Grenzbepflanzung, Fallobst, Laubrente: Streit am Gartenzaun

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Unter Nachbarn gibt es oft Streit um die Grenzbepflanzung. Welche Grenzabstände eingehalten werden müssen, wann dem Nachbarn Laubrente zusteht und wer für das Fallobst zuständig ist – ein Überblick.

Grenzbepflanzung, Gartenschere, Foto: auremar/StockAdobe.com
Wachsen Hecken und Bäume zu nah an der Grundstücksgrenze oder werden nicht regelmäßig beschnitten, kann das zu Streit mit dem Nachbarn führen. Foto: auremar/StockAdobe.com Foto: auremar/StockAdobe.com

Nicht selten kommt es unter Nachbarn zum Streit um den Garten: „Hierbei geht es in der Regel um den Mindestabstand der Hecken oder auch darum, wer den Pflanzenschnitt übernimmt. Auch die Höhe von Grenzhecken oder herabfallende Früchte, Äste oder Laub sind immer wieder Streitpunkte unter Nachbarn“, weiß Rechtsreferentin Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund. Dabei sind die Regeln rund um die Grenzbepflanzung im Nachbarrecht der jeweiligen Bundesländer festgeschrieben – zu finden sind sie meist auf der Webseite der jeweiligen Landesregierung.

Welche Unterschiede gibt es bei der Grenzbepflanzung zwischen den Bundesländern?

Das Nachbarrecht ist in Deutschland Ländersache, weshalb es auch keine einheitlichen bundesweiten Regelungen zur Grenzbepflanzung gibt. Die Regelungen zur Grenzbepflanzung der Bundesländer im Überblick:

Baden-Württemberg

Abstand

  • Hecken bis 1,80 Meter Höhe: 0,50 Meter.
  • Bei höheren Hecken ist ein entsprechend der Mehrhöhe größerer Abstand einzuhalten.

zum Gesetz

Bayern

Abstand

  • Bäume, Sträucher, Hecken, Weinstöcke oder Hopfenstöcke mindestens 0,5 Meter.
  • Pflanzen über 2 Meter mindestens 2 Meter.

zum Gesetz

Berlin

Abstand

  • Hecken über 2 Meter Höhe müssen 1 Meter vom Nachbargrundstück Abstand haben, Hecken unter zwei Meter 0,50 Meter. 
  • Stark wachsenden Bäume (genannt werden Rotbuche, Linde, Platane, Rosskastanie, Stieleiche, Pappel, Weißbirke, Douglasfichte, Walnussbaum): 3 Meter.
  • Nicht hochstämmige Obstbäume: 1 Meter
  • Alle anderen Bäume 1,5 Meter.

zum Gesetz

Brandenburg

Abstand

  • Hecke bis 1,25 Meter darf als Einfriedung auf der Grenze stehen.
  • Sonstige Hecken und Anpflanzungen müssen einen Grenzabstand von einem Drittel ihrer Höhe einhalten.
  • Obstbäume: 2 Meter
  • Sonstige Bäume 4 Metern

zum Gesetz

Bremen

In Bremen gibt es kein Nachbarschaftsrecht, es gilt das BGB. Indem Fall gelten keine Abstandspflichten für Bäume. Einfriedigungen zwischen Nachbargrundstücken dürfen hinter der vorderen Baulinie oder Baugrenze nicht höher als 2 Meter über der Geländeoberfläche des Nachbargrundstücks sein (§ 9 Einfriedigung der Baugrundstücke).

zum Gesetz

Hamburg

In Hamburg gibt es kein Nachbarrechtsgesetz, es gilt das BGB. Deshalb darf bis an die Grenze heran gepflanzt werden. Höhenbegrenzungen existieren nicht.

zum Gesetz

Hessen

Abstand

  • sehr stark wachsende Allee- und Parkbäume und Walnusssämlingsbäume: 4 Meter
  • stark wachsende Allee- und Parkbäume sowie stark wachsende Kernobstbäume (wie die Süßkirsche): 2 Meter
  • schwach wachsende Kernobstbäume, Steinobstbäume sowie übrige Allee- und Parkbäumen: 1,5 Meter. Ausgenommen Süßkirsche.
  • stark wachsende Ziersträucher und Brombeersträucher: 1 Meter
  • alle anderen Sträucher und Beerenobststräucher: 0,5 Meter.

zum Gesetz

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kein Nachbarschaftsrecht, das die Grenzabstände von Bäumen , Sträuchern und Hecken regelt. Hier gilt BGB sowie die jeweilige Baumschutzverordnung, die allerdings auch keine klaren Mindestabstände vorsehen.

zum Gesetz

Niedersachsen

Abstände
Für Bäume, Hecken und Sträucher gilt:

  • bis zu 1,2 Meter Höhe: 0,25 Meter
  • bis zu 2 Meter Höhe: 0,50 Meter
  • bis zu 3 Meter Höhe:0,75 Meter
  • bis zu 5 Meter Höhe: 1,25 Meter
  • bis zu 15 Meter Höhe: 3,00 Meter
  • über 15 Meter Höhe: 8,00 Meter

zum Gesetz

 

Nordrhein-Westfalen

Bäume

  • stark wachsende (Linde, Platane, Rosskastanie, Eiche, Pappel): 4,00 Meter,
  • allen übrigen Bäumen: 2,00 Meter,

Ziersträuchern

  • stark wachsenden Ziersträuchern (Feldahorn, Flieder, Goldglöckchen, Haselnuss, Pfeifensträuchern):  1,00 Meter
  • allen übrigen Ziersträuchern: 0,50 Meter.

Obstgehölzen

  • stark wachsender Kernobstbäume (Süßkirsche, Walnussbäume, Esskastanie: 2,00 Meter,
  • mittelstark wachsende Kernobstbäume (sowie Steinobstbäume, ausgenommen die Süßkirsche: 1,50 Meter)
  • schwach wachsende Kernobstbäumen 1,00 Meter
  • Brombeersträuchern: 1,00 Meter,
  • allen übrigen Beerenobststräuchern: 0,50 Meter,

Rebstöcken

  • geschlossenen Rebanlagen über 1,80 Meter mit 1,50 Meter Abstand
  • übrige geschlossenen Rebanlagen: 0,75 Meter
  • einzelnen Rebstöcken: 0,50 Meter

Hecken

  • über 2 m Höhe: 1,00 Meter Abstand
  • bis zu 2 m Höhe: 0,50 Meter Abstand

zum Gesetz (Bäumer/Sträucher) und zum Gesetz (Hecken)

Rheinland-Pfalz

Bäume (ausgenommen Obstbäume)

  • sehr stark wachsenden Bäume und Walnußsämlinge: 4 Meter
  • stark wachsenden Bäume und Kernobstbäumen sowie Süßkirsche und veredelte Walnußbäum: 2 Meter
  • allen übrigen Bäumen: 1,5 Meter
  • Baumschulbestände und Weihnachtsbaumpflanzungen: 1 Meter

Sträucher

  • stark wachsenden Sträucher und Beerenobststräuchern (unter 2 Meter höhe): 1 Meter
  • alle übrigen Sträucher und mit einzelnen Rebstöcken: 0,5 Meter

zum Gesetz

Saarland

Bäume (ausgenommen Obstbäume)

  • sehr stark wachsenden Bäume und Walnußsämlinge: 4 Meter
  • stark wachsenden Bäume und Kernobstbäumen sowie Süßkirsche und veredelte Walnußbäum: 2 Meter
  • allen übrigen Bäumen: 1,5 Meter
  • Baumschulbestände und Weihnachtsbaumpflanzungen: 1 Meter

Sträucher

  • stark wachsenden Sträucher und Beerenobststräuchern (unter 2 Meter höhe): 1 Meter
  • alle übrigen Sträucher und mit einzelnen Rebstöcken: 0,5 Meter

zum Gesetz

Sachsen

Abstand

  • Bäume, Sträucher oder Hecken: 0,5 Meter
  • Über 2 Meter: mindestens 2 Meter Abstand von der Grundstücksgrenze.
  • Außerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils genügt ein Grenzabstand von 1 Meter für alle Anpflanzungen.

zum Gesetz

Sachsen-Anhalt

Abstand für:

  • Bäume, Sträucher, Hecken und einzelnen Rebstöcke
  • bis 1,50 Meter Höhe: Abstand 0,50 Meter
  • bis zu 3 Meter Höhe: Abstand 1 Meter
  • bis zu 5 Meter Höhe: Abstand 1,25 Meter
  • bis zu 15 Meter Höhe: Abstand 3 Meter
  • über 15 Meter Höhe: Abstand 6 Meter

zum Gesetz

Schleswig-Holstein

Bäume, Sträucher und Hecke (Anpflanzungen)

  • über 1,20 Meter Höhe: Abstand ein Drittel der Wuchshöhe.
  • Anpflanzungen, die über die zulässige Höhe oder den zulässigen Abstand hinausgewachsen sind, sind auf Verlangen des Eigentümers des Nachbargrundstücks auf die zulässige Höhe oder den zulässigen Abstand zurückzuschneiden, wenn der Eigentümer oder der Nutzungsberechtigte sie nicht beseitigen will.

zum Gesetz

Thüringen

Bäume (ausgenommen Obstbäume)

  • sehr stark wachsenden Bäume und Walnußsämlinge: 4 Meter
  • stark wachsenden Bäume und Kernobstbäumen sowie Süßkirsche und veredelte Walnußbäume: 2 Meter
  • allen übrigen Bäumen: 1,5 Meter
  • Baumschulbestände und Weihnachtsbaumpflanzungen: 1,0 Meter

Sträucher

  • stark wachsenden Sträucher und Beerenobststräucher (unter 2 Meter Höhe): 1 Meter
  • alle übrigen Sträucher und mit einzelnen Rebstöcken: 0,5 Meter

zum Gesetz

Wie wird der Abstand gemessen?

Gemessen wird der Grenzabstand von dort, wo der grenznächste Pflanzenstamm aus der Erde tritt. Besitzen Pflanzen keine Stämme, sondern wie etwa Himbeeren nur eine Vielzahl von Trieben, kann im Einzelfall auch von der Mitte aus gemessen werden. Der Abstand wird waagerecht und rechtwinklig zur Grenze gemessen.

Welche Pflanzen von den Regelungen betroffen sind

Generell gelten die Abstandregelungen für Bäume und Sträucher sowie Hecken. Die meisten Gesetzestexte unterscheiden noch zwischen Nutz- und Ziergehölzen.

Info

Als Hecke wird eine Reihe von Bäumen oder Sträuchern bezeichnet, die so dicht gepflanzt sind, dass sie miteinander verwachsen können. Grundsätzlich müssen alle Hecken Grenzabstände einhalten und die Heckenhöhe darf bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

Wenn eine Mauer oder eine dichte Einfriedung das Grundstück abgrenzt, kann der Mindestabstand in der Regel ignoriert werden. Allerdings nur dann, wenn die Pflanzen nicht oder nur wenig über die Mauer beziehungsweise Einfriedung hinauswachsen.

Keine Mindestabstandregelungen gibt es für Blumen und Büsche, denen oberirdischer Teil im Herbst abstirbt, beziehungsweise für Büsche, die nicht allzu hoch wachsen.

Welche Konsequenzen drohen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten wird?

Grenzbepflanzung, Mindestabstand, Foto: iStock/rackermann
Wie nah ein Strauch oder Baum an der Grundstücksgrenze stehen darf, ist je nach Bundesland unterschiedlich. Foto: iStock/rackermann

Werden die vorgeschriebenen Abstände bei der Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern in der Nähe der Grundstücksgrenze ignoriert, hat das schon so manchen Nachbarschaftsstreit heraufbeschworen. Leider können sich Nachbarn nicht immer gütlich einigen, weshalb Nachbarschaftsklagen an deutschen Gerichten Alltag sind. Gerichte treffen in der Regel Einzelfallentscheidungen. „Dass die Gerichte uneinheitlich urteilen, liegt maßgeblich daran, dass Nachbarrecht Landesrecht ist und die Bundesländer unterschiedliche Grenzabstände oder zulässige Maximalhöhen vorsehen“, erklärt Julia Wagner von Haus & Grund.

Da der Anspruch auf Beseitigung in den meisten Bundesländern nach einer gewissen Zeit verjährt, sollte man sich mit Beanstandungen nicht zu viel Zeit lassen. Nach Ablauf der Verjährung muss man Baum oder Strauch hinnehmen – es gilt ein Bestandsschutz für die Gehölze. Die Verjährungsfristen variieren zwischen zwei und sechs Jahren.

Achtung

Ist der Anspruch auf Beseitigung verjährt, bleibt er verjährt. Auch wenn zwischenzeitlich neue Bewohner Nachbarn werden. Wird allerdings ein Wechsel der Bepflanzung vorgenommen, muss der Mindestabstand wieder eingehalten werden.

Was sind die häufigen Streitfälle bei der Grenzbepflanzung?

