Zweitwohnsitzsteuer: Wer sie zahlen muss und wann sie fällig wird

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Am Studienort ein WG-Zimmer, der Hauptwohnsitz bleibt aber bei den Eltern oder eine Zweitwohnung am Arbeitsort - das kann teuer werden. Denn viele Kommunen verlangen eine Zweitwohnsitzsteuer. Wie hoch die Steuer ist und ab wann sie gezahlt werden muss, variiert von Stadt zu Stadt.

Zweitwohnsitzsteuer – das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland verlangen einige Städte eine Zweitwohnsitzsteuer – wie hoch diese ausfällt, ist von Stadt zu Stadt verschieden und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  • Die Zweitwohnsitzsteuer wird von Menschen verlangt, die neben ihrem Hauptwohnsitz in einer anderen Stadt einen Zweitwohnsitz angemeldet haben. Die Kommunen möchten so den Steuerausgleich, den sie für jeden Bewohner mit Erstwohnsitz erhalten, wieder hereinholen.
  • Die Steuer nicht zahlen müssen Menschen, die ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft oder einem Altenheim haben. Auch verheiratete Berufspendler sind von der Steuer befreit. In Bayern müssen Geringverdiender mit Jahreseinkünften bis zu 25.000 Euro die Steuer nicht zahlen.
Steuer, Zweitwohnsitzsteuer, Foto: Hetizia / fotolia.com
In vielen Städten wird eine Zweitwohnsitzsteuer fällig. Foto: Hetizia / fotolia.com

Zum Studium ziehen viele junge Menschen bei Mama und Papa aus, in die erste eigene Wohnung. Die meisten Hochschüler melden ihre Studentenbude allerdings nur als Zweitwohnung an. Ihren Hauptwohnsitz behalten sie bei ihren Eltern – aus versicherungstechnischen Gründen, weil sie die Semesterferien am Heimatort verbringen oder um Behördengänge zu vermeiden. Das kann jedoch auf Dauer teuer werden. Denn viele Uni-Städte verlangen eine sogenannte Zweitwohnungs-, beziehungsweise Zweitwohnsitzsteuer. Der Grund: die Studenten sollen ihren Hauptwohnsitz am Studienort anmelden statt bei den Eltern, weil der Kommune sonst eine Menge Geld durch die Lappen geht.

Für jeden Einwohner, der mit seinem Erstwohnsitz in einer Gemeinde gemeldet ist, erhält die Kommune einen Steuerausgleich, nimmt also Geld ein. Dieser Finanzausgleich greift für Inhaber eines Zweitwohnsitzes nicht. Weil aber auch diese Bewohner öffentliche Einrichtungen der Stadt – wie Schwimmbäder oder Bibliotheken – besuchen und diese Einrichtungen auch unterhalten werden müssen, haben sich einige größere Städte dazu entschlossen, das Geld über die Zweitwohnungssteuer einzutreiben.

Zweitwohnsitzsteuer: Kommune entscheidet über Höhe

Prinzipiell darf laut Gesetz jede Kommune selbst entscheiden, wie hoch die Zweitwohnsitzsteuer ist und ab wann sie fällig wird – Berechnungsgrundlage ist aber immer die Jahresnettokaltmiete. In den Unistädten Berlin und Tübingen beträgt der Steuersatz fünf Prozent der Jahresnettokaltmiete.

In München sind es neun, in Stuttgart zehn Prozent. Die Stadt Baden-Baden hat einen progressiven Steuersatz und verlangt bis zu 35 Prozent. Das kann selbst bei günstigen Mieten für Studentenwohnungen erhebliche Zahlungen bedeuten: Beträgt beispielsweise die Nettokaltmiete 250 Euro pro Monat und beträgt der Steuersatz 20 Prozent, werden im Jahr 600 Euro Steuern fällig.

Unterschiedlich geregelt ist auch, was unter den Begriff „Zweitwohnung“ fällt. Manche Kommunen verstehen darunter jeden umschlossenen Raum, der zum Schlafen genutzt wird. In anderen Städten wird eine abgeschlossene Wohneinheit mit Kochnische und Bad als Zweitwohnung bezeichnet. Sogar für Garten- oder Blockhütten, die eigentlich gar keinen richtigen Schlafplatz haben, zahlen Bürger in manchen Gemeinden Steuern. Immer wieder streiten sich Betroffene mit der Stadt vor Gericht über die Definition der Zweitwohnung.

Zweitwohnsitz-Steuersätze in Prozent der jährlichen Nettokaltmiete in den 15 größten deutschen Städten

Bremen12%
Dortmund12%
Duisburg12%
Dresden10%
Essen10%
Hannover10%
Köln10%
Leipzig10%
Nürnberg10%
Stuttgart10%
München9%
Hamburg8%
Berlin5% / ab 1. 1. 2019: 15 %
Frankfurt am Mainkeine
Düsseldorfkeine

Zweitwohnungssteuer nicht gezahlt: Strafbare Steuerhinterziehung!

