Zu schön, um wahr zu sein: Gefälschte Wohnungsanzeigen erkennen

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Schöne Wohnung, beste Lage, und dann auch noch unschlagbar günstig: Wer eine solche Anzeige liest, hat vielleicht einen Glücksgriff gelandet. Oder könnte auf eine gefälschte Immobilienanzeige hereinfallen. Auf der Suche nach Opfern, die sie abzocken können, lassen sich Betrüger immer wieder neue Methoden einfallen. Mit diesen Tricks können Wohnungssuchende sie entlarven.

Gefälschte Wohnungsanzeigen, Anzeige, Foto: iStock/ RichVintage
Gefälscht oder nicht? Beschleicht Wohnungssuchende schon beim Durchlesen der Anzeige ein mulmiges Gefühl, sollten sie ihren Verdacht überprüfen. Foto: iStock/ RichVintage

Eine 100 Quadratmeter große Wohnung in der Stuttgarter Innenstadt, frisch renoviert – und das für läppische 200 Euro Kaltmiete? Wer bei einer solchen Immobilienanzeige stutzig wird, hat guten Grund: Nur zu oft steckt dahinter ein Betrüger, und die vermeintliche Traumwohnung existiert gar nicht. Die Betrüger wollen an das Geld, E-Mailadressen oder Passwörter ihrer Opfer kommen. Die günstigen Wohnungen dienen nur als Lockmittel für verzweifelte Wohnungssuchende.

Dieses Problem ist weit verbreitet. Wer genau hinschaut, kann die Betrüger aber oft noch rechtzeitig erkennen.

Das sind die häufigsten Betrugsmaschen

Ihre dunklen Absichten verstecken die Betrüger meist hinter einem scheinbar seriösen Vorgehen.

Das sind die häufigsten Maschen:

Vorkassebetrug und Vorabkaution

Gefälschte Wohnungsanzeigen, Foto: privat
Christian Solmecke, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in Köln. Foto: privat

Der angebliche Eigentümer teilt dem Miet- oder Kaufinteressenten mit, dass er nicht zur Besichtigung kommen kann, weil er gerade im Ausland ist. „Dann wird der Betroffene von dem Betrüger aufgefordert, vorab Geld zu überweisen, damit er von ihm im Gegenzug den Wohnungsschlüssel erhält“, erklärt Christian Solmecke, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke. Meist erfolge die Überweisung über Transferdienste wie Western Union oder Money Gram, bei denen sich die Spur des Geldes nicht nachverfolgen lassen. „Doch sobald das Geld überwiesen wurde, gibt es weder Schlüssel noch Besichtigungstermin.“

Vor einer Variante warnt zudem Sabrina Lücke aus dem Immowelt Support-Team: „Manche Anbieter verweisen auch auf andere Plattformen wie airbnb, um seriöser zu erscheinen.“ Die Plattform werde sich dann angeblich um das Zuschicken des Schlüssels kümmern – auch das ist eine Lüge.

Sobald sie Geld im Voraus überweisen sollen, sollten bei Wohnungssuchenden die Alarmglocken klingeln. Geld sollten sie keinesfalls überweisen.

Nachnahmebetrug

In manchen Fällen bieten die Betrüger an, den Schlüssel per Nachnahme zu schicken. Die Schlüssel, für die dann eine vereinbarte Nachnahmegebühr entrichtet werden soll, kommen zwar auch an, passen aber natürlich nicht ins Haustürschloss der Immobilie.

Auch hier gilt: Erst wenn man die Immobilie besichtig hat und einen Miet- oder Kaufvertrag unterschrieben hat, sollte man Geld zahlen – davor nicht.

Wohnungskautionsbetrug

Bei dieser Masche mietet der Betrüger ein fremdes Apartment an, das er als sein eigenes ausgibt. Er macht Fotos, einen Lageplan, schaltet eine Anzeige – und wartet darauf, dass ihm die Wohnungssuchenden in die Falle gehen. Wer sich meldet, bekommt auch prompt einen Besichtigungstermin. Kurz darauf folgt die Benachrichtigung, dass der Interessent die Wohnung bekommt. Alles, was er jetzt noch tun muss, ist drei Monatsmieten Kaution plus Ablöse im Voraus überweisen. Kaum ist das Geld überwiesen, ist der vermeintliche Vermieter aber auch schon über alle Berge. Der Wohnungskautionsbetrug war in München eine Zeit lang recht verbreitet.

Interessenten sollten die Kaution erst zahlen, wenn der Mietvertrag unterschrieben und die Schlüssel übergeben sind. Wer schon vorab Verdacht schöpft, kann sich zudem bei der Besichtigung den Ausweis des Maklers oder Vermieters zeigen lassen – und ihn so überprüfen.

Kostenpflichtige Listen

Hierbei geben sich die Betrüger als Makler aus und bieten den Interessenten gegen Geld Listen mit interessanten Wohnungsangeboten an. Das Pikante: meist kopieren die Betrüger für die Listen Immobilienangebote seriöser Makler, die von dem Missbrauch nichts ahnen.

Verlangt jemand eine finanzielle Vorleistung für eine Liste mit Wohnungen, ist das ein Indiz dafür, dass er ein Betrüger ist.

Gefälschte Wohnungsanzeigen erkennen: Die häufigsten Anzeichen

Gefälschte Immobilienanzeigen, Betrüger, Foto: iStock/ vicnt
Gefälschte Immobilienanzeigen klingen oft günstig – doch hinterher will der Betrüger den Suchenden nur das Geld aus der Tasche ziehen. Foto: iStock/ vicnt

Der klassische Kern einer betrügerischen Immobilienanzeige ist oft eine unverschämt günstige Wohnung, in bestem Zustand – und das in gefragter Lage. Doch es gibt weitere Anhaltspunkte:

Ungewöhnlich viel Ausstattung: Die Wohnung ist zum Beispiel nur 50 Quadratmeter groß, aber vollklimatisiert, inklusive Pförtner, Alarmanlage und zehn verschiedene Arten von Böden. „Das könnte womöglich darauf hinweisen, dass ein Betrüger einfach möglichst viel Text aus verschiedenen Immobilienanzeigen zusammenkopiert hat“, so Lücke aus dem Immowelt-Support-Team.

Fotos wie aus dem Katalog: „Hier werden gerne real existierende Wohnungen, zum Beispiel von Apartmentanlagen, kopiert und dreist verwendet“, sagt Rechtsanwalt Solmecke. Auch aus Einrichtungskatalogen oder Hotelseiten klauen Betrüger oft Bilder. Er rät: „Mit der umgekehrten Bildersuche von Google lässt sich aber überprüfen, wo die Fotos außerdem verwendet wurden.“

Immobilie passt nicht zur Wohngegend: Ist eine Adresse der Immobilie angegeben, lässt sie sich via Google Maps oder Earth überprüfen. Supportmitarbeiterin Lücke betont: „Ein 100 Quadratmeter Gartengrundstück mitten im Industriegebiet ist eher unwahrscheinlich – und müsste sichtbar sein.“

Gefälschte Wohnungsanzeigen, Foto: privat
Thomas Feil, Fachanwalt für IT-Recht in Hannover. Foto: privat

Fehlende oder gefälschte Kontaktdaten: „Wenn die Internetseite des Wohnungsanbieters nicht einmal ein Impressum mit dem zuständigen Ansprechpartner oder seine Kontaktinformationen hat, ist Vorsicht geboten“, warnt Thomas Feil, Fachanwalt für IT-Recht in Hannover. Ist eine Telefonnummer angegeben, lässt sich der Verdacht aber näher überprüfen: Wenn der Interessent den vermeintlichen Vermieter anruft und die Rufnummer nicht vergeben ist – oder jemand abhebt, der nichts von der Anzeige weiß.

Kontakt auf Deutsch kaum möglich: „Wenn Betrüger es auf Geldleistungen abgesehen haben, soll die Kommunikation häufig auf Englisch oder einer anderen ausländischen Sprache stattfinden“, sagt der Kölner Rechtsexperte Solmecke. Dies könne ein Indiz dafür sein, dass der mutmaßliche Betrüger im Ausland sitzt – oder er die Kommunikation für den Interessenten erschweren wolle.

Aufforderung zur Geldüberweisung im Voraus: „Aufforderung zu Vorabkaution oder Überweisung, damit der Schlüssel per Post zugesandt wird, sind ein starkes Indiz für Betrüger“, warnt Rechtsexperte Feil. Kam der Kontakt über ein Immobilienportal zustande, versuche der Betrüger zudem oft einen eigenständigen Kommunikationsweg aufzubauen, zum Beispiel über WhatsApp.

Kontonummer ist verdächtig: „Wenn die Kontonummer des Zahlungsempfängers nicht mit ‚DE‘ anfängt, sollte man misstrauisch werden“, rät Feil.

