Schutz vor Besichtigungstourismus – 3 Tipps

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Makler investieren viel Zeit in Wohnungsbesichtigungen – unabhängig davon, ob ein Geschäftsabschluss dabei herauskommt oder nicht. Umso ärgerlicher ist es, wenn es sich bei den Interessenten in Wirklichkeit um Immobilientouristen handelt. Diese haben gar nicht vor, ein neues Haus zu kaufen oder eine Wohnung zu mieten – sie wollen lediglich mal sehen, wie andere Leute so wohnen oder wie luxuriöse Immobilien ausgestattet sind. Diese Tipps helfen Maklern dabei, sich vor Besichtigungstourismus zu schützen.

Besichtigungstourismus, Foto: rh2010/ fotolia.com
Wie es sich im Schloss wohl so wohnt? Manche Interessenten wollen eigentlich nur schauen, und nicht kaufen. Immobilienprofis verlieren durch Besichtigungstourismus oft wertvolle Arbeitszeit. Foto: rh2010/ fotolia.com

Private Schlösschen, luxuriöse Penthousewohnungen, exklusive Fabriklofts. Das sind oftmals rentable Objekte für Immobilienvermittler, doch sie bringen einen Nachteil mit sich: Denn so manch einer nutzt die Gunst der Stunde für eine private und kostenlose Führung durch ansonsten nicht öffentlich zugängliche Gemächer. Besichtigungstourismus nennt sich dieses Phänomen: Menschen suchen nach einer Immobilie nur aus Neugierde, weil sie sehen wollen, wie der Nachbar sein Bad gefliest hat oder welche Designermöbel sich in den Villen der Stadt so finden.

Was Makler gegen Besichtigungstourismus tun können

Immobilientouristen kosten Maklern Zeit – und damit bares Geld. Leider ist es nicht so einfach, einen Besichtigungstouristen auf Anhieb zu erkennen. Dennoch gibt es einige Tipps, wie sich Makler vor dem Phänomen schützen können

Telefonieren Sie vor der Wohnungsbesichtigung mit dem Interessenten

Besichtigungstourismus, Telefonieren, Grafik: Immowelt

Joachim Plasser von Thomas Immobilien, ein Wiener Luxusmakler, betont: „Am wichtigsten ist es, mit den Interessenten zu sprechen. Je mehr man kommuniziert, umso eher lässt es sich erahnen, ob jemand wirklich eine Immobilie sucht oder einfach nur schauen will.“ Sein Maklerkollege Tim Grebe, Inhaber von Grebe Consult Immobilien in Berlin, geht ähnlich vor: „Ich frage Interessenten zum Beispiel, wie lange sie schon auf der Suche sind oder ob sie schon mit ihrer Bank wegen einer Finanzierung gesprochen haben.“ Im Klartext heißt das: Wer wirklich etwas sucht, der weiß auch ungefähr, wonach er sucht und was er sich leisten kann.

Führen Sie Buch über die Wohnungsinteressenten

Besichtigungstourismus, Buch führen, Grafik: Immowelt

Wenn ein bestimmter Interessent über einen langen Zeitraum immer wieder zu Besichtigungen auftaucht, kann dies als Hinweis gedeutet werden, dass es sich um einen Immobilientouristen handelt. Wer über seine Wohnungsinteressenten Buch führt, dem fällt so etwas leichter auf.

Wohnungsbesichtigungen am Wochenende nur in Ausnahmefällen

Besichtigungstourismus, Wochenendbesichtigung, Grafik: Immowelt

Der Sonntagnachmittag eignet sich hervorragend für einen kleinen Spaziergang – oder eine Besichtigungstour durch nachbarschaftliche Wohnungen. Wer also auf Besichtigungstermine am Sonntag verzichtet, verringert das Risiko, einem Immobilientouristen aufzusitzen. Doch als freiberuflicher Makler existieren diese Grenzen nicht. Umso ärgerlicher, wenn Ihnen Immobilientouristen ihre sonntägliche Ruhe rauben. Lassen Sie sich auf eine Wohnungsbesichtigung am Wochenende nur ein, wenn der Interessent gut begründen kann, warum er es unter der Woche nicht einrichten kann. Tim Grebe dagegen bezieht Interessenten ganz bewusst in die Terminfindung mit ein: „Wenn ich kein gutes Gefühl habe, bitte ich die Interessenten, Terminvorschläge für eine Besichtigung zu machen. Die kommen dann in der Regel nur von Kunden, die es wirklich ernst meinen.“

Zeigen Sie, was die Immobilie zu bieten hat

Egal ob es darum geht, Besuchstourismus zu vermeiden oder echte Interessenten anzulocken: „Aus meiner Sicht ist eine offene Herangehensweise immer zielführender“, erklärt Joachim Plasser. „Es kommt natürlich auf die Eigenschaften der Immobilie und auf die Wünsche und Vorstellungen der Verkäufer an.“ Auch Grebe hat gute Erfahrungen damit gemacht, Transparenz zu zeigen: „Offenheit ist eine gute Taktik. Zum einen, um die Neugier von Besichtigungstouristen zu befriedigen. Aber auch, um echten Interessenten den richtigen Eindruck einer Immobilie zu vermitteln.“ Besonders gut geeignet sind dafür zum Beispiel 360-Grad-Videos oder virtuelle Rundgänge durch Wohnungen

ltbau, saniert, Wohnung, Foto: Tiberius Gracchus / fotolia.com
Der Altbau in der Innenstadt wurde schick saniert. So mancher Passant würde da gerne einmal einen Blick in die Wohnung werfen. Foto: Tiberius Gracchus / fotolia.com
Makler, Besichtigungstourismus, Innenansichten, Immobilie, Foto: naka / fotolia.com
Um sich vor Besichtigungstourismus zu schützen, sollten Makler auf verschiedene Innenansichten einer Immobilie setzen. Foto: naka / fotolia.com
Fotos, Küche, Wohnzimmer, Besichtigungstouristen, Foto: iStock.com / Justin Krug
Aussagekräftige Fotos von Küche, Wohnzimmer und weiteren Zimmern stillen die Neugier potenzieller Besichtigungstouristen schon vorab. Foto: iStock.com / Justin Krug
Luxusimmobilien, Neugier, Fotos, Foto: Tiberius Gracchus / fotolia.com
Luxusimmobilien wecken Neugier – zeigt das Exposé dann keine Fotos von drinnen, will diese Neugier vor Ort befriedigt werden. Foto: Tiberius Gracchus / fotolia.com

Lieber einem Touristen die Wohnung zeigen, als einen Interessenten vergraulen

Bei aller Vorsicht vor Touristen und so bedauerlich die verschwendete Zeit auch ist – manchmal ist es besser, dem Touristen die Wohnung zu zeigen, denn: „Ganz auf der sicheren Seite, ob das Interesse echt ist oder nicht, kann man natürlich nie sein“, weiß Plasser. „Und wenn man das Gefühl hat, es mit einem Touristen zu tun zu haben, ändert das an der aktuellen Situation, zum Beispiel der Besichtigung, ohnehin nichts.“ Am Ende gleicht ein abgeschlossenes Geschäft auch den einen oder anderen Besichtigungstouristen aus.


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1 Kommentar

Nowak Immobilien AG am 14.11.2017 12:50

Gerade Punkt 3: "Wohnungsbesichtigungen am Wochenende nur in Ausnahmefällen" kann ich jedem Kollegen empfehlen. Ein echter Käufer hat immer zeit, schließlich muss er ja dann später auch beim Notar erscheinen.

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