Zweitwohnsitz anmelden: Regeln, Kosten, Fristen

Lesermeinungen:  

(3)

Wer neben dem Hauptwohnsitz noch eine zweite Bleibe hat, ist gesetzlich verpflichtet, diese als Zweitwohnsitz anzugeben. Doch das kann teuer werden. Worauf bei der Anmeldung einer Zweitwohnung außerdem zu achten ist.

Zweitwohnsitz anmelden, Anmeldung beim Einwohnermeldeamt, Foto: AlexBrylov/istockphoto.com
Wenn der Zweitwohnsitz nicht oder zu spät angemeldet wird, drohen zum Teil hohe Bußgelder. Betroffene sollten sich deshalb unbedingt frühzeitig über Regeln und Fristen informieren. Foto: AlexBrylov/istockphoto.com

Viele Menschen sind nicht nur an einem Ort zu Hause. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So beziehen Studierende zwar Apartments in ihrer jeweiligen Uni-Stadt, leben an den Wochenenden oder in den Semesterferien aber weiterhin bei ihren Eltern. Auch Arbeitnehmer haben häufig eine zweite Wohnung, weil diese näher an ihrem Arbeitsort liegt. Grundsätzlich gilt in diesen Fällen laut Bundesmeldegesetz (BMG): Wer eine zweite Wohnung bezieht, muss diese als Zweitwohnsitz anmelden (§ 21 BMG).

Haupt- und Zweitwohnsitz – wo ist der Unterschied?

Der Hauptwohnsitz ist laut dem Bundesmeldegesetz die „vorwiegend benutzte Wohnung des Einwohners“ (§ 21 BMG, Abs. 2). Grundsätzlich gilt also die Wohnung als Hauptwohnsitz, in der sich Personen überwiegend aufhalten. Zweitwohnsitz – auch Nebenwohnsitz genannt – ist dann jede Wohnstätte, die nicht als Hauptwohnung genutzt wird (§ 21 BMG, Abs. 3). Dabei ist es unerheblich, ob die Zweitwohnung gemietet oder gekauft ist. Auch das privat genutzte Ferien- oder Wochenendhaus an der Ostsee gilt demnach als zweiter Wohnsitz.

Zweitwohnsitz anmelden, Hauptwohnsitz, Foto: fizkes/fotolia.com
Der Hauptwohnsitz ist der Ort, an dem auch die Familie lebt. Das gilt selbst dann, wenn Ehepartner die meiste Zeit während der Woche am Zweitwohnsitz verbringen, weil sie dort arbeiten müssen. Foto: fizkes/fotolia.com

Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Ehepartner können grundsätzlich die Wohnung als Hauptwohnsitz anmelden, die gemeinsam bewohnt wird. Das gilt auch dann, wenn sich einer der Ehepartner während der Woche berufsbedingt überwiegend an einem anderen Wohnort befindet und nur am Wochenende in die gemeinsame Wohnung zurückkehrt. Der Gesetzgeber sieht den Hauptwohnsitz in diesem Fall dort „wo der Schwerpunkt der Lebensbeziehungen des Einwohners liegt“ (§ 22 BMG, Abs. 3). Das bedeutet: An diesem Wohnort befinden sich Freunde und Familie, weshalb der Gesetzgeber hier eine stärkere Bindung als zum Zweitwohnsitz annimmt.

Die Anmeldung einer Zweitwohnung können sich Betroffene ebenfalls sparen, wenn diese nicht länger als sechs Monate bewohnt werden soll (§ 27 BMG, Abs. 2). Ziehen sie nach dieser Zeit jedoch nicht aus, muss dies dem zuständigen Einwohnermeldeamt innerhalb von zwei Wochen mitgeteilt werden.

Das wird für die Anmeldung benötigt

Wer eine Zweitwohnung anmelden will, muss sich an das Einwohnermeldeamt der jeweiligen Stadt oder Gemeinde wenden. Um Zeit zu sparen, kann bereits im Vorfeld das Anmeldeformular von der Webseite der Behörde heruntergeladen und ausgefüllt werden. Ansonsten gibt es die Formulare vor Ort. Neben dem ausgefüllten Formular muss der Anmeldende außerdem seinen Personalausweis und gegebenenfalls eine Wohnungsgeberbestätigung zu Hand haben. Letzteres braucht er nur, wenn die Zweitwohnung ihm nicht selbst gehört.

