Coronakrise: Wenn Besichtigungen unumgänglich sind

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Eine leerstehende Immobilie bringt nicht nur kein Geld ein, sondern verursacht Kosten und muss daher trotz des grassierenden Coronavirus schnellstmöglich vermietet werden. Was ist jetzt bei Besichtigungen, zum Schutz aller Beteiligten, zu beachten?

Corona Besichtigung Eigentümer, virtuelle Besichtigung, Laptop, Foto: fizkes/adobe.stock.com
Um die Verbreitung des Covid-19-Virus zu verlangsamen, müssen soziale Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden. Eine Möglichkeit ist die virtuelle Wohnungsbesichtigung. Foto: fizkes/adobe.stock.com

Das Coronavirus schlägt große Wellen und beeinträchtig das tägliche Leben jeden Tag mehr. Für alle, die jetzt mieten oder vermieten wollen, bedeutet das, dass Besichtigungen am besten gar nicht und wenn, nur noch unter strenger Einhaltung der vorgegebenen Maßnahmen durchgeführt werden dürfen.

Besichtigung trotz Kontaktverbot?

Wer Besichtigungen trotzdem durchführen muss, sollte sich streng an die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und die Einhaltung aktuell geltender Hygienemaßnahmen halten. „Besichtigungen sind nur dann möglich, soweit seitens des Interessenten eine Notwendigkeit dargelegt werden kann. Der Termin darf also nicht aufschiebbar sein. Dies kann dann der Fall sein, wenn die alte Wohnung gekündigt oder verkauft ist und Ersatz beschafft werden muss," erklärt Dr. Christian Osthus, Justiziar des Immobilienverband Deutschland.

Nach Einschätzung von Julia Wagner darf das Suchen von Mietern nicht zum Erliegen kommen. „Es ist sogar wichtig, dass der Wohnraum weiterhin bereitgestellt wird,“ sagt die Expertin. „Besichtigungen sind anderweitig – z.B. elektronisch – durchführbar, so dass sie nicht dringend persönlich durchgeführt werden müssen,“ ergänzt sie.

Was sollte während der Coronakrise bei Besichtigungen beachtet werden?

Julia Wagner vom Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer e.V. Haus & Grund, Foto: Hoffotografen
Julia Wagner vom Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer e.V. Haus & Grund Foto: Hoffotografen

Eine Wohnungsbesichtigung sollte „nur stattfinden, wenn es unbedingt notwendig ist und wenn auch nur im Rahmen von Einzelbesichtigungen,“ mahnt Wagner. Massenbesichtigungen, wie man sie aus Ballungszentren kennt, sind nicht nur dringend zu vermeiden, seit Montag, dem 23. März 2020, sind sie, bei mehr als zwei Teilnehmern, sogar untersagt. Grund ist die schärfere Beschränkung von Sozialkontakten, nach der in allen Bundesländern nicht mehr als zwei Personen Kontakt miteinander haben dürfen. Dies gilt für Personen, die nicht zum selben Haushalt gehören. Selbstverständlich sollten auch hierbei die Abstandsgebote von mindestens 1,5 Meter eingehalten werden.

Für Interessenten, die möglicherweise aus Angst nicht persönlich zur Besichtigung kommen wollen, kann der Anbieter eine virtuelle Besichtigung durchführen und damit auch sein persönliches Risiko minimieren. „Viele Fragen können auch per Telefon oder im Rahmen einer Videokonferenz geklärt werden,“ schlägt die Expertin vor.

Tipps für die Besichtigung während der Corona-Krise

  • Bereits im Exposé auf Einzelbesichtigungen hinweisen.
  • Kein Körperkontakt – aufs Händeschütteln verzichten und auch auf die Nies- und Hustenetikette achten, zudem einen Abstand von ein bis zwei Metern zueinander halten.
  • Kein Austausch von Dokumenten – diese besser vorab oder direkt nach dem Termin dem Interessenten digital zukommen lassen.
  • Kontakt zu Gegenständen meiden – offene Innentüren ermöglichen eine Besichtigung, ohne ständig Klinken anfassen zu müssen. Sollte dies nicht immer möglich sein, dann sollten alle Kontaktflächen regelmäßig gründlich desinfiziert werden.

Was gilt für Interessenten?

Grundsätzlich ist auch hier auf die Hygienevorschriften zu achten, damit sich das Virus nicht ungehindert ausbreiten kann. Es sollte außerdem auf Körperkontakt verzichtet werden, wie beispielsweise der Handschlag zur Begrüßung, und auch der dringend empfohlene Abstand von eineinhalb Metern ist einzuhalten.

Muss der Mieter während der Coronapandemie Besichtigungen in seiner Wohnung dulden?

Corona Besichtigung Eigentümer, offene Tür, Foto: peshkova/adobe.stock.com
Bei einer Besichtigung vor Ort können offene Türen helfen die Kontaktflächen aller möglichst minimal zu halten. Foto: peshkova/adobe.stock.com

Der Eigentümer hat Anspruch darauf die Wohnung neuen Interessenten zu zeigen. Während der Coronakrise sollte von Besichtigungen jedoch unbedingt abgesehen werden. Vermieter sollten daher nur Besichtigungen, die wirklich unumgänglich sind, durchführen und nicht auf ihr Recht pochen. Im Sinne der Gemeinschaft wird dringend appelliert andere Wege für eine Besichtigung zu finden oder sie, wenn möglich, zu verschieben.

Besondere Vorsicht sollte bei gefährdeten Personen gelten. Bei älteren Personen oder jenen mit Vorerkrankungen sollten, im Falle einer unumgänglichen Besichtigung, die Vorsichtsmaßnahmen umso schärfer ausfallen. In jedem Fall sollten die Umstände für den Mieter zumutbar bleiben und die Gesundheit aller im Vordergrund stehen. Für Mieter, die unter Quarantäne stehen, „gelten andere Regeln. Hier ist das Gesundheitsamt zu befragen, wie vorgegangen werden soll,“ sagt Julia Wagner.

In jedem Fall sollte man in dieser Corona-bestimmten Zeit Augenmaß bewahren. Da sich die Regelungen in den einzelnen Bundesländern ein wenig unterscheiden, „kommt es maßgeblich auf den Wortlaut der einzelnen Verordnungen an, was noch erlaubt ist und was nicht,“ gibt Wagner zu bedenken. Diese Situation ist für uns alle neu und dementsprechend sollte mit Rücksicht und Verständnis auf jeden einzelnen und seine spezielle Situation gehandelt werden. Sollte der Verdacht aufkommen, sich infiziert zu haben, „so sollte man sich an die Coronaberatungsstellen oder seinen Hausarzt wenden und vorsorglich erst einmal zu Hause bleiben und alle Kontaktpersonen informieren,“ erinnert Julia Wagner.

Weitere Fragen & Antworten

Sind Besichtigungen noch erlaubt?

Die 16 Bundesländer und vereinzelt sogar Städte haben teils unterschiedliche Regeln zum Kontaktverbot verhängt. Während in Bayern und Saarland sowie in der Stadt Freiburg keine Kontakte außer mit Familienmitgliedern, die auch zusammenwohnen, erlaubt sind, da in den restlichen Bundesländern wie in Nordrhein-Westfalen zusätzlich auch Kontakt zu maximal einer Person gleichzeitig bestehen.

Um sich komplett abzusichern, empfiehlt es sich bei den jeweiligen Behörden Rat einzuholen, ob und in welchem Maß Besichtigungen erlaubt sind.

Habe ich Anspruch auf Schadenersatz wegen einer abgesagten Besichtigung?

Der Schutz der Gesundheit geht vor. Damit ist nicht lediglich die Gesundheit des Vermieters oder seiner Mieter gemeint. Sondern es geht darum, die Ausbreitung des Virus möglichst einzuschränken. Um das zu gewährleisten, können Besichtigungstermine auch kurzfristig abgesagt werden. Mietinteressenten haben in diesem Fall keinen Anspruch auf Schadensersatzforderungen, beispielsweise Ausgleichszahlungen wegen einer langen und letztendlich überflüssigen Anfahrt.

"Es gibt in der Situation keine Gerichtsurteile, auf die man sich beziehen kann“, sagt Rechtsanwalt Jörn Blank, Experte für Kaufrecht, Maklerrecht, Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht. Man müsse auf die Empfehlungen der Behörden achten.

Habe ich Anspruch auf einen Ersatztermin?

