Satellitenschüssel: So klappt’s mit dem Empfang in der Mietwohnung

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Mieter haben ein Recht auf Fernsehempfang. Dennoch dürfen Mieter nicht einfach so eine Satellitenschüssel am Balkon montieren. Was der Vermieter verbieten darf und welche Möglichkeiten Mieter haben.

Darf ich am Balkon eine Satellitenschüssel anbringen?

Mieter dürfen nicht einfach so eine Satellitenschüssel sichtbar am Balkon, auf der Fassade oder auf dem Dach anbringen. Ohne Zustimmung des Vermieters geht nichts. Zwar hat jeder ein Recht auf Information und somit auf einen Fernsehanschluss – dieses Interesse steht aber immer gegen das Interesse des Vermieters, eine unversehrte, unbeschädigte und optisch schöne Hausfassade zu haben. Im Prinzip muss bei jedem Einzelfall abgewogen werden, welches Interesse stärker wiegt.

Ablehnen darf der Vermieter die Montage einer Sat-Schüssel zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Das Mietshaus bietet die Möglichkeit zum Fernsehempfang über Kabel. Der Vermieter muss dem Wunsch des Mieters, eine Satellitenschüssel am Balkon zu montieren, auch nicht nachkommen, wenn der Mieter damit mehr Programme empfangen könnte als mit der vorhandenen Empfangsmöglichkeit.
  • Durch die Satellitenschüssel wird das ästhetische Gesamtbild des Hauses zerstört (Bundesgerichtshof Az. VIII ZR 207/04)
  • Durch die Montage kann die Hauswand beschädigt werden

Es gibt aber auch Fälle, da kann der Vermieter eine Satellitenschüssel in der Mietwohnung nicht verbieten:

  • Die Satellitenschüssel wird, ohne zu bohren, versteckt am Balkon oder sogar in der Mietwohnung aufgestellt. Das Eigentum des Vermieters wird dabei nicht beschädigt und die Sat-Schüssel ist von der Straße aus nicht zu sehen.
  • Wenn ausländische Mieter anderweitig keine Möglichkeit haben, Informationen aus ihrem Heimatland und in ihrer Muttersprache zu empfangen, kann ein Sonderrecht auf das Anbringen einer Satellitenschüssel bestehen (Bundesverfassungsgericht Az.: 1 BvR 1314/11).

Achtung: Wenn der Vermieter grundsätzlich der Montage einer Satellitenschüssel zustimmt, so kann er einige Voraussetzungen daran knüpfen:

  • Er kann bestimmen, wo sie montiert werden soll.
  • Er kann seine Zustimmung davon abhängig machen, dass der Mieter die Kosten der Montage trägt.
  • Er kann darauf bestehen, dass die Montage fachgerecht durchgeführt wird.
  • Er kann darauf bestehen, dass die Satellitenschüssel nach Ender Mietzeit fachgerecht wieder abgebaut wird. Für diesen Rückbau nach Ende der Mietzeit muss dann auch der Mieter aufkommen.

Vorsicht: Erfolgt die Montage zum Beispiel durch den Mieter selbst nicht fachgerecht und es gibt Folgeschäden, so haftet der Mieter hierfür.

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Vermieter verbietet Montage – das dürfen Mieter trotzdem

Selbst wenn der Vermieter die sichtbare Montage einer Satellitenschüssel verbietet, müssen Mieter nicht zwangsläufig auf Satellitenfernsehen verzichten. Es gibt Möglichkeiten, eine Sat-Schüssel optisch unauffällig aufzustellen, ohne bohren zu müssen:

1. Flachantenne: unscheinbar und ideal für Balkone

Eine Alternative zu konventionellen Satellitenschüsseln sind Flachantennen. Diese sind optisch sehr unauffällig, da sie klein sind und auch nicht an konventionelle Satellitenschüsseln erinnern. Es gibt sogar spezielle Dekorfolien, die die Flachantennen so gut tarnen, dass sie aussehen wie Solarpanele. Solche Flachantennen muss man allerdings sehr sorgfältig ausrichten und einstellen.