Achtung: Wer den Zweitwohnsitz nicht innerhalb von zwei Wochen anmeldet, riskiert ein Bußgeld, denn in Deutschland gilt Meldepflicht. Dieses kann sich, je nach Behörde und Fristüberschreitung, auf bis zu 1000 Euro belaufen.

Link-Tipp

Wann und wie sich Personen innerhalb Deutschlands an- und ummelden müssen und was passiert, wenn sie es nicht tun, regelt das Bundesmeldegesetz. Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Eine Zweitwohnung kann teuer werden

Zweitwohnsitz anmelden, Zweitwohnsitzsteuer, Foto: mapodile/istockphoto.com
Wer einen Zweitwohnsitz anmeldet, muss häufig mit zusätzlichen Kosten rechnen, denn viele Städte und Gemeinden erheben eine Zweitwohnsitzsteuer. Foto: mapodile/istockphoto.com

Eine Zweitwohnung bedeutet in der Regel auch, tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Zusätzlich zur gegebenenfalls doppelten Miete und den Betriebskosten für Haupt- und Zweitwohnung kommt in vielen Städten und Gemeinden auch noch eine Zweitwohnsitzsteuer hinzu. Diese wird auf Grundlage der Jahresnettokaltmiete berechnet. Die Höhe der Abgaben variiert zum Teil beträchtlich. Während Berlin aktuell nur fünf Prozent verlangt, fordern die Städte Bremen, Dortmund oder Duisburg satte zwölf Prozent Zweitwohnsitzsteuer. Ausnahmen von der Steuer gibt es beispielsweise für Berufspendler, Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften und zumindest in Bayern auch für Geringverdiener.


Ihre Meinung zählt

(3)
4.3 von 5 Sternen
5 Sterne
 
1
4 Sterne
 
2
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

UmzugTipps für MieterTipps für Immobilieneigentümer

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

8 Kommentare

Kai am 29.04.2019 15:21

Hallo,

ich würde gerne meine Freundin heiraten, diese wohnt in SH mit Ihrer Mutter und den 2 Kinder, ich wohne in NRW. Da sie die Mutter nicht alleine lassen möchte und die Kinder auch in SH weiter zur Schule sollen. Die Miete in SH wird von der Mutter getragen. Meldungstechnisch läuft alles über NRW,wäre das überhaupt so möglich?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 29.04.2019 15:30

Hallo Kai und vielen Dank für Ihren Kommentar,

wenn Sie in Schleswig-Holstein eine Wohnung beziehen, müssen Sie diese vor Ort anmelden, unabhängig davon, ob Sie noch einen Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen haben. Je nachdem, wo sich Ihr Lebensmittelpunkt befindet, ist dort dann Ihr Hauptwohnsitz, am anderen Ort der Nebenwohnsitz. Das ist so möglich.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

Lisa am 25.04.2019 20:20

Hallo

Wie wollen unsere Wohnung verkaufen und kaufen ein Baugrundstück für zum Bauen.Beide Objekte sind in der Stadt. Bis das Haus fertig gestellt ist ziehen wir zu meinen Eltern (aufs Dorf). Ich würde gerne das neue Baugrundstück als zweitwohnsitz anmelden. Damit wir in der Stadt noch angemeldet bleiben würde ich den Baugrundstück als zweitenwohnsitz anmelden.

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 26.04.2019 08:45

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

ein Baugrundstück ist kein Wohnraum. Weil Sie dort deshalb auch nicht tatsächlich wohnen können, wäre es eine Scheinanmeldung, wenn Sie sich dort anmelden würden. Diese kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Wir würden von Ihrem Vorhaben daher abraten.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

denisedahlig am 24.04.2019 20:56

Wir haben eine Mietwohnung in Berlin und möchten uns ein Haus in Brandenburg kaufen. Unser Hauptwohnsitz bleibt erstmal in Berlin. Müssen wir beide das Haus als Zweitwohnsitz anmelden und doppelt Steuer zahlen? (Wir sind nicht verheiratet)

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 25.04.2019 10:35

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

das hängt davon ab, ob die jeweilige Gemeinde in Brandenburg überhaupt eine Zweitwohnsitzsteuer erhebt und, falls ja, wie diese vor Ort reguliert ist. In der Regel würde die Steuer für den Fall, dass sie erhoben wird, in diesem Fall aber nur anteilig fällig.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

ozanozc am 17.04.2019 21:06

Hallo, braucht man bei der Anmeldung des zweiten Wohnsitzes auch die Wohnungsgeberbestätigung des ersten Wohnsitzes?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 18.04.2019 08:34

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

nein, die Wohnungsgeberbestätigung des Wohnsitzes, für den Sie sich anmelden wollen, dürfte genügen.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

Isabella am 16.04.2019 10:12

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Partner und ich möchten nach Jahren Beziehung eine "Beziehungspause" einlegen. Ich möchte den Kindern und Ihm zu Liebe vorerst nur zwei Straßen weiterziehen. Für erst einmal ein Jahr befristet.

