So kommen Makler durch die Krise

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Fünf Makler, viele Ideen. Die Coronapandemie verlangt Immobilienprofis Mut, Durchhaltevermögen und Innovationen ab. Wir haben mit immowelt Kunden gesprochen, die die Krise als Chance sehen und sogar gestärkt aus ihr herausgehen.

Eine Frau am Laptop mit einer Glühbirne in der Hand.
Auf der Suche nach zündenden Ideen? Viele Makler haben es vorgemacht und die Corona-Krise gemeistert. Foto: StockAdobe/memyjo

„Wir dachten, wir hätten schon alles erlebt“, sagt Roland Kampmeyer. Der Geschäftsführer der Makleragentur Kampmeyer Immobilien GmbH ist seit 25 Jahren im Geschäft, hatte beide globale Krisen - 9/11 und Bankenkrise - gemeistert. Doch Corona stellte ihn wie Tausende andere Makler vor neue Herausforderungen.

Nach dem Lockdown Mitte März waren Kundentermine plötzlich eine Herausforderung. Kampmeyer überlegte, was er der Krise entgegensetzen könnte. Wie den digitalen Innovationsboost mitgehen, den die Krise mit sich bringt? Homeoffice, Videokonferenzen sowie ein kundenfreundliches Termin-Buchungssystem mittels Echtzeit-Terminkalender waren Maßnahmen die bereits seit einigen Jahren im Unternehmen gängige Praxis waren. Doch löste das nicht das Problem, kontaktlos Wohnungen zu besichtigen.

Der Besichtigungsroboter

Ein Roboter auf Rädern in einer Wohnung.
Sam (links im Bild) ist Deutschlands erster Besichtigungsroboter. Foto: Kampmeyer Immobilien GmbH

Kampmeyers Ziel: Aus der Not eine Tugend machen, oder in diesem Fall: Aus Distanz Nähe schaffen. Die Lösung: Sam. Ein Roboter, der via Tastatur vom Interessenten durch die Wohnung gesteuert werden kann. Bis dato ein Novum in Deutschland mit garantiertem Spaßfaktor. Durch die integrierte Kamera im Roboter wird ein Live-Bild erzeugt, dass auf dem Monitor des Interessenten erscheint. Jeder Raum kann so kinderleicht mit den Pfeiltasten erkundet werden. Die Kamera ist zudem schwenkbar, sodass kein Zentimeter verborgen bleibt. Ein Mikrofon nimmt den Ton auf, um Nebengeräusche oder Straßenlärm einzufangen. Dutzende sensible Sensoren verhindern zudem, dass der Roboter umfällt oder gegen Wände fährt. „Mit Sam kann man spielend Wohnungen besichtigen“, sagt Kampmeyer. Der Clou: Auch hier können sich Kunden ihren Wunschtermin auf Sams Internetseite im Live-Kalender heraussuchen. Ist ein freier Slot gefunden, bekommt der User zur Besichtigung eine E-Mail. Zudem gibt es die Möglichkeit, mit dem Makler das Objekt gemeinsam zu erkunden. Makler und Kunden können, unabhängig vom Standort, abwechselnd steuern, wenn beim Interessent Fragen aufkommen, kann der Makler direkt antworten. Weiterer Vorteil: „Niemand muss zur Besichtigung zum Objekt fahren, auch nicht der Makler. Der Roboter muss nur einmal aufgestellt werden.“ 

Die Idee kam Kampmeyer durch zwei Geschäftspartner in der Schweiz. Auch sie haben Roboter im Einsatz. Ursprünglich wurde der Roboter in den USA entwickelt, um in der Industrie oder in medizinischen Bereichen eingesetzt zu werden. Mittels spezieller Software wurde der Roboter zu einem bemerkenswerten Helfer für Makler weiterentwickelt. Ob sich Sams Anschaffung auch nach der Krise lohnt, wird sich zeigen. Die mediale Aufmerksamkeit hat Kampmeyer derzeit zumindest gewonnen.

Der Instagram-Channel

Für die Anschaffung von Sam erntet Roland Kampmeyer viel Lob aus der Branche. Dennis Richarz, Makler in Ingolstadt, zollt ihm für diesen Marketing-Kniff jedenfalls „allerhöchsten Respekt. Alle Zeitungen schreiben über Ihn, er hat dadurch enorme Aufmerksamkeit geschaffen“, sagt Richarz.

