Covid-19: Was Immobilienprofis jetzt beachten müssen

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Die Coronapandemie beeinflusst das öffentliche Leben weiterhin - trotz Lockerungen aufgrund derzeit niedriger Inzidenzen. Was das für Immobilienmakler bedeutet.

Corona, Coronavirus, Immobilienprofi, Makler, Mann sitzt mit Kopfhörer vorm Laptop, Foto: Djile / stock.adobe.com
Für Immobilienprofis muss es auch während der Coronakrise weitergehen. Videokonferenzen und Telefonate können da Abhilfe schaffen. Foto: Djile / stock.adobe.com

Noch immer beherrscht das Coronavirus Sars-CoV-2 die Schlagzeilen und auch mit den einigen weitreichenden Lockeungen dämmt die Pandemie das gesellschaftliche Leben nach wie vor ein.

Überbrückungshilfe für Kleinstunternehmen und Selbstständige

Arbeitnehmer und Selbstständige, die Einkommensausfälle zu beklagen haben, können bis Ende Oktober 2021 die Überbrückungshilfe III Plus oder die Neustarthilfe Plus beim Bund beantragen. Die Überbrückungshilfe ist ein gemeinsames Angebot von Bund und Ländern und bietet finanzielle Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen, Selbstständige sowie gemeinnützigen Organisationen. Mit der Förderung will der Bund Umsatzrückgänge abmildern.

Anträge können über die Webseite ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de gestellt werden.

Hier gibt es weitere Informationen.

Mietrechtsänderung für Gewerberäume

Die Coronapandemie kann eine Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB) darstellen, das wurde nun mit der Mietrechtsäderung im EGBGB festgehalten. Mieter von Geschäftsräumen sollen so von ihrem Vermieter die Anpassung der Miete verlangen können.

Hintergrund ist der Bundestagsbeschluss einer Coronaregelung im EGBGB. In Artikel 240 § 7 EGBGB Störung der Geschäftsgrundlage von Miet- und Pachtverträgen heißt es dazu: "Sind vermietete Grundstücke oder vermietete Räume, die keine Wohnräume sind, infolge staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie für den Betrieb des Mieters nicht oder nur mit erheblicher Einschränkung verwendbar, so wird vermutet, dass sich insofern ein Umstand im Sinne des § 313 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der zur Grundlage des Mietvertrags geworden ist, nach Vertragsschluss schwerwiegend verändert hat." Das gilt analog für Pachtverträge. Ein Automatismus ergibt sich aus der Gesetzesänderung jedoch nicht. Entscheidend bleibt letztlich der Einzelfall.

Gibt es für Makler ein Tätigkeitsverbot?

Im Zuge der bisherigen Kontakteinschränkungen dürfen Dienstleistungen, wie Maklertätigkeiten weiterhin angeboten werden. Doch: „Auch wenn es kein Tätigkeitsverbot per se gibt, müssen Makler – insofern sie ein Ladenlokal führen – zurzeit im Zweifel auf Publikumsverkehr verzichten“, sagt Dr. Christian Osthus, Justiziar des IVD.

Nichtsdestotrotz gilt weiterhin: Was durch digitale Prozesse ersetzt werden kann, sollte weiterhin ersetzt werden. Denn telefonieren und E-Mails versenden ist ja jederzeit gefahrlos möglich. Zudem muss immer auf die aktuelle Coronalage geachtet werden.

Können Besichtigungen durchgeführt werden?

Ja. Maklern ist es gestattet, ihre Tätigkeit an unterschiedlichen Orten auszuüben. Vorerst sollten sie sich auf Einzelbesichtigungen beschränken und auf Massenbesichtigungen verzichten. Es gilt weiterhin sich an die Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen zu halten.

Eine andere Möglichkeit ist, Alternativen für Live-Besichtigungen zu nutzen. Das können sein:

Was gibt es bei Einzelbesichtigungen zu beachten?