Mieter, die endlich einen Besichtigungstermin für ihre Traumwohnung bekommen haben, diesen jetzt aber nicht wahrnehmen können oder aus Angst vor Sars-CoV-2 nicht wahrnehmen wollen, haben keinen Anspruch auf einen Ersatztermin. „Da macht es der Einzelfall“, sagt Rechtsanwalt Jörn Blank. „Wenn ein Interessent bereits enorme Ausgaben getätigt hat, und der Vermieter das Objekt beispielsweise extra freigehalten hat, kann es vorkommen, dass sich beide Parteien auf einen neuen Termin einigen werden.“ Eine Standardregelung gebe es aber nicht.

25.03.2020


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6 Kommentare

Bettina Buhlmann am 02.04.2020 19:18

Guten Tag,

Auch wir haben das Problem das unser Vermieter unbedingt mit Interessenten besichtigen möchte und das obwohl mein Mann und ich chronisch krank (Atemwegserkrankungen) sind. Wir haben darum gebeten damit bis nach der Pandemie zu warten, bzw. haben angeboten per Videochat zu besichtigen was er aber nicht möchte. Gekündigt haben wir am 27.02.2020 zum 31.05.2020 . Der Vermieter hat die Wohnung aber auch erst am 27.03.2020 ins Netz gestellt...also wertvolle Zeit verstreichen lassen.

Jetzt sagt er, wir könnten während der Besichtigung doch draußen warten.

Muss ich mich darauf ein lassen?

Schöne Grüße und bleibt alle gesund

Bettina Buhlmann

auf Kommentar antworten

RA Ullrich Dobke am 04.04.2020 11:03

Au Mann, ein unverschämt arroganter Egozentriker, Ihr Herr Vermieter! Geht er denn mit 'nem gewerblichen Desinfizierer durch IHRE Wohnung? Ich würde es in so einem Fall dauf ankommen lassen, dass er mich auf Besichtigung verklagt!


Immowelt-Redaktion am 03.04.2020 10:57

Hallo Bettina,

eine abschließende Beurteilung ist wegen der Ausnahmesituation leider nicht möglich, das ist ja alles wirklich Neuland. Klar ist allerdings, dass Sie sich keinen konkreten Gefährdungen aussetzen müssen.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

Semmelrogge am 02.04.2020 16:44

Mein Vermieter hat sein Atelier gekündigt bekommen mit Frist zum 30.06.

Seine Wohnung befindet sich woanders.

Von daher bedrängt dieser mich regelrecht in die Wohnung mit einem befreundeten Immobilienmakler zu kommen, in der ich Mieterin bin, um Fotos zu machen, da er diese schnellstmöglich verkaufen will wie er sagte.

Ich bin hierzu, auf Grund der derzeitigen Pandemie nicht in der Verfassung zumal ich chronisch krank bin und zudem Krebs vorbelastet.

Auch befand ich mich in Carantäne und halte mich strikt an das Kontaktverbot und die eindringlichen Vorsichtsmaßnahmen !

Bin ich verpflichtet meinem Vermieter Eintritt zu gewähren ?

Bleibt gesund !

Liebe Grüße

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 03.04.2020 09:21

Hallo Semmelrogge,

in normalen Zeiten hätte der Vermieter ein berechtigtes Interesse daran. In der jetzigen Ausnahmesituation ist allerdings eine Güterabwägung nötig; klar ist, dass Sie sich nicht in Lebensgefahr begeben müssen. Ob eine Besichtigung unter Einhaltung hoher Sicherheitsvorkehrungen möglich wäre, können wir nicht ausschließen. EIne abschließende Beurteilung ist uns hier aber nicht möglich.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

Schauer am 02.04.2020 09:25

Guten Morgen,

habe ich das richtig verstanden: wenn jemand aus einer Wohnung gekündigt wurde und möchte ein Haus besichtigen, dann darf er sich alleine mit dem Vermieter zur Besichtigung mit Abstand treffen? Vielen Dank!

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 02.04.2020 11:45

Hallo Schauer,

in den meisten Bundesländern dürfen maximal zwei Personen aus verschiedenen Haushalten zusammentreffen, in z.B. Bayern ist die Regelung schärfer. Wenn möglich, sollten aber Besichtigungen virtuell durchgeführt oder auf bessere Zeiten verschoben werden.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

Makler O.E. am 01.04.2020 18:19

@GMx1950 : Dann haben Sie leider gar nichts verstanden und handeln in dem Moment erstens (vorsätzlich!) gesetzeswidrig und zudem hochgradig verantwortungslos. Was "lebensnotwendig" ist (bzw. unter welchen Umständen) ist deutlich formuliert. Das kann Sie neben saftigen Strafen die Maklererlaubnis kosten, was ich bei solche einer sturen Haltung durchwegs begrüßen würde.

auf Kommentar antworten

Makler O.E. am 01.04.2020 12:51

In Bayern sind derzeit keine Besichtigungen erlaubt, da der (Privat-)Interessent hier in jedem Fall gegen die Allgemeinverfügung verstoßen würde, außer er ist beruflich unterwegs (Gewerbeimmobilien, Investoren). Dies habe ich schriftlich von der Polizei Mittelfranken vorliegen. Dennoch sehe ich massenweise Inserate von Maklerkollegen, die sogar damit werben, dass Wohnimmobilien weiterhin besichtigt werden können - Einzeltermine und Vorsichtsmaßnahmen hin oder her, es ist schlichtweg ein Verstoß gegen die Allgemeinverfügung jetzt als privater Immobilieninteressent in Bayern noch zu besichtigen. Ich würde mir hier ein wesentlich konsequenteres Vorgehen bei den Formulierungen, der Komminikation (auch der Presse und auch von immowelt !!) sowie der Berichterstattung und letztlich auch den Kontrollen und Konsequenzen wünschen. Denn nun haben wir einen ungleichen Wettbewerb, da sich manche Maklerkollegen einfach gegen die Allgemeinverfügung stellen und weiterhin besichtigen, andere Makler (wie unser Büro) eben nicht mehr.

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D. M. am 01.04.2020 15:29

Wenn Besichtigungen in Bayern trotzdem durchgeführt werden, dann handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, welche mit einer Geldbuße bis zu 25.000 EUR belegt werden kann. Aber abgesehen vom finanziellen Desaster gefährdet man andere und sich selbst. Das ist einfach skrupellos!

Vollzug des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)

Vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie

Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege

vom 20. März 2020, Az. Z6a-G8000-2020/122-98

Zu Nr. 7:

Zuwiderhandlungen sind als Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro bewehrt (§ 73 Abs. 1a Nr. 6 und Abs. 2 IfSG). Die Zuwiderhandlung gegen eine vollziehbare Anordnung nach § 28 Abs. 1 Satz 2 IfSG ist gemäß § 75 Abs. 1 Nr. 1 IfSG strafbewehrt.


GMx1950 am 01.04.2020 16:45

Eine Wohnung ist, neben Essen und Trinken lebensnotwendig. Ich werde also meinem Beruf nachgehen und Interessenten Wohnungen zeigen.


Hoffmann am 01.04.2020 22:44

Solche Einschränkungen gelten doch für alle und daran sollten Sie sich auch halten. Sie sind sich der Lage in der wir uns befinden anscheinend nicht klar.


Immowelt-Redaktion am 02.04.2020 09:19

Hallo,

in der jetzigen Situation wäre es kritisch, Besichtigungen, insbesondere solche mit mehreren Personen, so wie gewohnt durchzuführen. Empfehlenswert sind jetzt virtuelle Besichtigungen, die Interessenten schon einen guten ersten EIndruck verschaffen können.

Beste Grüße

die Immowelt-Redaktion

RA Ullrich Dobke am 25.03.2020 09:18

Unter der gegebenen Rechtslage und der Allgemeinverfügungen der Ordnungsbehörden in NRW auf der Basis der Erlasse der Landesregierung sind Besichtigungen derzeit eher nicht zumutbar!

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Katicyb am 03.04.2020 23:39

Hallo. Wir wohnen in Niedersachsen , wegen Eigenbedarfs würde uns bis Ende Oktober gekündigt. Keine Besichtigungen weil Kontakt verbot/Coronavirus.Wie soll ich jetzt eine Wohnung/ Haus finden ? Oder ab November müssen wir auf der Straße Leben?


Angie M-Wein am 01.04.2020 15:48

Es ist mehr als traurig, dass Wohnungsbesichtigungen nicht durchgeführt werden DÜRFEN! Mein Vermieter hat mir wg. Eigenbedarfs gekündigt - allerdings muss ich erst Ende Dezember ausgezogen sein. Seit Anfang Februar suche ich nun eine Wohnung, bisher ohne Erfolg. Da aber kein Mensch sagen kann, ob und wann dieser Virushype endet, ist meine Wohnungssuche auf Eis gelegt. Toll, und ab Januar 2021 bin ich dann entweder obdachlos oder tot. DAS ist aber zumutbar???