Der 30-Jährige hat sich ebenfalls einen Namen durch digitale Innovationen gemacht. Hierbei agiert allerdings noch der Mensch als Protagonist. Im Sozialen Netzwerk Instagram präsentiert er unter dem Namen „DR. Immobilien“ (Dennis Richarz Immobilien) in Videos Tipps rund um Häuser, bewertet Exposés oder kürt den Makler der Woche. Etwa 6000 Follower, die meisten aus der Immobilienbranche, sehen so Tag für Tag neue Clips aus dem noch jungen Maklerbüro. Themen, die ankommen. „Social Media ist das A und O“, sagt Richarz. „Ich habe mich für Instagram entschieden, weil dort mein Kernpublikum liegt.“ 

Dort erreiche er mehr potenzielle Kunden als über eine Zeitungsannonce. Seine Videos blieben im Kopf, Zeitungsannoncen würden überlesen. „Personen, die heute Spaß an meinem Kanal haben, werden sich eher an mich als an eine der Annoncen erinnern, wenn sie ihr Haus verkaufen wollen“, sagt Richarz. Jeden Tag verbringt er etwa eine Stunde mit dem Konzipieren von Inhalten. Das Feedback ist gigantisch.  30 bis 50 Nachrichten erhält er täglich, darunter auch viele von potenziellen Kunden. Arbeit, die sich offensichtlich auszahlt. 

360 Grad-Videos und Akquise

Nicht kleckern, sondern klotzen. Das ist auch vor der Coronapandemie und dem Lockdown die Devise des Maklerbüros LE APIS Immobilien aus Taucha im Großraum Leipzig gewesen. Professionelle 360 Grad Rundgänge der Objekte gehörten längst zum Portfolio. „Während Corona haben wir das forciert und nahezu alle Objekte mit hochwertigen Videos oder 360 Grad-Rundgängen versehen“, sagt Inhaberin Peggy Günther.

Standard-Objekte wurden mit der „Ogulo-Plattform“ erstellt, exklusive Immobilien mit „Matterport“-System aufgezeichnet. Die Videos werden dabei auch aus dem Matterport-System überarbeitet und anschließend auch über Youtube an die Kunden versendet. Die detailreichen Aufnahmen seien so beeindruckend, dass man von einem digitalen Zwilling spricht. Eher die Ausnahme waren zwei oder drei Interessenten, die sogar einen Mietvertrag unterschrieben hätten, ohne auch nur eine Sekunde vor Ort gewesen zu sein. „Wir würden uns Manpower, Zeitaufwand und Kosten nicht leisten, wenn es sich nicht exorbitant positiv angenommen werden würde“, unterstreicht Günther.

Ins selbe Horn bläst auch das Aachener Maklerbüro PH Immobiliengesellschaft. 3D-Rundgänge, geführte Besichtigungen per Live-Videocall mit Immobilienexperten, sonntags eine Live-Besichtigung per Instagram-Stream mit der Möglichkeit Fragen zu stellen. „Die Resonanz unserer Kunden war enorm positiv, sodass wir einige dieser Services auch weiterhin dauerhaft anbieten werden“, sagt Inhaber Sebastian Hucz. „Unsere neuesten Technologien, wie die „Matterport“-Kamera, haben uns diese Möglichkeit geboten und wir konnten uns dadurch in kürzester Zeit von einem Großteil der Konkurrenz abheben.“

Doch nichts geht auch über die gründliche Akquise. In der Zeit, in der sich andere zurückziehen, habe LE APIS Immobilien den Markt intensiv gescannt. „Hausverwalter und Privatpersonen haben wir direkt angeschrieben und versucht von unserer Expertise und Erfahrung als IVD-Makler zu überzeugen. So haben wir Kunden gewonnen und konnten weitere Objekte anbieten “, sagt Günther.
 

immowelt Produkte und Werbung auf allen Ebenen

Was in Großstädten funktioniert, muss im ländlichen Raum nicht unbedingt aufgehen. Peter Tiehen aus Meppen (Niedersachsen) schlug deswegen einen anderen Weg ein, entschied sich bewusst gegen Videos. Stattdessen forcierte er seine Marketingmaßnahmen auf allen Ebenen. „Ich ging volles Risiko. Wir nahmen viel Geld in die Hand und kauften die immowelt Produkte, haben zudem jede Zeitung und alle Sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram mit Anzeigen bepflastert“, sagt Tiehen. „Jeder der im Umkreis gesucht hat, musste zwangsläufig am Ende auf uns stoßen.“ 

Der 43-Jährige hatte wenig zu verlieren: „Nichts zu tun war keine Alternative“, sagt er. Zu Beginn der Coronakrise musste Tiehen aber auch die Besichtigungsfrage klären. Ihm half der Gang zum Gesundheitsamt. Dort ließ er sich eine Bescheinigung ausstellen, die ihm Besichtigungen erlaubte. Damit die Hygieneregeln auch befolgt werden konnten, hat er Handschuhe, Schuhüberzieher und Masken für alle Interessenten verteilt.  Bislang hat sich sein Mut ausgezahlt. Die Auftragslage ist so gut, dass er sogar neue Mitarbeiter einstellen muss. Keine Alltäglichkeit während einer globalen Krise, in der Millionen Menschen Arbeitslosigkeit fürchten. 


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