Zweitwohnsitzsteuer: Wer sie zahlen muss und wann sie fällig wird

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Am Studienort ein WG-Zimmer, der Hauptwohnsitz bleibt aber bei den Eltern oder eine Zweitwohnung am Arbeitsort - das kann teuer werden. Denn viele Kommunen verlangen eine Zweitwohnsitzsteuer. Wie hoch die Steuer ist und ab wann sie gezahlt werden muss, variiert von Stadt zu Stadt.

In vielen Städten wird eine Zweitwohnsitzsteuer fällig. Foto: Hetizia / fotolia.com

Zum Studium ziehen viele junge Menschen bei Mama und Papa aus, in die erste eigene Wohnung. Die meisten Hochschüler melden ihre Studentenbude allerdings nur als Zweitwohnung an. Ihren Hauptwohnsitz behalten sie bei ihren Eltern – aus versicherungstechnischen Gründen, weil sie die Semesterferien am Heimatort verbringen oder um Behördengänge zu vermeiden. Das kann jedoch auf Dauer teuer werden. Denn viele Uni-Städte verlangen eine sogenannte Zweitwohnungs-, beziehungsweise Zweitwohnsitzsteuer. Der Grund: die Studenten sollen ihren Hauptwohnsitz am Studienort anmelden statt bei den Eltern, weil der Kommune sonst eine Menge Geld durch die Lappen geht.

Für jeden Einwohner, der mit seinem Erstwohnsitz in einer Gemeinde gemeldet ist, erhält die Kommune einen Steuerausgleich, nimmt also Geld ein. Dieser Finanzausgleich greift für Inhaber eines Zweitwohnsitzes nicht. Weil aber auch diese Bewohner öffentliche Einrichtungen der Stadt – wie Schwimmbäder oder Bibliotheken – besuchen und diese Einrichtungen auch unterhalten werden müssen, haben sich einige größere Städte dazu entschlossen, das Geld über die Zweitwohnungssteuer einzutreiben.

Zweitwohnsitzsteuer: Kommune entscheidet über Höhe

Prinzipiell darf laut Gesetz jede Kommune selbst entscheiden, wie hoch die Zweitwohnsitzsteuer ist und ab wann sie fällig wird – Berechnungsgrundlage ist aber immer die Jahresnettokaltmiete. In den Unistädten Berlin und Tübingen beträgt der Steuersatz fünf Prozent der Jahresnettokaltmiete.

In München sind es neun, in Stuttgart zehn Prozent. Die Stadt Baden-Baden hat einen progressiven Steuersatz und verlangt bis zu 35 Prozent. Das kann selbst bei günstigen Mieten für Studentenwohnungen erhebliche Zahlungen bedeuten: Beträgt beispielsweise die Nettokaltmiete 250 Euro pro Monat und beträgt der Steuersatz 20 Prozent, werden im Jahr 600 Euro Steuern fällig.

Unterschiedlich geregelt ist auch, was unter den Begriff „Zweitwohnung“ fällt. Manche Kommunen verstehen darunter jeden umschlossenen Raum, der zum Schlafen genutzt wird. In anderen Städten wird eine abgeschlossene Wohneinheit mit Kochnische und Bad als Zweitwohnung bezeichnet. Sogar für Garten- oder Blockhütten, die eigentlich gar keinen richtigen Schlafplatz haben, zahlen Bürger in manchen Gemeinden Steuern. Immer wieder streiten sich Betroffene mit der Stadt vor Gericht über die Definition der Zweitwohnung.

Zweitwohnsitz-Steuersätze in Prozent der jährlichen Nettokaltmiete in den 15 größten deutschen Städten

Bremen12%
Dortmund12%
Duisburg12%
Dresden10%
Essen10%
Hannover10%
Köln10%
Leipzig10%
Nürnberg10%
Stuttgart10%
München9%
Hamburg8%
Berlin5% / ab 1. 1. 2019: 15 %
Frankfurt am Mainkeine
Düsseldorfkeine

Zweitwohnungssteuer nicht gezahlt: Strafbare Steuerhinterziehung!

Den Zweitwohnsitz nicht anzumelden und keine Zweitwohnungssteuer zu zahlen ist übrigens eine Straftat, die laut § 370 der Abgabenordnung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Handelt es sich bei der hinterzogenen Steuer nur um eine drei- oder vierstellige Summe, dürfte ein nicht vorbestrafter Steuersünder im Regelfall mit einer Geldstrafe davonkommen. Denn deutsche Gerichte sehen erst ab einem Steuerhinterziehungsbetrag von etwa einer Million Euro eine nicht bewährungsfähige Gefängnisstrafe als Regelfall vor (Bundesgerichtshofs, Az.: 1 StR 416/08). Allerdings gilt jeder als vorbestraft, der eine Geldstrafe in Höhe von mehr als 90 Tagessätzen kassiert.  Allerdings werden kleinere Steuerdelikte hierzulande oft gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt – verlassen sollte man sich aber nicht darauf.

Achtung

Beichten schützt vor Strafe
Wer bisher die Zweitwohnungssteuer hinterzogen hat, kann eine strafbefreiende Selbstanzeige erstatten, sofern die Tat noch nicht von den Behörden entdeckt wurde. Hierzu sollte die Hilfe eines Fachanwalts für Steuerstrafrecht in Anspruch genommen werden, da bei der Formulierung der Selbstanzeige Fallstricke lauern.

Zweitwohnsitz anmelden

Bürger müssen auch Ihren Zweitwohnsitz zügig melden. Foto: Gina Sanders / fotolia.com

Den Zweitwohnsitz muss man beim zuständigen Einwohnermeldeamt der Gemeinde anmelden. Das sollte innerhalb von höchstens zwei Wochen nach dem Einzug geschehen sein. Manche Gemeinden bieten online das Meldeformular als Download an, so dass es schon zu Hause ausgefüllt werden kann. Oder es gibt sogar die Möglichkeit, den Zweitwohnsitz online anzumelden. Den Zweitwohnsitz anzumelden, ist also eigentlich ziemlich einfach – und auch empfehlenswert, um späteren Ärger zu vermeiden.

Link-Tipp

Wer umzieht, muss sich anmelden. Hier erfahren Sie mehr über die Regelungen des Bundesmeldegesetzes.

Verheiratete Berufspendler sind von der Steuer ausgenommen

Auf jeden Fall von der Steuer befreit sind Menschen, die ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft, wie einem Altenheim, bewohnen. Auch Berufspendler, die am Arbeitsort eine Zweitwohnung haben, müssen nichts zahlen – sofern sie verheiratet sind. In Bayern entfällt die Steuer für Geringverdiener mit Jahreseinkünften bis zu 25.000 Euro. Studenten sind nicht automatisch von der Zweitwohnsitzsteuer ausgeschlossen.


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30 Kommentare

JoachimG am 12.04.2018 11:14

Guten Tag,

wenn ich nun meinen Zweitwohnsitz (unentgeltlich) bei meinen Eltern anmelde, da mein Vater schwer erkrankt ist (da ich nun häufig vor Ort sein möchte / 150km von meinem Hauptwohnsitz & Arbeit entfernt), muss ich dann... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 13.04.2018 09:17

Hallo JoachimG,

vielen Dank für Ihren Kommentar.

Ob es sich in dem Fall überhaupt um einen Zweitwohnsitz handelt oder ob Sie vielmehr (nicht meldepflichtiger) Besucher sind, können wir aus der Ferne nicht beurteilen und dürfte auch... mehr

alessiom am 05.04.2018 09:42

Guten Tag,ich habe eine frage wie ist das wenn Mann wegen Gesundheit Grund eine Zweitwohnungsitz benötigt?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 05.04.2018 12:49

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

hierfür gibt es keine gesonderten Regelungen. Sie könnten natürlich versuchen, bei der zuständigen Gemeinde eine Befreiung von einer etwaigen Zweitwohnsitzsteuer zu erwirken. Die... mehr

baerbel am 04.04.2018 11:40

Mir ist noch nicht klar, gilt nur die nettokaltmiete oder auch Nebenkosten?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 04.04.2018 11:56

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

für die Berechnung wird in aller Regel die Nettokaltmiete herangezogen.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

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