Fakt oder Fake? 7 häufige Irrtümer im Mietrecht

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Nachts ist Duschen verboten und der Mietvertrag ist erst bei Einzug gültig? Rund um das Mietrecht kursieren zahlreiche Irrtümer und Halbwahrheiten. Hier werden die 7 hartnäckigsten Mythen aufgeklärt.

Irrtümer Mietrecht, Foto: Ekaterina/stock.adobe.com
Erlaubt oder verboten? Im Mietrecht gibt es zahlreiche Irrtümer. Foto: Ekaterina/stock.adobe.com

Rund um das Mietrecht gibt es zahlreiche Halbwahrheiten, die oft erzählt werden – die so aber eigentlich gar nicht stimmen. Das sorgt oft für Streit zwischen Mietern und Vermietern. Hier wird mit den Irrtümern aufgeräumt:

Irrtum 1: Der Mietvertrag ist erst beim Einzug gültig

Viele Mieter glauben, dass ihr Mietvertrag erst ab dem Einzug gilt – doch das stimmt so nicht. Die Wirksamkeit beginnt schon bei Vertragsunterzeichnung durch Mieter und Vermieter.

Beim Mietvertrag gibt es zudem kein Widerrufsrecht. Das bedeutet: Auch wenn ein Mieter einen Vertrag vorschnell unterschrieben hat, kann er das Mietverhältnis erst nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist beenden. Nur wenn der Vermieter mit einem Aufhebungsvertrag einverstanden ist, kann das Mietverhältnis vorzeitig beendet werden.

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Mietvertrag beenden: So kündigen Sie richtig.

Irrtum 2: Miete kürzen, wenn die Wohnung zu klein ist

Irrtümer Mietrecht, Sofa passt nicht ins Zimmer, Foto: iStock.com/Eoneren
Die Wohnung ist kleiner als ausgemacht? Das ist zwar ärgerlich, bedeutet aber nicht automatisch, dass Mieter die Miete kürzen dürfen. Foto: iStock.com/Eoneren

Der Vermieter spricht von vielen Quadratmetern – in Wahrheit ist die Wohnung aber deutlich kleiner. Das ist für den Mieter von Nachteil. Aber: Er darf deswegen erst dann die Miete mindern, wenn eine gewisse Toleranzschwelle überschritten ist. Das ist gegeben, wenn die Abweichung von der tatsächlichen Wohnfläche mehr als zehn Prozent beträgt. Wird in der Wohnungsanzeige beispielsweise eine Wohnungsgröße von 100 Quadratmetern angegeben, tatsächlich ist die Wohnung aber nur 85 Quadratmeter groß, so kann eine Mietminderung berechtigt sein.

Übrigens: Bei Nebenkosten, die nach Wohnfläche abgerechnet werden, können Mieter sofort fordern, dass diese nach der tatsächlichen Wohnfläche abgerechnet werden – und bereits zu viel gezahlte Nebenkosten der letzten drei Jahre zurückfordern. Zudem zählt auch bei Mieterhöhungen die tatsächliche Wohnungsgröße (BGH, Az.: VIII ZR 266/14). Nachmessen kann sich also lohnen.

Irrtum 3: Untermieter müssen immer draußen bleiben

Der Vermieter kann die Untervermietung nicht grundsätzlich verbieten. Will ein Mieter nur einen Teil seiner Wohnung an jemand anderen untervermieten, so benötigt er dafür die Zustimmung des Vermieters. Er muss ihn um Erlaubnis fragen und ein berechtigtes Interesse vorbringen, warum der zusätzliche Mitbewohner einziehen soll. Die Gründe müssen nur nachvollziehbar wirtschaftlich oder persönlich sein, zum Beispiel, dass sein Freund einziehen soll. Wichtig hierbei: Die Gründe für die Untervermietung dürfen erst nach Abschluss des Mietvertrages entstanden sein (§ 553 BGB). Sind die Bedingungen erfüllt, steht Mietern in der Regel ein ‚Ja‘ vom Vermieter zu.

Irrtum 4: Nach 22 Uhr ist Duschen und Baden verboten

Alt-Tags: IrrtümIrrtuemer Mietrecht, nachts duschen verboten, Foto: iStock.com/Silvia Jansen
Wer nach 22 Uhr die Brause aufdreht, dem droht Ungemach? Von wegen. Foto: iStock.com/Silvia

Wer spät von der Arbeit nach Hause kommt, kann sich oft nur nachts duschen. Doch in so mancher Hausordnung steht, dass genau das nach 22 oder 24 Uhr verboten ist. Was gilt nun? Hierbei sind sich die Gerichte uneins.

  • Ein generelles Verbot für nächtliches Baden und Duschen durch den Vermieter ist unzulässig: So entschied zumindest das Landgericht Köln, denn das Waschen gehört zur normalen Lebensführung eines Mieters (Az.: 1 S 304/96).
  • Nächtliches Baden und Duschen ist okay, sofern eine Dauer von 30 Minuten nicht überschritten wird, laut Oberlandesgericht Düsseldorf. Denn dies seien ganz normale Wohngeräusche. Die Zeit für das Ein- und Ablassen des Badewassers zähle aber mit dazu (OLG Düsseldorf, Az.: 5 Ss (OWi) 411/90 - (OWi) 181/90 I).
  • Ein Dusch- und Badeverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr ist möglich, im Rahmen der im Mietvertrag beigefügten Hausordnung. Meint das Amtsgericht Rotterdam am Neckar, denn dieses Recht ergebe sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht aus Artikel 2 I des Grundgesetzes (Az.: 2 C 356/94). Ähnlich sah es auch das Bayerische Oberste Landesgericht in einem Beschluss (Az.: 2 Z 7/91).

Irrtum 5: Der Hausflur gehört zur Wohnung

Im Mietrecht ist klar geregelt, dass der Hausflur eben nicht zur Wohnung gehört, sondern zu den Gemeinschaftsräumen zählt. Dennoch ist es in Mehrfamilienhäusern gang und gäbe, dass die Einwohner Schuhe, Regale oder Kinderwagen vor der Haustür abstellen. Das birgt zum einen ein unnötiges Unfallrisiko und zum anderen verengen sich in der Regel die Flucht- und Rettungswege, was beispielsweise bei einem Feuer schwerwiegende Folgen haben kann. Aus diesem Grund ist das Abstellen von Gegenständen im Hausflur in der Regel unzulässig. Ausgenommen davon sind Kinderwagen, Gehhilfen und Rollstühle sowie das kurzzeitige Abstellen von Schuhen, sofern sie die Fluchtwege nicht versperren.

Irrtum 6: Einmal im Monat darf auf dem Balkon gegrillt werden

Irrtümer Mietrecht, Grillen Balkon, Foto: iStock.com/criene
Grillen ist stets eine Gratwanderung – zwischen krossem Steak und wutentbrannten Nachbarn und Vermietern. Foto: iStock.com/criene

Kaum wird es wärmer, wird der Grill angeschmissen. Doch wie häufig ein Mieter im Monat oder im Jahr grillen darf, ist gesetzlich nicht geregelt. Hierzu gibt es lediglich Einzelfallentscheidungen, die Gerichte getroffen haben. Wer Ärger mit dem Vermieter vermeiden möchte, hält sich an die hierzu in der Hausordnung getroffenen Regeln. Ist darin beispielsweise das Grillen mit Holzkohle untersagt, können Mieter stattdessen einen Elektrogrill verwenden.

Ist das Grillen in der Hausordnung gar nicht geregelt, dürfen Mieter aber dennoch nicht hemmungslos die Steaks auf den Rost werfen. Wichtig ist das Gebot der Rücksichtnahme: Zu starke Rauchentwicklung, die eine unzumutbare Belästigung der Nachbarn darstellt, muss vermieden werden.

Irrtum 7: Der Vermieter darf einen Zweitschlüssel haben

Das stimmt so nicht. Denn ohne Wissen oder Einwilligung des Mieters darf niemand einen Zweitschlüssel zur Wohnung besitzen – weder Vermieter, noch Hausverwaltung oder Hausmeister. Auch ein unangekündigter Besuch des Vermieters ist in der Regel unzulässig. Nur in Notfällen – wie beispielsweise einem Wasserrohrbruch – darf der Vermieter die Wohnung ohne Genehmigung des Mieters betreten. Anderenfalls macht er sich des Hausfriedensbruchs schuldig.


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2 Kommentare

Keinen am 08.07.2019 17:05

Bedanke mich herzlich für ihre Antworten. Geht nicht um die wohnung,komme allein nicht ins haus.wird das gleiche sein.vielen dank,weiß ich bescheid

auf Kommentar antworten

Keinen am 06.07.2019 10:15

Was tue ich, wenn es mir unmöglich ist ,das haus selbständig zu betreten,mit worten abgespeist,hätte ich ja vorher gewusst, konnte ich nicht,da mir aufgehalten wurde.auch als ich schriftlich um Hilfe bad,kostet geld,also nein

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 08.07.2019 10:12

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

der Vermieter ist tatsächlich nicht verpflichtet, einen anderen Zustand der Wohnung herzustellen als denjenigen, den Sie bei der Besichtigung vorgefunden haben, es sei denn, er hat etwas anderes zugesichert. Insofern bleibt Ihnen leider nur, hier zu versuchen, eine gütliche Einigung zu finden, etwa indem Sie sich an den Kosten beteiligen, die ein Umbau verursacht. Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass wir keine Rechtsberatung leisten dürfen. Im Streitfall empfehlen wir das Gespräch mit einem Mieterverein oder einem Fachanwalt.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion