Haushaltsauflösung – Ablauf, Kosten, Besonderheiten

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Ein Todesfall, der Umzug in ein Pflegeheim, Auswandern – es gibt viele Gründe, einen Haushalt aufzulösen. Doch wohin mit all den Möbeln, den Haushaltsgegenständen und den Erinnerungsstücken? Ein Überblick, wie am besten entrümpelt wird, welche Kosten entstehen und wie sogar Profit daraus gemacht werden kann.

Steht ein Umzug in ein Altenheim an, muss der Haushalt aufgelöst werden. Doch nicht alles gehört auf den Müll – gut Erhaltenes kann verschenkt oder verkauft werden. Foto: iStock/FredFroese

Jeder, der schon einmal mit seinem kompletten Hausrat umgezogen ist, weiß, wie viel sich über die Jahre in der Wohnung ansammeln kann. Was aber, wenn Möbel, Hausrat, Kleidung und Krimskrams nicht in eine neue Bleibe kommen, sondern der Haushalt gänzlich aufgelöst werden muss? Die Gründe dafür können vielfältig sein. Das kann die Wohnung eines verstorbenen Familienmitglieds betreffen, oder wenn Senioren in ein Alten- oder Pflegeheim umziehen. Aber auch Auswandern, das Einziehen beim Lebensgefährten oder ein langjähriger Gefängnisaufenthalt können Gründe für eine Wohnungsauflösung sein.

Selbst machen oder den Profi ranlassen?

In der Regel ist eine Haushaltsauflösung mit viel Aufwand verbunden. Denn die Einrichtung muss nicht nur von A nach B gebracht werden, wie es bei einem Umzug der Fall wäre. Doch wohin mit Omas alter Couch? Wer selbst aufräumt, findet meist in karitativen Einrichtungen dankbare Abnehmer von Gegenständen, die noch brauchbar sind. Kleiderkammern, Möbelbörsen, Sozialkaufhäuser – Wohlfahrtsverbände wie der Arbeiter-Samariter-Bund, die Diakonie oder das Deutsche Rote Kreuz bieten verschiedene Möglichkeiten, Kleidung und Hausrat an sozial Schwache weiterzugeben. Doch auch gemeinnützige Einrichtungen nehmen nicht alles. Eine Faustregel kann die Frage „Würde ich das einem Freund schenken?“ sein. Denn was einer nicht geschenkt haben will, will meist auch keiner kaufen.

Ab und zu ist die Entscheidung, ob etwas nur gebraucht oder schon unbrauchbar ist, schwierig. Was ist wirklich noch verwertbar oder gehört vielleicht doch auf den Müll? Und ist das alte Bild überm Bett vielleicht sogar mehr wert, als gedacht? Der Hausrat sollte bewertet, Unterlagen sortiert, Erinnerungsstücke gerettet werden. Das kostet viel Zeit und ist oft schwierig.

Da können unter Umständen Profis helfen. Viele Umzugsunternehmen bieten auch Entrümpelungen an. Manche spezialisieren sich sogar ganz auf Haushaltsauflösungen.

Die Vorteile von professioneller Hilfe liegen insbesondere im Zusammenhang mit einem Todesfall auf der Hand: In der Trauer sind manche Menschen seelisch so stark belastet, dass sie der Aufgabe einer Haushaltsauflösung nicht gewachsen sind. Dazu kommt, dass die Auflösung einer Wohnung nicht nur die Psyche belasten kann, auch der zeitliche und finanzielle Aufwand sind nicht zu unterschätzen.

Link-Tipp

Stirbt ein Mieter, löst sich der Mietvertrag nicht einfach in Luft auf. Lesen Sie, wer im Todesfall die Miete zahlen muss.

Oftmals sind in solchen Situationen Bestatter erste Ansprechpartner. Ohnehin nehmen Bestattungsinstitute in vielen Fällen den Betroffenen Formalitäten ab, etwa wie den Gang aufs Standesamt oder die Benachrichtigung von Rentenkasse und Versicherungen. Auch Sonderwünsche wie die Wohnungsauflösung wird von manchen Unternehmen übernommen. Diese arbeiten dann in der Regel mit Profis zusammen.

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Vorgehen bei Haushaltsauflösung im Todesfall

Zuerst muss festgestellt werden, wer rechtmäßiger Erbe ist. Auch in Haushalten sind Vermögenswerte zu finden, die in die Erbmasse einfließen. Die Erlöse durch diverse Verkäufe fließen immer in den Nachlass.