Macht es Sinn die alte Wohnung wo er mit den Kindern wohnen bleibt als "Hauptwohnsitz" beizubehalten und meine kleine Wohnung die zwei Straßen weiterliegt als "Nebenwohnsitz" anzumelden?

Oder sollte ich von vornherein die kleine Wohnung als "Hauptwohnsitz" eintragen lassen?

Wir sprechen von der Großstadt Leipzig. Meine Arbeit befindet sich 60 Kilometer außerhalb.

Ich freue mich über Ihre Antwort.

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 16.04.2019 10:36

Hallo Isabella,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Letztlich kommt es darauf an, welche Wohnung Sie tatsächlich als Hauptwohnsitz nutzen und ob Sie die andere Wohnung als Nebenwohnsitz nutzen oder nicht. Wenn Sie wirklich komplett umziehen und in der alten Wohnung nur noch gelegentlich zu Besuch sind, müssen Sie diese Wohnung auch nicht als Ihre Nebenwohnung anmelden. Nutzen Sie dagegen weiterhin beide Wohnungen zu tatsächlichen Wohnzwecken, muss eine der Haupt-, die andere der Nebenwohnsitz sein.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

Hanna am 29.03.2019 00:44

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind in eine neue Wohnung innerhalb derselben Stadt eingezogen. Die alte Wohnung möchten wir aber für die ersten zwei Jahre aus Sicherheitsgründen untervermieten. Müssen wir uns dann nur in der neuen Wohnung anmelden? Wie sollen wir die alte Wohnung beim Burgeramt melden? Müssen wir dann am Ende die Steuer für die alte Wohnung bezahlen?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 29.03.2019 11:44

Hallo Hanna,

wenn Sie die alte Wohnung komplett untervermieten und nicht mehr selber nutzen, handelt es sich nicht um einen Zweitwohnsitz, da Sie dann ja faktisch nur einen (den neuen) Wohnsitz haben. Dann fällt auch keine Zweitwohnungssteuer an. Vielmehr müssen Sie Ihren neuen Wohnsitz anmelden und der Untermieter muss seinen Wohnsitz anmelden.

Bedenken Sie bitte auch, dass Sie die Erlaubnis Ihres Vermieters zur Untervermietung benötigen. Ferner benötigt der Untermieter eine WOhnungsgeberbestätigung, um sich anzumelden. Da Sie in diesem Falle der Wohnungsgeber sind, müssten Sie im vermietungsfalle diese Bestätigung ausstellen.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

Alaa am 08.03.2019 20:49

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin diese Monat aus beruflichen Gründen umgezogen, meine vorherige Mietsvertrag läuft bis 7 Monaten , ich habe mein Zimmer als Hauptmieter für zwei Monaten vermietet, und nachher werde ich das Zimmer weiter vermieten bis mein Vertrag beendet wird , nun ich habe ein Zimmer in der Stadt, wo ich arbeite , gemietet . Meine Frage ist wie gehe ich vor ?! Soll ich meine neue Adresse melden?!gilt als Zweiwohnsitz ?

Ich freue mich über Ihre Antwort

Mit freundlichen Grüßen

Alaa

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 11.03.2019 09:39

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

wenn Sie (durch die vollständige Untervermietung) keinen Zugriff mehr auf Ihre ursprüngliche Wohnung haben, ist Ihre neue Bleibe auch kein Zweitwohnsitz, sondern Ihr neuer Erstwohnsitz. Das Bundesmeldegesetz schreibt vor, dass Sie sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug beim zuständigen Amt anmelden müssen.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

martin schmolke am 27.02.2019 11:16

muss ich auch Zweitwohnsitz (Ferienimmobilie Ausland EU-Raum) auch melden?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 27.02.2019 11:25

Sehr geehrter Herr Schmolke,

nicht im Inland, gegebenenfalls aber im fraglichen EU-Land. Das richtet sich allerdings nach der dortigen Gesetzgebung.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion