Haus privat verkaufen: Schritt für Schritt

Lesermeinungen:  

(8)

Lieber das Haus privat verkaufen, anstelle mithilfe eines Maklers? Diese Frage stellt sich so mancher Immobilieneigentümer, der vor dem Immobilienverkauf steht. Wie das geht, welche Gefahren lauern, welche Kosten anfallen und wie hoch der Zeitaufwand ist.

Ein Haus privat zu verkaufen ist ein langwieriger Prozess. Eigentümer sollten sich deshalb zuvor genau informieren und Schritt für Schritt planen. Wer die Herausforderung eines privaten Immobilienverkaufs allein stemmen will, muss nicht nur die Immobilie vertrauensvoll bewerten, sondern auch Verhandlungsgeschick beweisen können, bis ein rechtskräftiger Kaufvertrag zustande kommt. Der Ablauf eines privaten Hausverkaufs, den normalerweise der Makler übernimmt, sieht in etwa so aus:

  • Dokumente zusammenstellen
  • Wertermittlung
  • Exposé erstellen und Vermarktung
  • Besichtigungen
  • Preisverhandlungen
  • Kaufvertrag
  • Notartermin

Voraussetzungen für den privaten Hausverkauf

Wer ohne Makler ein Haus verkaufen möchte, muss zuvor den Aufwand abschätzen können. In Frage kommen Immobilieneigentümer, die:

  • ausreichend Zeit haben, um sich um alle Dokumente zusammenzutragen und sich um die Kaufinteressenten bis zur Unterschrift zu kümmern
  • stressresistent, geduldig und kommunikativ sind
  • eine nahe Anfahrt haben oder immer vor Ort sind, um Besichtigungen durchzuführen
  • telefonisch oder per E-Mail erreichbar sind, um schnell reagieren zu können
  • ausreichend Kapital zur Verfügung haben, um für Bewertung, Vermarktung und Co. in Vorleistung gehen zu können
  • Grundrisse anhand von Software erstellen können
  • Anhand selbst gemachter Fotos sowie eines aussagekräftigen Schreibstils ein eigenes Exposé anfertigen können
  • Kenntnisse in Immobilienrecht haben
nach oben

Haus privat verkaufen: Welche Unterlagen brauche ich?

Wer eine Immobilie privat verkaufen möchte, muss zuvor einige Dokumente zusammenstellen. Einige davon sind notwendig, weil erst damit ein nachvollziehbarer Preis bestimmt werden kann. Verkäufer und Käufer dienen sie aber auch als zusätzliche Information, um Vergleiche zu anderen Immobilien anstellen zu können.

Checkliste: Diese Unterlagen müssen vor dem Hausverkauf vorliegen

  • Grundbuchauszug
  • Grundriss
  • amtlicher Lageplan
  • Flurkarte
  • Energieausweis
  • Bauakte
  • Grundsteuerbescheide
  • Mietverträge (bei vermieteten Immobilien)
  • gegebenenfalls Teilungserklärungen (bei Reihenhäusern oder Mehrparteienhäusern)

Grundbuchauszug

Im Grundbuch sind alle wichtigen Informationen rund um ein Grundstück oder eine Immobilie festgehalten, wie etwa die Eigentumsverhältnisse oder eventuelle Hypotheken.

  • Zuständige Behörde: Den Grundbuchauszug beantragt man beim Grundbuchamt, das zu den örtlichen Amtsgerichten gehört. Wer nicht weiß, welches Gericht zuständig ist, kann dies ganz einfach beim Justizportal des Bundes und der Länder herausfinden.
  • Kosten: Die Gebühr beträgt etwa 20 Euro.

Grundriss

Der Grundriss ist Bestandteil eines vollständigen Exposés. In ihm werden alle relevanten Daten wie Wandstärken oder die Lage der einzelnen Zimmer exakt dargestellt.

Amtlicher Lageplan

Der amtliche Lageplan besteht aus zwei Abschnitten: Einem schriftlichen Abschnitt sowie einem zeichnerischen. Der Schriftliche beschreibt das Baugrundstück, genannt wird darin der Name des Bauherrn beziehungsweise des Eigentümers. Zudem sind darin die Nachbargrundstücke ausgezeichnet und eventuell vorhandene Baulasten des Grundstücks beschrieben. Darin zu finden sind auch die Grundflächenzahlen, die Geschossflächenzahlen und auch die Baumassenzahl. Der Zeichnerische besteht unter anderem aus dem Grundriss des Bauvorhabens, der Dachform und der Dachneigung. Ebenso sind Abstandsflächen und die Einfügung des Hauses in die Umgebung dargestellt.

  • Zuständige Behörde: Der Amtliche Lageplan ist als Druck oder auch in digitaler Form beim Katasteramt oder beim Vermessungsamt erhältlich. Erstellt wird der amtliche Lageplan vom Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur (ÖbVi) individuell und aktuell für ein bestimmtes Baugrundstück. Der Inhalt umfasst Eigentümer- und Grundbuchangaben, Geländehöhen, Hochwassermarken, vorhandene Bebauungshöhen sowie Bäume und befestigte Flächen. 
  • Kosten: Die Gebühren werden von der Vermessungsgebührenordnungen der jeweiligen Bundesländer bestimmt. Sie können sich auf einige hundert Euro belaufen, die Gebühren bleiben aber unter 1.000 Euro.

Flurkarte

In einer Flurkarte ist die Bebauung des Gebietes sowie die Grundstücksgrenzen ersichtlich. Die Flurstücke und Gebäude werden maßstabsgetreu, oft in den Maßen 1:500, 1:1000 oder 1:2000 angelegt.

  • Zuständige Behörde: Die Flurkarte kann beim Katasteramt beantragt werden.
  • Kosten: Die Kosten halten sich zwischen 15 und 65 Euro je nach Stadt im Rahmen.

Energieausweis

Eigentümer, die ihre Immobilie privat verkaufen wollen, müssen für das Gebäude einen Energieausweis ausstellen lassen. Hier gibt es zwei Varianten: Je nach Haus werden entweder der Verbrauchsausweis oder ein Bedarfsausweis benötigt. In beiden Varianten sind Angaben wie beispielsweise das Baujahr des Gebäudes, welche Energieträger verwendet werden und neuerdings auch der CO2-Verbauch vermerkt.

Bauakte

DieBauakte ist bei der zuständigen Kommune archiviert. Aus der Bauakte lassen sich Dokumente wie Baugenehmigung und Baubeschreibung einsehen. Diese sind für Verkäufer und Käufer besonders wichtig. Daraus wird nämlich ersichtlich, ob die Unterlagen der Bauakte sich mit dem tatsächlichen Zustand der Immobilie decken. Bei der Durchsicht der originalen Baugenehmigungen fallen laut Immobilien Verband Deutschland oft Ungereimtheiten auf. Beispielsweise, dass ein Wintergarten errichtet oder das Dachgeschoss ausgebaut wurde, dafür allerdings nie eine Baugenehmigung eingeholt wurde.

  • Zuständige Behörde: Bauamt
  • Kosten: Wie viel Auskünfte aus den Bauakten und Ablichtungen aus den Akten kosten, bestimmen die Ländern individuell. Beispielsweise in Bayern werden sie nach dem bayerischen Kostengesetz erhoben und betragen für die Einsicht 10 Euro pro Anwesen.

Versicherungen

Einem Käufer sollten alle Versicherungsurkunden vorgelegt werden. Er kann dann entscheiden, welche davon er übernehmen möchte.

  • Urkunden: Dazu gehören die Urkunden der Wohngebäudeversicherung, der Hausratversicherung, der separaten Feuerversicherung sowie der Versicherung gegen Elementarschäden. Wird die Immobilie vermietet, zählt auch die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung dazu.

Grundsteuerbescheid

Der Käufer kann sich anhand des Grundsteuerbescheids eine Übersicht verschaffen, wie hoch dieser Teil der Nebenkosten ist. 

  • Zuständige Behörde: Finanzamt
  • Kosten: Die Steuer wird anhand des Grundsteuermessbescheids festgesetzt. Auf dessen Grundlage setzt die Gemeinde die Steuer fest und schickt sie den Eigentümern kostenfrei. 

Mietverträge und Teilungserklärungen

Ist das Haus teils oder ganz vermietet, müssen dem Käufer folgende Unterlagen überreicht werden.

nach oben

Wie ermittle ich den besten Preis für mein Haus?

