Solardachpflicht: Die aktuelle Lage

Lesermeinungen:  

(14)

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein – dabei helfen soll auch Solarstrom. Eine bundesweite Solardachpflicht ist zwar vorerst gescheitert, in einzelnen Bundesländern ist eine Solardachpflicht dagegen schon beschlossen – ein Blick auf die aktuelle Entwicklung.

Solardachpflicht, Photovoltaikanlage, Foto: mmphoto / stock.adobe.com
Auf vielen Neubauten und sanierten Dächern sind bereits Photovoltaikanlagen installiert – meist freiwillig, immer öfter aber auch mittels Solardachpflicht vorgeschrieben. Foto: mmphoto / stock.adobe.com

Bundesweite Solardachpflicht: Aktuelle Entwicklung

Die Bundesregierung wollte am 23. Juni 2021 per Kabinettsbeschluss eine Pflicht zur Installation von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen für Neubauten und bei größere Dachsanierungen verabschieden. Nach anhaltender Kritik liegen die Pläne zu einer Solardachpflicht nun vorerst auf Eis. Unter anderem sagte Kai Warnecke, Präsident des Verbands Haus & Grund, zur Solardachpflicht gegenüber Bild: „Das ist ein unkoordinierter Schnellschuss, der Bauen und Wohnen dramatisch verteuert.“

Das große Ziel der Bundesregierung ist es, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral ist. Ein Mittel auf dem Weg dorthin ist die Anfang 2021 beschlossene CO2-Steuer, mit deren Hilfe die Emissionen reduziert werden sollen. Steigen soll hingegen der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in Deutschland: Bis 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen – 2020 waren es 35 Prozent. 

Nach Windkraft (17,3 Prozent) ist Photovoltaik (7,2 Prozent) der größte Lieferant erneuerbarer Energie. Allerdings mit Potenzial für deutlich mehr, weshalb Teile der Bundesregierung eine bundesweite Solardachpflicht geplant hatte, die nun vorerst gescheitert ist. Kommen könnte sie trotzdem früher oder später und in einigen Bundesländern ist sie schon beschlossen – wir beantworten schon jetzt die dringlichsten Fragen zur Solardachpflicht:

Was ist die Solardachpflicht?

Die bundesweite Solardachpflicht hätte vorgeschrieben, dass alle Neubauten ab 2022 mit einer Solaranlage ausgestattet werden müssen. Bei größeren Dachsanierungen wäre die Solarpflicht ab 2023 gültig gewesen. Die Solardachpflicht war ursprünglich Teil des Klimaschutz-Sofortprogramm 2022, dessen Entwurf die Bundesregierung am 23. Juni 2021 beschlossen hat und insgesamt rund 8 Milliarden Euro umfasst. Das Gros von 4,5 Milliarden Euro soll in den kommen Jahren in die Förderung energetischer Gebäudesanierung fließen – rund 1 Milliarde Euro wird für den klimagerechten sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt. Das Klimaschutz-Sofortprogramm 2022 ist im Budgetentwurf für 2022 enthalten, der Grundlage für die Entscheidung der kommenden Regierung ist. Die bundesweite Solardachpflicht wurde dagegen nach anhaltender Kritik und Dissens in der Großen Koalition gestrichen.

Wo gibt es bereits eine Solardachpflicht?

In einigen Bundesländern gilt bereits eine Solardachpflicht, ist bereits beschlossen oder zumindest in der Diskussion:

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist eine Solardachpflicht für privat genutzte Neubauten ab 1. Mai 2022 beschlossen. Das steht im novellierten Klimaschutzgesetz der grün-schwarzen Regierung vom 14. Juli 2021. Darin ist auch festgelegt, dass bei grundlegenden Dachsanierung ab 1. Januar 2023 eine Solaranlage installiert werden muss.

Außerdem ist in Baden-Württemberg ab 1. Januar 2022 die verpflichtende Installation einer Photovoltaikanlage für Gebäude geregelt, deren Geschossfläche zu maximal 5 Prozent für Wohnzwecke eingesetzt wird. Sie gilt in Baden-Württemberg beispielsweise für Bürogebäude, Einkaufsmärkte und Schulen.

Bayern

In Bayern müssen auf neuen gewerblichen Immobilien seit Anfang 2021 PV-Anlagen installiert werden. Eine Solardachpflicht für private Wohnhäuser ist derzeit in der Diskussion und könnte 2022 kommen.

Berlin

Der Berliner Senat hat beschlossen, dass ab 1. Januar 2023 auf allen Neubauten und bei grundlegenden Dachsanierungen verpflichtend eine Photovoltaikanlage installiert werden muss. Die Solardachpflicht gilt in Berlin für Wohngebäude und Nicht-Wohngebäude gleichermaßen.

Bremen

Für Bremen und Bremerhaven gibt es den Beschluss, beide Städte zu „Solar Cities“ zu machen: Demnach sollen bis 2030 auf allen Dächern Solaranlagen installiert werden – sowohl bei Neubauten als auch bei größeren Dachsanierungen. Allerdings fehlt noch eine konkrete Ausarbeitung dieses Vorhabens.

Hamburg

Der Hamburger Senat hat am 22. Dezember 2020 eine Solardachpflicht beschlossen: Für Neubauten gilt sie demnach ab 2023. Für Bestandsgebäude, bei denen das Dach saniert wird, ab 2025. Allerdings ist in der Hamburger Solardachpflicht bereits eine Ausnahme enthalten: Für die Photovoltaik-Anlage ist ein Amortisationszeitraum von 20 Jahren zugrunde gelegt – falls es länger dauern sollte, gilt die Pflicht nicht.

Außerdem muss in der Hansestadt seit Mitte 2021 beim Austausch einer Heizung darauf geachtet werden, dass danach 15 Prozent der Wärme erneuerbaren Energien stammt.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist eine Solardachpflicht in Planung, die zunächst nur für Nicht-Wohngebäude und Großparkplätze gelten. Ein entsprechender Beschluss ist wohl bis Herbst 2021 geplant.

Link-Tipp

Die KfW-Bank fördert den Bau und Kauf insbesondere energieeffizienter Gebäude – einen Überblick über die verschiedenen Förderprogramme der KfW gibt es hier.

Wer sein Haus energieeffizient sanieren möchte, findet hier wie die Förderung mit der KfW funktioniert.

Wie funktioniert eigentlich ein Solardach?

Solarstrom oder auch grüner Strom wird mittels einer Photovoltaikanlage produziert, die in der Regel auf dem Dach installiert ist. Eine PV-Anlage besteht aus Solarmodulen, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Der so gewonnene Solarstrom kann entweder selbst genutzt oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden, wofür es nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Einspeisevergütung gibt.

Daneben gibt es noch die Solarthermieanlage, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Mit dem Unterschied, dass sie solare Strahlung in Wärmeenergie umwandelt.

23.06.2021


Ihre Meinung zählt

(14)
4.9 von 5 Sternen
5 Sterne
 
13
4 Sterne
 
1
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Bauen & KaufenTipps für VermieterTipps für MieterAktuelles
Neuen Kommentar schreiben