Restschuldversicherung – Wenn Hauseigentümer den Kredit nicht mehr bezahlen können

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Spezielle Versicherungspolicen sollen private Bauherren und Immobilienkäufer und deren Angehörige vor den finanziellen Folgen von Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit oder Tod schützen. Denn in diesen Fällen kann der Kredit oftmals nicht mehr bedient werden, es droht der Verkauf oder gar die Zwangsversteigerung der Immobilie. Doch einen vollständigen Schutz bieten die Restschuldversicherung und andere Standardprodukte nicht. Besser ist es, Risiken individuell abzusichern.

Lange nachdem der Traum vom Haus Wirklichkeit wurde, kann er immer noch platzen. Denn bis eine Immobilie abbezahlt ist, dauert es oft Jahrzehnte. Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder gar ein Todesfall können dazu führen, dass der laufende Kredit nicht mehr bedient werden kann. Verständlich, dass Bauherren und Immobilienkäufer die oftmals umfangreichste finanzielle Investition  ihres Lebens absichern wollen.

Restschuldversicherung, Einfamilienhaus, Foto: JSB31 / fotolia.com
Das eigene Traumhaus gehört oft jahrelang in Wirklichkeit der Bank. Gut, wenn der Kredit abgesichert ist. Foto: JSB31 / fotolia.com Foto: JSB31 / fotolia.com

Restschuldversicherung: Unvollständiger Schutz vor Immobilienverlust

Versicherungen bieten verschiedene Produkte an, die Immobilienkäufer vor dem Verlust der noch nicht abbezahlten Immobilie schützen sollen. Eines dieser Produkte ist die Restschuldversicherung. Doch welche Leistungen sich dahinter verbergen, ist oft nicht klar. „Der Begriff ist nicht geschützt und keine genaue Beschreibung eines Produkts“, verrät Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden Württemberg, Experte für Versicherungen. Der Gedanke ist grundsätzlich folgender: Der Kreditnehmer zahlt monatlich seine Darlehensrate; sollte er diese eines Tages unverschuldet nicht mehr bezahlen können, erhält er entweder eine Einmalzahlung oder die Versicherung bezahlt die Raten beziehungsweise einen Teil davon.

Das klingt nach einer vernünftigen Idee, hat aber seine Tücken. Damit eine solche Versicherung für den Verbraucher sinnvoll ist, muss sie in möglichst vielen Fällen zahlen und sollte möglichst wenig kosten. Eine Versicherung schützt aber nicht generell vor allen finanziellen Risiken sondern nur vor Fällen, die explizit im Vertrag auch genannt werden. Deswegen gilt es, genau auf die Versicherungsbedingungen zu schauen und zu prüfen …

  • in welchen Fällen die Versicherung greift – und in welchen nicht. Also Beispielsweise im Todesfall, bei Invalidität oder Arbeitslosigkeit. Manche Versicherungen zahlen nur bis zu einem bestimmten Lebensalter oder verweigern die Zahlung, wenn bekannte Vorerkrankungen zum Tod oder der Arbeitsunfähigkeit führten.
  • ob es Warte- oder Karenzzeiten gibt. Manchmal beginnt der Versicherungsschutz erst nach einer bestimmten Wartezeit nach Abschluss des Vertrags. Der Versicherte zahlt also schon Beiträge, aber erst Monate später hat er Anspruch auf Leistungen im Versicherungsfall. In manchen Fällen zahlt die Versicherung selbst bei bestehendem Versicherungsschutz erst nach Ablauf einer Karenzzeit. Kann ein Schuldner aufgrund einer solchen Karenzzeit von beispielsweise einem halben Jahr einen Kredit nicht mehr bedienen, ist dieser Schutz nahezu wertlos für ihn, sofern er über keine Reserven verfügt, um die Zeit zu überbrücken.
  • welche Summe die Versicherung bezahlt und über welchen Zeitraum hinweg. Beispielsweise zahlen manche Versicherungen im Falle einer Arbeitslosigkeit maximal 18 Monate, auch wenn der Versicherungsnehmer weiterhin arbeitslos ist. Einen Kredit zahlt man üblicherweise deutlich länger zurück.
  • wie hoch die Prämie ist. Denn diese Prämie verteuert den Kredit maßgeblich.

Verbraucherschützer Peter Grieble bringt das Problem auf den Punkt:

„Es gibt nicht den einen Schutz, der alle Risiken abdeckt. Das kann keine Versicherung zu guten Konditionen leisten.“

Das heißt, dass Verbraucher das Versicherungsprodukt genau untersuchen sollten, um herauszufinden, ob es wirklich den Schutz bietet, den sie brauchen.

Der schlechte Ruf von Restschuldversicherungen

Restschuldversicherungen stehen in der Kritik, weil sie oftmals als versteckte Optionen vergeben werden – mit für den Versicherten oft eher ungünstigen Bedingungen. Der scheinbar günstige Kredit wird durch eine solche Versicherung sehr teuer, ein Versicherungsschutz besteht oft nur für wenige Fälle, da die Vertragsklauseln oftmals zuungunsten des Versicherten ausgestaltet sind. Solche Versicherungen tragen dabei wohlklingende Namen wie Ratenschutz, Kreditversicherung, Schutzbrief oder dergleichen.

„Diesen Versicherungen stehe ich mit großer Skepsis gegenüber“, warnt Grieble. „Uns erreichen viele Beschwerden. Verbraucher erhalten vom Versicherungsverkäufer zu wenig Informationen, der Versicherungsschutz ist nicht auf den Bedarf abgestimmt und Verbraucher werden zum Teil fast genötigt, eine solche Versicherung abzuschließen.“ Genau das ist zwar fragwürdig, doch werden Verbraucher im Verkaufsgespräch dazu gedrängt, der als optional gekennzeichneten Leistung zuzustimmen – sonst gibt es keinen Kredit.

Achtung

Optionale Versicherungen gibt es insbesondere auch für Kleinkredite. Das Vorgehen der Anbieter ist die gleiche: ein scheinbar günstiger Kredit wird nur in Verbindung mit einer optionalen  Versicherung vergeben. Die tatsächlichen Kreditkosten, die sich in Verbindung mit der Versicherung ergeben, sind für den Kunden nicht immer klar ersichtlich.

Restschuldversicherung kündigen

Insbesondere, wer ohne eigenen Antrieb eine Restschuldversicherung abgeschlossen hat, möchte diese oftmals gerne kündigen. Die Kündigungsbedingungen sind im Vertrag festgeschrieben. Kundenfreundliche Produkte lassen sich monatlich kündigen, ab dem Ende der Beitragszahlung ist der Versicherungsschutz allerdings aufgehoben.

Restschuldversicherung, kündigen, Mann zerreißt Papier, Foto: Bacho Foto / fotolia.com
Eine Restschuldversicherung kann nicht in jedem Fall gekündigt werden – und manchmal nur dann, wenn auch der Kredit sofort abbezahlt wird. Foto: Bacho Foto / fotolia.com

Eine separate Kündigung der Versicherung ist aber nicht immer ohne weiteres möglich. Das Problem: oftmals tritt die Bank, also der Kreditgeber, als Versicherungsnehmer auf. Der Kreditnehmer ist dagegen lediglich die versicherte Person, die Kosten der Versicherung werden gemeinsam mit der monatlichen Rate an die Bank bezahlt. Das heißt, dass die Bank den Schutz vor einem Kreditausfall genießt, der Kunde aber dafür bezahlen muss.

Eine Kündigung ist in diesem Fall nur dann möglich, wenn der Kredit abbezahlt wird. Möglicherweise kann der Kreditnehmer umschulden. Er nimmt also einen neuen Kredit auf, diesmal ohne Restschuldversicherung, zahlt damit den alten Kredit zurück und kann die mit dem alten Kredit verbundene Versicherung kündigen. Beides ist in erster Linie für Kleinkredite eine Option. Bei der Baufinanzierung sieht es anders aus: Wenn ein Kreditnehmer sein Darlehen vorzeitig zurückzahlt, verlangt die Bank oftmals eine Vorfälligkeitsentschädigung, die sich an den entgangenen Gewinnen der Bank orientiert. Ob der Kreditnehmer dadurch finanziell besser wegkommt, ist fraglich.

Versicherungsschutz lieber individuell zusammenstellen

Wer eine eigene Immobilie gekauft hat, möchte sie nicht aufgrund eines Schicksalsschlages wieder verlieren. Doch keine Versicherung bietet einen Schutz gegen jeden erdenklichen Fall. Und nicht bei jedem Bauherren sind die gleichen Risiken vorhanden. Das heißt auch, dass nicht ein und dasselbe Versicherungsprodukt für alle Immobilienbesitzer geeignet sein kann. „Die Frage sollte sein, was der Kunde braucht, welchen Bedarf er hat und welche Risiken für ihn besonders schwer wiegen“, rät Grieble. Gemeinsam mit einem Experten sollte der Kunde überlegen, welche Risiken er tatsächlich absichern will, wie schwer diese wiegen und welche Leistungen einen wirkungsvollen Schutz bieten würden.

Link-Tipp

Alles zum Thema Versicherungsschutz. Diese Versicherungen brauchen Bauherren und Immobilieneigentümer

Am Ende muss dann nicht ein Produkt stehen, sondern möglicherweise auch eine Kombination aus verschiedenen Produkten. Und die können ganz alltägliche Namen haben wie Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Pflegeversicherung. „Schicksalsschläge haben allerdings in den meisten Fällen finanzielle Belastungen zur Folge“, erklärt Peter Grieble. „Ein Schutz vor solchen Risiken ist insofern auch dann sinnvoll, wenn man zur Miete wohnt.“


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1 Kommentar

Roger am 02.08.2017 21:14

Besser als eine Restschuldversicherung ist eine Risiko Lebensversicherung , über die der Baufinanzierungsbetrag abgesichert wird. Daei sollte beachtet werden, daß der Ernährer der Familie in voller Höhe des ursprünglichen... mehr

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