Bonitätsprüfung: Auskunft einholen, Kreditwürdigkeit beweisen

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Wer heute eine Wohnung mieten möchte, braucht teilweise nicht nur viel Zeit, sondern auch eine gute Bonität. Denn Vermieter wollen sichergehen, dass ihr neuer Mieter immer pünktlich die Miete zahlt. Gleichzeitig können Mieter mit einer Selbstauskunft ihre Chance auf den Zuschlag verbessern. Eine Bonitätsprüfung ist eine Möglichkeit, die Solvenz eines Mietinteressenten offenzulegen. Doch muss der Mieter nicht alles preisgeben – ebenso wenig braucht der Vermieter alles zu wissen.

Bonitätsprüfung, Kreditwürdigkeit, Foto: iStock.com/Portra
Eine Bonitätsprüfung gibt Auskunft darüber, ob jemand kreditwürdig ist. Viele Vermieter verlangen deshalb eine Selbstauskunft von Mietinteressenten. Foto: iStock.com/Portra

Der Schritt vom Wohnungssuchenden zum Mieter ist manchmal zäh und mit vielen Fragen verbunden. Während Mieter die meisten Fragen über die Wohnung stellen, wollen Vermieter unter anderem sichergehen, dass sie jemanden finden, der zahlungsfähig ist. Deshalb verlangen sie oft eine Bonitätsprüfung: So können Mietinteressenten etwa bei verschiedenen Wirtschaftsauskunfteien eine Auskunft über die eigene Bonität anfordern und dem Vermieter vorlegen. Die Daten stammen zum Beispiel von Auskunfteien wie der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa), Creditreform, Boniversum, Deltavista, Infoscore Consumer Data oder Bürgel.

Mit diesen Unternehmen arbeiten die Auskunfteien zusammen


Vertragspartner der Auskunfteien sind Unternehmen, die mit ihren Leistungen und Lieferungen gegenüber ihren Kunden in Vorleistung treten und somit ein Kreditrisiko eingehen. Dabei handelt es sich unter anderem um Kreditkarten-, Leasinggesellschaften, Handels- und Telekommunikationsunternehmen, Inkassounternehmen, Energieversorger sowie Autovermieter. Die Auskunfteien erhalten von ihnen unter anderem Angaben zu schlechtem Zahlungsverhalten wie die Nichtzahlung von Forderungen oder fristloser Kündigung eines Vertrags aufgrund eines Zahlungsrückstands. Zudem tragen sie weitere Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen.

Info

Ein Schufa-Eintrag darf nur dann erfolgen, wenn der Betroffene zweimal angemahnt wurde, eine Forderung zu begleichen. Zudem muss der Gläubiger vier Wochen vor dem Eintrag darauf hinweisen, dass es zu einem Schufa-Eintrag kommt, sollte die Zahlung nicht erfolgen.

Diese Daten sammeln Auskunfteien für die Bonitätsprüfung

Bonitätsprüfung, Daten sammeln, Auskunftei, Foto: iStock.com/BDyksen
Ohne Daten keine Bonitätsprüfung: Auskunfteien dürfen hierfür aber nur bestimmte Informationen sammeln. Foto: iStock.com/BDyksen

Auskunfteien beziehen die einzelnen Informationen aus verschiedenen öffentlichen Quellen.  Darunter fallen beispielsweise Telefonverzeichnisse, Handels- und Vereinsregister, Veröffentlichungen im Bundesanzeiger, Publikationen über Insolvenzen, Vergleiche, Betriebsgründungen oder öffentliche Schuldnerverzeichnisse der Amtsgerichte. Auch die Zusammenarbeit mit Inkassobüros spielt hier eine große Rolle. Zudem dürfen die Vertragspartner nicht-vertragsgemäßes Verhalten wie Konten- und Kreditkartenmissbrauch oder Nichtzahlung von Forderungen bei den Auskunfteien melden. Während alle Auskunfteien Negativdaten von Kreditinstituten sammeln – beispielsweise laufende Kredite und beantragte Hypotheken – speichern Boniversum und Schufa auch Positivdaten. Darunter fallen Informationen zu vertragsgemäßen Verhalten wie langfristig bestehende Girokonto-Verbindungen oder eine hohe Kreditwürdigkeit, also die Einschätzung der Bank, einen aufgenommen Kredit zurückzahlen zu können.

Speichern oder nicht speichern: Nicht alle Daten dürfen aufbewahrt werden

Laut Bundesdatenschutzgesetz ist es Unternehmen grundsätzlich erlaubt, Daten zu sammeln und diese an die Auskunfteien zu übermitteln - auch ohne Einwilligung der Betroffenen. (§§ 28 und 29 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)). Allerdings dürfen Auskunfteien nicht jede Information sammeln. Üblicherweise werden folgende Daten gespeichert:

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Anschrift, gegebenenfalls frühere Anschriften
  • Informationen über Bankkonten und Kreditkarten
  • Leasingverträge
  • Mobilfunkkonten
  • Versandhandelskonten
  • Ratenzahlungsgeschäfte
  • Kredite
  • Bürgschaften
  • Etwaige Zahlungsausfälle bei angemahnten Forderungen


Diese Daten dürfen hingegen nicht gespeichert werden:

Informationen zu

  • Vermögen und Einkommen
  • Kaufverhalten
  • Beruf
  • Lebenseinstellung und Mitgliedschaften in Vereinen oder politischen Parteien
  • Familienstand
  • Nationalität
Info

Gemäß § 34 Absatz 1 BDSG hat jeder Bürger einmal im Kalenderjahr das Recht dazu, eine kostenlose Selbstauskunft von jeder Auskunftei zu erhalten. In dieser werden die gespeicherten Daten in Textform, der Zweck der Speicherung, die Daten-Grundlage des Scorings, sowie die Angaben, an wen bereits Auskünfte erteilt wurden, dargelegt. Da jede Auskunftei womöglich andere Daten gespeichert hat, sollte nicht nur bei der Schufa nachgefragt werden, sondern auch bei Infoscore, Deltavista, Bürgel und Boniversum.

Auf Basis der gesammelten Daten berechnen die Auskunfteien den Scorewert, der aufzeigt, ob der Verbraucher zukünftigen Zahlungsverpflichtungen voraussichtlich zuverlässig nachkommen kann. Bei diesem statistischen Verfahren ordnen die Auskunfteien die betreffende Person einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Merkmalen zu. Dies bedeutet, dass sie entsprechend der Zahlungsmoral der Gruppe eingeschätzt wird. Hier wird vor allem beim Stichwort Geo-Scoring  - der Ermittlung der Kreditwürdigkeit anhand des Wohnortes - Kritik laut, denn teilweise bekommen solvente Personen schlechte Scorewerte, weil beispielsweise die Nachbarn verschuldet sind oder sie in einem sozialen Brennpunkt wohnen.

Generell müssen die Auskunfteien zwar gemäß §28b BDSG zur Berechnung des Werts ein wissenschaftlich anerkanntes mathematisch-statistisches Verfahren anwenden, allerdings müssen sie die konkrete Scoreformel nicht offenlegen. Denn dies fällt laut BGH unter das Geschäftsgeheimnis (Az.: VI ZR 156/13).

Info

Räumt die Bank einem Kunden einen hohen Dispo-Rahmen ein, ist dies ein Zeichen von Vertrauenswürdigkeit seitens der Bank. Allerdings sollte der hohe Dispo nur selten in Anspruch genommen beziehungsweise nicht ausgereizt werden. Eine Meldung an die Schufa erfolgt erst, wenn der Dispo überzogen ist und der Kunde der Zahlungsaufforderung der Bank nicht nachkommt.

Bonitätsprüfung: Was der Scorewert aussagt

Je nach Auskunftei bewegt sich der Scorewert innerhalb einer bestimmten Skala. Während der Bürgel- Bonitätsindex von 1 bis 6 reicht, wobei 1,0 für ein geringes Ausfallrisiko und 6,0 für Ausfall steht, bewertet Creditreform auf einer Skala von 100 (sehr gute Bonität) bis 600 (sehr hohes Risiko).

Bonitätsprüfung, Schufa-Score, Graphik: Immowelt
Der Schufa-Scorewert ist umso besser, je mehr er sich dem Wert 100 nähert. Allerdings ist ein Wert von 100 nicht möglich, da durch den Tod ein Ausfallrisiko gegeben ist. Graphik: Immowelt

Der Scorewert, wodurch er beeinflusst wird und wie er sich steigern lässt

Wer wissen möchte, welchen Scorewert er hat und ob die gespeicherten Informationen auch richtig sind, sollte eine Selbstauskunft anfordern, in der vermerkt ist, ob er sich als Kunde bislang vertragstreu verhalten und beispielsweise seine Ratenzahlungen pünktlich getätigt hat. Ebenso wird darin die Höhe des gewährten Kreditrahmens dargelegt. Möchte der Verbraucher seinen Scorewert wissen, sollte er zudem angeben, dass dieser errechnet werden soll. Dies ist möglicherweise mit geringen Kosten verbunden. Ist der Scorewert nicht zufriedenstellend, kann der Verbraucher diesen verbessern. Nach Möglichkeit sollte er alle Rechnungen sowie Ratenzahlungen pünktlich bezahlen, überzogene Girokonten ausgleichen und auf Kleinkredite verzichten. Außerdem sollte er häufige Wohnort- und Girokontowechsel sowie auch das Eröffnen von mehreren Girokonten vermeiden, da sich auch dies negativ auf den Score-Wert auswirken kann.

Link-Tipp

Wie hoch ist Ihr Scorewert? Beantragen Sie hier Ihre Schufa-Bonitätsauskunft.

Da stimmt was nicht: Wenn die Auskunfteien falsche oder veraltete Daten gespeichert haben

Bonitätsauskunft, falsche Daten, Foto: iStock.com/sturti
Hat ein Verbraucher eine Bonitätsprüfung angefordert und merkt, dass falsche Informationen gespeichert wurden, sollte er eine Berichtung der Daten verlangen. Foto: iStock.com/sturti

Wenn Daten nicht stimmen oder die Bonitätsauskunft Fehler enthält, beispielsweise bereits getilgte Kreditraten, die nicht als solche gekennzeichnet sind oder falsche Eintragungen wegen Namensgleichheit mit einem anderen Schuldner, sollten Verbraucher unbedingt die Sperrung und Berichtigung der Daten zu verlangen. Allgemein sind die Auskunfteien nach § 35 Abs. 1 BDSG dazu verpflichtet, falsche Daten von sich aus zu korrigieren. Verbraucher, die sich nicht gegen falsche Daten wehren, werden schnell zu Unrecht als Risikokunde eingestuft. Gleichzeitig können Verbraucher auch die Vertragspartner ansprechen, da diese oftmals für die falschen Informationen verantwortlich sind. In der Selbstauskunft erfahren Verbraucher nicht nur, welche Daten gespeichert sind, sondern auch, woher diese stammen und an wen diese weitergeleitet werden.

Generell sind alle Unternehmen verpflichtet, sämtliche Änderungen der Auskunftei innerhalb eines Monats mitzuteilen (§ 28a Abs. 3 BDSG) – beispielsweise, wenn ein Kunde bei der Bank seinen Kredit komplett beglichen hat. Informiert die Bank die Auskunftei nicht über die Tilgung, sollten Verbraucher sie um einen Erledigungsvermerk und die Weiterleitung an die Auskunftei bitten, damit diese die Daten aktualisiert.

Doppelt hält besser: Zusätzlich sollte auch der Verbraucher die Auskunftei nochmals informieren, sobald die Bank ihm die Tilgung bestätigt hat. Bis der Sachverhalt geklärt ist, bleiben die Daten in den meisten Fällen für andere gesperrt.

Bonitätsprüfung: Speicherung und Löschung von Daten

Da die Speicherung der Daten gesetzlich geregelt ist, kann ein Verbraucher keine vorzeitige Löschung von negativen Informationen verlangen. Gemäß § 35 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 BDSG beträgt die gesetzliche Speicherfrist drei Jahre. Daher bleiben auch bereits erledigte Forderungen zumeist gespeichert, bis die jeweilige Frist abgelaufen ist. Allerdings gibt es Ausnahmen: Beläuft sich die Forderung auf höchstens 2.000 Euro und wurde diese innerhalb von sechs Monaten bezahlt, können Verbraucher vor Ablauf der gesetzlichen Fristen eine Löschung beantragen.

Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, müssen sich Verbraucher manchmal etwas gedulden. Die Schufa hat dabei folgende Speicherungsfristen:

 

InformationenLöschung nach
Anfragen zu Kreditkonditionen12 Monate nach Anfrage
Anfragen zu Krediten12 Monate nach Anfrage
Informationen über Kredite3 Jahre nach Rückzahlung (Ausnahme: bei nicht-vertragsgemäßem Verhalten beginnt Frist erst bei vollständigem Ausgleich)
Restschuldbefreiung    3 Jahre zum Jahresende
Unstrittig falsche Angaben    jederzeit
Girokonten, Kundenkonten bei Telekommunikationsunternehmen    unmittelbar nach Auflösung

Die Möglichkeiten der Selbstauskunft und was Vermieter wissen dürfen

Bonitätsprüfung, Selbstauskunft, Foto: iStock.com/standard license
Mit dem Einverständnis des Mieters darf der Vermieter eine Bonitätsprüfung einholen. Foto: iStock.com/standard license

Vermieter verlangen oftmals Nachweise, um herauszufinden, ob der Mieter in spe auch solvent ist. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:

  •  Der Vermieter kann vom Mieter eine Selbstauskunft verlangen, in der dieser Auskunft über seinen Arbeitgeber, Beschäftigungsdauer sowie das durchschnittliche Nettoeinkommen gibt. Der Vermieter darf in diesem Zusammenhang auch nachfragen, ob sich der Mieter in spe in einer schwierigen Finanzlage befindet – beispielsweise ob ein Insolvenzverfahren läuft.
  •  Der Mieter beantragt eine Bonitätsauskunft von einer der Auskunfteien – zumeist wird hierfür die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) angefragt. Diese enthält nur die Informationen, die für die Einschätzung der Bonität von Bedeutung sind. Es erfolgt keine Auskunft über Kreditkarten-, Bank- oder Kundenkonten.
  •  Weiter kann der Vermieter mit dem Einverständnis des Mieters ebenfalls eine Auskunft bei der Schufa einholen.
  •  Größere Wohnungsgesellschaften erhalten auch, sofern sie Vertragspartner der Schufa sind, Auskunft über einen potenziellen Mieter - hierfür benötigen sie kein Einverständnis des Mieters.

Generell muss der Mieter seine komplette finanzielle Situation nicht offenlegen. Der Vermieter darf auch nur solche Daten verlangen, die Rückschlüsse auf die Zahlungsfähigkeit und damit auf das Mietausfallrisiko zulassen. Darunter fallen unter anderem Daten aus öffentlichen Schuldner- und Insolvenzverzeichnissen oder Angaben über negatives Zahlungsverhalten bei einem Betrag über 1.500 Euro. Beispielsweise bietet die Schufa eine Bonitätsauskunft speziell für Dritte an. Diese enthält nicht alle zur Person gespeicherten Daten, sondern nur jene über die Zahlungsfähigkeit.

Info

Vermieter dürfen zwar einiges fragen, aber trotzdem müssen sie nicht alles wissen. Deshalb ist es Mietern manchmal auch erlaubt, zu lügen – allerdings nur, wenn es um private Angelegenheiten geht. Informationen bezüglich seiner Zahlungsfähigkeit muss der Mieter in spe  wahrheitsgemäß beantworten. Mehr dazu hier.

Auch wenn Mieter nicht dazu verpflichtet sind, solche Auskünfte zu erteilen, schmälern sie ihre Chancen auf eine neue Wohnung, wenn sie keine Auskunft geben.

Allgemein gilt: Was der Vermieter wissen darf, sollten auf jeden Fall auch Mieter kennen: ihre Kreditwürdigkeit. Ist alles im grünen Bereich, lebt es sich entspannter – sind die Werte kritisch, lässt sich dagegen etwas tun. Denn mag die Selbstauskunft auch kostenlos sein, umsonst ist sie nicht.


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