Oft wird das spätere Größenwachstum eines Baumes, insbesondere die Ausladung seiner Krone, weit unterschätzt. Eventuell kann das zum handfesten Nachbarschaftsstreit führen. Vier der häufigsten Streitpunkte bei der Grenzbepflanzung:

1. Hecke oder Baum stehen zu dicht – wenn Pflanzen das Sonnenlicht stehlen

Grenzbepflanzung, Heckenscheere, Foto: Alexander Raths / StockAdobe.com
Steht die Hecke zu dicht an der Grundstücksgrenze, hat der Nachbar das Recht, eine Versetzung oder zumindest das Stutzen auf die Maximalhöhe zu verlangen. Foto: Alexander Raths / StockAdobe.com

Steht eine Hecke oder ein Baum dichter am Zaun, als es das geltende Landesrecht zulässt, muss der Nachbar nach einer Beanstandung die Bepflanzung entweder zurückschneiden oder auf die richtige Entfernung umpflanzen.

Bäume und Hecken werden oftmals von Grundstücksbesitzern als Sicht- und Lärmschutz gepflanzt. Und im Sommer bieten sie Schatten. Wurde dabei der korrekte Mindestabstand eingehalten, kann ein Nachbar kaum etwas gegen den Schattenwurf tun. Gerichte entschieden mehrfach, dass Schattenwurf hinzunehmen ist (BGH, Az. V ZR 229/14).

Stehen die Pflanzen nach Ablauf der Verjährungsfrist zu nah an der Grundstücksgrenze, besteht nur noch der Anspruch, dass Busch oder Baum auf die für den Abstand geltende Maximalhöhe zurückgestutzt werden muss.

Achtung

Auch eigene Bäume dürfen aufgrund der Baumschutzsatzungen der Gemeinden oft nicht einfach gefällt werden. Soll ein Baum verschwinden, muss man unter Umständen eine behördliche Genehmigung einholen. Die gibt es aber oft nur in Ausnahmefällen.

2. Überhängende Wurzeln und Äste

Grenzbepflanzung, Ueberhang, Foto: hcast/StockAdobe.com
Hängen Äste über den Zaun darf der Nachbar unter Umständen selbst Hand anlegen und sie abschneiden. Vorher muss er aber dem Eigentümer Zeit geben, es selbst zu tun. Foto: hcast/StockAdobe.com Foto: hcast/StockAdobe.com

Verlangt der Nachbar das Stutzen von Ästen oder Wurzeln, die auf sein Grundstück ragen und die Nutzung seines Grundstücks beeinträchtigen, muss er ihm eine angemessene Frist einräumen (§910 BGB). „Bei der Fristsetzung sind gärtnerische und botanische Belange zu berücksichtigen. Es kann nicht verlangt werden, dass ein Schnitt während der Wachstumsperiode erfolgt“, gibt Rechtsexpertin Julia Wagner zu bedenken.

Erst nach Ablauf der Frist darf der Nachbar dann die beeinträchtigenden Äste und Wurzeln selbst kappen.
Die Standfähigkeit eines Baumes darf durch den Schnitt nicht beeinträchtigen werden. Macht der Nachbar von seinem Selbsthilferecht Gebrauch, so kann er laut eines BGH-Urteils die Kosten für den Rückschnitt vom Besitzer des Nachbargrundstückes zurückfordern (Az.: V ZR 99/03).

Ragen Äste des eigenen Baums auf öffentlichen Grund, so kann die Gemeinde einen Rückschnitt verlangen. Andernfalls drohen empfindliche Strafen, wie ein Urteil des Verwaltungsgerichts Mainz zeigt: Hier musste ein Grundstückseigentümer 500 Euro Strafe zahlen, weil er der Aufforderung zur Beseitigung der Straßenbaubehörde nicht nachkam und diese dann selbst tätig wurde (Az.: 3K 363/17.MZ.)

Achtung

Die meisten Gemeinden haben eine Baumschutzverordnung erlassen, die es verbietet, Bäume und Sträucher ab einer bestimmten Höhe zurückzuschneiden oder zu fällen. Wird keine Ausnahmegenehmigung erteilt, dürfen weder Grundstücksbesitzer noch Nachbarn Veränderungen an den Gehölzen vornehmen.

Wächst allerdings ein Straßenbaum, der der Gemeinde gehört, über die eigene Grundstücksgrenze, greift § 1004 des BGB: Sofern die Beeinträchtigung wesentlich ist, kann der Grundstückseigentümer einen Beseitigungs- beziehungsweise Unterlassungsanspruch geltend machen.

