Auswandern nach Mallorca: Viel mehr als nur Ballermann

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Mallorca ist für viele eine beliebte Ferieninsel. Doch manche Deutsche wagen den Schritt, nach Mallorca auszuwandern. Weil die Insel als Teil Spaniens zur EU gehört, gibt es keine Hürden. Allerdings sollten Deutsche doch einiges beachten, damit ihre Auswanderung erfolgreich verläuft.

Auswandern nach Mallorca, Hafen Porto Colom, Foto: vulcanus/stock.adobe.com
Das Sehnsuchtsziel: Mallorca ist für viele Deutsche die Trauminsel schlechthin. Meer, Buchten, gutes Wetter – das ist es, was Auswanderer so an der Insel schätzen. Doch wer nach Mallorca auswandern will, darf sich nicht in Tagträumen verfangen – es gibt einiges zu beachten. Foto: vulcanus/stock.adobe.com

Fast immer gutes Wetter, traumhafte Natur und viele Freizeitmöglichkeiten: So stellt sich die Baleareninsel Mallorca dar. Für Auswanderer ist die Insel ein Traum – etliche Deutsche haben ihn sich schon erfüllt. Trotz geringer rechtlicher Hürden bei der Einwanderung gibt es dennoch einiges zu beachten, wenn es um Behördengänge, Job- und Wohnungssuche geht.

Info

Mallorca: Zahlen und Fakten

  • Mallorca ist eine spanische Insel im Mittelmeer und die größte Insel der Balearen-Gruppe. Auf einer Fläche von rund 3.600 Quadratkilometern leben knapp 880.000 Einwohner. Hauptstadt ist Palma. Die Währung ist der Euro.
  • Zur Balearen-Gruppe gehören noch die bewohnten Nachbarinseln Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera sowie zahlreiche unbewohnte Mini-Inseln.
  • Amtssprache auf Mallorca ist spanisch und katalanisch, es gibt mehrere Dialekte. Wegen der touristischen Attraktivität kann man sich oft aber auch auf Deutsch oder Englisch verständigen.
  • Auf Mallorca herrscht ein gemäßigtes subtropisches Klima mit milden und niederschlagsreichen Wintern. Frost und Schneefall kommen in der Regel nur in den Bergen vor. Die Mandelblüte erfolgt schon im Januar.

Keine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erforderlich

Da Mallorca zu Spanien und somit zum EU-Raum gehört, gelten die Freizügigkeitsregeln der Europäischen Union: Wer EU-Bürger ist, kann also ungehindert nach Mallorca auswandern und dort Arbeit suchen, ohne dass es einer Arbeitserlaubnis bedarf. Er darf dort wohnen und muss hinsichtlich Sozialleistungen und Steuern genauso behandelt werden, wie die Bürger des jeweiligen Staates. Wer nicht in dem Land arbeitet, muss allerdings über ausreichende Finanzmittel und eine Krankenversicherung verfügen, regelt das Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern.

Umzug nach Mallorca

Wer nach Mallorca auswandern möchte, sollte dabei planvoll vorgehen. Anders als ein Umzug innerhalb Deutschlands kann ein Umzug nach Mallorca richtig viel Geld kosten.

Umzugskartonrechner

In den ersten drei Monaten auf Mallorca muss sich der Einwanderer dort nicht anmelden. Danach ist es aber erforderlich, sich in Deutschland bei seiner Gemeinde abzumelden und sich auf Mallorca bei der Policía Nacional (Nationale Polizei) anzumelden. Dort erhält er eine Identifikationsnummer – die Número de Identidad de Extranjero (N.I.E.). Eine Anmeldung ist nach drei Monaten übrigens auch dann erforderlich, wenn der Erstwohnsitz in Deutschland bestehen bleibt, zum Beispiel weil man als Rentner nur die Wintermonate in der neuen Zweitheimat verbringen möchte.

Wer allerdings dauerhaft oder überwiegend auf Mallorca wohnt,  wird auch in Spanien steuerpflichtig. Wer vermögend ist, sollte übrigens einen Steuerberater konsultieren, weil steuerliche Belange, so auch das Schenkungs- und Erbschaftssteuerrecht in Spanien anders geregelt sind, als in Deutschland.

Auswandern nach Mallorca, Fähre, Foto: canaran/stock.adobe.com
Wer nach Mallorca auswandert, kann seine sieben Sachen auch mit der Fähre auf die Insel bringen lassen. Foto: canaran/stock.adobe.com

Es muss auch mit höheren Umzugskosten gerechnet werden, als dies innerhalb Deutschlands der Fall wäre. Da wegen der Insellage ein Transport übers Festland nicht möglich ist, kann der Auswanderer seine sieben Sachen beispielsweise mit einem Container auf einem Containerschiff transportieren lassen – was aber schnell eine vierstellige Summe kosten kann. Wer nur wenige Dinge mitnimmt, kann eventuell einen Kleintransporter mieten und vom Festland mit der Fähre nach Mallorca übersetzen – das kostet ungefähr 300 Euro für die Fähre plus die Kosten für das Leihfahrzeug. Zudem gibt es in Deutschland Umzugsunternehmen, die Umzugsgut mehrerer Kunden sammeln und regelmäßig nach Mallorca überführen.

Wer ein Haustier wie einen Hund oder eine Katze nach Mallorca mitnehmen will, muss unbedingt eine umfangreiche Untersuchung des Tieres durchführen lassen. Auf dieser Grundlage wird ein Gesundheitszeugnis ausgestellt. Zusätzlich ist zwingend auch eine Tollwutimpfung nachzuweisen. Vor der Reise ist beim Haustierarzt ein EU-Heimtierausweis zu besorgen. Auf den Balearen ist es Pflicht, dass Hunde und Katzen einen elektronischen Chip als Markierung oder eine gut lesbare Tätowierung haben.

Auswandern nach Mallorca, Führerschein, Foto: Wolfgang Jargstorff/stock.adobe.com
Deutsche Führerscheine sind auf Mallorca zunächst gültig. Nach einer gewissen Zeit müssen Auswanderer ihren Schein aber gegen einen Spanischen austauschen lassen. Foto: Wolfgang Jargstorff/stock.adobe.com

Auch beim Führerschein ist einiges zu beachten: Wer noch einen alten unbefristeten Führerschein hat, muss diesen spätestens zwei Jahre nach seiner Registrierung auf Mallorca gegen einen spanischen Führerschein umtauschen. Anders der neue, befristete Führerschein, der in Deutschland seit Januar 2013 ausgestellt wird, und 15 Jahre gültig ist: Dieser muss erst gegen einen spanischen Führerschein umgetauscht werden, wenn die Befristung abläuft.

Arbeitssuche und Beruf

Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist deutlich höher als in Deutschland, wobei die Situation auf Mallorca besser ist als auf dem spanischen Festland. Dennoch können Deutsche, die Arbeit auf Mallorca suchen, in manchen Bereichen gute Karten haben, speziell in der Tourismusbranche, die auf der Baleareninsel besonders stark ist. Wer über eine gute Ausbildung in diesem Bereich verfügt, findet in der Regel leicht einen Job. Denn er hat noch einen weiteren Vorteil: Er spricht fließend Deutsch und keine andere Nation als die Deutschen macht so häufig Urlaub auf Mallorca – rund ein Drittel der Mallorca-Touristen kam dem spanischen Statistikinstitut (INE) zufolge 2018 aus Deutschland. Dennoch ist es auch hier sinnvoll, Spanisch und Englisch zu beherrschen – denn die zweitgrößte Touristengruppe aus dem Ausland sind die Briten (26,7 Prozent) und auch die Festlandspanier schätzen die Insel.

Auswandern nach Mallorca, Gastronomie, Foto: Irina Schmidt/stock.adobe.com
Der Arbeitsmarkt auf Mallorca ist weniger entspannt als in Deutschland. Auswanderer dürften am ehesten noch einen Job im Bereich Tourismus und Gastronomie finden. Foto: Irina Schmidt/stock.adobe.com

Allerdings hat das Arbeiten auf Mallorca auch seine Schattenseiten: Oft sind die Jobs im Tourismusbereich befristet – nämlich auf die Feriensaison. Und zweitens ist das Lohnniveau in Spanien generell etwas niedriger als in Deutschland. Wer sich also nicht gleich erfolgreich mit einer eigenen Bar oder einem Restaurant selbständig macht, muss sich finanziell möglicherweise etwas einschränken.

Wohnen auf Mallorca

Ganz gleich, ob man eine Wohnung oder eine Finca auf Mallorca kaufen oder mieten will – die rechtlichen Gegebenheiten unterscheiden sich deutlich von denen in Deutschland.

Mallorca: Es gilt spanisches Mietrecht

Die spanische Regierung hat das Mietrecht im Jahr 2019 reformiert und damit auch einige Regelungen der sehr vermieterfreundlichen Mietrechtsreform aus dem Jahr 2013 rückgängig gemacht. Rechtsgrundlage des Mietrechts ist das Ley de Arrendamientos Urbanos (LAU).

In Spanien genießen Mieter in der Regel über einen Zeitraum von fünf Jahren einen ausgeprägten Kündigungsschutz. Handelt es sich beim Vermieter um eine Gesellschaft, so sind es sieben Jahre. Währens dieser Befristung kann der Vermieter nur wegen Eigenbedarfs kündigen und das frühestens nach einem Jahr mit einer Kündigungsfrist von vier Monaten. Dies gilt grundsätzlich aber nur dann, wenn diese Option so auch im Mietvertrag steht. Gibt es keine entsprechende Vereinbarung, so ist eine Kündigung nicht möglich. Der Mieter kann einmal jährlich mit einer Frist von zwei Monaten auch ohne nähere Begründung kündigen.

Nach Ablauf der Fünf- beziehungsweise Siebenjahresfrist verlängert sich der Mietvertrag stillschweigend um weitere drei Jahre, es sei denn, der Vermieter hat mindestens vier Monate vor Fristende die Wohnung gekündigt.

