Förderstopp für alte Photovoltaikanlagen: So geht’s jetzt weiter

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Nach 20 Jahren Einspeisevergütung fallen bald die ersten privaten Photovoltaikanlagen aus der Förderung. Unattraktive Übergangsregelungen könnten dazu führen, dass viele dieser Altanlagen abgebaut werden müssen.

EEG, Fotovoltaik, Fotovoltaikanlage, Foto: bildergala/AdobeStock.com
Novelle des EEG 2021 könnte Betreiber von alten Photovoltaik-Anlagen vor Probleme stellen. Foto: bildergala/AdobeStock.com

Um die Jahrtausendwende wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verabschiedet. Ein voller Erfolg. Denn seither wurden Millionen Photovoltaikanlage installiert, weil dies auch für private Hausbesitzer lukrativ ist. 20 Jahre lang musste der Energieversorger nämlich eine Einspeisevergütung  für den ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Solarstrom zahlen, die in der Regel nicht nur kostendeckend ist, sondern für eine gute Rendite sorgt.

Für die ersten Anlagen, die nach Inkrafttreten des reformierten EEG ans Netz gehen, läuft die Förderung aber bald aus. Es gibt dann nach bisheriger Rechtslage weder einen Anspruch auf eine Einspeisevergütung noch das Recht, den Sonnenstrom überhaupt ins Netz einzuspeisen. Unter anderem diese Problematik will das EEG 2021 lösen.

Neuregelungen im EEG: Geplante Änderungen

Das EEG 2021 sieht für Anlagen, deren Förderung ausgelaufen ist, eine Übergangsregelung vor: Bis Ende 2027 sollen die Anlagenbetreiber weiterhin eine Einspeisevergütung erhalten. Allerdings nicht in bisheriger Höhe, sondern nur in Höhe des durchschnittlichen Marktpreises von Strom – damit sind nicht die Endverbraucherpreise gemeint, sondern die Preise, die Energieversorger durchschnittlich am Markt zahlen. Das sind wenige Cent pro Kilowattstunde.

Das Problem dabei: Gleichzeitig sollen die Betreiber der Altanlagen nach dem bisherigen Gesetzesentwurf verpflichtet werden, intelligente Messgeräte zu installieren. Und das schon bei Anlagengrößen ab einem Kilowatt. Dann würden sehr geringe Einspeisevergütungen, die in vielen Fällen jährlich noch nicht einmal dreistellig sein dürften, hohen Investitionskosten für die Messeinrichtungen gegenüberstehen. Damit wäre allein schon deshalb ein Weiterbetrieb der jeweiligen Anlagen oft unwirtschaftlich.

Eine weitere Hürde: Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Betreiber von Anlagen, deren Förderung ausgelaufen ist, anteilig 40 Prozent der EEG-Umlage für selbst verbrauchten Solarstrom zahlen sollen, unabhängig von der Anlagengröße. Das wären rund drei Cent je Kilowattstunde. Eine eigentlich sinnvolle Aufrüstung der Anlage durch einen Batteriespeicher, der einen höheren Eigenverbrauch ermöglicht, würde dadurch wohl in vielen Fällen ebenfalls unwirtschaftlich.

Denn kleine Anlagen, wie sie vor 20 Jahren noch üblich waren, produzieren unter den neuen Bedingungen jährlich nur eine Strommenge, die vielleicht in einem zwei- oder im unteren dreistelligen Euro-Bereich liegt, je nach Anlagengröße. Eine Pufferbatterie könnte den Eigenverbrauchsanteil erhöhen, der Selbstverbraucher spart als das Geld ein, das er für den Strom vom Versorger zahlen würde. Wenn nun die Anteilige EEG-Umlage für den Eigenverbrauch fällig würde kann es also sein, dass sich die Batterie wegen dieser Kosten nicht mehr amortisieren kann.

Weitere Änderungen des EEG 2021

Photovoltaik-Anlage, Montage, Foto: Marco2811/AdobeStock.com
Für neue Photovoltaik-Anlagen sieht das EEG 2021 einige Änderungen bei den Förderbedingungen vor. Foto: Marco2811/AdobeStock.com

Für neue Anlagen sieht das EEG 2021 jedoch auch einige Änderungen vor: So soll bei neuen Anlagen bis 20 Kilowatt Nennleistung bei einem Eigenverbrauch von bis zu zehn Megawattstunden pro Jahr keine anteilige EEG-Umlage in Rechnung gestellt werden. Private Haushalte wären dann wohl immer von der Umlage befreit, weil auf ein typisches Einfamilienhausdach keine Anlagen dieser Größe passen und der Jahresverbrauch meist auch unter zehn Megawatt im Jahr liegt. Für Unternehmen, die zum Beispiel das Dach einer Lagerhalle mit einer größeren Photovoltaikanlage auszustatten, ist dies jedoch ein Aspekt, der die Anlage unwirtschaftlich machen kann.

Smartmeter-Pflicht für neue Anlagen

Zudem soll es künftig eine Smartmeter-Pflicht für alle neuen Anlagen geben. Solche Messeinrichtungen ermöglichen zum Beispiel den Fernzugriff auf die Anlage durch den Energieversorger. Dieser kann dann die Anlage dann zum Beispiel von 100 Prozent auf 50 Prozent Leistung abregeln, wenn wegen besonders sonnenreichen und damit solarstromreichen Wetters eine Überlastung des Netzes droht.

Allerdings kosten diese Smartmeter schnell einige hundert Euro, oder es fällt eine monatliche Miete hierfür an. Bei kleinen Anlagen, wie sie üblicherweise auf den Dächern von Einfamilienhäusern stehen, dürfte der Überlastungseffekt wegen der geringen Stromproduktion nicht ins Gewicht fallen, weshalb die Smartmeterpflicht mehrheitlich als unverhältnismäßig angesehen wird. Mit kostentreibender Smartmeter-Pflicht würden wohl viele kleinere Photovoltaik-Anlagen unwirtschaftlich werden.

Ausschreibungspflicht bei größeren Anlagen

Laut EEG-Entwurf gibt es für größere Anlagen ab 500 Megawatt keine Einspeisevergütung, sondern die Betreiber müssen verpflichtend an einem Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Dabei nennen sie den geringsten Preis, den sie für ihren Sonnenstrom zu akzeptieren bereit wären. Diejenigen, die den geringsten Preis nennen, erhalten dann den Zuschlag.

Zudem soll ein Eigenverbrauch von solchen Anlagen verboten sein. Damit könnten Firmen, die auf ihren Industriedächern große Anlagen errichten wollen, nicht an der Energiewende teilnehmen. Der Bundesverband Solarwirtschaft hält diese geplante Neuregelung für europarechtswidrig, da eine entsprechende Richtlinie fordert, dass der Eigenverbrauch von Solarstrom gefördert und nicht verhindert werden soll.

Fazit: EEG-Entwurf in der Kritik

Noch handelt es sich beim EEG 2021 um einen Gesetzesentwurf, der in den vergangenen Wochen an einigen Stellen bereits entschärft wurde – so sollte die Ausschreibungspflicht ursprünglich bereits für Anlagen ab 100 Kilowatt Nennleistung gelten. Doch für Betreiber von Anlagen, die nicht mehr gefördert werden und allen, die die Installation einer Anlage planen, könnten die Neuregelungen Nachteile mit sich bringen, die die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Anlagen in Frage stellen. Die Gesetzesnovelle soll noch in diesem Jahr Bundestag und Bundesrat passieren und ab 1. Januar 2021 in Kraft treten.

23.10.2020


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