2. Sat-Stuhl: Tarnen und verstecken

Sat-Stuhl,Satellitenschüssel, Sat-Schüssel ausrichten, Foto: A.S.SAT
Sieht aus wie ein Stuhl, hat aber eine andere Funktion als Sitzen: Die Rücklehne ist eine Flachantenne für den Sat-Empfang. Foto: A.S.SAT

Eine noch raffiniertere Tarnung ist der Sat-Stuhl. Dabei handelt es sich um ein Gebilde, das wie ein Camping- oder Gartenstuhl aussieht, doch die Rücklehne ist eine Flachantenne.

Draufsetzen sollte man sich aber nicht: Einerseits ist die Sitzfläche eine eingehüllte, schwere Gehwegplatte, die dem Satellitenstuhl auch bei stürmischem Wetter einen stabilen Stand verleiht. Andererseits könnte die sorgfältig ausgerichtete Rückenlehnen-Flachantenne verrutschen. Bereits ein Verrutschen um wenige Millimeter könnte dafür sorgen, dass der Empfang empfindlich leidet.

3. Sat-Schüssel in der Wohnung aufstellen

Ist eine Montage auf dem Balkon nicht möglich, etwa weil keiner vorhanden oder der Balkon nicht nach Süden ausgerichtet ist, so bleibt nur noch eine Innenaufstellung der Satellitenschüssel in der Wohnung. Das kann der Vermieter in keinem Fall verbieten, denn innerhalb seiner Wohnung darf sich der Mieter so einrichten, wie er will. Die Satellitenschüssel oder – besser, da unauffälliger – Flachantenne muss dabei vor einem Fenster stehen, um Empfang zu ermöglichen. Nachteil dieser Lösung: Sie nimmt Platz weg und sieht auch nicht besonders wohnlich aus.

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Satellitenschüssel anbringen: Darauf achten

1. Satellitenschüssel ausrichten: Gen Süden

Deutschsprachige Programme werden überwiegend über den Astra-Satelliten Astra 1, 1B- H, 2C, 19,2° Ost ausgestrahlt; die Sat-Antenne muss Richtung Süden, ganz leicht nach Osten abweichend mit einem Neigungswinkel von rund 30 Grad nach oben montiert werden, wobei es hinsichtlich der genauen Ausrichtung je nach Region kleine Abweichungen gibt. Die App SatFinder kann beispielsweise über GPS und Neigungssensor des Handys helfen die richtige Position zu finden – für IOS und Android.

2. Sat-Schüssel montieren: Möglichkeiten

Sofern es der Vermieter nicht ausdrücklich erlaubt hat, darf die Satellitenschüssel nicht an die Fassade gebohrt werden. Es gibt folgende Möglichkeiten eine Sat-Schüssel ohne bohren anzubringen:

  • Die Schüssel einfach auf dem Balkonboden platzieren
  • Eine Klemm-Halterung am Balkongelände anbringen
  • Eine Fensterhalterung verwenden
  • Bei großen Balkonen oder auf Terrassen eigenen sich sogenannte Gehwegplattenständer – freistehende Ständer, an die die Satschüsseln angebracht werden können. Damit der Ständer bei Sturm nicht umfällt, kann man ihn mit Waschbetonplatten beschweren.
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3. Die Satellitenschüssel steht: Anschlüsse in der Wohnung

Ist ein Platz gefunden und die Satellitenschüssel ausgerichtet, geht es an den Anschluss in der Wohnung. Insbesondere dann, wenn mehrere Zimmer über eine Multi-Anlage versorgt werden müssen, stellt sich die Frage der Verkabelung. Eine Unterputzmontage kommt in Mietwohnungen meist nicht infrage. Unter Umständen lassen sich die Kabel jedoch unter den Fußleisten verstecken.

4. Kabelsalat vermeiden mit Sat-IP

Eine elegantere Alternative ist die Versorgung der einzelnen Zimmer über Sat-IP. Statt überallhin Kabel zu verlegen, kann man hier die eigene Netz-Infrastruktur verwenden. Nötig dafür ist ein Sat-IP-Server, der die Sat-Signale in das eigene Heimnetz einspeist. Idealerweise wird der Sat-IP-Server direkt an den Router angeschlossen, die Fernsehprogramme können dann grundsätzlich über alle netzwerkfähigen Geräte im Haushalt empfangen werden. So auch Smart-TV-Geräte, Tablets und Computer. Sollen ältere Fernsehgeräte angeschlossen werden, ist zusätzlich ein Sat-IP-Receiver notwendig.

Experten-Tipp

Sat-IP selbstgebaut

Wer von Computern und Elektronik viel Ahnung hat, kann Geld sparen: Aus Mini-Einplatinencomputern, wie dem Raspberry PI, können ambitionierte Bastler einen Sat-IP-, Media-, Streamingserver und Festplattenrecorder in einem basteln. Entsprechende Anleitungen gibt’s im Internet.

4. Satelliten-Signale über’s Stromnetz verteilen

Ist ein Anschluss des Sat-IP-Servers direkt an den Router nicht möglich, etwa weil dieser ebenfalls in einem anderen Zimmer steht, so ist eine Einspeisung der Signale des Sat-IP-Servers über D-LAN machbar. Dabei werden die IP-Signale nicht über Netzwerkkabel, sondern übers Stromnetz transportiert. Hierzu sind allerdings wiederum mehrere D-LAN-Adapter notwendig, so dass die Gesamtinvestitionen für eine solche Lösung schnell mehrere hundert Euro betragen.

Zudem ist die D-LAN-Bandbreite nicht in allen Fällen hoch genug, um gleichzeitig mehrere hochauflösende Streams zu empfangen. Um stabilen Empfang zu gewährleisten, muss häufig ein so genannter Phasenentkoppler im Sicherungskasten durch einen Elektriker eingebaut werden.

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Wer muss die Kosten für eine Satellitenschüssel tragen?

Es kommt darauf an, was im Mietvertrag steht. Ist der Fernsehempfang über Satellit Teil des Mietvertrags, muss der Vermieter auch die Kosten beispielsweise bei einer Reparatur tragen.
Gibt es im Haus einen Kabelanschluss, der Mieter möchte aber über Satelliten fernsehen, muss er die Kosten selbst tragen.

Wie kann ich fernsehen ohne Satellitenschüssel? – Alternativen zum Satellitenempfang

Alternativen zur Satellitenschüssel sind beispielsweise ein Kabelanschluss, eine Zimmerantenne oder das Fernsehen über das Internet.

Die einfachste Möglichkeit einer breiteren Programmauswahl ist der Erwerb einer DVB-T2-Zimmerantenne, die es ungefähr ab 20 Euro gibt. Wer über diesen Empfangsweg neben den öffentlich-rechtlichen auch diverse Privatsender in HD-Qualität empfangen möchte, zahlt hierfür allerdings jährlich etwa 70 Euro.

Alternativ können die Privatsender auch über Online-Anbieter übers Internet empfangen werden. Für große Vielfalt ist heute lineares Fernsehen gar nicht mehr nötig: Über moderne, internetfähige Smart-TVs, Computer und Tablets lassen sich die Mediatheken der Sender aufrufen oder Youtube-Videos ansehen. Und kostenpflichtige Angebote wie Maxdome, Netflix oder Amazon Prime bringen das Kino nach Hause. Wer sich sein Programm selbst zusammenstellen will, braucht heute also gar nicht mehr unbedingt den klassischen TV-Empfang über Sat, Kabel oder Antenne.

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Frank Kemter29.10.2021

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1 Kommentar

Manfred Deckert 78 am 09.04.2021 14:00

Mein Vermieter verlangt eine Antennengebühr von 73 € im Jahr für die Sat-Schüssel auf dem Dach. Sind das umlegbare Nebenkosten? Zahlte bereits über 1500 Euro in 30 Jahren. 1991 war ich mit 36 DM lt. Mietvertrag einverstanden, nach Istallation der Sat-Anlage hat er noch 108 € ungefragt dazugepackt. Was soll ich tun?

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Manfred Deckert am 09.04.2021 14:04

Sorry, Korrektur 108 DM hat der Vermieter zu den 36 DM dazu gepackt.


immowelt redaktion am 09.04.2021 14:22

Hallo Manfred Deckert 78,

der Vermieter kann eine Gebühr für die Nutzung der Antenne verlangen, ja. Das muss aus dem Mietvertrag oder einer Anlage zu den Betriebskosten hervorgehen.

Bitte haben Sie aber Verständnis, dass wir keine rechtsgültigen Einschätzungen vornehmen können oder dürfen. Wir raten Ihnen, den Sachverhalt direkt mit dem Vermieter zu klären. Sollte das keinen Erfolg haben, können Sie sich an einen Fachanwalt oder Mieterschutzbund wenden.

Beste Grüße

immowelt Redaktion