Wer sein Haus privat verkaufen möchte, will den besten Preis erzielen. Doch was ist der beste Preis für die Immobilie? Angesichts der zuletzt rasant gestiegenen Immobilienpreise scheint für den Verkäufer der logische Reflex, ebenfalls einen Preis möglichst weit oben anzusetzen. Aber auch Käufer wollen den besten Preis erzielen. Angebot und Nachfrage auf dem aktuellen Immobilienmarkt bestimmen den Hauspreis.

Wie ermittelt sich der Verkaufspreis eines Hauses? Der Hauswert errechnet sich durch eine Vielzahl von Faktoren:

  • Marktlage
  • Baujahr
  • Grundstücks- und Wohnfläche
  • Lage
  • Zustand, Ausstattung und etwaige Modernisierungen
  • Vorhandene Garagen oder Stellplätze
     

Um die Begebenheiten aber marktüblich einzuschätzen, bedarf es aber viel Erfahrung, weshalb es durchaus sinnvoll ist, einen Experten zur Rate zu ziehen. Das macht ein Baugutachter. Dieser arbeitet auch frei von Emotionen. Es berechnet nicht selbst einst für die Immobilie bezahlt wurde, oder wieviel Geld und Arbeit für Modernisierungen hineingesteckt wurden. Das sollten Verkäufer wissen, damit keine falschen Erwartungen entstehen.

Wie viel kostet eine Hausbewertung? In einigen Fällen kommt ein Gutachter zur Immobilie, macht eine Bestandsaufnahme und gibt ein mündliches Gutachten ab. Das kostet bis wenige hundert Euro. Wesentlich teuer, dafür aber umfangreicher, ist ein Verkehrswertgutachten. Einst war das Honorar für Sachverständige fest geregelt, es herrscht seit 2009 aber freier Wettbewerb. Im Schnitt kann ein Wertgutachten für ein Haus mit einem Verkehrswert von 400.000 Euro rund 2.000 Euro kosten. Anhand unserer Checkliste erkennen Sie einen qualifizierten Gutachter.

nach oben

Wie begeistere ich Kaufinteressenten für mein Haus?

Ohne Werbung für das zu verkaufende Haus werden auch beim schönsten Exposé keine Interessenten darauf aufmerksam.  

Was gehört in eine gute und vollständige Immobilienanzeige?

  • Baujahr
  • Grundstücksfläche
  • Wohnfläche
  • Laufende Kosten
  • Heizungsart
  • Sanierungszustand der Immobilie
  • Ausstattung – wie etwa Einbauküche oder Sauna im Keller – und besondere Merkmale
  • Gegebenenfalls bestehende Bau- und Nutzungsbeschränkungen
  • Informationen aus dem Energieausweis

Ganz wichtig bei einem Inserat ist die Glaubwürdigkeit. Ein 120 Jahre altes Haus, das nie saniert wurde, kann demnach nicht in einem „top Zustand“ sein. Hingegen punktet es wohlmöglich durch seinen Stil der Gründerzeit? Treffende Formulierungen und ansprechende Fotos runden das Inserat ab.

nach oben

Linktipps: So klappt die Vermarktung deiner Immobilie

Was muss ich für die Hausbesichtigung vorbereiten?

Der erste Eindruck zählt. Das Haus sollte einen gepflegten Eindruck machen. Kommen die ersten Anfragen herein, kann eine erste Auswahl getroffen werden. Doch sollten nicht zu viele Termine an einem Tag organisiert werden, am geeignetsten sind Tage am Wochenende. Einzeltermine schaffen eine bessere Atmosphäre. Sollte aufgrund der Menge der Anfragen doch eine Massenbesichtigung organisiert werden, sollten allein schon wegen der Coronapandemie nicht zu viele Menschen auf einmal im Gebäude sein. Damit bei Einzelbesichtigungen genügend Zeit bleibt, Fragen zu beantworten sollte je Termin ausreichend Zeit - etwa eine Stunde - eingeplant werden.  Der Energieausweis muss nach neuesten Vorschriften bei der Besichtigung vorgelegt werden, sonst droht ein Bußgeld.

nach oben
Download

Checkliste: Die wichtigsten Schritte beim Hausverkauf.

