, wenn Sie nur dem Eigenverbrauch dienen.

Auf den Zähler achten

Mieterstrom, Stromzähler, Foto: Günter Menzl / fotolia.com
Alte Stromzähler laufen rückwärts, wenn die Mini-Solaranlage mehr Strom produziert, als im Haushalt verbraucht wird. Das ist verboten, deshalb muss ein Zweirichtungszähler installiert werden, bevor die PlugIn-Anlage in Betrieb geht. Foto: Günter Menzl / fotolia.com

Wer so eine Anlage installiert, muss außerdem sicherstellen, dass der Stromzähler nicht rückwärts läuft. Um das zu verhindern, muss ein Zweirichtungszähler installiert werden. Ansonsten würde der Stromzähler dann, wenn die Photovoltaikanlage mehr produziert, als im gleichen Zeitpunkt im Haushalt verbraucht wird, rückwärts laufen. Dies könnte unter Umständen – höchstgerichtliche Präzedenzfälle gibt es noch nicht – strafrechtlich als Betrug ausgelegt werden.

Mikro-Solar: Oft Erlaubnis des Vermieters nötig

Wird eine Mini-PV-Anlage so montiert, dass sie das optische Erscheinungsbild der Fassade verändert, sollte der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Zwar gibt es noch keine letztinstanzlichen Entscheidungen zur Frage, ob ein Vermieter solche Anlagen dulden muss, eine Erlaubnis gibt dem Mieter allerdings die Sicherheit, dass es später keinen juristischen Ärger gibt.

Wie groß sollte eine Mini-Anlage sein und was kostet sie?

Mikro-Anlagen mit nur einem Modul haben in der Regel eine Leistung von 250 bis 300 Watt und kosten oft rund 300 bis 400 Euro, Zweimodulanlagen entsprechend etwa das Doppelte. Hinzu kommen Montagekosten, wenn ein Elektriker hinzugezogen werden muss. Laufen im Haushalt gerade keine Großverbraucher wie Elektroherd, Waschmaschine oder Wäschetrockner, reicht die Leistung solch kleiner Anlagen in der Regel aus, um bei Sonnenschein den aktuell benötigten Strombedarf zu decken.

Einsparpotenzial einer Mini-Photovoltaikanlage

Manche Anbieter von Mikro-Photovoltaikanlagen präsentieren bisweilen sehr optimistische Berechnungen, was das mögliche Einsparpotenzial betrifft. Wie hoch es maximal ist, lässt sich anhand einiger Parameter ganz gut abschätzen: Pro 100 Watt Nennleistung können Photovoltaikanlagen in unseren Breitengraden in der Regel zwischen 80 und 110 Kilowattstunden im Jahr produzieren. Die genaue Strommenge hängt vom Modultyp, dem Wirkungsgrad des Wechselrichters, der Lage und Ausrichtung der Module und davon ab, ob man im Norden oder Süden Deutschlands wohnt.

Geht man beispielhaft von 95 Kilowattstunden im Jahr pro 100 Watt Nennleistung aus, kann eine 500-Watt-Mikroanlage folglich maximal 475 Kilowattstunden im Jahr produzieren. Zu bedenken ist allerdings, dass nicht der ganze selbst erzeugte Strom im eigenen Haushalt verbraucht werden kann: Wer tagsüber nicht zuhause ist, braucht im Haushalt oft nur wenig Watt für Standby-Geräte, während die Anlage bei Sonnenschein mehr produziert als benötigt wird. Wird dieser Strom nicht gegen Einspeisevergütung an den Netzbetreiber verkauft, so hat der Anlagenbetreiber keinen Vorteil. Und auch Batteriespeicher sind bei deren derzeitigen Kosten für Kleinanlagen nicht wirtschaftlich. Wie viel vom selbst produzierten Strom tatsächlich verbraucht werden kann, hängt maßgeblich auch vom Verbrauchsverhalten ab. Angenommen, es sind 300 Kilowattstunden im Jahr, so ergäbe sich bei einem Strompreis von 30 Cent je Kilowattstunde eine Ersparnis von 90 Euro im Jahr.


Ihre Meinung zählt

(1)
5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
1
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Tipps für VermieterTipps für Mieter

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben