Welche Heizung ist die Beste?

Strom, Pellets, Gas, Öl: Wer eine Immobilie kaufen oder bauen will, sollte die Art der Heizung in seinen Vergleich mit einbeziehen: Die laufenden Kosten variieren beträchtlich.

Heizung
Die Unterhaltskosten für unterschiedliche Typen von Heizungen variieren beträchtlich. Foto: Dena

Wer eine Immobilie kauft oder bauen will, muss sich auch Gedanken über die Art der Beheizung machen. So kann sich ein günstiger Peis für die Immobilie langfristig dadurch relativieren, dass die Heizkosten exorbitant hoch sind. Niedrige Unterhaltskosten können umgekehrt auch einen höheren Anschaffungspreis rechtfertigen. Dann ist zwar die monatlich an die Bank zu zahlende Rate höher, doch die laufenden Kosten sind geringer. Doch welche Vor- und welche Nachteile haben die einzelnen Heizungssysteme?

Stromheizung

In Neubauten werden sie aus guten Gründen nicht mehr eingebaut: Nachtspeicheröfen. Ihr einziger Vorteil: Die im Vergleich zu anderen Zentralheizungssystemen niedrigeren Anschaffungskosten. Dafür ist der Unterhalt kostspielig, denn Nachtspeicheröfen verbrauchen teuren Strom, und der kostet pro Kilowattstunde gut und gerne das Drei- bis Vierfache beispielsweise im Vergleich mit Erdgas. Günstige Nachttarife, die dieses Heizungssystem dereinst attraktiv machten, werden heute von den Versorgern entweder gar nicht mehr angeboten oder nicht mehr zu den einstigen Billig-Konditionen. Vom Tisch ist allerdings das urspünglich vorgesehene Betriebsverbot für Nachspeicherheizungen, die älter als 30 Jahre sind ab 2020.

Ölzentralheizung

Ölzentralheizungen werden immer seltener. Ein Nachteil dieser Heizung ist der hohe Platzbedarf für den mehrere tausend Liter fassender Tank im Keller. Anders als bei einer Gasheizung ist man mit einer Ölheizung zwar unabhängig von einem bestimmten Versorger. Den Brennstoff muss man allerdings auf Vorrat kaufen und vorfinanzieren. Die Strategie, im Sommer auf günstige Preise zu spekulieren, ging in den vergangenen Jahren immer seltener auf und die Ölpreise stiegen im letzten Jahrzehnt beträchtlich.

Gasheizung

Wenig Platzbedarf, eine im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern saubere Verbrennung und vergleichsweise niedrige Anschaffungskosten zeichnen die Gasheizung aus, die heute in Kombination mit einer Solaranlage ein beliebtes Heizungskonzept ist. Nachteile: Die Abhängigkeit von einem Versorger und die Preissteigerungen für Gas der vergangenen Jahre.

Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Effizient kann sie deshalb nur dann sein, wenn die für den Betrieb benötigte Strommenge gering und die der Umwelt entzogene Wärmemenge hoch ist. Da die Stromerzeugung selbst mit hohen energetischen Verlusten verbunden ist, arbeitet eine Wärmepumpe nur dann umweltfreundlich, wenn pro Kilowattstunde verbrauchten Strom mindestens drei Kilowattstunden Umweltwärme aufbereitet werden können. In gut gedämmten Gebäuden ist das meistens der Fall. Grund: Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je geringer die Vorlauftemperatur der Heizung ist. Und in Niedrigenergiegebäuden werden oft Flächenheizungen eingesetzt, die mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten. Eine Wärmepumpenheizung ist meist mehrere tausend Euro teurer in der Anschaffung als eine Gas- oder Ölzentralheizung, dafür sind die Unterhaltskosten deutlich niedriger. Auch die Wartungskosten fallen gering aus: So entfallen zum Beispiel die Kosten für den Schornsteinfeger, weil kein Schornstein nötig ist.

Holzheizung

Holzpelletheizungen wurden in den vergangenen Jahren immer häufiger eingebaut. Sie sind sehr umweltfreundlich, da sie nur diejenige Menge CO2 freisetzen, die ein Baum im Laufe seines Lebens aufgenommen hat. CO2-neutral sind Pelletheizungen dennoch nicht: Für die Herstellung und für den Transport wird ebenfalls Energie benötigt. Nachteile der Pelletheizungen sind die hohen Anschaffungskosten und der große Platzbedarf für das Pelletlager. Dafür ist der Brennstoff deutlich günstiger als Öl oder Gas.

Solarheizung

Ein Haus alleine mit der Kraft der Sonne heizen? Und das ganzjährig? Das funktioniert! In Deutschland und in der Schweiz wurden inzwischen mehrere sogenannte Sonnenhäuser errichtet, die dank riesengroßer Speicher mit mehreren zehntausend Litern Volumen ein Gebäude auch im Winter mit Sonnenenergie beheizen können. Daneben sollte zudem die komplette Südseite des Dachs möglichst vollständig aus Solarkollektoren bestehen. Der Nachteil dieses Heizungskonzepts: der hohe Preis und der enorme Platzbedarf für den meist zylinderförmigen und mehrere Stockwerke hohen Speicher. Sowohl Kollektoren als auch Speicher müssen deutlich überdimensioniert sein, um auch in langen frostigen Wintern nicht plötzlich in der Kälte zu stehen. Eine Alternative zum 100-Prozent-Sonnenhaus ist ein Sonnenhaus, mindestens die Hälfte seines Heizbedarfs mit der Kraft der Sonne deckt. Auch hier müssen die Speicher mehrere tausend Liter Volumen fassen. Da heute aufgrund der Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) bei Neubauten ohnehin ein Teil der Energie regenerativ gewonnen werden muss, hält sich der Aufpreis in Grenzen. Auf eine konventionelle Heizung kann das Sonnenhaus ebenfalls verzichten. Stattdessen gibt es einen wasserführenden Kaminofen, der den Großteil der durch die Holzverbrennung freigesetzten Wärme nicht an den Raum abgibt, sondern in den Pufferspeicher leitet und für mehrere Tage verfügbar macht. Angesichts immer stärker steigender Energiekosten kann sich die Investition in ein Sonnenhaus im Laufe der Jahre amortisieren. Übrigens: Das Sonnenhaus ist heute längst kein Exoten-Projekt mehr: Laut Sonnenhaus-Institut wurde 2011 bereits das tausendste Sonnenhaus in Deutschland errichtet.


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