Homeoffice von der Steuer absetzen: So geht’s

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Arbeiten in den eigenen vier Wänden – durch die Heimarbeit entstehen oft einmalige, aber auch laufende Kosten. Eine Übersicht, ob und wie Mieter das Homeoffice von der Steuer absetzen können.

Homeoffice steuerlich absetzen, Frau sitzt auf Sofa mit Laptop auf dem Schoß und Handy am Ohr, Foto: franz12 / stock.adobe.com
Nicht jede Heimarbeit lässt sich von der Steuer absetzen. Es müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, damit das Finanzamt das heimische Arbeitszimmer als abzugsfähig anerkennt. Foto: franz12 / stock.adobe.com

Arbeitnehmer können ihr Arbeitszimmer für die Heimarbeit nicht grundsätzlich steuerlich absetzen. Nur wer mit seinem Homeoffice bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann den heimischen Arbeitsplatz uneingeschränkt von der Steuer abziehen. Es gibt aber auch noch weitere Wege von der Steuer entlastet zu werden.

Corona: Steuerliche Sonderregelung zum Homeoffice
Seit Beginn der Corona-Pandemie befinden sich viele Arbeitnehmer im Home-Office. In vielen Fällen ist die Nutzung eines heimischen Arbeitsplatzes vorübergehend, bis die Arbeitnehmer nach der Krise wieder in die normalen Büroräume zurückkehren können. Wenn der Arbeitgeber normalerweise einen Arbeitsplatz zu Verfügung stellt, ist das Homeoffice eigentlich nicht absetzbar. Für 2020 und 2021 gibt es eine Sonderregelung: Pro Tag Homeoffice können 5 Euro als Werbungskosten, maximal für 120 Tage abgesetzt werden. Dieser Pauschalbetrag von 600 Euro zählt zur Werbungskostenpauschale von insgesamt 1.000 Euro. Arbeitsmittel und Telefonkosten können zusätzlich als Werbungskosten abgesetzt werden. Wer mit der Home-Office-Pauschale nicht über die Werbungskostenpauschale kommt, hat nichts von dieser Sonderregelung.

Für alle weiteren Tage gelten die Voraussetzungen, die ein Arbeitszimmer erfüllen muss, um von der Steuer abgesetzt werden zu können.

Wann ist das Homeoffice nicht von der Steuer absetzbar?

Homeoffice steuerlich absetzen, Arbeitsplatz in Zimmerecke mit PC, Schreibtisch und Stuhl, Foto: maryviolet / stock.adobe.com
Auch eine eingerichtete Arbeitsecke zu Hause ist nur teilweise abzugsfähig. Foto: maryviolet / stock.adobe.com

Nicht absetzbar ist das Homeoffice, wenn normalerweise ein Arbeitsplatz vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Wenn beispielsweise an einem Tag in der Woche aus dem Homeoffice gearbeitet wird, so gilt dieser Arbeitsplatz nicht als abzugsfähiges Homeoffice.

Ebenfalls nicht abzugsfähig ist, laut Bundesfinanzhof (BFH), eine Arbeitsecke, ein Raum, der nicht ausschließlich für die Heimarbeit genutzt wird, sowie Räume, die einem Büro nicht entsprechen, wie etwa Lagerräume. Das hat der Bundesfinanzhof 2016 in einer Grundsatzentscheidung beschlossen (BFH AZ: GrS 1/14).

Wann kann der Arbeitnehmer das Homeoffice von der Steuer absetzen?

Uneingeschränkt abzugsfähig ist das Homeoffice dort, wo kein Arbeitsplatz vom Arbeitgeber bereitgestellt wird. Das trifft zum Beispiel auf Lehrer zu, die keinen Schreibtisch in der Schule haben, Angestellte, die außerhalb der normalen Bürozeiten arbeiten oder Musiker, die keinen Proberaum haben.

Eine weitere nötige Voraussetzung ist der Schreibtisch als Mittelpunkt der Arbeit. Das betrifft Berufe und Tätigkeiten, bei denen vorrangig schriftliche, geistige, organisatorische, künstlerische oder ähnliche Arbeiten ausgeführt werden.

Räumliche Voraussetzungen für das absetzbare Homeoffice

Das Homeoffice muss ein Raum sein, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach den privaten Wohnräumen nah, allerdings räumlich durch eine Wand und eine Tür vom Rest der Wohnung getrennt ist. Sogenannte Zubehörräume, wie ein Keller oder ein Dachboden, können ebenfalls Arbeitszimmer sein, wenn sie eine unmittelbare Nähe zu den privaten Wohnräumen haben.

Externe Arbeitszimmer sind immer abzugsfähig. Diese werden explizit zur gewerblichen Nutzung angemietet. Ein solches Zimmer darf nicht zum privaten Wohnraum gehören.

