Fremdwährungskredit: Risiken bedenken

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Fremdwährungskredite in Schweizer Franken oder in japanischen Yen galten vor einigen Jahren als Alternative zum klassischen Hypothekendarlehen. Grund: Niedrigzinsen und mögliche Gewinne durch Währungskursschwankungen. Heute gilt: Einen Zinsvorteil bieten solche Kredite nicht mehr. Es bleibt alleine die riskante Währungs-Wette für risikoaffine Immobilienkäufer.

Fremdwährungskredit, Fremdwährung, Darlehen, Foto: Africa Studio / fotolia.com
Ein Fremdwährungskredit birgt Risiken. Foto: Africa Studio / fotolia.com

Weniger als zwei Prozent Zinsen für Hypothekendarlehen – das war vor einigen Jahren in Deutschland noch undenkbar, in Ländern wie der Schweiz oder Japan jedoch üblich. Findige Banken boten deshalb risikoaffinen Häuslebauern und Immobilienkäufern Währungsdarlehen, zumeist in Schweizer Franken, an. Das Versprechen der Darlehen in fremder Währung: Weniger Zinsen und mögliche Gewinne, wenn die fremde Währung abwertet.

Risiken und Chancen eines Fremdwährungskredits

Die Kehrseite: Wertet die fremde Währung auf, drohen Verluste. Das mussten vor einiger Zeit all jene schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, die einen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen hatten. Dieser wurde zum Jahreswechsel 2014/2015 massiv – um rund 20 Prozent – aufgewertet: Kostete ein Euro zuvor 1,20 Schweizer Franken, waren die Währungen nach der Aufwertung fast gleich viel wert. In den folgenden Monaten wertete der Franken zwar wieder etwas ab, doch das vor der Aufwertung gegebene Kursniveau wurde nicht wieder erreicht. Und das bedeutet kräftige Verluste für Schweiz-Darlehensnehmer, die einen Währungskredit vor der massiven Aufwertung aufgenommen hatten.

Fremdwährungskredit, Grafik: immowelt.de

Was eine Aufwertung der Fremdwährung konkret bedeutet, soll folgendes Beispiel verdeutlichen:

Ein Bauherr hat im Herbst 2014 ein Fremdwährungsdarlehen über 240.000 Schweizer Franken aufgenommen – umgerechnet waren das zu diesem Zeitpunkt rund 200.000 Euro. Kurze Zeit später wertet der Franken auf: Der Kurs lag nun bei einem Euro für einen Schweizer Franken. Um seinen Schweiz-Kredit zurückzuzahlen, müsste der Bauherr nunmehr 240.000 Euro in Schweizer Franken umtauschen. Sein Verlust zu diesem Zeitpunkt: 40.000 Euro.

Es kann aber auch umgekehrt laufen – auch das zeigt der Kursverlauf des Schweizer Franken. Nach der massiven Aufwertung kam es auch wieder zu einer Abwertung. Und das bedeutet Gewinne für Schweiz-Darlehensnehmer.

Fremdwährungskredit, Grafik: immowelt.de

Was eine Abwertung der Fremdwährung konkret bedeutet, soll folgendes Beispiel verdeutlichen:

Ein Bauherr hat im Januar 2015 einen Währungskredit über 200.000 Schweizer Franken aufgenommen, wegen der damaligen Parität waren das umgerechnet 200.000 Euro. In der Folge wertet der Franken ab: Für einen Euro erhielt man im Sommer 2017 1,15 Schweizer Franken. Würde der Schweiz-Kredit zurückgezahlt, müsste der Bauherr nur noch etwas mehr als 170.000 Euro in Schweizer Franken umtauschen. Sein Gewinn: Knapp 30.000 Euro.

Banken müssen aufklären

Fremdwährungskredit, Beratung, Foto: Contrastwerkstatt/fotolia.com
Banken müssen Ihre Kunden nicht nur über die Chancen, sondern auch über die Risiken eines Fremdwährungskredits aufklären. Foto: Contrastwerkstatt/fotolia.com

Banken müssen ihre Kunden über die Risiken eines Fremdwährungskredits umfassend aufklären. Geschieht dies nicht, kann der Kunde das Darlehen unter Umständen vorzeitig kündigen und möglicherweise auch Schadensersatzansprüche geltend machen.

Zu einer umfassenden Aufklärung gehört auch, dass Banken nicht nur auf mögliche währungsbedingte Verluste hinweisen müssen, sondern auch darauf, dass dann, wenn die Darlehenshöhe den Beleihungswert der Immobilie übersteigt, die Bank unter Umständen fordern kann, dass der Kunde zur Absicherung Geld nachschießt.

Fremdwährungskredite meist endfällig

In den meisten Fällen werden Fremdwährungskredite während der Laufzeit nicht getilgt. Das bedeutet, dass am Fälligkeitstag die gesamte ursprüngliche Darlehenssumme in der fremden Währung zurückgezahlt werden muss. Statt einer laufenden Tilgung wird parallel zur Darlehenslaufzeit ein Tilgungsträger – etwa eine Lebensversicherung oder ein Aktienfonds – angespart, mit dem zum Ende der Laufzeit der gesamte Fremdwährungskredit auf einen Schlag abbezahlt werden soll. Auch das birgt Risiken: Entwickelt sich der Tilgungsträger nicht so, wie erwartet, reicht das Geld am Ende der Laufzeit nicht aus, um das Fremdwährungsdarlehen zurückzuzahlen.

Fremdwährungskredit nur für spekulative Naturen

In Österreich waren Fremdwährungskredite lange Zeit sehr beliebt und auch in Deutschland finanzierte der eine oder andere Bauherr seine Immobilie so. Doch der wesentliche Vorteil des Fremdwährungskredits existiert nicht mehr: Die Zinsen sind in Deutschland inzwischen so niedrig, dass es sich nicht lohnt, das Risiko einzugehen. Nur spekulative Naturen sollten deshalb einen Fremdwährungskredit in Erwägung ziehen: Wer zum Beispiel damit rechnet, dass der Schweizer Franken nach einer langen Phase der Aufwertung wieder abwertet, kann, sollte seine Prognose eintreten, von Währungsgewinnen profitieren. In solchen Fällen kann es auch vorteilhaft sein, wenn es sich bei dem Fremdwährungsdarlehen um einen Vertrag mit variabler Verzinsung handelt, der kurzfristig gekündigt werden kann. So kann der Spekulant nach der Realisierung von Kursgewinnen schnell aussteigen und den verminderten Restbetrag sicher über einen Euro-Kredit finanzieren.

Link-Tipp

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