Sonderurlaub für den Umzug: In diesen Fällen klappt‘s

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Regale schleppen, Kisten auspacken und Wände streichen. Dazu noch der Gang auf die Ämter. Ein Wochenende reicht üblicherweise nicht aus, um einen Umzug unter Dach und Fach zu bringen. Bezahlter Sonderurlaub wäre genau das richtige. Allerdings haben Arbeitnehmer nur in bestimmten Fällen einen Anspruch darauf.

Sonderurlaub, Umzug, Pärchen zwischen Kartons, Foto: XavierArneu / iStock
Ein Tag Sonderurlaub? Da wird der Umzug zur reinsten Entspannungsübung. Foto: XavierArneu / iStock

Ein Umzug ist doch kein Problem. Einfach einen oder zwei Tage Sonderurlaub anmelden und die Sache über die Bühne bringen. Leider ist das in der Realität nicht ganz so einfach. Denn einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub für einen Umzug gibt es nicht.

Der wichtigste Grund: Das Wort „Sonderurlaub“ kommt im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gar nicht vor. Die meisten Ansprüche auf Sonderurlaub beziehen sich auf den Paragraphen 616, der lediglich aussagt, in welchen Fällen Arbeitgeber ihre Angestellten bezahlen müssen, obwohl sie nicht zur Arbeit kommen. Die Voraussetzungen dafür sind unter anderem: das Fernbleiben muss unmittelbar mit dem Angestellten selbst zu tun haben aber unverschuldet sein. Der Paragraph 616 sichert Arbeitnehmern also eine Bezahlung zu, wenn sie beispielsweise krank oder aufgrund einer Verletzung vorübergehend arbeitsunfähig sind. Ein Umzug ist dagegen kein Grund.

Info

In der Vergangenheit mussten Gerichte immer wieder darüber entscheiden, in welchen Fällen der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet ist. In einem Fall (Az.: 5 AZR 156/73) besuchte der Arbeitnehmer die Goldene Hochzeit seiner Eltern und konnte in dieser Zeit nicht seiner Arbeitspflicht nachkommen. Das Bundesarbeitsgericht ging von einer besonders stark ausgeprägten sittlichen Verpflichtung aus, der Arbeitgeber musste deswegen das Gehalt für diesen Tag bezahlen.

Sonderurlaub, Umzug, Grafik: immowelt.de

Sonderurlaub beim Umzug: diese Ausnahmen gibt es

Auf Basis des Gesetzes besteht also kein Anspruch auf Sonderurlaub wegen Umzug. Es gibt aber einige Ausnahmen, in denen sich Arbeitnehmer dennoch während ihrer Arbeitszeit um ihren Umzug konzentrieren können und von ihrem Arbeitgeber bezahlt werden.

  • Viele Arbeitsverträge regeln, wann es Sonderurlaub gibt. Üblicherweise bei der eigenen Hochzeit, obwohl das in den meisten Fällen durchaus selbstverschuldet sein dürfte und oftmals auch problemlos außerhalb der Arbeitszeiten zu erledigen wäre. Auch der Tod eines nahen Familienangehörigen gehört dazu. Und in einigen Fällen tatsächlich auch der Umzug.
  • Auch in manchen Tarifverträgen haben Gewerkschaft und Arbeitgeber entsprechende Regelungen vereinbart. Der Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TvöD) sieht beispielsweise Sonderurlaub für den Umzug vor – sofern er dienstlich begründet ist. Der TvöD dient vielen Arbeitsverträgen in dieser Hinsicht als Vorbild. Ähnliche Regelungen gibt es für Beamte.
  • Ein Anspruch auf Sonderurlaub bei Umzug kann auch in den Betriebsvereinbarungen, die zwischen dem Arbeitgeber und einem Betriebsrat geschlossen werden, verankert sein.
  • Selbst, wenn weder der Arbeitsvertrag noch der Tarifvertrag Sonderurlaub vorsehen und es auch keine entsprechende Betriebsvereinbarung gibt, hat ein Arbeitnehmer unter Umständen Anspruch auf Sonderurlaub. Wenn es im Betrieb üblich ist, Arbeitnehmern einen Tag Sonderurlaub zum Umzug zu gewähren, kann dies in Einzelfällen nicht ohne weiteres anders gehandhabt werden. Man spricht dann von einer sogenannten betrieblichen Übung.
  • Auch bei betrieblichen Umzügen oder einem neuen Job in einer neuen Stadt besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Sonderurlaub – aber unter Umständen ein vertraglicher, tariflicher oder betrieblicher. Manche Juristen sind der Meinung, dass durch Rechtsprechung und flächendeckende Verbreitung entsprechender Abmachungen in einigen Fällen Sonderurlaub durchgesetzt werden kann. Das betrifft beispielsweise auch den betrieblich bedingten Umzug.

Sonderurlaub aus Kulanz

Im Endeffekt darf der Arbeitgeber so viel Sonderurlaub geben, wie er möchte. Und deswegen schadet es nichts, mit dem Chef darüber zu reden und auf dessen Kulanz zu hoffen. Ein zugkräftiges Argument: Wenn nach einem freien Tag alle Formalitäten rund um den Umzug erledigt sind, fließt die gesamte Energie wieder in die Arbeit. Und das ist für das Unternehmen gewiss effizienter, als ein Mitarbeiter, der tagelang abgehetzt ins Büro kommt. Der Chef kennt das bestimmt aus eigener Erfahrung, denn sicher ist er auch schon einmal umgezogen.

Umzug gut organisieren und schnell über die Bühne bringen

Umzug, Sonderurlaub, Lastwagen, Sonnenuntergang, Foto: big_tau / fotolia.com
Neuanfang Umzug: Mit einem professionellen Umzugsunternehmen gelingt der Start in ein neues Leben einfach und hoffentlich ohne Stress. Foto: big_tau / fotolia.com

Ob ein Umzug gut über die Bühne geht, ist eine Frage der Organisation. Wer auf viel Stress und Ärger verzichten will, kann ein professionelles Umzugsunternehmen engagieren . Dann reicht vielleicht ein weiterer Tag Urlaub, um auf die Ämter zu gehen und etwas zu entspannen. Im Zweifelsfall ist das dann eben kein Sonderurlaubstag sondern ein ganz regulärer. Übrigens: auch hier können Arbeitnehmer beim Chef anklopfen, ob er die Kosten nicht übernehmen würde.


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