  • Bereits im Exposé auf Einzelbesichtigungen hinweisen.
  • Über die zulässigen Kontakte hinaus sollten so wenig Personen wie möglich an der Besichtigung teilnehmen.
  • Kein Körperkontakt – aufs Händeschütteln verzichten und auch auf die Nies- und Hustenetikette achten, zudem einen Abstand von eineinhalb bis zwei Metern zueinander halten.
  • Kein Austausch von Dokumenten – diese besser vorab oder direkt nach dem Termin dem Interessenten digital zukommen lassen.
  • Kontakt zu Gegenständen meiden – offene Innentüren ermöglichen eine Besichtigung, ohne ständig Klinken anfassen zu müssen. Sollte dies nicht immer möglich sein, dann sollten alle Kontaktflächen regelmäßig gründlich desinfiziert werden.
  • Desinfektionsmittel – für Anbieter empfiehlt sich ein Fläschchen Desinfektionsmittel, damit Interessenten ihre Hände desinfizieren können und bei der Besichtigung entspannt sein können
  • Schutzmaske – die bundesweite Maskenpflicht gilt auch für Besichtigungen, zu empfehlen sind womöglich die nun, beispielsweise für den ÖPNV, vorgeschriebenen medizinischen Masken

Können zurzeit Werbeflyer verteilt werden oder ist das verboten?

"Da es Maklern weiterhin gestattet ist, an wechselnden Orten ihre Tätigkeit auszuüben, dürfte es auch gestattet sein, unter strenger Berücksichtigung der Abstands- und Hygienebestimmungen Flyer zu verteilen“, sagt Carolin Hegenbarth, IVD-Bundesgeschäftsführerin. Im Zweifel sollte bei der zuständigen Behörde nachgefragt werden.

Wer Flyer verteilt, muss sich aber auch hierbei an geltende Hygieneregeln halten.

Corona und das Arbeitsrecht

Viele Makler in Deutschland sind selbstständig und können somit selbst entscheiden, wie sie mit der Krise umgehen. Anders ist es bei Immobilienmaklerbüros mit festangestellten Mitarbeitern. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Kann ein Maklerbüro bei Arbeitsausfällen wegen des Coronavirus Kurzarbeitergeld erhalten?

Ja, laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter der Bedingung, dass behördliche Einschränkungen es unmöglich machen die Maklertätigkeit weiterhin auszuführen. Kurzarbeitergeld muss vom Arbeitgeber bei der jeweiligen Agentur für Arbeit beantragt werden. Falls die Behörde es genehmigt, erhalten angestellte Makler für die ersten drei Monate 67 beziehungsweise 60 Prozent, ab dem vierten Monat 77 oder 70 Prozent und ab dem siebten Monat 87 beziehungsweise 80 Prozent ihres pauschalierten Nettoentgelts für bis zu 24 Monate.

Haben angestellte Makler einen Anspruch auf Homeoffice?

Nein, das ist eine Vereinbarung, die der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber treffen muss.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt?

Angestellte Makler erhalten sechs Wochen eine Entgeltfortzahlung und haben dann als gesetzlich Versicherte Anspruch auf Krankengeld.

Die Coronapandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Mit der Einhaltung hygienischer Richtlinien und dem Blick auf die aktuelle Lage kann sowohl die Verbreitung des Virus eingedämmt als auch dem Verlust des Alltagsgeschäfts entgegengewirkt werden. Dies wird insbesondere durch eine verstärkte Konzentration auf die Digitalisierung erreicht.

28.07.2021


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4 Kommentare

Talentus am 15.04.2021 12:13

Können Sie bitte erläutern, was mit "Über die zulässigen Kontakte hinaus sollten so wenig Personen wie möglich an der Besichtigung teilnehmen" gemeint ist? Laut der derzeitigen Inzidenz ist nur eine weitere Person in der zu besichtigenden vermieteten Wohnung möglich. Laut der obigen Formulierung könnten ja dann auch zwei Makler und der Ehepartner des Interessenten Eintritt verlangen?