Jetzt downloaden

Achtung: Stand der Modernisierungen und Mängel

Der Verkäufer der Immobilie haftet für verdeckte Sachmängel. Deswegen gilt absolute Ehrlichkeit beim Verkauf. Mängel zu verschweigen oder gar zu beschönigen ist nicht erlaubt. Wer privat verkauft, muss wissen, dass er auch nach dem Verkauf für falsche Angaben nachträglich haftbar gemacht werden kann. Deswegen sollten nur Personen ein Haus ohne Makler verkaufen, die sich Fachwissen zu anstehenden Reparaturen angeeignet haben und sich auch mit dem Immobilienrecht auskennen. Wo Mängel sind, kann der Gutachter bei der Preisbestimmung dokumentieren.

Worauf muss ich bei der Verhandlung des Kaufpreises achten?

Beim Verkauf eines Hauses können sich Käufer auch als zähe Verhandlungsgegner entpuppen. Mithilfe des Gutachters ist ein fairer Wert der Immobilie aber schon gegeben. Örtliche Begebenheiten wie Entfernung zur Stadt oder ein fehlender S-Bahn-Anschluss können den Preis natürlich je nach Lage noch mindern. Um das Haus aber nicht völlig unter Wert zu verkaufen, sollten sich Verkäufer ihrer Emotionen rund um das Haus entledigen und eine Schmerzgrenze festlegen: Was ist der allerletzte Preis, der gezahlt werden muss? Will der Käufer diese Summe partout nicht übertreffen, sollte das Geschäft nicht zustande kommen. Der nächste Interessent kommt sicher schon bald.

Verkauf abschließen: Kaufvertrag unterzeichnen

Wer erstellt den Vertrag für den privaten Hausverkauf? Den Vertrag schreibt ein Notar. Grundstückskaufverträge müssen in Deutschland notariell beurkundet sein (BGB; § 311b Abs. 1), was den Gang zum Notar unumgänglich macht. Ohne Notar sind keine Auflassungsvormerkung im Grundbuch oder sonstige Grundbucherklärungen wie die Löschung bestehender Wohnungsrechte oder Grundpfandrechte möglich. Der Vertrag wird aufbauend von Vorbesprechungen erstellt, je ein Entwurf des Kaufvertrags, der den Interessen der Beteiligten entspricht, geht in Kopie an Käufer und Verkäufer per Post. Einzelne Passagen können jederzeit geändert werden. Dabei achtet der Notar darauf, dass Käufer und Verkäufer keine ungesicherten Vorleistungen erbringen. Das soll gewährleisten, dass der Käufer den Kaufpreis erst dann zahlen muss, wenn seitens des Notars gesichert ist, dass das Eigentum auf den Käufer reibungslos übergehen kann, und andererseits der Verkäufer sein Eigentum nicht verliert, ohne zuvor den Kaufpreis zu erhalten.

Das muss im Vertrag stehen:

  • Namen, Geburtsdaten, Anschriften von Käufer und Verkäufer.
  • Bezeichnung des Kaufobjekts, inklusive beweglicher Gegenstände wie Möbel, die Einbauküche oder Brennstoffvorräte.
  • Löschung bzw. Übernahme eventuell bestehender Grundschulden.
  • Kaufpreis.
  • Regelungen zur Kaufpreiszahlung und Kaufpreisfälligkeit.
  • Zeitpunkt des Besitzübergangs
  • die geschuldete Beschaffenheit des Kaufobjekts und Rechte des Käufers bei (verschwiegenen) Mängeln.
  • sonstige Grundbucherklärungen (zum Beispiel zur Löschung bestehender Wohnungsrechte oder Grundpfandrechte).
  • gegebenenfalls eine Finanzierungsvollmacht. Sofern der Käufer zur Finanzierung des Kaufpreises ein Darlehen aufnimmt, kann er das Kaufobjekt dann bereits als Sicherheit für seine Bank nutzen.
nach oben

Wie verläuft ein Notartermin? Zum Unterzeichnen des Vertrags müssen Käufer und Verkäufer gemeinsam beim Notar erscheinen – in bestimmten Fällen, etwa bei Krankheit, gibt es die Möglichkeit, sich vertreten zu lassen.  Im Rahmen der Beurkundung wird der Vertrag im Beisein aller Beteiligten vollständig vorgelesen. Ein Verzicht auf das Verlesen ist nicht möglich, das führt zur Unwirksamkeit des Vertrages. Danach erläutert der Notar den Beteiligten den rechtlichen Inhalt und die Tragweite des Vertrags und beantwortet letzte Fragen. Sind letzte Änderungs- und Ergänzungswünsche berücksichtigt, kann der Vertrag unterzeichnet werden. Mehr Infos zum Notartermin und den Notarkosten findest du hier.

