Energiepreisbremsen 2023: Diese Preisdeckel gelten für Strom, Gas und Fernwärme

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Die stark gestiegenen Energiepreise und die Inflation haben die Bundesregierung veranlasst, Energiepreisbremsen ins Leben zu rufen. So sollen Verbraucher entlastet werden. Wie funktionieren die Preisdeckel für Gas, Fernwärme, Strom und Heizstrom?

Welche Energiepreisbremsen gibt es?

Um den enorm gestiegenen Energiepreisen entgegenzuwirken, hat der Bund Preisbremsen eingeführt. Diese gelten für:

  • Gas
  • Fernwärme
  • Strom sowie neu für Heizstrom

Wer mit einem nicht leitungsgebundenen Brennstoff heizt, wird vom Staat durch die Brennstoffhilfe bezuschusst.

Ab wann gelten die Energiepreisbremsen?

Die Preisdeckelung für Gas und Fernwärme gilt seit März 2023 mit Rückwirkung auf Januar und Februar und ist im Erdgas-Wärme-Preisbremsengesetz (EWPBG) geregelt. Bereits seit Januar dieses Jahres gilt die Strompreisbremse, welche durch das Strompreisbremsegesetz (StromPBG) festgelegt wird. Die Regelungslücke zum Heizstrom wurde im Juni 2023 geschlossen und das Gesetz nachgebessert.

Bereits im März wurden für Januar und Februar Entlastungsbeträge ausgezahlt.

Wie lange gelten die Energiepreisbremsen?

Die Preisbremsen sind alle für das gesamte Jahr 2023 ausgelegt. In den Gesetzen ist jeweils eine Verlängerung bis April 2024 möglich gemacht worden. Hierzu wird jedoch ein gesonderter Beschluss benötigt.

Wer profitiert von den Energiepreisbremsen?

Energiepreisbremsen, Bild eines Stromzählers, Foto: moquai86 / stock.adobe.com
Wie die Strompreisbremse gelten die Wärme- und Gaspreisbremse für alle privaten Verbraucher. Foto: moquai86 / stock.adobe.com

Die Gas- und Wärmepreisbremse gilt für private Haushalte, Vereine sowie kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 1,5 Millionen Kilowattstunden Verbrauch im Jahr.

Die Strompreisbremse gilt ebenfalls für private Verbraucher sowie kleine Unternehmen mit einem Verbrauch bis zu 30.000 Kilowattstunden im Jahr. Mittlere und große Unternehmen mit mehr Verbrauch haben einen eigenen Preisdeckel.

Neu ist der Deckel für Heizstrom. Denn die bisherige Regelung zur Strompreisbremse war zum Nachteil von Nutzern einer Wärmepumpe oder Nachtspeicheröfen. Hier hat der Gesetzgeber nachgebessert und einen gesonderten Preisdeckel für all jene geschaffen, die einen tageszeitvariablen Tarif haben. Also einen, der einen Niedertarif und einen Hochtarif vorsieht.

Muss ich die Energiepreisbremsen beantragen?

Nein, die Preisbremsen funktionieren alle automatisch, ein Antrag ist also nicht notwendig. Die Abrechnung erfolgt entweder direkt über den Energieanbieter oder aber für Mieter über die Betriebskostenabrechnung.

Wie funktionieren Gaspreisbremse und Wärmepreisbremse?

Sowohl die Preise für Gas als auch Fernwärme werden gedeckelt. Für Gas beträgt der Preis 12 Cent je Kilowattstunde, bei Fernwärme sind es 9,5 Cent je Kilowattstunde.

Der gedeckelte Preis gilt jedoch nur für 80 Prozent des im September 2022 prognostizierten Jahresverbrauchs. Alles, was darüber hinausgeht, wird mit dem normalen Marktpreis abgerechnet.

Beispielrechnung Gaspreisbremse

Angenommen wird eine Wohnung mit 100 Quadratmetern. Das darin wohnende Paar hat einen Vorjahres-Jahresverbrauch von 12.000 kWh. Im folgenden Jahr haben sie einen Verbrauch von 10.000 kWh. Es wird ein Marktpreis von im Schnitt 22 Cent je kWh im Jahr angenommen.

12.000 kWh * 0,8 = 9.600 kWh

9.600 kWh * 0,12 € = 1.152 €

10.000 kWh – 9.600 kWh = 400 kWh

400 kWh * 0,22 € = 88 €

1.152 € + 88 € = 1.240 €

Ohne die Gaspreisbremse müsste das Paar 2.200 Euro zahlen, mit der Preisdeckelung nur 1.240 Euro. Sie sparen also rund 1.000 Euro ein.

Beispielrechnung Wärmepreisbremse

Angenommen wird eine Wohnung mit 100 Quadratmetern. Das darin wohnende Paar hat einen Vorjahres-Jahresverbrauch von 12.000 kWh. Im folgenden Jahr haben sie einen Verbrauch von 10.000 kWh. Es wird ein Marktpreis von im Schnitt 12 Cent je kWh im Jahr angenommen.

12.000 kWh * 0,8 = 9.600 kWh

9.600 kWh * 0,095 € = 912 €

10.000 kWh – 9.600 kWh = 400 kWh

400 kWh * 0,12 € = 48 €

912 € + 48 € = 960 €

Ohne die Wärmepreisbremse müsste das Paar 1.200 Euro zahlen, mit der Preisdeckelung nur 960 Euro. Sie sparen also rund 250 Euro ein.

Übrigens: Zusätzlich zur Preisdeckelung hat der Gesetzgeber die Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme gesenkt. Zwischen dem 1. Oktober 2022 und dem 31. März 2024 beträgt diese 7 statt der bisherigen 19 Prozent.

Wie funktioniert die Strompreisbremse?

Die Preisbremse für Strom ist gestaffelt, je nachdem ob es sich um private Verbraucher sowie kleine Unternehmen oder aber mittlere und große Unternehmen handelt. Es gilt:

  • Für private Stromkunden sowie kleine Unternehmen: der Basisbedarf von 80 Prozent des historischen Verbrauchs – in der Regel gemessen am Vorjahr – wird auf 40 Cent je Kilowattstunde gedeckelt. Alles darüber wird über den aktuellen Marktpreis berechnet.
  • Für mittlere und große Unternehmen mit mehr als 30.000 kWh Verbrauch: Der Basisbedarf von 70 Prozent des historischen Verbrauchs – in der Regel gemessen am Vorjahr – wird auf 13 Cent je Kilowattstunde (Netto-Arbeitspreis) gedeckelt. Auch hier wird alles darüberliegende über den aktuellen Marktpreis berechnet.

Beispielrechnung Strompreisbremse

Angenommen wird eine Wohnung mit 100 Quadratmetern. Das darin wohnende Paar hat einen Vorjahres-Jahresverbrauch von 4.500 kWh. Im folgenden Jahr haben sie einen Verbrauch von 4.125 kWh. Es wird ein Marktpreis von im Schnitt 50 Cent je kWh im Jahr angenommen.

4.500 kWh * 0,8 = 3.600 kWh

3.600 kWh * 0,4 € = 1.440 €

4.125 kWh – 3.600 kWh = 525 kWh

525 kWh * 0,5 € = 262,50 €

1.440 € + 262,50 € = 1.702,50 €

Ohne die Strompreisbremse müsste das Paar 2.062,50 Euro zahlen, mit der Preisdeckelung nur 1.702,50 Euro. Sie sparen also 360 Euro ein.

Welche neuen Regelungen gelten für Heizstrom?

Da Nutzer von Wärmepumpen oder Nachtspeicheröfen von der Entlastung bisher wenig hatten, hat der Gesetzgeber hier nachgebessert. Für Heizstrom soll künftig die Preisbremse bereits bei 28 statt 40 Cent  je Kilowattstunde greifen.

Achtung: Die Absenkung des Preisdeckels gilt nur für jene Kunden, die einen eignen Heizstromtarif nutzen! Es braucht also einen eignen Zähler, der nur den Heizstrom misst.

Caroline Schiko04.07.2023

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