Experten-Tipp
Kontonummer im Inland: Dem Betrüger auf die Schliche kommen.

„Der Betroffene kann bei der Hausbank des Betrügers einen Antrag stellen, in dem er den Namen und die Anschrift des Kontoinhabers erfragt. Manche Angestellte wissen nicht, dass sie diese Information auf Anfrage auch herausgeben müssen – hierauf muss man sie dann hinweisen. So ist ein Abgleich mit den angegebenen Daten des Anbieters möglich – und Geschädigte können mit dieser Information auch zivilrechtlich gegen den Betrüger vorgehen.“, rät der Fachanwalt für IT-Recht Thomas Feil.

Verdacht auf Fake-Anzeige – Was tun?

Gefälschte Wohnungsanzeige, Foto: contrastwerkstatt/ fotolia.com
Wer vermutet, dass es sich um eine gefälschte Wohnungsanzeige handelt, sollte den Kontakt zum verdächtigen Vermieter abbrechen. Foto: contrastwerkstatt/ fotolia.com

Treffen mehrere der genannten Punkte zu, erhärtet sich der Verdacht einer betrügerischen Anzeige. Frank Scheulen von der Pressestelle des Landeskriminalamtes (LKA) in Nordrhein-Westfalen warnt: „Wer mit einer Vorleistung jeglicher Art konfrontiert wird, sollte stutzig werden.“ Wohnungssuchende sollten in diesem Fall umgehend den Kontakt zu dem verdächtigen Anbieter abbrechen. Und: Schotten dichthalten – keine persönlichen Informationen preisgeben, keinen Ausweis zuschicken, kein Geld überweisen. Wurde die Anzeige auf einem Immobilienportal eingestellt, sollte die Anzeige zudem dem jeweiligen Portal gemeldet werden.

Wer eine verdächtige Immobilienanzeige auf immowelt.de findet, kann diese direkt melden:

  • Am Ende des Exposés über den Button „Exposé melden“ oder
  • Mit einem Anruf oder einer E-Mail direkt an das Support-Team.

„Taucht ein Verdacht auf, sperren wir die Anzeige und überprüfen sie schnellstmöglich“, sagt Sabrina Lücke aus dem Support-Team.

Betrüger erkannt, Geld überwiesen: Schnelles Handeln ist angesagt

Gefälschte Wohnungsanzeigen, Frank Scheulen, Foto: LKA NRW
Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Nordrhein-Westfalen. Foto: LKA NRW

Im Betrugsfall rät LKA-Sprecher Scheulen: „Betroffene sollten unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstatten.“ Das gelte auch dann, wenn noch kein Schaden entstanden sei – zum Beispiel, wenn der Betroffene zum Zahlen einer Vorabkaution aufgefordert wurde, sie aber noch nicht überwiesen hat. „Denn dann kann bereits der Tatbestand des versuchten Betruges erfüllt sein, und auch der Versuch ist strafbar.“ Laut Rechtsanwalt Feil könne es vor allem helfen, wenn möglichst viele Geschädigte Strafanzeige erstatten. „Je mehr Informationen sich ballen, umso eher ist es möglich, den Betrügern auf die Schliche zu kommen.“

Wer bereits Opfer einer gefälschten Immobilienanzeige geworden ist, dem rät Scheulen zudem, schnellstmöglich die eigene Bank zu kontaktieren. Ist das Geld noch nicht vom Konto abgegangen, so kann die Überweisung in der Regel noch rückgängig gemacht werden. Aber, so Rechtsanwalt Solmecke: „Die Chancen, bereits überwiesenes Geld zurückzubekommen, stehen oftmals schlecht, da die Täter nicht immer zu finden sind.“ Es kann aber helfen, einen Fachanwalt für IT-Recht einzuschalten: Dieser kann dann die Rechtslage prüfen und eine klare Aussage über die rechtlichen Möglichkeiten geben, das Geld zurückzuerhalten.

Betrug mit Immobilienanzeigen: Ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel

„Was wir in der Kanzlei bemerken, ist, dass die Betrüger immer professioneller und dreister vorgehen“, sagt Solmecke. Einmal erkannte Betrugsmethoden würden direkt durch abgeänderte, noch besser getarnte Betrugsmaschen ersetzt. Zwar werden mittlerweile enorm viele betrügerische Seiten vorab erkannt und gelöscht – aber: „Es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel.“


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