Wie lange darf so ein Einzel-Besichtigungstermin dauern und wie oft im Monat sind diese bei Verkaufsabsicht für eine vermietete Wohnung möglich?

auf Kommentar antworten

immowelt Redaktion am 15.04.2021 12:52

Hallo Talentus,

bei Besichtigungen handelt es sich, nach Einschätzung des ivd, nicht um private Zusammenkünfte. Aus Sicht von Makler und Vermieter geht es hier eher um die Aufrechterhaltung der beruflichen Tätigkeit. Die aktuelle Zweihaushalts- beziehungsweise Zweipersonenregelung sei daher außer Kraft gesetzt.

Der Deutsche Mieterbund hingegen schätzt, dass notwendige Besichtigungen als Einzelbesichtigungen und bei Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ausgeführt werden sollen. Je nach Bundesland stehen also wiederum die behördlichen Auflagen auch bei Besichtigungen im Vordergrund. Es gelten eben die Zweihaushalts- beziehungsweise Zweipersonenregelungen. Dies ist beispielsweise in Bayern der Fall.

Die Coronalage ist nach wie vor verzwickt und einheitliche Regelungen fehlen. So wenige Teilnehmer wie möglich bei einer Besichtigung zu haben ist aber sicher nicht verkehrt.

Rechtliche Vorgaben wie lang eine Besichtigung sein darf oder wie oft im Monat Besichtigungen stattfinden dürfen, gibt es nicht.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine rechtsgültige Beratung leisten können oder dürfen.

Beste Grüße

immowelt Redaktion

SKimmobilien am 28.02.2021 10:36

Die gute Frage ist, dürfen Maklerbüros für den Parteienverkehr offen sein?

Ein Ladenbüro mit sehr wenig Kundenverkehr und mit allen Sicherheitsmaßnahmen sollte doch öffnen dürfen?

auf Kommentar antworten

Hirsch am 07.01.2021 09:56

Der Artikel ist meiner Ansicht nach nicht klar dargestellt:

Darf der Makler für die Einzelbesichtigung mit dem Interessenten gemeinsam in die Wohnung oder muß er in der Wohnungseingangstür stehen bleiben? Wie verhält es sich mit Handwerkern, die für bestimmte Arbeiten zu Zweit erscheinen müssen? Muß dann auch einer der beiden Monteure vor der Tür stehen bleiben und soll die Arbeiten aus "der Entfernung" erledigen????

auf Kommentar antworten

immowelt Redaktion am 07.01.2021 15:10

Hallo Hirsch,

wenn die berufliche Tätigkeit nicht untersagt wurde, so darf diese auch ausgeführt werden. Sind für eine Reparatur zwei oder mehr Handwerker nötig, so dürfen die auch tätig werden. Da dazu geraten wird, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, wäre es eine Möglichkeit, wenn der Makler bei einer bewohnten Immobilie draußen wartet. Wenn es aber erforderlich ist, dann sollte der Makler auch mit hinein dürfen. Grundsätzlich sollte bei Besichtigungen auf gängige Hygieneregeln geachtet werden, also Abstand einhalten, wo es möglich ist und einen Mundnasenschutz tragen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Rechtsberatung leisten können und dürfen. Im Zweifel sollten Sie sich von einem Fachanwalt oder der zuständigen Behörde beraten lassen.

Beste Grüße

die immowelt Redaktion

schwurbel am 19.12.2020 21:56

Dürfen Makler Hausbesichtigungen in vermieteten Einfamilienhäusern während des Lockdowns durchführen? Und müssen die Mieter ( Hochrisikogruppe) Hausbsichtigungen zustimmen?

auf Kommentar antworten

immowelt Redaktion am 21.12.2020 15:57

Hallo schwurbel,

es gibt kein Gesetz, dass das verbietet. Es sollte jedoch auf die entsprechenden Hygienemaßnahmen geachtet werden sowie auf den Abstand und dass gelüftet wird.

Beste Grüße

immowelt Redaktion