Wasserschaden: Diese Versicherungen helfen

Lesermeinungen:  

(25)

Ob Wasserrohrbruch, ausgelaufene Waschmaschine oder Überschwemmung: ein Wasserschaden kann schwere Folgen nach sich ziehen. Denn Kosten für Renovierungsarbeiten, Gebäudetrocknung und Mietminderungen drohen. Mit den richtigen Versicherungen können Vermieter und Eigentümer die Folgen abfedern.

Versicherung, Wasserschaden, Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, Foto: Kessel AG
Wenn das Wasser im Keller steht, helfen unterschiedliche Versicherungen: Schäden am Gebäude können durch eine Wohngebäudeversicherung abgesichert werden, beim Mobiliar hilft eine Hausratversicherung weiter. Foto: Kessel AG

Ein Wasserschaden kann viele Ursachen haben: Der Waschmaschinenschlauch platzt, ein Wasserohr bricht oder die Badewanne läuft über. Auch Naturgewalten wie Starkregen oder Überschwemmung können Wasserschäden nach sich ziehen. Die Folge: Möbel und Teppiche werden beschädigt, die Wände durchfeuchtet – im schlimmsten Fall ist auch die Wohnung eine Etage tiefer betroffen. Damit im Schadensfall die notwendigen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen nicht zum finanziellen Fiasko werden, lohnt es sich, rechtzeitig die richtige Versicherung abzuschließen.

Wohngebäudeversicherung bei Wasserschaden am Gebäude

Wasserschaden, Versicherung, Grafik: immowelt.de

Die Wohngebäudeversicherung haftet für Schäden am Wohngebäude, nicht für bewegliche Gegenstände. Eigentümer können sie sowohl fürs Eigenheim als auch für die Mietswohnung abschließen. Zwar ist diese Versicherung keine Pflicht, doch Dr. Ulrike Kirchhoff, Vorsitzende von Haus und Grund Bayern e.V. empfiehlt: „Eigentümer und Vermieter sollten sie grundsätzlich abschließen.“

Schadensursachen: dann haftet die Wohngebäudeversicherung

Für die Kosten zur Behebung des Wasserschadens kommt die Wohngebäudeversicherung auf, wenn der Schaden durch folgende Ursachen entstanden ist:

Leitungswasser: Hasso Suliak, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) nennt verschiedene Ursachen von Schäden durch Leitungswasser: Wasserrohrbruch, geplatzte Verbindungsschläuche, schadhafte Dichtungen und Ventile, ausgelaufene Geschirrspül- und Waschmaschinen. Je nach Versicherung könne auch ein Wasserschaden durch fahrlässiges Fehlverhalten abgedeckt sein.

Sturm und Hagel: Laut Suliak kommt die Wohngebäudeversicherung in der Regel für Hagelschäden auf. Bei Sturmschäden haftet die Versicherung erst ab einem Sturm der Windstärke der Stufe acht und mehr. 

Elementarschäden, sofern zusätzlich vereinbart: Elementarschäden umfassen Wetterextreme wie Flut, Überschwemmung, Starkregen und Rückstau in der Kanalisation.

Leistungen: das zahlen die meisten Wohngebäudeversicherungen

Wasserschaden, Versicherung, Gebäudetrocknung, Wohngebäudeversicherung, Trocknungsgeräte, Foto: costadelsol56/ fotolia.com
Wenn Wände und Boden durchfeuchtet sind, wird oft eine Gebäudetrocknung nötig. In der Regel zahlt diese die Wohngebäudeversicherung. Foto: costadelsol56/ fotolia.com

Die Wohngebäudeversicherung kommt grundsätzlich nur für Kosten auf, die notwendig und tatsächlich angefallen sind. Jeder Vertrag ist individuell, daher sind die hier aufgeführten Versicherungsleistungen nicht allgemeingültig. Oft gelten zudem festgelegte Obergrenzen für die Höhe der Kosten oder die Dauer der Leistungen.

Wiederherstellung oder -beschaffung: Die Versicherung kommt für die Renovierung des Gebäudes auf. „Wenn das Gebäude vollständig zerstört ist, zahlt die Versicherung den Wiederaufbau, inklusive Planungs-, Konstruktions- und Architektenkosten“, sagt GDV-Sprecher Suliak.

Praxis-Tipp

Gleitenden Neuwert vereinbaren – Unterversicherung vermeiden

Bei Vertragsabschluss empfiehlt Dr. Kirchhoff von Haus und Grund als Versicherungswert einen gleitenden Neuwert zu vereinbaren. Markus Goltzsch, Fachanwalt für Versicherungsrecht in München, erklärt: „Durch diesen Wert wird der Versicherungsschutz an die Entwicklung der Baukosten angeglichen, so dass das Gebäude mit der Zeit nicht unterversichert wird.“

Aufräum- und Abbruchkosten: Dazu zählen laut Angaben des GDV das Wegräumen und Abtransportieren von Schutt und anderen Resten, deren Ablagern und Vernichten.