Info

Zustand des Baumes regelmäßig kontrollieren

Grundstückseigentümer sind dafür verantwortlich, dass niemand etwa durch herabfallende Äste zu Schaden kommt. Eine regelmäßige Sichtprüfung der eigenen Bäume ist deshalb erforderlich.

3. Laub – mit dem Herbst kommt der Streit

Grenzbepflanzung, Laub, Foto: shootingankauf/StockAdobe.com
Prinzipiell ist Laubfall im Herbst ein normales Naturereignis und muss vom Nachbarn hingenommen werden. Foto: shootingankauf/StockAdobe.com

Laub fällt, wohin der Wind es trägt, manchmal eben auch auf das Nachbarsgrundstück. Gerichte betrachten herbstlichen Laubfall allerdings als Naturereignis. Nachbarn müssen Laub, das von fremden Grundstücken auf ihres weht, in der Regel dulden und selbst entfernen.

Anders verhält es sich, wenn der Laubfall von Nachbars Grundstück ungewöhnlich hoch ist und die Nutzung des Grundstücks unzumutbar stark beeinträchtigt. Dann ist der Eigentümer der Bäume verpflichtet, dem Betroffenen einen jährlichen Geldbetrag in Form einer Laubrente zu zahlen (§ 906 (2), BGB), deren Höhe durch den Reinigungsaufwand ermittelt wird. Meist enden Gerichtsverhandlungen wegen Laubfalls zugunsten des Baumbesitzers.

Info

Nachbarn müssen Samen- und Pollenflug hinnehmen

Die Samen von Gewächsen werden vom Wind durch die Luft unkontrolliert durch die Gegend gepustet und landen schon mal in Nachbars Garten: Doch wie beim Laubfall ist der Samenflug im ortsüblichen Maße ein Naturereignis, das hingenommen werden muss. Ein Beseitigungsanspruch gemäß § 1004 BGB besteht in den wenigsten Fällen.

4. Fallobst – wenn die Ernte zum Streitthema wird

Grenzbepflanzung, Fallobst, Foto: Viesturs Kalvans/StockAdobe.com
Fallen Früchte auf das Grundstück des Nachbarn, darf der das Obst behalten. Pflücken oder am Baum schütteln, damit etwas herunterfällt, darf er allerdings nicht. Foto: Viesturs Kalvans/StockAdobe.com

Pflückt ein Eigentümer seine Obstbäume nicht rechtzeitig, landet das Obst oft in Nachbars Garten. In diesem Fall wechselt das heruntergefallene Obst den Eigentümer (§ 911 BGB). Danach gelten diese Früchte als Früchte dieses Grundstücks. Das Gesetz spricht in diesem Fall von einem Überfall.

Solange Früchte noch am Baum hängen, gehören sie dem Besitzer des Baumes, selbst wenn der Ast die Grundstücksgrenze übertritt. Selbst ernten, ist in diesem Fall nicht erlaubt. Der Nachbar muss dann vorher um Erlaubnis fragen, die eigenen Früchte auf dem Nachbargrundstück zu pflücken, oder er erntet diese mit einem Obstpflücker über den Zaun hinweg.

Kommt es jedoch zu einem Übermaß an Fallobst, kann der Nachbar vom Baumeigentümer die Beseitigung der Früchte verlangen. Handelt der Baumeigentümer nicht, darf der Nachbar das Fallobst aus dem eigenen Garten entfernen lassen und die Kosten hierfür vom Baumeigentümer zurückverlangen. So entschied das Amtsgericht Backnang in Baden-Württemberg, dass auch in ländlichen Gegenden von einem Grundstückseigentümer nicht erwartet werden kann, dass er mehrmals in der Woche mehrere Stunden lang Früchte vom Nachbarsbaum einsammeln muss (Az.: 3 C 35/89).

Info

Wachsen Bäume und Sträucher auf öffentlichem Grund und Boden, gehört das Obst auch der Gemeinde. Allerdings gibt es manche Gemeinden, die ganz froh darüber sind, wenn die Früchte abgeerntet werden. Um Ärger zu vermeiden, einfach vorm Pflücken bei der Gemeinde nachfragen.