Die weitere Ausstattung des Zimmers darf ebenfalls nur betriebliche Zwecke erfüllen. Wenn das Arbeitszimmer also auch als Gästezimmer für Besucher genutzt wird, zählt es nicht mehr als Arbeitszimmer. Es handelt sich dann um ein gemischt genutztes Arbeitszimmer und ist nicht voll abzugsfähig. Ein Sofa, zur Entspannung während der Mittagspause, ist in den meisten Fällen jedoch in Ordnung.

Die private Nutzung ist mit maximal zehn Prozent zulässig. Das bezieht sich auch auf private Gegenstände, wie Bücher, Bilder oder Unterlagen.

Welche Kosten der Heimarbeit sind steuerlich absetzbar?

Das Finanzamt unterscheidet sehr genau zwischen den Kosten für ein Arbeitszimmer und privaten Kosten. Das Beste ist daher ein Arbeitszimmer, das vom Rest der Wohnung getrennt ist und ausschließlich als Homeoffice genutzt wird. Kann das Finanzamt nicht klar unterscheiden, entfallen die steuerlichen Abzüge komplett.

Wenn das Finanzamt das Arbeitszimmer nicht anerkennt, kann der Arbeitnehmer beruflich benötigte Arbeitsmittel, wie einen Computer, auch als Werbungskosten absetzen.

Vollständig absetzbare Kosten

Kosten, die der Arbeitnehmer umfänglich von der Steuer absetzen kann, betreffen ausschließlich das Arbeitszimmer und dessen Einrichtung. Dazu gehören:

  • Renovierung oder Reinigung des Arbeitszimmers
  • Reparaturen
  • Einrichtungsgegenstände, wie Regale, der Schreibtisch oder der Bürostuhl
  • Anschaffungskosten für sonstige notwendige Dinge, wie Lampen oder Teppiche

Arbeitsmittel kann der Steuerzahler bis zu einer Höhe von 952 Euro inklusive der Mehrwertsteuer als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sofort absetzen. Höheren Kosten müssen über die Dauer der Nutzung und in Form der Abschreibung verteilt werden. Diese Abschreibung wird Absetzung für Abnutzung genannt und lässt sich mit der sogenannten AfA-Tabelle errechnen. Die Tabelle ist online auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums zu finden.

Link-Tipp

Einige dieser Kosten sind auch als haushaltsnahe Arbeit absetzbar. Wichtig ist, dass alle Kosten nur einmal angesetzt werden können. Erfahren Sie hier, wie Sie als Mieter beziehungsweise Eigentümer noch mehr Steuern sparen können.

Laufende Kosten anteilig absetzen

Einige der laufenden Kosten können anteilig berechnet werden, dazu gehören beispielsweise:

  • Miete oder Gebäudeabschreibung und Schuldzinsen
  • Heizung
  • Wasser-, Abwasserkosten und Strom
  • Müllabfuhr und Reinigungskosten
  • Grundsteuer
  • Schornsteinfegergebühren
  • Beiträge für Wohngebäude-, Hausrat-, Rechtsschutzversicherung oder den Mieterverein
  • Fehlbelegungsabgabe
  • Renovierungskosten, die das Haus betreffen
  • Telefon- und Internetkosten

Der prozentuale Anteil an den Kosten ergibt sich aus dem Größenverhältnis des Arbeitszimmers und der Gesamtfläche der Wohnung.

Rechenbeispiel

In einer 90 Quadratmeter großen Wohnung wird ein 18 Quadratmeter großes Arbeitszimmer genutzt, anteilig entspricht dies 20 Prozent. In der Steuererklärung können nun 20 Prozent aller anteilig abzugsfähigen Kosten abgesetzt werden.

Wie genau wird die Heimarbeit von der Steuer abgesetzt?

Die Kosten für ein Homeoffice werden in der Steuerklärung als Werbungskosten angegeben. So kann der Arbeitnehmer das zu versteuernde Einkommen und damit seine Steuerlast senken. Grundsätzlich können insgesamt bis zu 1250 Euro als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Dies ist ein Maximalbetrag, der nicht pauschal angesetzt werden kann. Das Finanzamt verlangt hier den Nachweis über die tatsächlich angefallenen Kosten. Kaufbelege sollten daher aufbewahrt werden. Allerdings gilt dieser Betrag auch pro Person, wenn also zwei Personen dasselbe Arbeitszimmer nutzen, können beide Kosten bis zum Maximalbetrag ansetzen.

Selbständige können die Kosten für das Homeoffice als Betriebsausgaben absetzen.

Muss der Vermieter für die Heimarbeit um Erlaubnis gefragt werden?

Homeoffice steuerlich absetzen, Gitarrenlehrer mit Schülerin auf dem Sofa bei Gitarrenunterricht, Foto: beavera / stock.adobe.com
Heimarbeit, die eine Wirkung auf die umliegende Nachbarschaft haben kann, muss mit dem Vermieter abgesprochen sein. Foto: beavera / stock.adobe.com

Dabei kommt es auf die Außenwirkung der Heimarbeit an, also die genaue Auswirkung auf die Nachbarschaft. Laut Bundesgerichtshof muss der Vermieter bei Außenwirkung um Erlaubnis gefragt werden, Zum Beispiel dann, wenn der Mieter zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt oder oft geschäftlichen Besuch bekommt. Problematisch kann hierbei bereits ein Firmenschild an der Tür sein oder eine entsprechende Geräuschkulisse, wie beispielsweise bei Musikunterricht.

Werden die Nachbarn vom Homeoffice nicht beeinträchtigt oder gestört, muss der Vermieter die Erlaubnis für die teilgewerbliche Nutzung erteilen (BGH v. 14.07.2009 – VIII ZR 165/08).

Das Homeoffice zu verschweigen, kann eine fristlose Kündigung zur Folge haben. Mieter sollten eine geplante gewerblich Nutzung daher unbedingt mit dem Vermieter besprechen und die Absprachen vertraglich festhalten.

Außerdem ist es empfehlenswert, die Baunutzungsverordnungen bei der Gemeinde in Erfahrung zu bringen. Auch dort könnte die Nutzung für bestimmte, beispielsweise störende, Arbeiten untersagt sein.

Was gibt es für den Mietvertrag bei Homeoffice zu beachten?

Entscheidend ist, ob eine Wohnung für private Wohnzwecke oder zur gewerblichen Nutzung angemietet wird. Wenn der Mieter bereits in einer Wohnung wohnt, die er dann für das Homeoffice nutzen möchte, so ist dies eine teilgewerbliche Nutzung. Für diese sind manchmal Genehmigungen notwendig. Das liegt unter anderem am Mieterschutz, der nur für privaten Wohnraum gilt, nicht aber für die gewerbliche Nutzung.

FAQ zum Homeoffice

Wer kann sein Arbeitszimmer steuerlich absetzen?

Bei wem der Schreibtisch der Mittelpunkt der Arbeit ist und wer vom Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt bekommt, der kann das Homeoffice von der Steuer absetzen. Voll abzugsfähig ist der heimische Arbeitsplatz, wenn klar zwischen beruflicher Tätigkeit und privatem Wohnraum unterschieden werden kann. Auch Arbeitsmittel sind steuerlich abzugsfähig.

Welche Kostenpunkte kann ich steuerlich absetzen?

Steuerlich abzugsfähig sind alle arbeitsbezogenen Anschaffungen und Kosten. Dazu gehören Arbeitsmittel, wie ein Telefon oder Büromaterial. Anteilig können auch Miete und Nebenkosten abgesetzt werden sowie andere laufende Kosten.

Wie genau wird die Heimarbeit steuerlich abgesetzt?

Angestellte setzen ihre Kosten als Werbungskosten ab oder schreiben sie, bei größeren Anschaffungen, nach Vorlage der AfA-Tabelle über einen bestimmten Zeitraum ab. Maximal können Kosten in Höhe von 1250 Euro abgezogen werden, dies muss der Steuerzahler mit Belegen beim Finanzamt nachweisen.

Brauche ich für mein Homeoffice die Erlaubnis des Vermieters?

Ja, wenn die Tätigkeit eine Außenwirkung hat, so entschied der BGH. Dies trifft zum Beispiel zu, wenn Mitarbeiter beschäftigt werden oder viel Publikumsverkehr herrscht. Bei einer gemischten Nutzung und keiner bis sehr wenig Außenwirkung sollte der Vermieter auch informiert werden, muss das Homeoffice aber erlauben.

09.04.2021


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2 Kommentare

Niels12435 am 26.07.2021 08:15

Eine Milchmädchen-Rechnung wäre hier noch super gewesen. Bsp: 1200€ bruttomiete 120qm2 - HO 12qm2 = 120€ pro monat absetzbar oder wie errechnet sich das bitte?

auf Kommentar antworten

Markus N. am 04.05.2020 20:47

Das Maximum iHv 1.250 EUR p. a. bezieht sich auf die reinen Raumkosten. Anschaffungen können zusätzlich geltend gemacht werden.

auf Kommentar antworten

immowelt Redaktion am 07.05.2021 10:52

Hallo Markus N.,

da haben Sie insofern recht, wenn es sich um einen Selbstständigen handelt und dieser die Anschaffungen als Betriebskosten absetzt. Ansonsten ist der maximale Betrag der grundsätzlich als Werbungskosten abgesetzt werden kann fix.

Bitte haben sie aber Verständnis, dass wir keine Rechtsberatung geben können und dürfen, im Zweifel sollten Sie sich Rat bei einem Steuerberater einholen.

Beste Grüße

die immowelt Redaktion