Mieterhöhungen können während der Befristung nur im Rahmen der Steigerung des Lebenshaltungskostenindex IPC geltend gemacht werden und das auch nur dann, wenn diese Option mietvertraglich vereinbart wurde.

Als Mietkaution sieht das Gesetz eine Monatsmiete vor. Zusätzlich können bis zu zwei weitere Monatsmieten als Meitsicherheit verlangt werden, zum Beispiel in Form einer Bürgschaft.

Immobilie auf Mallorca kaufen: Kaufrecht, Fallstricke, Kosten

Auswandern nach Mallorca, Finca, Foto: schulzfoto/stock.adobe.com
Wer auf Mallorca eine Immobilie erwerben will, muss zumindest in Top-Lagen mit hohen Preisen rechnen. Auch die rechtlichen Gegebenheiten in Spanien unterscheiden sich von den hiesigen. Foto: schulzfoto/stock.adobe.com

Wer eine Wohnung oder eine Finca auf Mallorca nicht mieten, sondern gleich kaufen will, muss beachten, dass der Erwerb auf Mallorca anders abläuft als in Deutschland. So ist eine notarielle Beglaubigung des Kaufvertrags zwar möglich, aber nicht vorgeschrieben. Wer sich nur auf einen privatschriftlichen Vertrag ohne notarielle Beurkundung einlässt, geht Risiken ein, weil die Veräußerung nicht ins Eigentumsregister eingetragen wird. Ein betrügerischer Verkäufer könnte die Immobilie dann noch einmal an einen weiteren Käufer veräußern oder die Immobilie beleihen.

Rechtlich bindend sind übrigens schon mündliche Kaufverträge oder Kaufverträge auf einem Bierdeckel.

Link-Tipp

Details zum Ablauf einer Immobilientransaktion in Spanien finden sich unterhalb der Ergebnisliste unserer Spanien-Seite. Hier können Sie dann auch gleich nach passenden Objekten suchen.

Wohnungssuche: Wie vorgehen, worauf achten

Grundsätzlich gilt sowohl beim Kauf als auch der Miete: Wer eine Wohnung oder eine Finca auf Mallorca direkt am Meer haben will, muss mit hohen Kosten rechnen, die durchaus vergleichbar mit denen sind, die man in deutschen Metropolen bezahlen muss. Im Inselinneren ist es jedoch deutlich günstiger, man benötigt dann aber ein Auto. Steht der Entschluss zum Auswandern erst mal fest, so kann man bereits in Deutschland mit der Suche nach einer geeigneten Immobilie anfangen. Immobilienprotale wie immowelt.de  halten hier zahlreiche Angebote vor. Auch gibt es Makler, die sich auf deutsche Kundschaft spezialisiert haben.

Lebenshaltungskosten auf Mallorca

Die Löhne sind auf Mallorca niedriger als in Deutschland, die Lebenshaltungskosten aber nicht unbedingt. Gerade die Kosten für das Wohnen stellen oft einen beträchtlichen Posten dar. Allerdings kommt es sehr darauf an, wo man wohnt. In bessere Gegenden von Palma oder bei Immobilien mit Meerblick sind die Miet- und Kaufpreise oft so hoch, wie in deutschen Metropolen. Wer weniger begehrte Lagen wählt, zahlt weniger. Immobilien im Inselinneren sind meist deutlich günstiger.

Auswandern nach Mallorca, Lebenshaltungskosten, Foto: /stock.adobe.com
Lecker, Lecker: Herrliche mediterrane Genüsse sind auf Mallorca durchaus bezahlbar – wenn man weiß, wo es sie gibt. Foto: /stock.adobe.com

Auch bei den Kosten für Lebensmittel gibt es Unterschiede: Wer in Palma im Supermarkt einkauft, muss mit Preisen rechnen, die in etwa so hoch sind, wie in Deutschland. Wer dagegen regionale Lebensmittel auf den Märkten außerhalb der touristischen Hochburgen einkauft, profitiert von günstigeren Preisen. Benzin ist etwas günstiger als in Deutschland, die Kfz-Steuer ebenso.

In Spanien gibt es ein staatliches Sozialversicherungswesen, die für Arbeitnehmer verpflichtend ist und deutlich günstiger als das deutsche Sozialversicherungswesen ist. Allerding ist auch der Leistungsumfang begrenzter: So zahlt beispielsweise die Krankenversicherung Zahnarztbehandlungen nicht – wer hier abgesichert sein will, braucht also eine Zusatzversicherung.

Alternativen: Menorca oder Ibiza

Wer abseits des touristischen Trubels leben möchte, kann als neue Residenz eine der anderen, kleineren Baleareninseln in Erwägung ziehen, etwa Ibiza mit seinen rund 150.000 Einwohnern auf 570 Quadratkilometern Fläche oder Menorca mit rund 95.000 Einwohnern auf gut 690 Quadratkilometern Fläche. Übrigens: Während Mallorca übersetzt „die Größere“ heißt, bedeutet Menorca „die Kleinere“.


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