Arbeitgeberdarlehen – Wenn der Chef das Traumhaus finanziert

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Mit dem Arbeitgeberdarlehen in die eigenen vier Wände: Manche Arbeitgeber gewähren ihren Mitarbeitern Darlehen, die günstiger sind, als ein normaler Immobilienkredit von der Bank. Doch Arbeitnehmer sollten sich bewusst sein: Damit steigt die Abhängigkeit vom Arbeitgeber.

Die Finanzierung einer Immobilie basiert nicht immer auf einer einzigen Geldquelle. Im Gegenteil. Neben Eigenkapital und dem klassischen Hypothekendarlehen der Hausbank gibt es Förderkredite, Privatkredite, Bausparkredite – und manchmal auch ein Arbeitgeberdarlehen. Bayer, die Deutsche Bank oder SAP bieten so etwas beispielsweise grundsätzlich an. Kleinere Unternehmen können es auch vom konkreten Fall abhängig machen, ob sie einen Kredit vergeben wollen. 

Arbeitgeberdarlehen, Handschlag, Foto: elnariz / fotolia.com
Viel Spaß mit dem neuen Haus. Der Chef kann seinen Mitarbeitern Arbeitgeberdarlehen gewähren und ihnen so beim Immobilienerwerb maßgeblich unter die Arme greifen. Foto: elnariz / fotolia.com

Arbeitgeberdarlehen: steuerliche Nachteile durch Zinsvorteile

Einige Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern Immobilienkredite ohne Zinsen. Günstiger geht’s natürlich nicht mehr. Und genau das ist der große Vorteil für Kreditnehmer. Ihre Arbeitgeber sind oftmals dazu bereit, Konditionen zu gewähren, die deutlich besser sind als auf dem freien Kreditmarkt üblich sind. Neben niedrigen Zinsen ist es auch möglich, dass weniger Sicherheiten notwendig sind oder der Kreditnehmer Tilgungs- oder gar Ratenfreie Zeiten in Anspruch nehmen kann. Arbeitgeber verzichten möglicherweise auch auf Schufa-Einträge oder Grundbuchvermerke, sodass ein solcher Kredit in der Immobilienfinanzierung als Eigenkapital gewertet wird.

Achtung

Besteht der Kreditgeber darauf, im Grundbuch eingetragen zu werden, hat er das Recht, eine Zwangsversteigerung zu beantragen, wenn der Kreditnehmer das Darlehen nicht mehr zurückzahlen kann. Das gilt nicht nur für die Bank sondern auch für den Arbeitgeber.

Allerdings bringen die Zinsvorteile, die dem Arbeitnehmer entstehen, steuerliche Nachteile mit sich: Durch den Unterschiedsbetrag zwischen dem marktüblichen Zins und dem Zinssatz, den der Arbeitnehmer zu zahlen hat, ergibt sich ein geldwerter Vorteil. Übersteigt dieser die Freibeträge von 44 Euro im Monat, unterliegt der Zinsvorteil der Lohnsteuer, wird also je nach Steuerklasse abgeschwächt. Nur bei Darlehen unter 2.600 Euro muss der Zinsvorteil nicht versteuert werden.

Wenn das Arbeitsverhältnis endet

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gehen bei Abschluss des Kredites vermutlich davon aus, ein längeres Arbeitsverhältnis vor sich zu haben. Dennoch sollte vertraglich geregelt werden, was passiert, wenn genau das nicht der Fall ist. Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Der Vertrag läuft weiter und zwar zu den gleichen Konditionen. Für den Arbeitgeber gibt es besonders bei guten Konditionen für den Arbeitnehmer eigentlich keinen Grund, einen solchen Vertrag abzuschließen.
  • Der Vertrag wird abgeändert, die Konditionen wurden zuvor festgeleg.
  • Der Vertrag wird beendet. Das bedeutet, dass der Kreditnehmer den Betrag umgehend zurückzahlen muss. Im Zweifel muss er also Umschulden. Sofern der Arbeitnehmer im Grundbuch eingetragen ist, ist das mit Kosten verbunden, die sich auf etwa ein Prozent der Kredithöhe belaufen.
Arbeitgeberdarlehen, leerer Geldbeutel, Foto: slasnyi / fotolia.com
Geldbörse leer, das Konto im Minus. Kann der Kreditnehmer sein Immobiliendarlehen nicht mehr bezahlen, droht die Zwangsversteigerung. Foto: slasnyi / fotolia.com

Wenn der Kreditnehmer nicht mehr bezahlen kann

Dramatischer ist der Fall, wenn der Kreditnehmer nicht mehr bezahlen kann. Dann passiert grundsätzlich das gleiche, wie in jedem anderen Fall, wenn Schulden ausstehen: Letztendlich kann der Gläubiger seine Forderung mithilfe eines Gerichtsvollziehers durchsetzen. Dieser kann dann beispielsweise einen Teil des Gehalts des Arbeitnehmers verpfänden. Das alles ist natürlich unangenehm und belastet das Arbeitsverhältnis. Ist der Arbeitgeber im Grundbuch eingetragen und dient das Haus also als Sicherheit für einen Immobilienkredit, hat der Arbeitgeber sogar das Recht, die Zwangsversteigerung zu beantragen.

Ob es sich für einen Arbeitnehmer lohnt, bei seinem Arbeitgeber einen Kredit aufzunehmen, kommt also auf das Gesamtpaket an. So sollten beispielsweise die Zinsvorteile die steuerlichen Nachteile deutlich übersteigen. Heidi Müller vom Baufinanzierer Interhyp sagt dazu: „Wenn ein Kunde ein Arbeitgeberdarlehen nutzen möchte, erfolgt unsererseits ein Vergleich, ob dieses Darlehen sinnvoll in die Finanzierung eingebaut werden kann und ob es überhaupt mit marktüblichen Konditionen mithalten kann.“ Und wenn der Arbeitgeber im Grundbuch steht, sollte er auch einen bedeutenden Teil der Investitionssumme beisteuern.


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