Fazit: Streit am Gartenzaun vermeiden

Wer seinen Garten bepflanzt, sollte sich vorher ausgiebig mit dem Nachbarrecht seines Bundeslandes befassen. Außerdem ist es ratsam, den Abstand wenn möglich etwas größer zu wählen, um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Steht dann doch mal des Nachbars Gewächs zu nah an der Grenze, sollte dieser erst einmal höflich gebeten werden, den Baum oder Strauch zurückzuschneiden beziehungsweise auf den passenden Abstand zurückzusetzen. Oftmals macht nämlich der Ton die Musik und Nachbarschaftsstreit kann so vermieden werden.

Link-Tipp

Streitfall Garten: Was Mieter dürfen – und was nicht

Nicht nur Grundstückseigentümer müssen sich an geltendes Recht halten, wenn sie ihre Außenanlage gestalten. Auch Mieter eines Hauses mit Garten sollten sich im jeweiligen Nachbarschaftsrecht auskennen. Außerdem sollten sie sich mit ihrem Vermieter abstimmen. Lesen Sie, was Mieter in ihrem Garten beachten sollten.


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5 Kommentare

Ed am 06.05.2021 05:14

Hallo,

Ist es möglich eine Laubrente von der Gemeinde zu fordern,

Wenn kranke Tannen auf Gemeindegrundstück unerträglich viel Nadeln verlieren, so das das ganze Grundstück „versaut“ ist......sie sterben über viele Jahre !,,

auf Kommentar antworten

Nini am 25.02.2021 22:46

Hallo, wie ist es wenn der Baum auf der Grenze steht?

auf Kommentar antworten

immowelt Redaktion am 26.02.2021 08:08

Hallo Nini,

im Einzelfall hängt es davon ab, wie lang der Baum dort schon steht.

Beste Grüße

immowelt Redaktion

Henning Edler am 03.10.2019 15:41

Es gibt in den Ländern wie z.B. SH Schiedsämter, die bei Nachbarrechtsstreitigkeiten zuständig sind,

hier muss vorher ein Schlichtungsversuch unternommen werden ehe man das Amtsgericht bemüht.

Bei Scheitern des Schlichtungsversuchs stellt die Schiedsperson eine Erfolglosigkeitsbescheinigung

aus, das ist dann die Eintrittskarte für das Amtsgericht.

03.10.2019

auf Kommentar antworten

Birgit Pacholke am 30.05.2019 08:18

Ich habe vor 2 Jahren ein Haus mit Grundstück gekauft,auf dem Nachbar Grundstück stehen riesige Hecken die seit Jahren nicht beschnitten worden sind.die allerdings den ganzen Zaun kaputt machen der Nachbar selbst ignoriert meine Frage ob er diese beschneiden könne ,habe ihn angeboten das ich es selbst übernehme, auch das wird einfach ignoriert. Darf ich auf meiner Seite die Hecken kürzen? Und wer Muße den Abschnitt beseitigen?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 31.05.2019 10:46

Sehr geehrte Frau Pacholke,

unter Umständen dürfen Sie den überhängenden Teil der Hecke von Ihrem Grundstück aus selbst beschneiden. Allerdings nur, wenn die Wurzeln oder Äste die Benutzung des eigenen Grundstücks beeinträchtigen. Auch müssen dem Nachbar aber zuvor eine angemessene Frist setzen, dies selbst zu erledigen. Machen Sie von Ihrem „Selbsthilferecht“ gebrauch, können Sie laut BGH die Kosten für den Rückschnitt vom Besitzer des Nachbargrundstückes zurückfordern (Az.: V ZR 99/03). Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass wir keine Rechtsberatung leisten dürfen. Im Streitfall empfehlen wir das Gespräch mit einem Eigentümerverein wie Haus & Grund oder einem Fachanwalt.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

Lanars am 02.05.2018 09:00

Wie sieht es denn aus, wenn mein Nachbar einfach eine Mauer (bzw. Abflussroht, das zubetoniert wurde) an meine Grundstücksmauer macht????

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 02.05.2018 09:54

Hallo Lanars und vielen Dank für Ihren Kommentar,

Einfriedungen, also beispielsweise Mauern, sind in der Regel bis zu einer bestimmten Höhe genehmigungsfrei. Die genauen Regelungen sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Falls Sie Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Mauer haben, können wir Ihnen daher empfehlen, sich an die örtliche Baubehörde zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion


Lanars am 02.05.2018 12:39

Meine Mauer mit Zaun darauf ist bereits die Einfriedung. Danke für den Tipp mit der Baubehörde.