Wohn-Riester: So profitieren Immobilienkäufer von der Förderung

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Die eigenen vier Wände sind ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Wer auf diese Weise vorsorgt, wird vom Staat unterstützt: Was offiziell Eigenheimrente heißt, wird im Volksmund gemeinhin Wohn-Riester genannt. Diese Form der staatlichen Förderung ist jedoch nicht für jedermann geeignet.

Familie, Wohn-Riester, Förderung, Foto: iStock/ PeopleImages
Vor allem für Familien mit Kindern eignet sich eine Förderung durch Wohn-Riester. iStock/ PeopleImages

Wer im Alter unabhängig von Vermietern sein will und in den eigenen vier Wänden leben möchte, kann sich dabei vom Staat unterstützen lassen: mit dem Wohn-Riester. Der Staat fördert durch das Eigenheimrentengesetz Verträge mit staatlichen Zulagen und Steuervergünstigungen. Das Grundprinzip: Wer einen Teil seines Einkommens in einen Wohnriester-Vertrag einzahlt, bekommt Zuschüsse vom Staat und kann Einzahlungen als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Das eingezahlte Geld muss beim Wohn-Riester für eine Immobilie verwendet werden – etwa, indem es direkt in einen Bausparvertrag eingezahlt wird.

Wer bekommt Wohn-Riester?

Grundsätzlich gilt: Wer Wohn-Riester für sich beansprucht, muss auch selbst in der erworbenen Immobilie leben und in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein. Nicht förderungsberechtigt sind Selbständige und alle, die über ihr berufsständisches Versorgungswerk und nicht über die gesetzliche Rentenversicherung fürs Alter vorsorgen – beispielsweise Rechtsanwälte oder Ärzte. Einen Wohnriester-Vertrag kann diese Personengruppen nur dann abschließen, wenn der Ehepartner Beiträge in die Rentenkasse zahlt.

Wofür gibt es bei Wohn-Riester Förderung?

Das Riester-Kapital kann für das eigene Haus, die Eigentumswohnung oder die Genossenschaftswohnung einer eingetragenen Genossenschaft aufgewendet werden. Wird es anderweitig verwendet, muss der Sparer die staatliche Förderung zurückzahlen. Gefördert wird sowohl der Bau eines neuen Hauses als auch der Erwerb einer gebrauchten Immobilie. Auch Wohnungen im EU-Ausland sind förderfähig – von der Förderung durch Wohn-Riester profitieren so auch Arbeitnehmer, die in Deutschland arbeiten, aber im grenznahen EU-Ausland wohnen. Bei Wohn-Riester müssen die Zulagen auch nicht zurückgezahlt werden, wenn der Geförderte nach Renteneintritt seinen Wohnsitz in ein anderes EU-Land verlegt.

Mit Wohn-Riester ins Eigenheim: Diese Optionen gibt es

Wohn-Riester, Förderung, Eigenheim, Foto: Monkey Business/ fotolia.com
Mit Wohn-Riester fördert der Staat den Weg zum Eigenheim mit. Je nachdem, ob die Immobilie gekauft oder gebaut werden soll, gibt es verschiedene Optionen. Foto: Monkey Business/ fotolia.com

Je nachdem, ob man ein Eigenheim bereits besitzt oder erst noch erwerben möchte, gibt es eigene Optionen, die Eigenheimrente zu nutzen:

So besteht die Möglichkeit, sich bereits die angesparte und geförderte Summe eines vorhandenen Riester-Vertrags zur Finanzierung des Eigenheims auszahlen zu lassen. Dies muss nicht unmittelbar nach Erwerb des Eigentums, sondern kann auch noch später erfolgen. Das ausgezahlte Geld muss später nicht wieder in den Vertrag zurückgezahlt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Gelder zu verwenden, um ein konventionelles Hypothekendarlehen zu tilgen. Die Tilgungsleistungen werden dabei genauso wie Einzahlungen in einen Riester-Vertrag behandelt.

Link-Tipp

Bei der Baufinanzierung ermöglicht das Annuitätendarlehen feste Zinsen für einen langen Zeitraum: Erfahren Sie hier mehr über die Vor- und Nachteile.

Auch die Kombination der Riester-Rente mit einem Bausparvertrag ist möglich. Dabei gibt es mehrere Varianten: Wer erst später bauen oder kaufen will, kann einen konventionellen Bausparvertrag abzuschließen und die Riesterförderung fürs Ansparen nutzen. Wer jetzt baut oder kauft, kann ein Kombidarlehen in Betracht ziehen. Bei diesem wird ein tilgungsfreies Annuitätendarlehen und gleichzeitig ein riestergeförderter Bausparvertrag abgeschlossen. Sobald der Bausparvertrag zuteilungsreif ist, wird das Annuitätendarlehen durch die Bausparsumme abgelöst. Vorteil dieser Variante ist, dass bis zu 25 Jahre Zinssicherheit möglich sind.

Link-Tipp

Staatliche Bausparförderung und ansehnliche Guthabenzinsen machen Bausparen interessant. Lesen Sie hier, welcher Vertrag zu Ihnen passt und informieren Sie sich über das Prinzip Bausparen.

Wohn-Riester: Zulagen im Detail – so hoch sind die staatlichen Zuschüsse

Die Summen, mit denen der Staat Sparer unterstützt, sind nicht gerade gering. Alle, die mindestens vier Prozent ihres Jahreseinkommens in einen Wohnriester-Vertrag einzahlen, bekommen 154 Euro Grundzulage. Wer am Jahresanfang des Jahres, in dem er einen Riester-Vertrag abschließt noch nicht 25 ist, erhält einmalig 200 Euro Grundzulage als „Berufseinsteigerbonus“ extra. Diese Bezeichnung ist allerdings etwas verwirrend, denn bei dem Bonus spielt es keine Rolle, ob diese Person bereits einen Beruf erlernt hat oder noch in Ausbildung ist: Ausschließlich das Alter zählt.

Noch spendabler ist der Fiskus bei Familien mit Nachwuchs. Denn für jedes vor dem 1. Januar 2008 geborene Kind gibt es jährlich 185 Euro Zulage. Wurde das Kind später geboren, gibt es sogar 300 Euro. Zudem können die geleisteten Aufwendungen für die Förderung bis zu einer Höhe von 2.100 Euro von der Steuer abgesetzt werden – abzüglich der staatlichen Zulage.

Info

Rechenbeispiel

Eine Familie hat drei Kinder, von denen eines nach 2008 geboren wurde. Die Eheleute zahlen vier Prozent ihres Einkommens in einen Wohnriester-Vertrag ein. So summieren sich bei Wohn-Riester die Zulagen:

Förderung Ehegatte: 154 Euro
Förderung Ehegattin: 154 Euro
Förderung Kind 1: 185 Euro
Förderung Kind 2: 185 Euro
Förderung Kind 3: 300 Euro
________________________________
Förderung insgesamt: 978 Euro

Wohn-Riester, Zuschüsse, Grafik: immowelt.de

Zulagen müssen beantragt werden

Die Zulagen für Wohn-Riester müssen bei der Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragt werden. Hierzu erhält jeder, der einen entsprechenden Vertrag hat, automatisch von seinem Anbieter einen Zulagenantrag, den er ausfüllen und an die Zulagenstelle senden muss. Diesen Antrag müssen Riester-Nutzer jedes Jahr neu einreichen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, ihrem Anbieter eine Vollmacht für einen Dauerzulagenantrag auszustellen – dann fließen die Zulagen automatisch. Aber: Ändert sich die familiäre Situation, müssen Riester-Nutzer dies ihrem Anbieter mitteilen, damit zum Beispiel der neue Nachwuchs bei der Kinderzulage berücksichtigt werden kann.

Wohn-Riester und Steuern: Erst sparen, dann zahlen

Wohn-Riester, Rentenbeginn, Steuern, Förderung, Foto: Sydia Productions/ fotolia.com
Wohn-Riester erleichtert vielen den Weg zum Eigenheim – so kann man im Alter mietfrei wohnen. Doch zum Rentenbeginn werden auch die Steuern für die Förderung fällig. Sydia Productions/ fotolia.com

Zusätzlich zur jährlichen Förderung von 978 Euro spart diese Beispielfamilie Steuern. 1.222 Euro können vom zu versteuernden Gesamteinkommen abgezogen werden (der höchstens förderfähige Betrag von 2.100 Euro minus die jährliche Förderung von 978 Euro).

Zum Rentenbeginn wird der Vertragsinhaber allerdings vom Fiskus zur Kasse gebeten, denn die Vorteile aus dem Modell Wohn-Riester werden nachgelagert besteuert. Um die zu zahlende Steuer zu berechnen, bedient sich der Gesetzgeber einem fiktiven Konstrukt: Auf einem Wohnförderkonto werden alle Beträge, die mit Wohnriester-Zulagen bezahlt werden – zum Beispiel für die Tilgung des Hypothekendarlehens oder Einzahlungen in den Riester-geförderten Bausparvertrag – erfasst und jährlich mit zwei Prozent verzinst. Der individuelle Steuersatz auf den so ermittelten Gesamtbetrag wird mit dem Renteneintritt berechnet. Dabei kann der Steuerpflichtige zwischen zwei Varianten wählen:

  • Einmalbesteuerung: In diesem Fall wird eine einmalige Zahlung fällig, dafür werden g lediglich 70 Prozent des errechneten Betrags besteuert.
  • Kontinuierlichen Besteuerung über bis zu 25 Jahre: Der Steuerpflichtige zahlt seine Steuerschuld in kleinen Raten ab. Spätestens bis zum 85. Lebensjahr muss sie vollständig beglichen worden sein.

Aber: Wenn der Sparer den Betrag „schädlich“ verwendet, also nicht für eine eigene Immobilie, wird sofort der gesamte Betrag fällig.

Achtung: Vermieten oder verkaufen kann bei Wohn-Riester förderschädlich sein

Im Rahmen der Riester-Rente fördert der Staat nur selbst genutztes Wohneigentum. Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft und diese dann verkauft oder vermietet, handelt förderschädlich: Das bedeutet, dass er die Wohnriester-Zulagen und gesparte Steuern zurückzahlen muss.

Hierbei gibt es allerdings einige Ausnahmen:

  • Die Förderung durch Wohn-Riester kann mitgenommen werden, wenn der Riester-Sparer innerhalb von vier Jahren nach Verkauf seiner alten Bleibe eine neue förderfähige Immobilie oder ein Wohnrecht in einem Seniorenwohn- oder Pflegeheim erwirbt.
  • Nach einer Scheidung reicht es, wenn einer der beiden Ex-Partner die Immobilie weiternutzt.
  • Zudem gilt es als nicht förderschädlich, wenn jemand aus beruflichen Gründen gezwungen ist, umzuziehen. Er kann die Immobilie dann vermieten – muss aber spätestens zum 67. Lebensjahr die Wohnung wieder selbst nutzen.
  • Die geförderte Immobilie wird zehn Jahre nach Rentenbeginn veräußert.
  • Die Fördersumme (Eigenbetrag und Zulagen) wird nach einem Verkauf in ein anderes Riester-Produkt, etwa eine Rentenversicherung, eingezahlt.

Für wen lohnt sich Wohn-Riester? Vorteile und Nachteile

Zu den großen Vorteilen der Riester-Rente zählt die staatliche Unterstützung, die es vor allem kinderreichen Familien erleichtert, sich ein eigenes Dach über dem Kopf zu leisten. Sie müssen bedeutend weniger Geld einzahlen als beispielsweise Singles oder kinderlose Paare, um die maximale Förderung zu erhalten. Auch bereits bestehende Riester-Verträge, die ursprünglich eigentlich für eine Zusatzrente im Alter abgeschlossen wurden, können alternativ für den Kauf, Bau oder die Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie verwendet werden.

Allerdings ist bei Wohn-Riester die Höhe der Förderung begrenzt. Nur bis zu 2.100 Euro jährlich können von der Steuer abgesetzt werden. Zudem ist ein Wohnriester-Vertrag recht starr – wer das Geld nicht wie geplant in eine Wohnimmobilie für den eigenen Gebrauch investiert, handelt unter Umständen förderschädlich und muss die stattlichen Förderbeiträge zurückzahlen. So ist es beispielsweise nicht möglich, im hohen Alter zu den Kindern zu ziehen und die eigene Wohnung zur Aufbesserung der Rente zu vermieten. Darüber hinaus kommt auf den Wohnriester-Sparer im Alter eine erhöhte Steuerlast zu.


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1 Kommentar

Kai am 02.09.2017 19:26

Die staatlichen Zulagen werden auf ein Konto jährlich mit 2% verzinst. Zum Renteneintritt werden 70% der Summe besteuert und muss beglichen werden.

Wann hört das verzinsen der Summe mit Zinses Zins auf, beim Renteneintrittsalter?

Zu... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 04.09.2017 09:19

Hallo Kai,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Tatsächlich wird die Summe auf dem Wohnförderkonto bis zum Renteneintritt mit zwei Prozent verzinst.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion