Homeoffice von der Steuer absetzen: So geht’s

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Das Homeoffice hat seit Beginn der Corona-Pandemie einen regelrechten Boom erlebt: So viele Menschen wie noch nie, arbeiten von zu Hause aus. Durch die Heimarbeit entstehen aber auch Kosten – die steuerlichen Auswirkungen haben können. Wann und wie darf das heimische Arbeitszimmer von der Steuer abgesetzt werden und welche Besonderheiten gelten während der Corona-Pandemie?

Was versteht man unter Homeoffice?

Als Homeoffice wird ein heimischer Arbeitsplatz bezeichnet, von dem aus ein Arbeitnehmer arbeitet. Entweder nur gelegentlich oder wenn er kein Büro oder einen Arbeitsplatz vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommt. Unter strengen Voraussetzungen lassen sich dann auch die Kosten für ein heimisches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen.

  • Während der Coronapandemie gibt es eine steuerliche Sonderregelung und Homeofficepauschale

Wann darf ich das Homeoffice von der Steuer absetzen?

Uneingeschränkt abzugsfähig ist das Homeoffice von der Steuer, wenn kein Arbeitsplatz vom Arbeitgeber bereitgestellt wird. Das trifft zum Beispiel auf Lehrer zu, die keinen Schreibtisch in der Schule haben, Angestellte, die außerhalb der normalen Bürozeiten arbeiten oder freie Journalisten, die generell von zu Hause aus arbeiten.

Zusätzlich muss der Schreibtisch Mittelpunkt der Arbeit sein. Das betrifft vor allem Berufe und Tätigkeiten, bei denen vorrangig schriftliche, geistige, organisatorische, künstlerische oder ähnliche Arbeiten ausgeführt werden. Gemäß einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs muss jedoch das Arbeitszimmer nicht zwingend für die Tätigkeit erforderlich sein (BFH, Az.: VI R 46/17). So können beispielsweise auch Flugbegleiter ein Arbeitszimmer absetzen.

Wichtig ist, dass das Arbeitszimmer einige räumliche Voraussetzungen erfüllt sowie ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt wird, damit das Homeoffice bei der Steuer geltend gemacht werden kann.

Homeoffice bei der Steuer geltend machen: Räumliche Voraussetzungen

Diese Voraussetzungen muss das heimische Arbeitszimmer erfüllen, um abzugsfähig zu sein:

  • Lage, Funktion und Ausstattung sollen den privaten Wohnräumen nah, allerdings räumlich durch eine Wand und eine Tür vom Rest der Wohnung abgetrennt sein. Sogenannte Zubehörräume, wie ein Keller oder ein Dachboden, können ebenfalls Arbeitszimmer sein, wenn sie eine unmittelbare Nähe zu den privaten Wohnräumen haben.
  • Immer abzugsfähig sind externe Arbeitszimmer, denn sie werden explizit zur gewerblichen Nutzung angemietet. Ein solches Zimmer darf nicht zum privaten Wohnraum gehören.
  • Die Ausstattung des Arbeitszimmers darf ebenfalls nur betriebliche Zwecke erfüllen. Wenn das Arbeitszimmer also auch als Gästezimmer für Besucher genutzt wird, handelt es sich um ein gemischt genutztes Arbeitszimmer und ist nicht voll abzugsfähig. Ein Sofa, zur Entspannung während der Mittagspause, ist in den meisten Fällen jedoch in Ordnung.
  • Eine private Nutzung des heimischen Arbeitszimmers ist zu maximal zehn Prozent zulässig. Das bezieht sich auch auf private Gegenstände, wie Bücher, Bilder oder Unterlagen.
Homeoffice steuerlich absetzen, Frau sitzt auf Sofa mit Laptop auf dem Schoß und Handy am Ohr, Foto: franz12 / stock.adobe.com
Nicht jede Heimarbeit lässt sich von der Steuer absetzen. Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, damit das Finanzamt das heimische Arbeitszimmer als abzugsfähig anerkennt. Foto: franz12 / stock.adobe.com

Wann ist das Homeoffice nicht von der Steuer absetzbar?

Nicht absetzbar ist das Homeoffice:

  • wenn normalerweise ein Arbeitsplatz vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Wenn beispielsweise an einem Tag in der Woche aus dem Homeoffice gearbeitet wird, so gilt dieser Arbeitsplatz nicht als abzugsfähiges Homeoffice.
  • Laut Bundesfinanzhof (BFH) darf auch eine Arbeitsecke, ein Raum, der nicht ausschließlich für die Heimarbeit genutzt wird, sowie Räume, die einem Büro nicht entsprechen, nicht von der Steuer abgesetzt werden (BFH AZ: GrS 1/14). Dazu zählen zum Beispiel Lagerräume oder wenn der Küchentisch als Arbeitsplatz zweckentfremdet wird.

Ausnahme: Homeofficepauschale während Corona

Bedingt durch die Coronapandemie befinden sich viele Arbeitnehmer vorübergehend im Homeoffice, aktuell gilt sogar eine gesetzliche Homeoffice-Pflicht. Eigentlich gelten strenge Voraussetzungen, um das Homeoffice von der Steuer abzusetzen. Die meisten Arbeitnehmer, die während der Pandemie von zu Hause aus arbeiten, erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Damit die Arbeitnehmer aber dennoch nicht auf ihren Mehrkosten sitzen bleiben, gibt es für 2020, 2021 und voraussichtlich auch 2022 für die zeitweise Nutzung eines heimischen Arbeitsplatzes eine steuerliche Sonderregelung:

Pro Tag Homeoffice kann für 2020 und 2021 eine Homeofficepauschale von 5 Euro für maximal 120 Tage abgesetzt werden. Damit kann für das Homeoffice ein Pauschalbetrag bis zu 600 Euro pro Jahr abgesetzt werden. Aus dem aktuellen Koalitionsvertrag der Ampelregierung geht hervor, dass die Homeofficepauschale auch für das Steuerjahr 2022 gelten soll – beschlossen ist das aber noch nicht.

Für alle weiteren Tage gelten die Voraussetzungen, die ein Arbeitszimmer in der Regel erfüllen muss, um von der Steuer abgesetzt werden zu können.

Wer beispielsweise 120 Tage im Homeoffice gearbeitet hat und dazu Werbungskosten in Höhe von 300 Euro hat, kommt insgesamt nicht über die generelle Werbungskostenpauschale von 1.250 Euro und hat von dieser Sonderregelung nichts.

Wie genau wird das Arbeitszimmer von der Steuer abgesetzt?

Die Kosten für Homeoffice werden in der Steuerklärung als Werbungskosten in der Anlage N angegeben.

Um die Kosten für das Homeoffice voll absetzen zu können, müssen Arbeitnehmer an drei von fünf Tagen von Zuhause aus arbeiten. Wer höchstens zwei Tag von  Zuhause aus arbeitet, kann die Werbungskosten maximal bis zur Höchstgrenze von 1.250 Euro ausschöpfen.

Das Finanzamt verlangt oftmals den Nachweis über die tatsächlich angefallenen Kosten – Kaufbelege sollten daher aufbewahrt werden. Für Werbungskosten bis zu 1.000 Euro sind in der Regel allerdings keine Nachweise nötig.
Selbständige können die Kosten für das Homeoffice als Betriebsausgaben absetzen.

Nutzen zwei Personen das gleiche Arbeitszimmer können beide Kosten bis zum Maximalbetrag von 1.250 Euro ansetzen, das hat der Bundesfinanzhof 2017 entschieden.

Welche Kosten für das Homeoffice können von der Steuer abgesetzt werden?

Sind alle Voraussetzungen für das Homeoffice erfüllt, können etliche Kosten von der Steuer abgesetzt werden.

Diese Kosten können komplett abgesetzt werden

Zu den Kosten, die der Arbeitnehmer umfänglich von der Steuer absetzen kann gehören:

  • Renovierung oder Reinigung des Arbeitszimmers
  • Reparaturen
  • Einrichtungsgegenstände, wie Regale
  • der Schreibtisch oder der Bürostuhl
  • Anschaffungskosten für sonstige notwendige Dinge, wie Lampen oder Teppiche

 

Diese Kosten können anteilig abgesetzt werden

Einige der laufenden Kosten für die Wohnung oder das Haus können anteilig für das Homeoffice abgesetzt werden, dazu gehören beispielsweise:

  • Miete oder Gebäudeabschreibung und Schuldzinsen
  • Heizung
  • Wasser-, Abwasserkosten und Strom
  • Müllabfuhr und Reinigungskosten
  • Grundsteuer
  • Schornsteinfegergebühren
  • Beiträge für Wohngebäude-, Hausrat-, Rechtsschutzversicherung oder den Mieterverein
  • Fehlbelegungsabgabe
  • Renovierungskosten, die das Haus betreffen
  • Telefon- und Internetkosten

Der prozentuale Anteil an den Kosten ergibt sich aus dem Größenverhältnis des Arbeitszimmers und der Gesamtfläche der Wohnung.

Homeoffice bei der Steuer geltend machen – Rechenbeispiel

In einer 90 Quadratmeter großen Wohnung wird ein 18 Quadratmeter großes Arbeitszimmer genutzt, anteilig entspricht dies 20 Prozent. In der Steuererklärung können nun 20 Prozent aller anteilig abzugsfähigen Kosten abgesetzt werden.

Diese Kosten können auch ohne Arbeitszimmer abgesetzt werden

Arbeitsmittel, wie Papier, Drucker oder einen Laptop, kann der Steuerzahler bis zu einer Höhe von 952 Euro inklusive der Mehrwertsteuer als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sofort absetzen.

Höheren Kosten müssen über die Dauer der Nutzung und in Form der Abschreibung verteilt werden. Diese Abschreibung wird Absetzung für Abnutzung genannt und lässt sich mit der sogenannten AfA-Tabelle errechnen. Die Tabelle ist online auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums zu finden.

Auch Telefonkosten können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Arbeitnehmer können hier pauschal 20 Prozent ihrer Rechnung ansetzen. Liegen die tatsächlichen Kosten höher kann der genaue Betrag mit einem Beleg nachgewiesen und abgesetzt werden.

Brauche ich für Homeoffice die Erlaubnis vom Vermieter?

Dabei kommt es auf die Außenwirkung der Heimarbeit auf die Nachbarschaft an. Laut Bundesgerichtshof (BGH) muss der Vermieter bei Außenwirkung um Erlaubnis gefragt werden. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Mieter zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt oder oft geschäftlichen Besuch bekommt. Problematisch kann hierbei bereits ein Firmenschild an der Tür sein oder eine entsprechende Geräuschkulisse, wie beispielsweise bei Musikunterricht.
Werden die Nachbarn vom Homeoffice nicht beeinträchtigt oder gestört, muss der Vermieter die Erlaubnis für die teilgewerbliche Nutzung erteilen (BGH v. 14.07.2009 – VIII ZR 165/08).

Das Homeoffice zu verschweigen, kann eine fristlose Kündigung zur Folge haben. Mieter sollten eine geplante gewerblich Nutzung daher unbedingt mit dem Vermieter besprechen und die Absprachen vertraglich festhalten.

Außerdem ist es empfehlenswert, die Baunutzungsverordnungen bei der Gemeinde in Erfahrung zu bringen. Auch dort könnte die Nutzung für bestimmte, beispielsweise störende, Arbeiten untersagt sein.

Was gibt es für den Mietvertrag bei Homeoffice zu beachten?

