Grillen auf dem Balkon: Ärger vermeiden, Würstchen genießen

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Im Sommer wollen viele Mieter ihren Balkon ausgiebig nutzen – auch zum Grillen. Doch nicht immer sind Vermieter und die Nachbarn mit der Grillparty einverstanden. Was in der Mietwohnung erlaubt ist und worauf Mieter beim Grillen auf Balkon und Terrasse achten sollten.

grillen auf dem Balkon, Mann grillt auf Balkon, Foto: Anselm / stock.adobe.com
Grillen auf dem Balkon ist ein beliebter Start in die Grillsaison – zumindest wenn der Vermieter und die Nachbarn mitspielen. Foto: Anselm / stock.adobe.com

Wenn es draußen wieder warm wird, eröffnen viele die Grillsaison mit einem gemütlichen Grillabend. Viele Mieter nutzen dafür ihren Balkon. Geräusche und Qualm stören dabei oft die Nachbarn und können zu Streit mit ihnen oder dem Vermieter führen.

Grillen auf dem Balkon ist nicht immer erlaubt

Es gibt zwar kein Grillgesetz, dass Mietern das Grillen auf dem Balkon grundsätzlich verbietet – aber auch kein festgeschriebenes Recht darauf. Das führt dazu, dass Vermieter das Grillen auf dem Balkon im Mietvertrag oder der Hausordnung verbieten oder einschränken können – beispielsweise indem sie festlegen, dass kein Holzkohlegrill verwendet werden darf. Wer sich daran als Mieter nicht hält, riskiert eine Abmahnung und, wenn er sich über das Grillverbot weiterhin hinwegsetzt, sogar die Kündigung. Das Landgericht Essen entschied bereits im Jahr 2002, dass in einem solchen Fall sogar eine fristlose Kündigung gestattet ist, weil der Mieter sich vertragswidrig verhält (Az.: 10 S 438/01). Wer ein solches Grillverbot im Mietvertrag stehen hat, sollte sich daran halten – das Gleiche gilt im Übrigen für das Grillen auf einer angemieteten Terrasse oder einem mitgemieteten Garten.

Wann und wie oft auf dem Balkon gegrillt werden darf

Durch das Internet geistern immer wieder auch vermeintliche Regeln, die besagen, wie oft ein Mieter im Jahr grillen darf. Handelt es sich dabei um Gerichtsurteile, sind dies immer Einzelfallentscheidungen – entsprechende allgemeingültige Gesetze gibt es nicht. Ob und wie oft ein Mieter auf dem Balkon seiner Mietwohnung grillen darf, lässt sich daher nicht pauschal sagen. 

Übersicht über einige Urteile zum Thema:

  • Vermieter klagte, weil Nachbarn sich vom Grillen beeinträchtigt sahen und ihre Miete kürzten. Konsequenz: Gericht entscheidet, dass einmal im Monat gegrillt werden darf. Allerdings sind die Nachbarn davon 48 Stunden vorher in Kenntnis zu setzen. AG Bonn/1997 (Az. 6 C 545/96)
  •  Wiederholt grillte ein Mieter entgegen der Hausordnung auf seinem Balkon. Konsequenz: Kündigung Mietvertrag und Übernahme der Kosten für den Rechtsstreit. LG Essen/2001 (Az. 10 S 438/01)
  •  Eine Klägerin beschwerte sich über Grillpartys eines benachbarten Vereins. Konsequenz: Sie muss das Grillen für ca. 2 Stunden und bis zu 25 mal im Jahr hinnehmen. AG  Schöneberg/2007 (Az. 3 C 14/07)
  •  Nachbar beschwert sich über starke Rauchentwicklung beim Grillen, da der Qualm in sein Schlafzimmer zieht.Konsequenz: Das Gericht schränkt das Grillen auf maximal einmal im Monat oder fünfmal im Jahr ein. AG Westerstede/2009 (Az. 22 C 614/09 (II))
  •  Durch das Grillen auf dem Balkon geriet ein Kohlesack in Brand und verursachte einen Feuerwehreinsatz. Konsequenz: Übernahme der Einsatzkosten von 1.122 Euro. VG Gießen/2012 (Az. 8 K 1163/12.GI)

Trotz Erlaubnis: Gebot der Rücksichtnahme

Grillen auf dem Balkon, Elektrogrill auf dem Balkon, Foto: istock.com / criene
Die Ursache für störende Rauchentwicklung ist oft ein Holzkohlegrill. Alternativ können Griller einen Elektrogrill nutzen. Foto: istock.com / criene

Neben etwaigen Regelungen im Mietvertrag gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Selbst, wenn das Grillen auf dem Balkon nicht im Mietvertrag verboten ist, sollen Mieter ihre Nachbarn so wenig wie möglich stören. Dringt etwa über ein offenes Fenster starker, dichter Qualm in die Wohnung des Nachbarn, fühlen sich diese zu Recht gestört. Wer seine Nachbarn einräuchert, verstößt unter Umständen sogar gegen das Immissionsschutzgesetz und muss eventuell mit einer Geldbuße rechnen – die Belästigung durch den Qualm müsste in diesem Fall aber schon extrem sein.

Gleichzeitig sind im Übrigen auch die Nachbarn in der Pflicht. Ist das Grillen auf dem Balkon grundsätzlich erlaubt, müssen sie auch gelegentlichen Grillgeruch hinnehmen. Im Endeffekt gilt: Ob es erlaubt ist auf dem Balkon zu grillen oder nicht, kommt auf den Einzelfall an. Wenn sich der Nachbar nicht an Grillgeruch und gelegentlichem Rauch stört, darf auch weiterhin auf dem Balkon gegrillt werden.

Unabhängig davon, ob der Grill nun stark qualmt oder nicht, müssen Mieter die gesetzliche Nachtruhe einhalten. Diese kann im Prinzip von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt sein, dauert aber im Allgemeinen von 22 bis 6 Uhr morgens. In dieser Zeit sollten sich Partygesellschaften auf dem Balkon nur noch im gedämpften Flüsterton unterhalten.

Tipps für stressfreies Grillen auf dem Balkon

Der größte Störfaktor beim Grillen auf dem Balkon ist der Qualm. Einige Tipps helfen dabei, den lästigen Rauch erst gar nicht entstehen zu lassen und trotzdem Fleisch und Gemüse frisch vom Rost genießen zu können.

  • Elektrogrill verwenden: Ursache für starke Rauchentwicklung ist oft ein Holzkohlegrill. Alternativen sind der Gas- oder noch besser, der Elektrogrill.
  • Grillzange verwenden:  Wenn Fett oder Fleischsaft auf die Glut tropft, bedeutet das mehr Qualm, und der ist gesundheitsschädlich.
  • Mariniertes Fleisch vor dem Grillen abtupfen: Auch viele Marinaden basieren auf Öl, das in die Glut tropfen kann. Wer das Fleisch abtupft, minimiert das Risiko für Rauchentwicklung.
  • Aluschalen verwenden: Bei der Verwendung von Aluschalen sammeln sich Fett und Marinade in der Schale und tropfen nicht in die Glut. Die Flüssigkeiten können dann problemlos abgegossen werden.
  • Grill nach der Benutzung ordentlich reinigen: Ein gereinigter Grill sorgt ebenfalls für weniger Qualm. Alte Essensreste auf dem Rost verbrennen sonst und führen zu Rauchentwicklung.
  • Auf gute Luftzufuhr achten: Bekommt der Grill genug Luft und kann der vorhandene Rauch gleichmäßig nach oben abziehen, qualmt es auch weniger.
Info

Wenn es doch unbedingt ein Holzkohlegrill sein muss

Wer auf den Holzkohlegrill auch auf dem Balkon nicht verzichten will, sollte auf Brandbeschleuniger oder chemische Grillanzünder verzichten und darauf achten, dass Kohle und Grillanzünder immer trocken sind. Ebenfalls empfehlenswert: langsames Grillen bei niedriger Temperatur und indirekter Hitze – Kohle auf die eine Seite des Grills, Fleisch auf die andere.

Sicherheit geht vor: Tipps für das gefahrlose Grillen auf dem Balkon

Grillen auf dem Balkon ist gefährlicher als das Grillen im Freien. Wer nicht aufpasst, kann durch herumfliegende Funken schnell seine Balkon-Dekoration in Brand setzen. Diese Sicherheitstipps helfen dabei, das Grillen auf dem Balkon möglichst ungefährlich zu gestalten:

  • Am sichersten ist ein Elektrogrill, mit dem die Hitze reguliert werden kann und der Funkenflug minimal ist - eine Gasflasche braucht es auch nicht.
  • Damit der Grill nicht umfällt, sollte der Grillmeister auf sicheren Stand achten. Wacklige Konstruktionen und kleine Holzkohlegrills auf leeren Bierkästen sind tabu.
  • Keine Einweggrills verwenden, denn bei ihnen entsteht besonders viel Funkenflug. Grund ist ein chemisch behandeltes Stück Papier, das über den Kohlen liegt. Verbrennt dieses, können einzelne Fetzen vom Wind leicht davongetragen werden.
  • Für Notfälle vorsorgen: Idealerweise steht neben dem Grill auf dem Balkon ein Feuerlöscher. Ist keiner vorhanden, kann im Notfall auch Blumenerde oder eine Gießkanne helfen. Aber Vorsicht: Diese hilft nicht, falls Fett brennt. Das Feuer muss erstickt werden.
  • Typische Balkon-Deko entfernen: Girlanden, Windräder, Wimpel und Strohblumen wirken brandbeschleunigend und sollten vor dem Grillen entfernt werden.
  • Kinder sind in der Nähe des Grills tabu: Zu leicht könnten sie den Grill umstoßen und sich dabei verletzen. Von der darüberhinausgehenden Brandgefahr ganz zu schweigen.

Vor dem Grillen mit den Nachbarn sprechen

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen, die Grill-Fans treffen können, lässt sich viel Streit mit den Nachbarn und mit dem Vermieter schon vorab durch ein Gespräch und eventuell eine Einladung zur Grillparty vermeiden.

Darüber hinaus gelten die üblichen Gebote der Rücksichtnahme: Nach 22 Uhr sollte der Rauch verflogen und die Lautstärke heruntergefahren werden – insbesondere, weil viele Menschen gerade im Sommer gern bei offenem Fenster schlafen. Vorsorglich empfiehlt es sich natürlich, eine Grillfeier möglichst am Wochenende und nicht unter der Woche abzuhalten.

Wer gar keine Möglichkeit hat bei sich zuhause zu grillen, kann sich informieren, ob es bei ihm in der Nähe eine Grillwiese oder Parkanlagen mit Grillzonen gibt. Informationen dazu finden sich meist auf den Internetseiten der Kommunen.

Das ist erlaubt beim Grillen auf dem Balkon

Wie oft darf man Grillen auf dem Balkon?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Auch Gerichte urteilten unterschiedlich. Das Amtsgericht Bonn beispielweise entschied, dass Mieter einmal im Monat grillen dürfen, wenn sie ihre Nachbarn mindestens 48 Stunden vorher darüber informieren. Allerdings sind rechtliche Fragen rund um das Thema Grillen auf dem Balkon immer Einzelfallentscheidungen. 

Welchen Grill darf ich auf dem Balkon benutzen?

Sofern im Mietvertrag zum Beispiel ein Holzkohlegrill nicht untersagt wird, ist grundsätzlich jeder Grill erlaubt. Allerdings ist ein Elektrogrill für den Gebrauch auf dem Balkon meist sicherer und die Rauchentwicklung geringer.

Ist Grillen auf dem Balkon im Mehrfamilienhaus erlaubt?

Ist das Grillen auf dem Balkon nicht ausdrücklich untersagt, kann der Mieter seine Würstchen wohl auch auf dem Balkon grillen. Allerdings gilt, wie immer in Mehrfamilienhäusern, das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das Grillen sollte also sporadisch stattfinden und die Nachbarn so wenig wie möglich beeinträchtigen.


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3 Kommentare

monomenzel am 20.10.2020 16:22

Alles altbekannte Regeln wie man sich im Alltag vernünftig gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten hat. Aber es gibt immerwieder Leute,die denken das sie allein auf dieser Welt sind und ihre eigenen Gesetze sich zurechtbasteln. Grillen an der Hauswand eines Mehrfamilienhauses ist nun wirklich unangebracht mit der enormen Geruchsbelästigung! Nach höfflicher Ansage, es zu unterlassen, da der Geruch bis in unsere Wohnung zog,verfinsterten sich die Gemüter. Später wurde uns von den Nachbarn empfohlen uns eine andere Wohnung zu suchen. Was soll man dazu noch sagen ????

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Mandy lustig am 11.12.2019 14:40

Muss ich meine Blumenkästen entfernen wegen verwitterten Pflanzen

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Immowelt-Redaktion am 12.12.2019 08:16

Hallo Mandy lustig,

aus der Ferne lässt sich das schwer beurteilen. Ein beseitigungsanspruch könnte dann bestehen, wenn die verwitterten Bepflanzungen den optischen Gesamteindruck des Ensembles deutlich beeinträchtigen.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

Wehner am 27.06.2017 21:29

Seid kurzen wohne ich in einer schönen Eigentumswohnung, leider ist der Balkon nach Westen ausgerichtet, so daß die Sonne erst nachmittags bis abends auf den Balkon scheint. Nun habe ich aber Nachbarn, die in regelmäßigen Abständen gegen 18 Uhr auf ihren Balkon grillen. Der starke Qualm zieht dann zu mir herüber. Obwohl ich meine Nachbarn und deren Vermieter angesprochen habe, wird ohne Rücksicht weiter gegrillt.

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