Den Zweitwohnsitz nicht anzumelden und keine Zweitwohnungssteuer zu zahlen ist übrigens eine Straftat, die laut § 370 der Abgabenordnung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Handelt es sich bei der hinterzogenen Steuer nur um eine drei- oder vierstellige Summe, dürfte ein nicht vorbestrafter Steuersünder im Regelfall mit einer Geldstrafe davonkommen. Denn deutsche Gerichte sehen erst ab einem Steuerhinterziehungsbetrag von etwa einer Million Euro eine nicht bewährungsfähige Gefängnisstrafe als Regelfall vor (Bundesgerichtshofs, Az.: 1 StR 416/08). Allerdings gilt jeder als vorbestraft, der eine Geldstrafe in Höhe von mehr als 90 Tagessätzen kassiert.  Allerdings werden kleinere Steuerdelikte hierzulande oft gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt – verlassen sollte man sich aber nicht darauf.

Achtung

Beichten schützt vor Strafe
Wer bisher die Zweitwohnungssteuer hinterzogen hat, kann eine strafbefreiende Selbstanzeige erstatten, sofern die Tat noch nicht von den Behörden entdeckt wurde. Hierzu sollte die Hilfe eines Fachanwalts für Steuerstrafrecht in Anspruch genommen werden, da bei der Formulierung der Selbstanzeige Fallstricke lauern.

Verheiratete Berufspendler sind von der Steuer oft ausgenommen

Auf jeden Fall von der Steuer befreit sind Menschen, die ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft, wie einem Altenheim, bewohnen. Auch Berufspendler, die am Arbeitsort eine Zweitwohnung haben, müssen oft nichts zahlen – sofern sie verheiratet sind. In Bayern entfällt die Steuer für Geringverdiener mit Jahreseinkünften bis zu 25.000 Euro. Studenten sind nicht automatisch von der Zweitwohnsitzsteuer ausgeschlossen.

Zweitwohnsitz anmelden

Zweitwohnungsssteuer, anmelden, Amt, Foto: Gina Sanders / fotolia.com
Bürger müssen auch Ihren Zweitwohnsitz zügig melden. Foto: Gina Sanders / fotolia.com

Den Zweitwohnsitz muss man beim zuständigen Einwohnermeldeamt der Gemeinde anmelden. Das sollte innerhalb von höchstens zwei Wochen nach dem Einzug geschehen sein. Manche Gemeinden bieten online das Meldeformular als Download an, so dass es schon zu Hause ausgefüllt werden kann. Oder es gibt sogar die Möglichkeit, den Zweitwohnsitz online anzumelden. Den Zweitwohnsitz anzumelden, ist also eigentlich ziemlich einfach – und auch empfehlenswert, um späteren Ärger zu vermeiden.

Link-Tipp

Wer umzieht, muss sich anmelden. Hier erfahren Sie mehr über die Regelungen des Bundesmeldegesetzes.


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47 Kommentare

Tobabias am 09.10.2018 21:48

Hallo immowelt,

ich habe eine Frage.

Ich bin Student und mein Mietvertrag läuft über meine Eltern, da ich ja selber über kein Vermögen besitze und dadurch, dass ich kein Duales Studium ausübe, sich daran auch so schnell nichts ändern... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 10.10.2018 09:48

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

finanzielle Daten sind weder von Ihnen, noch von Ihren Eltern erforderlich. Die Zweitwohnsitzsteuer berechnet sich auf Basis der Jahresnettokaltmiete.

Mit freundlichen Grüßen

die... mehr

Franko am 07.10.2018 15:20

Hallo immowelt

Wie verhält es sich mit der Zweiwohnsteuer bei Auszubildenden? Unser Sohn (16) fängt nächstes Jahr eine Ausbildung in Rostock an und kann selbst ja noch keine Wohnung mieten . Das müssen demzufolge ja wir als Eltern... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 08.10.2018 10:50

Hallo Franko und vielen Dank für Ihren Kommentar,

laut Satzung über die Erhebung einer Zweitwohnungssteuer in der Hansestadt Rostock gilt eine Zweitwohnung dann nicht als Zweitwohnung im Sinne der Satzung, wenn sie aus beruflichen... mehr

MCM87 am 04.10.2018 14:23

Hallo, ich hätte 2 Fragen... Ich habe seit Juli 18 mein zweitwohnsitz in München gemeldet.

Es heisst 9 Prozent der jährlichen Nettokaltmiete , werden jetzt 12 Montae gerechnet oder nur 6 Monate, da ich ja auch erst ab Juli mein 2.... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 04.10.2018 15:28

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

Entfällt oder entsteht die Steuerpflicht innerhalb des Jahres, wird die Zweitwohnungsteuer anteilig für das Jahr berechnet. Das gilt sowohl für die Anmietung der Wohnung im Juli als auch für... mehr

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