Möbel kaufen – so rechnet sich der Ratenkauf

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Wer Möbel kaufen möchte, muss nicht zwingend bar bezahlen. Damit der Ratenkauf sich rechnet, gilt es allerdings einiges zu beachten.

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Ein neues Sofa kann ganz schön teuer sein. Beim Möbel kaufen muss aber nicht unbedingt bar bezahlt werden. Auch ein Ratenkauf ist möglich. Foto: Kzenon / fotolia.com

„Null-Prozent-Finanzierung!“ – „Jetzt mitnehmen – später zahlen!“ – „Wir übernehmen die Zinsen!“ – so oder so ähnlich lauten oft Versprechungen von Möbelhäusern. Dahinter verbirgt sich das Modell der Ratenzahlung, also die Möglichkeit, den Kaufpreis für neue Möbel in monatlichen Raten abzubezahlen. Das ist für viele eine praktische Lösung – vorausgesetzt, die Konditionen stimmen. Wer einen Ratenkauf in Erwägung zieht, sollte sich vorher gut informieren und auf einige wichtige Aspekte achten.

Ratenkredit – das steckt dahinter

Im Prinzip ist ein Ratenkauf nichts anderes als ein so genanntes Annuitätsdarlehen. Dementsprechend muss der Kunde beim Kauf nicht direkt den ganzen Preis zahlen, sondern es wird eine Abbezahlung über einen Zeitraum von teilweise mehreren Jahren vereinbart. In dieser Zeit zahlt der Käufer dann monatlich eine festgelegte Summe, also die Raten. Dabei erfolgt die Zahlung in der Regel nicht an das Möbelhaus direkt, sondern an eine Bank, mit der das Möbelhaus einen Vertrag abgeschlossen hat. Bei einem Ratenkauf ist es zudem besonders wichtig ist, den Gesamtkaufpreis zu ermitteln. Denn weder das Möbelhaus noch die Bank wollen dem Kunden etwas schenken – auch wenn das die Werbeaktionen oftmals suggerieren.

Vor dem Ratenkauf: Preise vergleichen

Wie teuer das Möbelstück tatsächlich ist, das per Ratenkauf erworben wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Denn der reine Kaufpreis der Ware ist hier nicht ausschließlich maßgeblich. Allerdings sollten Kaufinteressenten gerade beim Ratenkauf Preise vergleichen – entweder in einem anderen Möbelhaus oder aber durch eine Onlinerecherche. Denn insbesondere bei den Null-Prozent-Angeboten bei der Finanzierung werden die Kosten für den Kredit einfach auf den Kaufpreis umgelegt. Geachtet werden sollte zudem darauf, dass ein schriftlicher Vertrag vorgelegt wird, der die folgenden Angaben enthält:

  • Barzahlungspreis
  • Teilzahlungspreis (alle Raten, Zinsen, Gebühren)
  • Anzahl und Höhe der Raten
  • Zahlungstermine und effektiver Jahreszins
  • Angaben zu einer Restschuldversicherung

Abwägungssache – Risiken und Nebenwirkungen

Bevor man sich für einen Ratenkauf entscheidet, sollten auch die eigenen finanziellen Möglichkeiten realistisch eingeschätzt werden. Sinnvoll ist ein Ratenkauf zum Beispiel, wenn die notwendigen finanziellen Mittel zwar vorhanden, jedoch derzeit fest angelegt sind. Auch wer beispielsweise dringend eine neue Küche braucht und ein ausreichend hohes gesichertes Einkommen auf Dauer vorhanden ist, kann guten Gewissens Möbel auf Raten kaufen.

Ein weiterer Vorteil des Ratenkredites aus dem Möbelhaus sind die relativ geringen Anforderungen an die Bonität. Anders als bei Krediten bei der Bank reicht in der Regel eine positive Schufa-Auskunft. Andererseits birgt dies natürlich auch die Gefahr, vorschnell eine Ratenzahlung abzuschließen und mit der Abzahlung überfordert zu sein.

Ratenkredite – zwei Faustregeln:

  1. Niemals mehr als zwei Ratenkredite parallel laufen lassen.
  2. Die Höhe der Raten sollte 16 Prozent des monatlichen Haushaltsnettos nicht übersteigen.

Wer die Raten nicht bedienen kann, dem wird der Ratenkredit gekündigt. Dann wird die Zahlung der Restschuld auf einen Schlag fällig. Hinzu kommen Mahn- und Verzugskosten sowie ein negativer Schufa-Eintrag.

Alternativen – ein Überblick

Nicht immer allerdings ist ein Ratenkauf beim Möbelkauf sinnvoll. Daher sollten immer auch Alternativen in Erwägung gezogen werden. So kann es durchaus sinnvoll sein, bei der Hausbank oder einer Direktbank einen Kredit aufzunehmen, mit dem der Möbelkauf finanziert wird. Dann kann der Kunde beim Möbelgeschäft als Barkäufer auftreten und zum Teil erhebliche Rabatte aushandeln. Unterm Strich kann diese Variante lukrativer sein, als eine Null-Prozent-Finanzierung beim Möbelhaus. Eine weitere Alternative besteht darin, nach Ratenkauf-Angeboten bei Online-Möbelhändlern zu suchen.

Beispielrechnung: So teuer kann eine „Null-Prozent-Finanzierung“ werden

Kaufpreis des Möbelstücks: 1.000 Euro

Werbung: Kurzfinanzierung mit 0 Prozent effektiver Jahreszins

Mehrpreis gegenüber dem Preis bei einem Anbieter ohne Ratenkaufangebot: 3 Prozent (30 Euro)

Einmalige Kontoführungsgebühr: 19 bis 39 Euro (je nach Laufzeit; bei einem Jahr 19 Euro)

Restschuldversicherung: ab 4,30 Euro monatlich (51,60 Euro pro Jahr)

Gesamtkosten bei einer Laufzeit von 12 Monaten: 1.100,60 Euro

* Anmerkung: In dieser Rechnung ist ein möglicher Rabatt, den ein Barzahler ggf. aushandeln kann, noch nicht berücksichtigt.

"Vorsicht auch bei kleinen Raten"

Interview mit Pamela Wellmann von der Gruppe Kredit und Entschuldung, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Pamela Wellmann, Ratenkauf, Möbel kaufen, Foto: Verbraucherzentrale NRW
Pamela Wellmann von der Verbaucherzentrale NRW. Foto: Verbraucherzentrale NRW

Immowelt.de:Welche versteckten Fallstricke gibt es beim Möbelkauf auf Raten?
Pamela Wellmann: Generell können unerwartete Kosten oder versteckte Zusatzverträge, wie etwa eine Restschuldversicherung, ein zusätzlicher Kreditrahmenvertrag oder Garantieverlängerungen mit Finanzierungsverträgen verbunden sein. Läuft die Finanzierung – so mittlerweile der Regelfall – über ein Kreditinstitut, muss man die Raten zunächst weiter zahlen, auch wenn es Mängel beim Produkt gibt. Die Möglichkeit in Raten zu zahlen verführt viele Kunden dazu, mehr oder größere Produkte zu kaufen als aktuell notwendig oder vom vorhandenen Budget gedeckt ist.

Auf was sollte der Kunde achten, wenn er trotz allem Möbel auf Raten kaufen möchte?
Pamela Wellmann: Kunden sollten sich beim Vertragsschluss Zeit nehmen und alles, was sie nicht verstehen, hartnäckig hinterfragen. Unerwünschte zusätzliche Verträge, deren Vertragserklärungen häufig bereits voreingestellt sind, können gestrichen werden. Ist die Finanzierung mit Kosten verbunden, die über den Barzahlungspreis hinausgehen, sollte nachgerechnet werden, ob sich das Angebot wirtschaftlich lohnt. Auch die Verhandlung mit dem Händler und die Prüfung von Alternativangeboten sollte nicht vergessen werden.

Wann sollten  Kunden vom Ratenkauf die Finger lassen?
Pamela Wellmann: Auch kleine Raten bergen bei längerer Laufzeit die Gefahr, den Überblick über die monatlichen Verpflichtungen zu verlieren und in eine Schuldenspirale zu geraten. Ratenkäufe sollten daher auf notwendige Anschaffungen beschränkt werden. Es muss neben der Kreditrate immer Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben bleiben. Nicht empfehlenswert ist ein Kauf auf Raten auch dann, wenn die vorgesehenen Raten bisher nicht als Rücklage beiseite gelegt werden konnten.

Was ist dann die Alternative?
Pamela Wellmann: Generell sollte man sich angewöhnen, einen monatlichen Betrag für Anschaffungen vorab zurückzulegen. Kommt die Anschaffung früher als geplant, sollte man günstigere oder auch gebrauchte Produkte in Erwägung ziehen.


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