EZB erhöht Leitzins: Was Immobilienkäufer jetzt beachten müssen

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Von 1,25 auf 2 Prozent: Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt den Leitzins erneut an und will auf die weiterhin galoppierende Inflation reagieren. Hier erfährst du, welche Auswirkung die dritte Zinserhöhung binnen weniger Monate für Immobilienkäufer und Kreditnehmer hat.

Warum hat die EZB den Leitzins erneut erhöht?

Die EZB hat den Leitzins bereits im Juli 2022 von Null auf 0,5 Prozent und im September von 0,5 Prozent auf 1,25 Prozent erhöht, um die Inflation auszubremsen. Hintergrund: Banken müssen erstmals seit 2011 wieder Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen. Dadurch soll weniger Geld in den Umlauf kommen, wodurch der Wert des Euro wieder gestärkt werden soll.

Dieser Effekt ist allerdings nicht eingetreten, denn die europaweite Inflation von 7,6 Prozent im Juni 2022 ist auf die Rekordhöhe von 9,9 Prozent im September geklettert – Ziel der EZB ist eine jährliche Inflationsrate von 2 Prozent. Um dieser Marke wieder näher zu kommen, hat die Europäische Zentralbank den Leitzins am 27. Oktober 2022 um weitere 0,75 Prozent auf nun 2 Prozent angehoben.

Welche Auswirkung hat der Leitzins für Immobilienkäufer?

Die Erhöhung des Leitzinses durch die EZB hat keine direkten Auswirkungen auf Immobilienkäufer. Allerdings wird es für Kreditinstitute teurer, wenn sie sich Geld bei der EZB leihen. Um das auszugleichen, könnten Kreditinstitute noch höhere Zinsen für Baufinanzierungen verlangen und den erhöhten Leitzins so an Immobilienkäufer weitergeben.

Steigen die Bauzinsen jetzt noch stärker?

Die Bauzinsen sind nach jahrelanger Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 bereits auf mehr als 3 Prozent gestiegen – also bereits vor Erhöhung des Leitzinses durch die EZB. Viele Experten gehen nach den beiden größten Zinsschritten seit Einführung des Euro 2002 nun davon aus, dass die Banken die erneute Erhöhung des Leitzinses in nächster Zeit an die Kreditnehmer weitergeben werden. „In der Folge werden jetzt wohl Zinsen für Immobilienkredite weiter steigen und den Druck auf den Wohnimmobilienmarkt erneut erhöhen", sagt Oliver Wittke, Hauptgeschäftsführer des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA).

Schon jetzt können sich Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen wegen gestiegener Bauzinsen bis zu 109.000 Euro weniger Kredit (Stuttgart) leisten als noch im ersten Quartal 2022. Zumindest dann, wenn eine gesunde Wohnkostenquote in Höhe von 30 Prozent eingehalten werden soll. Das hat eine immowelt Studie herausgefunden. Auch in München (-109.000 Euro), Frankfurt am Main (-106.000 Euro), Köln (-95.000 Euro) und Berlin (-89.000 Euro) waren zu diesen Bedingungen im dritten Quartal 2022 deutlich geringere Darlehenssummen möglich als noch zu Beginn des Jahres.

Sinken die Immobilienpreise nach Erhöhung des Leitzinses?

Steigen die Zinsen für Immobilienkredite, können sich weniger Menschen ein Eigenheim leisten – die Nachfrage nimmt also ab. Bei gleichbleibendem Angebot könnte das niedrigere Preise für Immobilien zur Folge haben. Wer über viel Eigenkapital verfügt, profitiert in der Regel von einer solchen Entwicklung.

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Kann ich mir noch eine 100-Prozent-Finanzierung leisten?

Wer eine Immobilie komplett ohne Eigenkapital finanzieren will, der zahlt entsprechend hohe Zinsen und monatliche Raten. Steigen die Bauzinsen, dann wird eine 100-Prozent-Finanzierung noch teurer.

Wird die EZB den Leitzins weiter erhöhen?

Die EZB hat bereits weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten in Aussicht gestellt. Bleibt der gewünschte positive Effekt des erneut erhöhten Leitzinses auf die europaweite Inflation also weiterhin aus, dann wird die Europäische Zentralbank wieder kontrollierend eingreifen und den Leitzins weiter nach oben schrauben. Die nächste Zinsentscheidung der EZB ist für den 15. Dezember 2022 angesetzt.

Für das Gesamtjahr 2022 gehen die Finanzexperten der EZB von einer durchschnittlichen europaweiten Inflationsrate von 8,1 Prozent aus. Für 2023 liegt die Prognose bei 5,5 Prozent und für 2024 bei 2,3 Prozent – also wieder in der Nähe der gewünschten Inflationsrate von 2 Prozent. 

Andreas Steger27.10.2022

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9 Kommentare

rolf@birlenbach.net am 07.11.2022 12:08

Leider hat die EZB keine Ahnung vom dem was dies bewirkt.

Die Inflation wird nicht durch die Zinsen getrieben, diese wird durch zu hohe Abgaben auf Mineralöl und einem maroden System für die Kosten der Stromerzeugung.

Was hilft es die Zinsen zu senken oder zu erhöhen, wenn die Ursachen nicht behoben werden.

In DE z.B. wäre eine Änderung der Mineralölsteuer und CO2 Steuer von prozentualen Werten auf absolute Werte je Liter.

Die ganze CO2 Politik müsste überdacht werden und diese schafft aktuell keine Anreize die dinge zu ändern, sondern schafft eine Verlagerung ins Ausland, wodurch viele Arbeitsplätze verloren gehen und wodurch die Wirtschaft weiter geschwächt wird.

Erst wenn die politischen Grundlagen korrigiert sind kann es dem Euro wieder besser gehen.

Weiter ist für die nächsten Jahre zu erwarten, dass es eine massive Insolvenzwelle geben wird, welche die EZB durch die Zinserhöhungen mit zu verantworten hat. Diesen Schuh muss sich die EZB anziehen.

Ich erwarte in den nächsten Jahren einen Kollaps des Euro und den Zusammenbruch des Eurosystems.

Wer jetzt seine Werte in Immobilien hat wird dann besser gestellt sein.

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M.Lewerenz am 08.11.2022 13:40

Das sehe ich auch so, zumal die EZB im Frühjahr 2022 durch Nichthandeln die Verteuerungen hätte teilweise abwenden können, diese nicht umgesetzten geldpolitischen Maßnahmen müssen wir alle bezahlen... Im Übrigen haben wir eine sog. Angebotsinflation / Energie...erst wenn jahrzehntelange Fehler bereinigt bzw. korrigiert werden, wird es Früchte tragen und eine Verbesserung der derzeitigen Rahmendaten geben...weitere energetische Vorschriften im Bau werden im Frühjahr 2023 die Preise von Neubauten weiter erhöhen u.a. ( Harbecks Vorschriften ) und ansonsten kann ich aus Berlin / Brandenburg nicht sagen, dass der Senat / Bau irgendeine Verbesserung erreicht hat. Weder beim Errichten von Neubauten noch bei der Bereinigung von zuvielen verwaltungstechnischen Vorschriften...die nach wie vor im Bereich Berlin / Brandenburg private Investoren behindern und die Region verlassen haben und werden. Wenn nicht der private Investor baut, wer baut denn sonst ?

Es kann doch nicht sein, dass Normalverdiener nicht mehr in der Lage sind sich eine Wohnung oder Haus in / um Berlin und Brandenburg zu finanzieren/ kaufen ; die Überschrift kann doch nicht lauten, dass nur Gutverdiener kaufen können. Durch zu wenig Wohnungen im Angebot ( seit Jahrzehnten versäumter öffentlicher Bau - lauter neue Offensiven, die nicht umgesetzt werden ) steigen durch das geringere Angebot unweigerlich auch die Mietpreise ...und es wird derzeitig auch noch kein Ende in Sicht sein...

hackelberg am 05.08.2022 16:46

Von der EZB-Leitzinserhoehung weiß ich wahrlich nicht, wie hoch die Zinsen für Haus - oder ETW- Whng. - Kauf sind, was ihre mail mtzuteilen suggeriert.Solche mails stören nur.

Mfg Dr. Heinz Hackelberg

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Matt am 01.08.2022 23:01

In den letzten Jahren wurde das Bauen immer teurerer, bedingt durch:

gestiegene Bodenpreise

durch immer höhere Bauanforderungen

zu viele Baugesetze und Bestimmungen

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Cornelia R. am 01.08.2022 21:58

Es wird allerhöchste Zeit, das die Immobilienpreise sinken. Es steht ja in keiner Relation mehr zum tatsächlichen Wert.

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Barbara Horn am 04.08.2022 14:02

ja, das sehe ich auch so: ein kleines Freistehendes Einfamilienhaus in Zeven (zwischen Bremen und Hamburg) soll 300.000.- Euro kosten.Gehts noch? Barbara Horn


LeeLoo am 03.09.2022 10:19

Ja, ich bin ganz Ihrer Meinung. Eine 40 Qm Whg in München Innenraum für 1.2 Mio natürlich mit duplexgarage. Ein Irrsinn

Franz G am 01.08.2022 21:01

Der Immobilienmarkt hat über vernünftige und rationale Verhältnisse hinaus entwickelt. Eine Korrektur ist wünschenswert.

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Denis am 01.08.2022 20:27

Die Erhöhung bezahlt nur der kleine Arbeiter oder er kann sich gar kein Eigentum mehr leisten.

Der Wohnungsbau wird noch mehr zurück gehen und es gibt noch mehr Wohnungsmangel in Deutschland

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Andreas Schmidt am 01.08.2022 19:21

Die Hauptsache ist doch, dass sich unsere Politiker ihre Diäten erhöhen können

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Lias Bledt am 01.08.2022 21:01

....und was hat das mit der Leitzinserhöhung zu tun?

Krzysztof59! am 01.08.2022 12:20

Hallo

wie hat die auswirkung den EZB auf die Zinsen in andere EU Länder vor allem die nicht € Wärung haben ?

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Scholz am 01.08.2022 11:13

SEHR HILFREICH

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