Entscheidend ist, ob eine Wohnung für private Wohnzwecke oder zur gewerblichen Nutzung angemietet wird. Wenn der Mieter bereits in einer Wohnung wohnt, die er dann für das Homeoffice nutzen möchte, so ist dies eine teilgewerbliche Nutzung. Für diese sind manchmal Genehmigungen notwendig. Das liegt unter anderem am Mieterschutz, der nur für privaten Wohnraum gilt, nicht aber für die gewerbliche Nutzung.

Regine Curth31.03.2022

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4 Kommentare

Nicole am 29.06.2022 15:33

FRAGE: Seit der Pandemie bin ich im Homeoffice. In unserem Haus (Mehrfamilienhaus) bewohne ich die EG Wohnung zur Miete. Das Sourerrain Apartment darunter ist frei geworden und ich kann es ab jetzt dazu mieten. Mein VERMIETER ist von mir informiert worden, dass ich das Apartment als Büro im Homeoffice nutzen werde und einverstanden - bzw. es ist ihm schlicht -egal.

Ich möchte das Büro die Miete Renovierung etc. nächstes Jahr mit der Steuer für 2022 absetzen. Benötige ich vorab einen bestimmten Passus im Mietvertrag für das separate Büro/Apartment ?

Oder reicht der separate Mietvertrag ? Vollständig separates Apartment. Oder muss ich mir separat wirklich eine Genehmigung der STadt Köln einholen ? Meine Nachbarn arbeiten teils auch von zuhause aus mit separatem Büroraum im eigenen HAus. Meine Wohnung ist kleiner, daher will ich das Apartment separat anmieten -da ich jetzt auch nach der Pandemie im HO bleibe.

Info wäre lieb.

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Funken03 am 05.04.2022 09:35

Welche Renovierungskosten können genau abgesetzt werden? Für Arbeit UND Material- also die gesamte Handwerkerrechnung für Leistungen im Haus?

Und: wenn man bereits Aufwendungen für Handwerkerleistungen (also NUR Arbeit) angesetzt hat, kann man die gesamten Aufwendungen dann nochmals für das Arbeitzimmer anteilig ansetzen?

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Niels12435 am 26.07.2021 08:15

Eine Milchmädchen-Rechnung wäre hier noch super gewesen. Bsp: 1200€ bruttomiete 120qm2 - HO 12qm2 = 120€ pro monat absetzbar oder wie errechnet sich das bitte?

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immowelt Redaktion am 30.07.2021 15:45

Hallo Niels12435,

für 2020 und 2021 gibt es eine Sonderregelung: Pro Tag Homeoffice können 5 Euro als Werbungskosten, maximal für 120 Tage abgesetzt werden. Dieser Pauschalbetrag von 600 Euro zählt zur Werbungskostenpauschale von insgesamt 1.000 Euro. Arbeitsmittel und Telefonkosten können zusätzlich als Werbungskosten abgesetzt werden. Wer mit der Home-Office-Pauschale nicht über die Werbungskostenpauschale kommt, hat nichts von dieser Sonderregelung.

Beste Grüße

die immowelt Redaktion

Markus N. am 04.05.2020 20:47

Das Maximum iHv 1.250 EUR p. a. bezieht sich auf die reinen Raumkosten. Anschaffungen können zusätzlich geltend gemacht werden.

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immowelt Redaktion am 07.05.2021 10:52

Hallo Markus N.,

da haben Sie insofern recht, wenn es sich um einen Selbstständigen handelt und dieser die Anschaffungen als Betriebskosten absetzt. Ansonsten ist der maximale Betrag der grundsätzlich als Werbungskosten abgesetzt werden kann fix.

Bitte haben sie aber Verständnis, dass wir keine Rechtsberatung geben können und dürfen, im Zweifel sollten Sie sich Rat bei einem Steuerberater einholen.

Beste Grüße

die immowelt Redaktion