Was muss ein Verkäufer bei der notariellen Beurkundung beachten? Als Verkäufer hat man meist nichts mit der Wahl des Notars zu tun. Zwar ist es gesetzlich nicht geregelt, wer den Notar aussucht, in den meisten Fällen macht das aber der Käufer. Der Käufer zahlt die Notarkosten auch zusammen mit den Nebenkosten. Wichtig ist, dass der Verkäufer in Ausnahmefällen alle notwendigen Dokumente für den Notar zusammenstellt, damit der Vertrag aufgesetzt und letztlich auch unterschrieben werden kann.

Achtung

Nachfolgende Dokumente sind nur in besonderen Fällen erforderlich:

  • Sollte der Verkäufer aufgrund Vollmacht handeln, muss diese vorgelegt werden.
  • Sofern auf dem Grundstück noch eine Grundschuld lastet und die Bank bereits die Löschung bewilligt haben sollte, benötigt der Notar die Löschungsbewilligung. Dies stellt aber die absolute Ausnahme in der Praxis ist dar, meistens wird die Grundschuld im Rahmen des Verkaufs abgelöst.
  • Hat der Verkäufer die Immobilie geerbt, steht aber noch nicht im Grundbuch, bedarf es eines Nachweises der Erbfolge. Hierzu ist die Ausfertigung des Erbscheins oder das notarielle Testament mit Eröffnungsniederschrift vorzulegen.
  • Bei einem Verkauf durch Testamentsvollstrecker/Pfleger/Vormund/Betreuer/Insolvenzveralter muss ein Testamentsvollstreckerzeugnis oder eine Bestallungsurkunde vorgelegt werden.

Eintragung ins Grundbuch Liegt noch eine Grundschuld vor, holt der Notar eine Löschungsbewilligung der jeweiligen Bank ein und reicht einen Antrag zur Löschung beim Grundbuchamt ein. Liegt zudem kein Nachweis der Gemeinde bezüglich eines Vorkaufsrechts vor, lässt er die Auflassungsvormerkung eintragen. Diese verhindert, dass der Verkäufer das Haus nicht an einen weiteren Käufer verkaufen kann. Ist die Auflassungsvormerkung eingetragen, fordert der Notar den Käufer beziehungsweise das Kreditinstitut mit der Fälligkeitsmitteilung auf, die Kaufsumme zu überweisen.

Wann kommt das Geld? Der Notar teilt dem Käufer schließlich mit, wenn er, beziehungsweise seine Sparkasse oder Bank, den Kaufpreis überweisen kann. Der Verkäufer prüft dann, ob das Geld eingegangen ist und informiert den Notar. Der wird das Eigentum dann auf den Käufer übertragen. Das Geld kann aber auch über ein Notaranderkonto überwiesen werden, so muss sich der Verkäufer nicht mit der Kaufabwicklung befassen, weil sich der Notar darum kümmert. Dies gilt allerdings nur noch, wenn ein „berechtigtes Sicherungsinteresse“ vorliegt, weshalb die Zahlung über ein Notaranderkonto nur noch selten vorkommt. Ein berechtigtes Sicherungsinteresse kann zum Beispiel sein, wenn der Verkäufer Schulden hat, die mit dem Kaufpreis getilgt werden sollen.

Wie verläuft die Hausübergabe?

Ist der Verkauf abgeschlossen, das Geld überwiesen und im Grundbuch der neue Eigentümer eingetragen, kann das Haus übergeben werden.

Wann werden Schlüssel übergeben? Aus Sicherheitsgründen sollten die Schlüssel erst übergeben werden, sobald die volle Summe de Kaupreises überwiesen worden ist. Sollten beide Parteien dies aus individuellen Gründen anders wünschen, sollte das im Notarvertrag berücksichtigt worden sein. Abzugeben sind ausnahmslos alle Schlüssel der Immobilie.

  • Haustüre
  • Innentüren
  • Briefkasten
  • Fenster-, Balkon- und oder Terrassentüren
  • Kellertür
  • Garagentor
  • Garagentür
  • Gartentor
  • Gartenhaus / Schuppen
  • Mülltonnenbox
  • Sicherungskasten
  • Öltankschloss
  • Nebengebäude
  • Pin für Alarmanlage
     

Hausübergabeprotokoll

Nicht immer ist völlig klar, worauf bei der Hausübergabe zu achten ist. Ein Hausübergabeprotokoll hilft, die Übersicht zu behalten. Was dokumentiert werden sollte.