Bewegungs- und Schutzkosten: Wenn während Abbruch, Renovierung oder Neubau Gebäudebestandteile bewegt, verändert oder geschützt werden müssen.

Hotelkosten: Wenn die Wohnung unbewohnbar wird, trage die Versicherung in der Regel die Hotelkosten des Bewohners, so GDV-Sprecher Suliak. Dazu zählen nur die Grundkosten, nicht Telefon-, Frühstücks- und andere Nebenkosten. 

Mietausfälle und Mietminderung: Bei einer berechtigten Mietminderung ersetze die Versicherung dem Vermieter die entfallene Miete, sowie fortlaufende Nebenkosten, so Suliak. „Doch wenn der Eigentümer das Wiederbenutzen der Wohnung durch eigene Schuld verzögert, wird die Miete nicht weiter ersetzt“, schränkt Versicherungsrechtsexperte Goltzsch ein.

Schadensgutachten: „Ob die Wohngebäudeversicherung das zahlt, hängt von der Schadenshöhe ab“, sagt Suliak. Er empfiehlt, dies im Vorfeld mit dem Versicherer abzuklären.

Feuerwehrkosten zählen nicht dazu. Der GDV-Sprecher sagt: „Die Versicherung zahlt keine Aufwendungen von Institutionen, die im öffentlichen Interesse zur Hilfeleistung verpflichtet sind.“

Experten-Tipp

Der Mieter verursacht den Wasserschaden fahrlässig – Wer zahlt?

Wenn der Mieter einen Wasserschaden vorsätzlich oder aus Fahrlässigkeit verursacht, muss er für den Schaden am Eigentum des Vermieters aufkommen (§ 823 Abs.1 BGB). Markus Goltzsch, Fachanwalt für Versicherungsrecht der Kanzlei Wittig Ünalp PartGmbB in München, nennt ein Beispiel: „das kann der Fall sein, wenn der Mieter bereits längere Zeit von einem undichten Rohr wusste, ohne den Vermieter davon zu informieren.

Wenn unklar ist, wer schuld ist? Goltzsch erklärt: „Zunächst greift die Wohngebäudeversicherung und kommt für den eigenen Schaden am Eigentum auf. Wenn später klar ist, dass der Mieter der Verursacher war, kann sie ihn unter Umständen in Regress nehmen.“ Kurzum: Die eigene Versicherung zahlt und kann später die gezahlte Leistung vom Verursacher oder dessen Haftpflichtversicherung zurückfordern.

Hausratversicherung bei Schäden am Inventar

Wasserschaden, Versicherung, Grafik: immowelt.de

Die Hausratversicherung kommt für Wasserschäden an beweglichen Gegenständen auf, in der Regel zahlt sie auch die Reparaturkosten bei Nässeschäden an Bodenbelägen, Wandfarbe oder Tapete. Fachanwalt Goltzsch betont: „Diese Versicherung kann nur für das eigene Eigentum abgeschlossen werden, Mieter müssen sich selbst um ihren Hausrat kümmern.“ 

Vom Versicherungsschutz ausgenommen sind meist: Schmuck, Kunstobjekte, Musikinstrumente, Kraftfahrzeuge, elektronische Daten.

In ihren Konditionen entspricht die Hausratversicherung in etwa der Wohngebäudeversicherung.

Die Hausratversicherung sichert folgende Wasserschäden ab:

  • Leitungswasser
  • Sturm (ab Windstärke 8) und Hagel
  • Zusätzlich Elementarschäden – wie Starkregen und Überschwemmung, sofern vertraglich vereinbart

Leistungen bei Wasserschäden am Hausrat:

Auch hier werden bei den einzelnen Leistungen je nach Vertrag bestimmte Obergrenzen festgesetzt.

  • Reparaturkosten oder Wiederbeschaffung
  • Aufräumkosten
  • Bewegungs- und Schutzkosten: Wenn während der Renovierung Gebäudebestandteile bewegt, verändert oder geschützt werden müssen.
  • Hotelkosten
  • Transport- und Lagerkosten: Etwa, wenn die Wohnung unbenutzbar wird und die Gegenstände zum Schutz vor Nässe und Feuchtigkeit anderorts gelagert werden müssen.
  • Bewachung: Wenn die Wohnung unbewohnbar und das Haus nicht ausreichend gesichert ist.

Haftpflichtversicherungen bei Schäden an der Nachbarwohnung

Wasserschaden, Versicherung, Grafik: immowelt.de

Wenn in der eigenen Wohnung ein Wasserrohr bricht und das Wasser sickert in die Wohnung des Nachbarn, muss man in der Regel für den Schaden des Nachbarn aufkommen. Das gilt für Wasserschäden an Hausrat sowie Gebäude. Diese Versicherungen helfen:

Privathaftpflicht Versicherung für Eigentümer: „Wer im Eigenheim wohnt, bei dem kommt die normale Privathaftpflichtversicherung für den Wasserschaden beim Nachbarn auf“, erklärt Dr. Kirchhoff von Haus und Grund Bayern.

Haus- und Grundbesitzer Haftpflichtversicherung für Vermieter: Wenn ein Wasserrohr in der Wohnung des Mieters bricht, haftet diese Versicherung für den nachbarlichen Schaden. Diese sollten Vermieter stets abschließen, rät Dr. Kirchhoff. Denn auch wenn der Vermieter den Wasserschaden nicht selbst verursacht, gilt: Eigentum verpflichtet. Er haftet für die Sicherheit seiner Wohnung und hat dafür zu sorgen, dass niemand anderes durch sie zu Schaden kommt (§ 823 BGB).

Haftpflichtversicherung des Mieters: Nicht für jeden Schaden muss der Vermieter gerade stehen. Dr. Kirchhoff erklärt: „In manchen Fällen muss der Mieter den Wasserschaden an der Nachbarwohnung zahlen. Etwa, wenn er ihn grob fahrlässig verursacht.“ Dann muss der Mieter neben dem Schaden des Nachbarn auch den des Vermieters zahlen. Diese Rechnung kann teuer werden, daher sollte Vermieter ihre Mieter über das Risiko und die Option einer Haftpflichtversicherung aufklären.

Fazit: Diese Versicherungen helfen Vermietern und Eigentümern

Wasserschaden, Versicherung, Grafik: immowelt.de

Sie sind Eigentümer: 

  • Wohngebäudeversicherung
  • Hausratversicherung
  • Jeweils optional: Elementarschaden mitversichern
  • Private Haftpflichtversicherung

Sie sind Vermieter:

  • Wohngebäudeversicherung
  • Optional: Elementarschaden mitversichern
  • Haus- und Grundbesitzer Haftpflichtversicherung

Wasserschaden, Versicherung, Grafik: immowelt.de

Ihre Meinung zählt

(25)
4.2 von 5 Sternen
5 Sterne
 
15
4 Sterne
 
4
3 Sterne
 
4
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
2
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

VersicherungenTipps für Immobilieneigentümer

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

2 Kommentare

Patrick am 08.08.2017 19:01

Guten Abend,

Ich hatte einen Rohrbruch unter der Dusche meiner Mietwohnung, Möbel sind aber in Ordnung.

Mein Vermieter hat infolgedessen Trockengeräte in meine Wohnung aufgestellt, die unerträglich sind und die Wohnung unbenutzbar machen.

Welche Rechte habe ich? Mein Vermieter will mir erzählen, ich solle mich bezüglich Hotelkosten an meine Hausrat wenden, die mir allerdings sagt, dass sie nur bei einem Schaden an den Möbel aufkommt.

Bin daher nun etwas verunsichert, was richtig ist.

Können Sie mir bitte helfen?

Danke und Gruß

Patrick

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 10.08.2017 09:39

Hallo Patrick und vielen Dank für Ihren Kommentar,

für die Hotelkosten muss ein Vermieter in einem solchen Fall nur dann, wenn er den Schaden selbst verschuldet hat. Trifft den Vermieter dagegen keine Schuld, kann er auch nicht zum Schadensersatz verpflichtet werden. Auf der anderen Seite hat ein Mieter allerdings bei einer unbenutzbaren Wohnung das Recht, die Miete zu mindern. Wenn sie gänzlich unbewohnbar ist, sogar um 100 Prozent. Ob das in ihrem Fall gegeben ist, können wir allerdings aus der Ferne nicht einschätzen. Wir raten Ihnen daher zu einer Rechtsberatung durch einen Fachanwalt oder einen Mieterverein.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

klara.scheibenzuber am 03.08.2017 15:53

ich habe mal eine frage, mein vermieter hat riesen löscher in die außenwände geschlagen wegenbrunnenwasserleitungen im hause. letztes jahr hatte die sturzflut dort das ganze wasser reingeschossen und zusätzliche alte gullis im haus , die verstopft waren , haben mit dafür gesorgt das meine wohnung komplett unter wasser standen . meine hausratsversicherung ist für nichts auf gekommen und der vermieter ebenfalls nicht. in wieweit kann bzw könnte ich ihn in regress dafür nehmen? wäre um eine antwort dankbar, da mein neues beschafftes mobiliar wieder dahin schimmelt da der vermieter nichts unternimmt um des gemäuer trocken zu legen

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 04.08.2017 08:54

Sehr geehrte Frau Scheibenzuber,

unter Umständen könnte es möglich sein, Schadensersatz vom Vermieter zu verlangen. Eindeutig beantworten können wir diese Frage an dieser Stelle aber nicht. Beachten Sie, dass wir keine Rechtsberatung leisten dürfen. Wir würden Ihnen daher empfehlen, den Fall einem Fachanwalt oder einem Mieterverein vorzutragen.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion


klara.scheibenzuber am 04.08.2017 11:10

vielen dank für ihre antwort, das hilft mir schon weiter