So läuft eine Haushaltsauflösung ab

Wer für einen Angehörigen die Haushaltsauflösung übernehmen will, braucht dafür eine Vorsorgevollmacht. Foto: Daisy Daisy/fotolia.com

Bei einer Haushaltsauflösung geht es um die Kompletträumung der Wohnung – alles muss raus. Auch Räume wie Keller, Dachboden und Garage dürfen dabei nicht vergessen werden. Will sich eine Person um die Haushaltsauflösung eines Angehörigen kümmern, weil dieser beispielsweise in ein Pflegeheim umzieht, sollte dies über eine Vorsorgevollmacht geregelt werden. Denn nur dann können Angehörige alle nötigen Rechtsgeschäfte übernehmen. In dieser Vollmacht kann auch vermerkt sein, inwieweit es dem Bevollmächtigten erlaubt ist, beispielsweise kostbares Mobiliar oder Kunstgegenstände zu verschenken statt zu verkaufen.

Bevor es dann wirklich ans Entrümpeln geht, sollte innerhalb der Familie oder bei Freunden und Nachbarn nachgefragt werden, ob sie irgendwelche Gegenstände aus dem Haushalt übernehmen beziehungsweise kaufen wollen. Falls es bei einem Umzug in ein Pflegeheim möglich ist, können auch einzelne Gegenstände mitgenommen werden. Steht in der Wohnung wirklich nur noch das, was keiner aus der näheren Bekanntschaft haben will, steht die Frage im Raum, was ist noch verwertbar und was nicht. Bei Kunst oder Schmuck ist die Einschätzung oft schwierig. Da ist es ratsam, einen Experten zu Rate zu ziehen. Für den Rest gibt es die Optionen: Verkaufen, spenden oder wegwerfen.

Doch es sammeln sich über die Jahre nicht nur Habseligkeiten, sondern auch eine Menge Dokumente an. Diese sollten gründlich durchgesehen werden. Alles, was nicht wichtig ist, aber Daten enthält, wird besser vernichtet, als nur in die Papiermülltonne geworfen. Dokumente wie Testamente, Vollmachten und Verfügungen sollten gegebenenfalls ordentlich weggeheftet werden.

Info

Fällt es schwer sich von Dingen zu trennen, aber es gibt im eigenen Zuhause keinen Platz dafür? Dann können vielerorts günstige Lagerplätze – sogenannte Self-Storage-Rooms – für längere Zeit angemietet werden.

Wenn die Arbeit zu schwerfällt oder zeitlich nicht machbar ist, besteht die Möglichkeit, Entrümpelungsprofis hinzuzuziehen. Sind sie am Werk, kann die Haushaltsauflösung grundsätzlich in fünf Phasen unterteilt werden:

  1. Besichtigung/Absprache
  2. Schriftliches Angebot
  3. Auftragsbestätigung und Terminierung
  4. Räumung
  5. Übergabe

In der Regel ist der erste Schritt eine kostenlose Besichtigung durch den Profi. Angefordert werden kann er nur vom Bewohner selbst oder aber vom Ehepartner, Kindern oder Eltern des Verstorbenen. Ein Besichtigungstermin kann meist kurzfristig und spontan realisiert werden. Der Profi schaut sich die Wohnung an und bespricht mit den Bewohnern oder Hinterbliebenen, welche Gegenstände entsorgt und welche weiter verwertet werden können. Anschließend gibt es üblicherweise ein schriftliches Angebot. Will der vermeintliche Profi das Angebot nicht schriftlich übermitteln, ist das wahrscheinlich ein erstes Zeichen dafür, an einen zwielichtigen Betrüger geraten zu sein. Um das passende Angebot zu finden, sollten wenigstens drei verschiedene eingeholt werden.

Ist das passende Angebot gefunden, wird ein Termin für die Haushaltsauflösung gesucht. Damit alles reibungslos ablaufen kann, braucht es ausreichend Vorlaufzeit. Außerdem ist es ratsam, die Kündigungsfrist des Mietvertrags, notwendige Renovierungsarbeiten und gegebenenfalls kommunale Abholtermine für Sperrmüll bei der Terminfindung mit einzubeziehen. Je nach Größe der Wohnung, dauert so eine Räumung zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen. Ist die Wohnung leer, wird sie dem Auftraggeber meist besenrein wieder übergeben.

Achtung

Bevor die Profis die Wohnung räumen, sollten die Auftraggeber all das rausholen, woran Emotionen hängen oder was wichtig ist. Besonders Unterlagen, Wertgegenstände, die im Familienbesitz bleiben sollen und vielleicht auch Erinnerungsstücke, die zum Teil kaum materiellen Wert haben, können so gerettet werden.

Kosten sind von vielen Faktoren abhängig

Die Kosten einer Haushaltsauflösung hat der Eigentümer des Hausrats zu tragen. Bei einem Todesfall treten die Erben ein. Pauschal lässt sich kein Preis bestimmen, da jede Haushaltsauflösung anders ist. Wer professionell entrümpeln lässt, muss etwas tiefer in die Tasche greifen, als wenn er es selbst macht. Das sind die preisbestimmenden Faktoren:

  • Menge und Art des zu entsorgenden Hausrats
  • Aktuelle Entsorgungspreise
  • Anzahl der benötigten Mitarbeiter und Tage
  • Anfahrtsweg und Parkmöglichkeiten
  • Lage des Objekts – zum Beispiel Stockwerk, Hanglage etc.
  • Zugang im Inneren des Objekts – z.B. Fahrstuhl

Werben die Unternehmen mit dem Slogan „Verwertbares wird angerechnet“, kann sich das positiv auf die Kosten auswirken. Denn das bedeutet, dass Gegenstände mit einem für die Firma lukrativen Marktwert, im Rahmen einer Auflösung kostenmindernd sind. Die Firma verkauft die Gegenstände und somit wird der Endpreis der Haushaltsauflösung reduziert. Unter Umständen kann durch die Verkäufe sogar ein Plus erwirtschaften, das in der Regel dem Auftraggeber zusteht.

Ebenfalls ein Weg trotz Profis zu sparen: Einen Anbieter aus der näheren Umgebung aussuchen. Das reduziert den Anfahrtsweg und somit auch die Kosten.

Bei einer Haushaltsauflösung kann ein Container sehr praktisch sein. Allerdings ist er immer mit Kosten verbunden. Foto: ArTo/fotolia.com
Mit der Sperrmüllabfuhr muss ein Termin ausgemacht werden. Das ist in der Regel nur an Werktagen möglich. Foto: focus finder/fotolia.com

Wer den Haushalt privat auflöst, hat zwar keine Kosten für eine Entrümpelungsfirma, aber sollte Preise für einen Container und andere Entsorgungsdienste, wie Recyclinghöfe oder Sondermülldeponien, kalkulieren und vergleichen. Die Kosten dafür variieren je nach Region und Containergröße stark. Günstiger ist natürlich, einen Termin mit der örtlichen Sperrmüllabfuhr zu vereinbaren – die ist je nach Region sogar kostenfrei. Der Nachteil dabei ist, dass es durchaus etwas dauern kann, bis es zu einem Termin kommt. Außerdem wird Sperrmüll nur an Werktagen geholt – ein Container kann auch in aller Ruhe am Wochenende gefüllt werden. Der ist in der Regel auch kurz nach dem Bestellen vor Ort.

Achtung

Der Sperrmüll nicht immer alles mit, was entsorgt werden soll. Große Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine oder Fernseher werden oft abgelehnt. Diese müssten dann über Recyclinghöfe oder Sondermülldeponien entsorgt werden, was unter Umständen mit weiteren Kosten verbunden ist.

Einen seriösen Anbieter finden

Entrümpler gibt es wie Sand am Meer. Und wie in jeder Branche gibt es schwarze Schafe. Die einen entsorgen nicht fachgerecht, andere überlassen die Wohnung nicht besenrein oder sind unzuverlässig und halten Termine nicht ein. Ein gutes Zeichen für einen seriösen Anbieter ist eine gute Kommunikation. Und Vorsicht vor Angeboten, die zu schön sind, um wahr zu sein: „Kostenlose Entrümpelung“ – damit werben unseriöse Firmen gern. Doch wirklich kostenfrei ist so eine Haushaltsauflösung nur dann, wenn sich genügend Gegenstände im Inventar befinden, die sich noch verkaufen lassen und so den Aufwand der Firma decken. Kein Unternehmen wird aus reiner Freundlichkeit etwas verschenken. Seriöse Anbieter schauen sich den Haushalt bei einem Vor-Ort-Termin an und geben dann ein verbindliches Angebot ab. Gute und professionelle Entrümplungsfirmen werden keinen Haushaltsauflösungs-Preis nennen können, ohne sich selbst ein Bild gemacht zu haben – denn jeder Haushalt ist anders. Diese Aspekte sollten auf der Suche nach einem seriösen Anbieter beachtet werden:

  • Wird die Wohnung und der Besitz in Augenschein genommen? – Wenn nicht, Finger von dem Anbieter lassen.
  • Ist die Besichtigung kostenfrei? – Bei seriösen Anbietern gehört das zum guten Service.
  • Sind die Preise offen und transparent? – ein seriöser Anbieter hat keinen Grund, etwas zu verheimlichen.
  • Kostenvoranschlag oder Festpreis? – Festpreise sind immer besser, bei einem Kostenvoranschlag darf der tatsächliche Preis bis zu 20 Prozent höher liegen, als vorher veranschlagt.
  • Wie hoch ist der Stundensatz? – Experten bezweifeln, dass ein Stundensatz unter 20 Euro seriös sein kann.
  • Wie viel Zeit wird veranschlagt? – das Räumen einer Drei-Zimmer-Wohnung dauert in der Regel nicht länger als einen Tag.
  • Werden verwertbare Möbel und andere Gegenstände der Aufwandspauschale gegengerechnet? – Seriöse Unternehmen wollen sich nicht bereichern.
  • Besitzt die Firma eine Haftpflichtversicherung? – Wenn nicht, Finger von diesem Anbieter lassen.
  • Ist das Unternehmen diskret? – Sind pikante Details aus anderen Haushaltsauflösungen dieser Firma bekannt, spricht das nicht für die Seriosität des Unternehmens.

Was passiert mit dem Hausrat?

Noch brauchbare Gegenstände können beispielsweise auf einem Trödelmarkt verkauft werden. Foto: eyetronic/fotolia.com

Im Laufe eines Lebens häufen viele Menschen jede Menge Erinnerungen, Möbel und persönliche Habseligkeiten an. Vieles, was schon etliche Jahre auf dem Buckel hat, ist nicht mehr wirklich verwertbar. Doch nicht alles Alte muss auf den Müll! Für viele alte Dinge gibt es Liebhaber – gerade was zum Beispiel Möbel und Geschirr angeht. Auch Schmuck und Kunst sind meist gut zu Geld zu machen. Egal ob über eine Annonce in den Kleinanzeigen der Tageszeitung, auf dem Trödelmarkt oder über Internet-Plattformen– die Nachfrage ist meist groß. Einige Auktionshäuser bieten sogar Haushalts-, beziehungsweise Nachlassauktionen direkt vor Ort an. Das lohnt sich in der Regel aber eher bei größeren Anwesen oder bei einer hohen Anzahl wertvoller Gegenstände. Doch Vorsicht! Gehören Sammlungen zum Inventar, wie Briefmarken, Münzen oder Porzellan, sollten diese von einem spezialisierten Auktionator geschätzt und vermarktet werden. Sonst kann es passieren, dass die Sammlung weit unter dem eigentlichen Wert veräußert wird.

An was sonst zu denken ist

Bei einer Haushaltsauflösung kommt es aber nicht nur darauf an, dass die Wohnung zum Schluss vollkommen leer ist. Auch Verträge rund um die Wohnung müssen ab- beziehungsweise umgemeldet oder gekündigt werden. Dazu gehören:

  • Bei Mietwohnungen: Mietvertrag
  • Gas, Wasser, Strom
  • Festnetzanschluss, Internet
  • Rundfunkbeitrag
  • Zeitungs-/Zeitschriftenabos
  • Abmelden des Autos
  • Versicherungen, wie Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung
  • Nachsendeantrag bei der Post

Ebenfalls zu klären ist, ob noch irgendwelche Rechnungen offen sind. Zudem sollten alle Personen, die es betrifft, Bescheid wissen, dass die Wohnung aufgelöst wird. Das können beispielsweise Haushalts- oder Einkaufshilfen sein, aber auch Besuchs- und Begleitdienste, Essenslieferanten oder der Gärtner.

Fazit: Profis können eine große Hilfe sein

Alles in allem bedeutet eine Haushaltsauflösung eine Menge Arbeit und Emotionen. Wer dem nicht gewachsen ist, kann sich professionelle Hilfe holen. Ist vorher mit der Entrümpelungsfirma alles gut durchgesprochen, muss man bei der Räumung noch nicht einmal dabei sein. Denn auch wenn Omas Couch nichts mehr wert ist – es hängen vielleicht viele Erinnerungen daran. Sie dann auf einem Müllhaufen zu sehen, kann zusätzlich schmerzen.


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