  • Alle wichtige Dokumente wie Grundrisse, Flurkarten, etc. übergeben
  • Alte Handwerkerrechnungen zusammenstellen
  • Alle Schlüssel aushändigen
  • Alle Zählerstände notieren mit Unterschrift von Käufer wie Verkäufer
  • Bedienungsanleitung an Käufer für alle zum Haus gehörenden Geräte übergeben
nach oben
Download

Hausübergabeprotokoll kostenlos.
 Jetzt downloaden

Was kostet ein privater Hausverkauf?

Wer ein Haus privat verkauft, muss für einige Dinge zuvor Geld investieren. Eine Übersicht, was wieviel kostet: Beispielhaus mit Wert 400.000 Euro

Energieausweis/Bedarfsausweisab 40 Euro
Grundbuchauszugab  20 Euro
Wertermittlung2000 Euro
Amtlicher Lageplanab 200 Euro
Grundrissab 50 Euro
Flurkarte DIN A115 bis 40 Euro
Ergebnis2.150 Euro


Die Kosten vor dem Verkauf belaufen sich nach grober Schätzung auf mindestens 2.150 Euro, zudem hat der Verkäufer einen erheblichen Zeitaufwand, der nicht in Kosten umgerechnet werden kann.

Vergleich mit Makler: Wer sein Haus privat verkauft, spart die Maklerprovision. Sie wird seit Ende 2020 zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt.

Für ein Haus im Wert von 400.000 Euro wären das bei 7,14 Prozent Maklerprovision 14.280 Euro je Partei. Ob sich der Aufwand letztlich lohnt, muss jeder Verkäufer selbst entscheiden.

6 vermeidbare Fehler beim privaten Hausverkauf

  1. Spekulationsfrist: Ist das Haus noch nicht länger als 10 Jahre im Besitzt, droht beim Verkauf eine Zahlung der Spekulationssteuer. Sie sollte im Zweifel abgewartet werden.
  2. Emotionen bei der Wertermittlung: Wer beim Preis aufgrund seiner hineingesteckten Arbeit zu hoch greift, wird es schwer haben, einen Käufer zu finden.
  3. Ohne Vorbereitung zum Besichtigungstermin: Wer bei der Besichtigung unangenehm auffällt, weil er keine Fragen fachmännisch beantworten kann, vergrault die Interessenten.
  4. Keine Basis für Verhandlungen: Ein Haus ist für den Käufer die Anschaffung seines Lebens. Er will auf Nummer sicher gehen und im Zweifel einige Euro nach unten verhandeln. Kompromiss bereits sein du die eigene Schmerzgrenze im Blick haben hilft, dem Interessenten bei Laune zu halten.
  5. Den Kaufvertrag nicht auf Fehler oder Mängel prüfen: Kauft der Interessent letztlich das Haus, ohne das offensichtliche, bislang nicht genannte Mängel, darin genannt werden, kann der Verkäufer noch haftbar gemacht werden. Dem Notar notfalls beim Vorlesen unterbrechen und nachtragen lassen.
  6. Bonität nicht prüfen: Untersuchen Sie so früh wie möglich die Bonität des Interessenten, können zusätzliche Kosten vermieden werden. Im Zweifel kann die Zahlung auch über den Notar mit einem Notaranderkonto abgesichert werden.
nach oben

Fazit: Lohnt es sich, auf den Makler zu verzichten?

Wer sich den Zeitaufwand zutraut, ein ausgeprägtes Organisationstalent hat und die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt, kann ein Haus privat mit Erfolg verkaufen. Es gilt, sich besonders gut vorzubereiten, alle Dokumente aus Grundbuch und Katasteramt einzusammeln und einen guten Preis zu ermitteln, mit dem auch Interessenten und letztlich ein Käufer gefunden werden.

29.09.2021


Ihre Meinung zählt

(8)
4.5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
5
4 Sterne
 
2
3 Sterne
 
1
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Neuen Kommentar schreiben

1 Kommentar

Peter am 13.10.2021 09:39

Hey, danke. Der Text hat mir beim Abwägen sehr geholfen, ob ich wirklich einen Makler brauche, um das Haus privat zu verkaufen. Besten dank.

auf Kommentar antworten